Migräne- und Kopfschmerz-Chat am 28.02.2011

  1. Louise sagt:

    Sehr geehrter Herr Professor Göbel,

    seit über 20 Jahren lebe ich mit Migräne, bin jetzt 46 Jahre alt. Ich benötige im Schnitt 6 bis 7 Tabletten Ascotop im Monat, die überwiegend gut helfen.
    Durch den Hausarzt verschrieben habe ich als Prophylaxe seit ca. 2000 Beta Blocker (Beloc Zoc) genommen. Anfangs recht hoch dosiert, nach schlimmen Alpträumen runter dosiert, zuletzt Beloc Zoc mite/ 47,5 mg, habe ich mehrere Jahre 1 ½ Tabletten täglich genommen, die aber nur bedingt geholfen haben.
    Als ich im Laufe des letzten Jahres vermehrt Probleme bekam (massive Konzentrations- und Wortfindungsprobleme, Vergesslichkeit, Desorganisiertheit, gefühlte und tatsächliche Langsamkeit) begann ich eine Psychotherapie (Ich dachte, irgend etwas stimmt nicht mehr mit mir.) und ich ging zusätzlich vor kurzem zu einer Neurologin.

    Die Neurologin stellte nun vor gut zwei Wochen die Prophylaxe um: Ich nehme seitdem Topiramat, seit drei Tagen aufdosiert (1-0-1) je 25 mg Tabletten. Die negativen Nebenwirkungen vom Topiramat sind eher gering (etwas Kribbeln in den Fingern u.ä.).
    Eine Frage habe ich aber zu positiven „Nebenwirkungen“ des Topiramat:
    Bereits nach den ersten Tabletten gingen nicht nur die oben beschriebenen Probleme der Vergesslichkeit und Langsamkeit zurück, sondern ich hatte im Gegenteil ein Gefühl, als sei plötzlich ein „Fenster zum Gehirn“ geöffnet worden, Sauerstoff hereingeströmt und ich kann plötzlich wieder richtig gut denken. Auch die Wortfindungsprobleme sind seitdem fast weg und meine Handschrift ist innerhalb von Tagen wieder leserlich geworden.

    Diese Beobachtungen erstaunen mich umso mehr, als sie offensichtlich gerade den Nebenwirkungen vieler Betroffener entgegen gesetzt sind. Haben Sie eine Erklärung dafür?

    Vielen Dank im Voraus
    Louise

    • Liebe Louise,

      unter der Gabe von Betablockern kann eine depressive Verstimmung hervorgerufen oder auch verstärkt werden. Tatsächlich beschreiben Sie, dass bei Ihnen eine gefühlte Langsamkeit, möglicherweise Antriebsreduktion aufgetreten sind.

      Vielleicht haben sich diese Symptome durch das Absetzen verbessert.

      Ein kleiner Wermutstropfen: Auch bei der Einnahme von Topiramat können depressive Verstimmungen auftreten oder verstärkt werden. Daher sollte also auch bei Einnahme von Topiramat darauf geachtet werden, ob Verstimmungen, Antriebsreduktion und Gedächtnisstörungen auftreten.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  2. Sims sagt:

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,
    bin 55 Jahre alt und leide seit 32 Jahren mit 10 bis 15 Tagen im Monat, unter sehr schwerer 3Tage Migräne(linke Seite). Hab mich vom Anfang an in Hamburg an Spezialisten gewandt, da ich die Migräne durch meine Mutter und meiner Tante(väterlicherseits) kannte. Allerdings hat die Migräne bei den beien Frauen nach den Wechseljahren ganz aufgehört. Bei mir leider nicht. Ich stecke nun seit 7Jahren in den Wechseljahren und hab immernoch mit den Beschwerden zu kämpfen, vor allem mit extrem starken Hitzewallungen in sehr kurzen Abständen.
    Die Stärke der Migräneanfälle werden zwar durch Hormonpflaster(Estradot), das ich von meiner Gynokologin bekomme etwas gelindert und sind nicht mehr so intensiv, aber die Häufigkeit der Migräne bleibt unverändert.
    Meine letzte Hoffnung war Botox. Hab am 08.12.2010 den Stirnmuskel, von meinem Hautarzt durch Botoxspritze in meine linke Schläfe lähmen lassen, leider ohne Ergebnis.
    Meine Frage wäre:
    gegen meine sehr starken 3Tage Schmerzen nehme ich Ascotop Nasal 5mg(das einzige unter Triptanen, was bei mir wirkt) und gleich 2400mg Ibuprofen(3 Tabletten je 800mg), hinterher. So verschwindet die Migräne und ich bleibe meistens 12 Stunden, oder länger schmerzfrei. Damit kann ich leben.
    Da es soweit ich weiß nichts anderes gibt, was bei mir wirklich wirkt und hilft, kann ich diese Medikamente in dieser Dosis und dieser Kombination ruhig weiternehmen, wo ich neulich gelesen habe, dass Ibuprofen das Risiko des Hirnschlags erhöht? Und was ist mit den Nebenwirkungen von Ascotop?
    Mit freundlich e Grüßen

