Migräne- und Kopfschmerz-Chat am 28.3.2011

  1. dirkou sagt:

    Hallo,
    mich würde es interessieren, ob man mit rechtlichen Konsequenzen rechnen muss,
    wenn man unter Triptan-Einnahme (innerhalb von 24 h) Auto fährt, und es zu einem Unfall mit Personenschaden kommt. In meinem Fall handelt es sich um Maxalt und Ascotop.
    Merci

    • Liebe Dirkou,

      während einer Migräneattacke sollte man eigentlich gar nicht Auto fahren. Wenn man ein Triptan nimmt, können zudem Konzentrationsstörungen und Müdigkeit auftreten. Rechtliche Konsequenzen sind mit nicht bekannt. Wenn man wissentlich sich in eine solche Situation begibt und in einen Unfall verwickelt wird, ist es jedoch denkbar, dass man verantwortlich gemacht werden könnte. Eine spezifischere Antwort könnte Ihnen nur ein Rechtsanwalt geben.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  2. Emmy sagt:

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,
    ich bin 17 Jahre alt und habe ständig Schmerzen in meinem Knie, nachdem mir im April 2010 die Kniescheibe zum zweiten Mal luxiert ist. In den ersten Wochen machte ich mir über die Schmerzen gar keine großen Gedanken, weil ich dachte, dass sie irgendwann wieder verschwinden würden. Sie wurden zwar ein wenig besser, aber verschwanden nicht mehr. Bei Belastung verstärkt sich der Schmerz deutlich, Sport kann ich gar nicht mehr machen.
    Wir haben den Rat dreier Orthopäden eingeholt. Nach Röntgenbild und MRT wurde eine Patelladysplasie Typ Wiberg III. festgestellt. Es besteht keine Entzündung, die Ursache meiner Schmerzen ist unbekannt. Zurzeit lasse ich mein Knie tapen oder trage eine Bandage, was aber nur wenig Linderung bringt.
    Eine mögliche OP würde das Knie höchstens stabilisieren, ob sie einen positiven Einfluss auf die Schmerzen hätte, konnte kein Arzt sagen.
    Muss ich mich für den Rest meines Lebens mit den Schmerzen abfinden, oder gibt es eine spezielle Schmerztherapie?
    Liebe Grüße
    Emmy

    • Liebe Emmy,

      das ist eine Frage für einen Kniespezialisten, ich möchte raten, noch einmal Expertenmeinung auf diesem Gebiet einzuholen. In Ihrem Alter kann sich noch vieles entwickeln und verbessern, auch gibt es operative Möglichkeiten, die Ihnen Fachleute vorschlagen können.

      Eine spezielle Schmerztherapie kann zu einer Linderung der Schmerzen beitragen. Allerdings sollten dann wirksame Möglichkeiten in Erwägung gezogen werden. Hier sollte ein Schmerztherapeut zu Rate gezogen werden.

      Gute Besserung!

      Hartmut Göbel

      • Emmy sagt:

        Beim Kniespezialisten war ich schon. Eine OP stabilisiert das Knie nur, auf die Schmerzen hat sie wahrscheinlich keinen Einfluss.

        Ich werde mich nun an einen Schmerztherapeuten wenden.
        Danke!

  3. minifiets sagt:

    Sehr geehrter Professor Göbel,

    heute stellte sich für mich nochmals die Frage des Zusammenhangs zwischen Verspannungen und Migräne. Hier im Forum habe ich gelernt, dass eine verspannte Schulter-, Nackenmuskulatur Folge der Migräne ist, nicht aber deren Ursache. Nun lese ich aber immer wieder auch, dass Verspannungen die