    • Liebe Sima,

      aus Ihren Ausführungen entnehme ich, dass bei Ihnen an mehr als 15 Tagen im Monat Migräneattacken auftreten. Daher ist es erforderlich, dass eine gut wirksame Vorbeugung aufgebaut wird. Diese sollte aus Wissen, Verhaltensanpassungen und auch Medikamenten bestehen. Das Hormonpflaster hat eine ungewisse vorbeugende Wirkung. Für die Anwendung von Botox bei Migräne sind sehr eingehende Kenntnisse und Erfahrungen beim Behandler wichtig, um einen positiven Effekt zu erzielen.

      Bevor also die Frage zur Attackenmedikation geklärt wird, sollte das Thema Vorbeugung optimiert werden.

      Wenn Sie an mehr als an 10 Tagen im Monat AscoTop und Ibuprofen verwenden, müssen Sie zudem von einem Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch ausgehen. Dieser würde dann die vorbeugende Behandlung behindern, oder sogar deren Wirkung zunichte machen. Auch dieses Thema muss daher geklärt werden.

      AscoTop nasal plus ein NSAR kann bei schweren Attacken sinnvoll sein. Wir würden jedoch nicht Ibuprofen in der Regel einsetzen, sondern Naproxen. Grund: Dieses wirkt rund 12 Stunden und kann daher lange Attacken besser kupieren.

      Bei episodischem Einsatz von Ibuprofen ist das Risiko für einen Schlaganfall nach aktueller Studienlage zu vernachlässigen. Viel wichtiger scheint es bei Ihnen, die sehr hohe Dosierung zu beachten.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

      • Sima sagt:

        Guten Abend,
        wenn das so ist fühle ich mich bei meiner Hausärztin überhaupt nicht mehr in guten Händen und muß mich erneut auf die Suche eines Neurologen machem. Wo finde ich ihn nur???

        • minifiets sagt:

          auf der Seite der Schmerzklinik Kiel ist eine Suchoption für Schmerzspezialsten zu finden. Auch beider DMKG gibt es Listen mit Kopfschmerspezialisten je nach Region :)

          • Sima sagt:

            danke dir. Ich hätte bei meiner Anfrage genauer sein sollen, kenne mich nicht mit Foren nicht so gut aus. Weiß jetzt nicht, ob man bei 6-7 Ascotop und 9-12 Ibuprofen 800 mg Tabletten vom Medikamentenübergebrauch sprechen kann. Ich versuche viele Anfälle so auszuhalten. Bin etwas verunsichert und verwirrt.

  3. Cinderella sagt:

    Hallo Herr Göbel!
    Meine Frage wäre: Kennen Sie das L Polamidol?Ich bekomme es jetzt anstatt des Capros 30mg. Ich denke,das Capros war mein Migränetrigger.Meine Schmerztherapeutin vor Ort meinte,dass das Medikament keine Migräne oder Kopfschmerzen als Nebenwirkung macht.
    Einige hier im Forum meinten,dass ich mir Fentanyl Pflaster aufschreiben lassen sollte.Aber die Schmerztherapeutin hier sagte mir,dass die KV das Mittel nicht mehr zuläßt.
    Was denken Sie?Könnte ich meine Migräne vielleicht ein bißchen durch den Wechsel runter bekommen?
    LG Cinderella

    P.S. Ich freue mich auf das Forentreffen und ganz besonders auf Sie und Bettina Frank im Sommer.

    • Liebe Cinderella,

      L-Polamidon enthält als Wirkstoff Levomethadon. Wenn man im Rahmen der Schmerztherapie Opioidschmerzmittel einsetzt, ist dieses Medikament nicht im Vordergrund, es wird in der Regel im Rahmen eines Behandlungskonzeptes zur Substitutionstherapie verwendet.

      Capros enthält Morphin in langsamer Freisetzung und kann bei starken Schmerzen eingesetzt werden. Als Migränetrigger wirkt es normalerweise nicht. Die Anwendung eines Fentanyl-Pflasters ist eine sehr komplexe schmerztherapeutische Aufgabe. Pflaster führen zur direkten Aufnahme von Fentanyl in den Körper. Fentanyl ist eines der stärksten Opioid-Schmerzmittel überhaupt.

      Für die praktische Therapie ist die Gabe von retardiertem Morphin bei starken Schmerzen zunächst zu bevorzugen. Normalerweise wird die Migräne durch solche Medikamente nicht negativ verändert. Es ist nicht anzunehmen, dass durch einen Wechsel Nebenwirkungen der beschriebenen Art reduziert werden.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  4. Doro sagt:

    hallo Prof. Göbel,
    neben Migräne (immer 3 Tage / zur Zeit gut 2xpro Monat/ seit ca 20 Jahren schleichend stärker werdend, bin 51 Jahre) habe ich auch Morbus Raynauld. Daher traue ich mich keine Triptane einzunehmen. Ich behandele mich selbst mit Paracetamol. Das klappt manchmal, manchmal nicht. Durch berufl. Reisetätigkeiten komme ich nun an meine absoluten Grenzen. …..
    wie muss ich den Morbus Raynauld berücksichtigen?

    • Liebe Doro,

      das Raynaud-Syndrom schließt die Anwendung von Triptanen normalerweise nicht aus. Es handelt sich um anfallsweises Abblassen der Hände oder Füße. Umgangssprachlich wird die Krankheit auch als Weißfingerkrankheit bezeichnet. Migräne und Morbus Raynaud treten häufig zusammen auf. Es ist also durchaus möglich, Triptane bei gemeinsamem Vorkommen einzusetzen. In seltenen Fällen können Triptane ein Raynaud-Syndrom mit anfallsweisem Abblassen der Hände selbst auslösen.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  5. Sunny sagt:

    Sehr geehrter Prof. Göbel,

    ich habe chronische Nackenschmerzen und Spannungskopfschmerzen, oft auch mit sehr belastenden einseitigen migräneartigen Kopfschmerzen. Ganz schwere Migräne mit Erbrechen habe ich ein- bis zweimal im Monat. Medikamente nehme ich keine, normale Schmerzmittel helfen bei mir auch gar nicht. Ich habe eine starke BWS-Hyperkyphose mit starken Verspannungen und soll regelmäßig Gymnastik machen. Inzwischen ist es aber so, dass jede Gymnastik, manuelle Therapie oder sonstige Dinge etc. sofort noch stärkere Kopf- und Nackenschmerzen auslösen, manchmal direkt starke klopfende Kopfschmerzen. Im Röntgenbild fand sich nur eine leichtgradige Spondylarthose und ansonsten erheblicher Muskelhartspann. Dehnübungen mache ich regelmäßig und vertrage ich auch. Laut Orthopäden soll ich dringend meine Muskelfehlstatik trainieren. Aber wie, wenn alles sofort noch stärkere Beschwerden auslöst. Aponal hat mir eine zeitlang ein bisschen geholfen. Leider habe ich stark zugenommen und es nach 1 ½ Jahren abgesetzt. Saroten habe ich kurz probiert, aber nicht vertragen. Käme für mich auch Topiramat in Frage oder soll ich eher muskelentspannende Medikamente nehmen ? Mir wurde schon Katadolon gegen akute und chronische Schmerzen empfohlen. Haben Sie da Erfahungen, besonders auch was die Wirksamkeit betrifft, sowie die Nebenwirkungen ( Schädigung der Leber ).
    Entspannungsübungen und regelmäßige Spaziergänge mache ich schon. Vielen Dank für Ihre Hilfe!

    Herzliche Grüße
    Michaela

    • Liebe Michaela,

      Sie beschreiben komplexe Wechselwirkungen von Migräne, Spannungskopfschmerzen, erhöhter Schmerzempfindlichkeit der Kopf- und Nackenmuskulatur, sowie Fehlstatik. Hier gibt es keine Einzellösung. Sehr häufig sind angespannte Kopf- und Nackenmuskeln Folge von primären Kopfschmerzen, die nicht ausreichend behandelt sind. Wichtig ist daher eine effektive Vorbeugung auf allen Ebenen der Schmerztherapie. Durch das Zusammenwirken der verschiedenen Schmerzerkrankungen kann die körpereigene Schmerzabwehr erschöpft werden. Dies führt dann zu einer weiteren Aufrechterhaltung der Schmerzen und Muskelanspannungen.

      Erforderlich ist daher ein Gesamttherapiepaket. Durch einzelne Maßnahmen wird ein zielführendes Ergebnis leider nicht zu erreichen sein.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  6. Monika sagt:

    Lieber Herr Professor Göbel,

    heute mal zur Abwechslung in “eigener Sache”. ;)

    Ich hatte schon im Forum über mein Problem geschrieben: http://www.headbook.me/groups/allgemeines-medizinische-themen/forum/topic/mix-aus-spannungs-ks-migraene-massive-wortfindungsstoerungen-etc und einige Antworten bekommen. Mittlerweile nehme ich regelmäßig Magnesium ein und versuche zumindest den Schulter-Nackenbereich mit Wärme zu behandeln.

    Mit genügend Ibuprofen komme ich normalerweise momentan immer noch “gut über die Runden”. Allerdings hilft es mir nicht gegen die brennenden Schmerzen überm Augenlid / Stirn links, die ich immer wieder anfallsweise habe. Es sind weder Rötungen noch Schwellungen zu erkennen, deshalb kann ich diese Schmerzen auch nicht einordnen und entsprechend weiß ich nicht, was ich noch dagegen einnehmen könnte.

    Haben Sie vielleicht eine Option für mich?

    Vielen lieben Dank!

    Herzliche Grüße

    Monika

    • Liebe Monika,

      leider können die Beschwerden nicht präzise zugeordnet werden. Die brennenden Schmerzen über dem Auge, die anfallsweise auftreten, können viele Ursachen haben. Infrage kommen insbesondere Migräne und Spannungskopfschmerzen. Möglicherweise ist Ibuprofen nicht lange genug wirksam und auch nicht effektiv genug. Bevor weitere Maßnahmen getroffen werden, sollte eine ärztliche Untersuchung zur genauen diagnostischen Einordnung erfolgen.

      Vorbeugende Maßnahmen wie Entspannung und Stressreduktion etc. sollten ebenfalls erwogen werden.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  7. minifiets sagt:

    Hallo,
    ich habe es hier im Forum schon thematisiert möchte nun aber nochmals fragen:

    Ich bekomme seid einiger Zeit (bestimmt etwa 5 Monate) Propranolol zusätzlich zum Trevilor, was ich seit etwa einem Jahr einnehme (erst 75, dann 150, dann 75, 37,5 und dann doch wieder 75). Seit einigen Wochen wird mir immer etwa um die Mittgaszeit sehr übel, was ich mit der anderen Darreichungsform des Trevilors in Verbindng brachte (Tabletten, statt Retardkapseln). Nun bekomme ich wieder Retardkapseln und nehme eide Medikamente zu unterschiedlicheN Zeitpunkten und stelle fest, dass mir wohl vom Betablocker übel wird. Das war aber nicht von Anfang an so, deshalb frage ich mich ob es möglich ist, dass diese Nebenwirkung plötzlich auftaucht. Ich hbae nun die Morgen-Dosis schon ein paar Mal ausgelassen, weil mich die Übelkeit sehr einschränkt. Abends, bei der zweiten Dosis Propranolol, nehme ich sie nicht so wahr. Wäre es sinnvoll die gesamte Dosis von 40mg abends zu nehmen?

    • Liebe minifiets,

      normalerweise führen Betablocker nicht zu einer Übelkeit. Dagegen kann Trevilor ganz typischerweise insbesondere in der niedrigen Dosierung und am Morgen Übelkeit auslösen. Daher sollte es immer nach dem Frühstück eingesetzt werden.

      Die morgendliche Gabe von Propranolol ist wahrscheinlich nicht der Grund für die Übelkeit.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  8. minifiets sagt:

    eine andere Frage habe ich noch, da dieses Thema am Wochenende in einer “Kopfschmerzrunde” aufkam. Hin und wieder eine Migräneattacke auszuliegen kann die Frequenz der Migräne im darauffolgenden Monat senken. Bei Spannungskopfschmerzen funktioniert das aber nicht. Erzielt man durch das “Ausliegen” von Spannungskopfschmerzen nur keinen Effekt oder ist es sogar kontraproduktiv? Ich meine mich nämlich zu erinnern Sie hätten einmal gesagt Schmerzen auszuhalten sei keine Tugend.

    • Liebe minifiets,

      das Ausliegen von Migräneanfällen kann sinnvoll sein, wenn an mehr als an 10 Tagen pro Monat Attacken auftreten und auch an entsprechend mehr Tagen Akutmedikamente verwendet wurden. Durch diese Kurzpause wird die weitere Sensibilisierung des Nervensystems unter Medikamentenübergebrauch gestoppt. Das funktioniert auch bei Spannungskopfschmerzen.

      Unterhalb der 10-Tages-Schwelle ist das Aushalten dagegen nicht zielführend.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  9. Sehr geehrter Dr. Göbel,
    – sie haben bei mir 2006 chronischen Cluster diagnostiziert.
    Seit dem nehme ich 240mg Verapamil und Imigran Injekt zur Behandlung.
    Seit dem viele Schmerzfreie Intervalle, jedoch bei absetzten des Verapamil gibt
    es unweigerlich wieder Attacken.
    Mit der Dosierung habe ich ca. 10 Attacken im Monat.
    – 2006 war ich schon stark depressiv
    – Zeit meines Lebens habe ich starke Schmerzen.
    Erst hatte ich Kindsrheuma,denn als jugentlicher trümmerbrüche beider Beine,
    Fersenbruch hatte ich auch.Und dann kam der Cluster.Zum schluss habe ich
    jetzt auch noch nen schweren Bandscheibenvorfall erlitten von dem
    ich mich immernoch erhole.
    – Der Schmerz begleitet mich praktisch schon mein Lebenlang.
    – In letzter Zeit sind die depressionen immer schlimmer geworden. Ich
    kommpennsiere die Schmerzen und depressionen gern mit Alkohol und
    Schlaftabletten.Es geht soweit das ich mich aus meinem Sozialem Umfeld
    total zurückziehe und es ist zu Selbsverletzungen gekommen .
    – Deswegen habe ich selbst die Schönklinik in Bad Bramstedt um eine Therapie
    wegen Borderline erbeten.Mein Hausarzt gab mir die Einweisung.
    – Nach einem Vorgespräch mit dem in Bad Bramstedt behandelnden Arztes
    kam raus das erst geklärt werden müsste ob eine Sucht besteht.
    – Darauf war ich bei einem Dr. Lappe in Flensburg der mich in die Sprechstunde
    der Psychosomatischen Klinik in Flensburg schickte.
    Dort haben wir jetzt eine qualifizierte Engiftung beschlossen die am 16.03.2011
    starten soll. Mir wurde aber gesagt das es sein kann das Bad Bramstedt trotzdem
    ablehnt und mir eine anschliessende Entwöhnung anbietet.
    – Nun ist es so, das ich zwar den Konsum wahrnehme, aber ich seh es weniger als
    Sucht an als mehr eine Art Notwendiger Medikation gegen Schmerz und
    Depressionen.
    – Ich möchte gern etwas tun (Therapie) um wieder mit allem ein bischen besser
    klar zu kommen.Ich fühle mich aber in einer Suchtherapie nicht wirklich richtig
    aufgehoben.
    – Meine Frage nun an sie ob sie nicht vieleicht eine bessere Idee für einen
    Therapieplatz haben.
    – Ich hoffe sehr darauf das sie mir eine geeignete Therapiestelle nennen können
    die sich halt auch mit Cluster und den daraus resultierenden depressionen und
    Suizidgedanken auskennen.

    Vielen Dank im vorraus.
    Mit freundlichem Gruß
    Sven Christiansen

    • Lieber Sven,

      Ihre Frage ist zu komplex, um hier erschöpfend beantwortet zu werden. Im Vordergrund steht die Schmerzerkrankung. Diese wirkt sich auf Stimmungsproblematik und Übergebrauch von Medikamenten aus. Eine psychosomatische Behandlung kann dabei sehr hilfreich sein. Damit die schmerztherapeutischen Aspekte dabei nicht behindern, können Sie vorab die Einstellung des Clusters optimieren lassen. Es kann dabei dann auch eine Empfehlung zur zusätzlichen psychosomatischen Behandlung erfolgen.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  10. daisy sagt:

    Sehr geehrter Herr Göbel,
    den ersten Migräneanfall meines Lebens hatte ich mit 36 Jahren kurz nach meiner ersten Schwangerschaft. Inzwischen bin ich 52 Jahre und in dieser Zeit hat sich die Migräne sowohl was die Häufigkeit als auch was die Intensität betrifft immer weiter verstärkt. Nach anfangs ein bis zwei Anfällen pro Jahr bin ich nun bei 73 angelangt, sechs bis zehn Anfälle pro Monat sind mittlerweile üblich. Ich habe alles probiert – von Entspannungsverfahren (Jacobsen, Chi Gong, Autogenes Training, Joggen 3x/Woche 10 km) bis hin zu Betablockern, Kalziumantagonisten, Pestwurz, hochdosoertes Magnesiumcitrat, Homöopathie, Akupunktur und Antidepressiva wie Amitriptylin und nun seit 2004 Trevilor 150 mg. Mittlerweile habe ich auch die zweite, auf die Migräne ausgerichtete Psychotherapie angefangen, um eventuellen Auslösern auf die Spur zu kommen. Eine Prophylaxe mit Antiepileptika steht noch aus, ist aber für mich keine Option, da jegliche kognitive Beeinträchtigung durch das Medikament für mich inakzeptabel ist.

    Die Migräne beginnt meist in den frühen Morgenstunden, rechts von der Stirn und dauert in der Regel drei Tage. Seitenwechsel nach links, Übelkeit sowie eiskalte Extremitäten, Frieren und Schwitzen sind üblich. Erbrechen ist eher selten. Triptane habe ich bis auf Sumatriptan alle durchprobiert. Relpax und Allegro habe ich nicht so gut vertragen, alle anderen waren problemlos aber unterschiedlich in der Wirkung. Seit ein paar Jahren nehme ich Almogran. Der Schmerz ist meist nach spätestens zwei Stunden vorbei, kommt aber nach zehn bis zwölf Stunden wieder, so daß ich häufig 4-6 Tabletten pro Anfallserie brauche, wobei ich peinlich darauf achte, dass es nie mehr als zwei Tabletten in 24 Stunden werden.

    Wenn ich es gar nicht mehr aushalte, aber noch warten muss bis zur nächsten Dosis, versuche ich die Zeit mit Ibuprofen 800mg zu überbrücken. Das klappt aber nur manchmal. Im übrigen rauche ich nicht, trinke keinen Alkohol und komme bis jetzt – abgesehen von manchmal heftigen Hitzewallungen – ganz gut durch die Wechseljahre. Allerdings knirsche ich mit den Zähnen. Ich habe aber eine Aufbissschiene, die alle paar Wochen zahnärztlich überprüft und nachgeschliffen wird , um das Gebiss und die Kiefermuskulatur so gut wie möglich zu entlasten.
    Nun meine Fragen:
    1.) Wäre es sinnvoll, das Triptan aufgrund des hartnäckigen Wiederkehrkopfschmerzes zu wechseln?
    2.) Wenn ja, welches würden Sie mir empfehlen? Es sollte möglichst lange wirken, stark sein und sich vor allem mit dem Trevilor vertragen, denn ich habe zunehmend Sorge, ein Serotonin-Syndrom auszulösen.
    3.) Bisher konnte ich die Kosten für das Almogran durch Reimporte im Zaum halten. Diese gibt es nun nicht mehr (ich bezahle jetzt fast 60 € pro 14 Stck.-Packung) und wüsste gern, ob sich seitens des Gesetzgebers wieder eine Änderung in Bezug auf die unverhältnismäßigen Zuzahlungen auf Triptane abzeichnet?
    5.) Was ist von den homöopathischen Kompexmitteln zu halten (Biodolor, Migravent, Migra 3 etc.)?
    4.) Vielleicht haben Sie ja auch noch eine andere Idee, wie sich die Anfallshäufigkeit senken lassen würde. Ich bin – wie alle Migränegeplagten – für jeden Tip dankbar.
    Herzliche Grüße und vielen Dank im Voraus.

    • Liebe Daisy,

      zu 1.: Bei Wiederkehrkopfschmerzen können langwirksame Triptane bevorzugt eingesetzt werden. Diese sind Relpax, Almogran, Naramig und Allegro. Zusätzlich können diese mit einem langwirksamen Schmerzmittel wie Naproxen 500 mg kombiniert werden.

      zu 2.: Die genannten Triptane können individuell ausgetestet werden. Ein Serotoninsyndrom ist eher ein theoretisches Problem und ist in der Praxis nicht prägnant.

      zu 3.: Änderungen treten von Quartal zu Quartal permanent ein, sodass keine Prognosen möglich sind.

      zu 4.: Homöopathische Komplexmittel haben keine nachgewiesene Wirksamkeit. Bestimmte Nahrungsergänzungsmittel können in der Vorbeugung unterstützend wirken.

      zu 5.: Schauen Sie doch bitte einmal unter http://www.migaene-schule.de oder http://www.schmerzklinik.de nach. Dort finden Sie viele Anregungen.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  11. Tine sagt:

    Sehr geehrter Professor Göbel,
    während einer Attacke nehme ich 100mg Vomex, 500 Naproxen, eventuell Allegro, manchmal habe ich Anfälle, bei denen ich sehr unruhig und ängstlich bin, auch mit Angstzuständen. Kann ich dann zusätzlich noch Tavor nehmen oder geht das nicht, wegen des Vomex? Vielen Dank für Ihre Hilfe
    Tine

    • Liebe Tine,

      im Ausnahmefall ist die Einnahme von Tavor zusätzlich möglich, allerdings sollte das nicht die Regel werden. Tavor kann bei zu häufiger Einnahme schnell zur Gewöhnung führen.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  12. Hallo Herr Prof. Göbel,

    mein Claster ist zur zeit in voller fahrt nach mehr oder weniger 3 jahren ruhe
    bin jetzt an einer Triptan Prophylaxe für die noch verbleibene Zeit dieser Phase interessiert.

    zur zeit nehme ich Sauerstoff und Imigran Inject welches Triptan würden sie einsetzen ? Imigran Inject wirkt zwischen 2-15 min und hält weitere Attaken für min. zwei stunden ab. Möchte jetzt auch keine selbstversuche mit Formigran starten und falls doch eine Attake durch kommt möchte ich auf Imigarn Inc. nicht verzichten. habe auch morgen bei Herrn E……. Neurologe einen Termin hier in Hamburg.
    ( kurz und knapp welches Triptan mit Langzeitwirkung könnte man einnehmen und im Notfall immer noch auf Imigran Inc zurück greifen. Sauerstoff ist eh immer meine erste wahl hilft aber nicht bei jeder Attake.)

    Vielen dank
    MfG

    • Lieber Schattenboxer,

      Triptane sollten aus Sicherheitsgründen nicht kombiniert werden. Normalerweise ist die zusätzliche Einnahme von Imigran Inject nicht das Problem. Bei wirksamer Vorbeugung sollten eigentlich gar keine Attacken mehr auftreten. Die Vorbeugung sollte zunächst mit Verapamil retard und ausreichender Dosierung versucht werden. In der Einstellungsphase kann zusätzlich ein Triptan begleitend kurzfristig erwogen werden. Dabei empfiehlt sich bei gleichzeitiger Imigran Inject-Anwendung Sumatriptan oral. Die Halbwertszeit spielt dabei nicht die besondere Rolle. Gegebenenfalls kann die Einnahme auch mit Abstand von 8 Stunden erwogen werden. Im Zeitalter von Festbetragsregelung ist diese Anwendung auch am wirtschaftlichsten im Vergleich zu anderen Triptanen mit etwas längerer Halbwertszeit.

      Sind die Clusterperioden relativ kurz und dauern nur wenige Tage, bzw. Wochen an, kann auch die alleinige Anwendung von Triptan oral mit fester Einstellung erwogen werden.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  13. Sima sagt:

    kann man bei höchstens 6-7 Ascotop und 9-12 Ibuprofen 800 mg Tabletten im Monat vom Medikamentenübergebrauch sprechen? Ich versuche viele Anfälle so auszuhalten und möglichst wenig Medikamente einzunehmen. Bin jetzt etwas verunsichert und verwirrt.

By | 2016-12-20T17:55:31+00:00 Februar 28th, 2011|Livechat|0 Kommentare

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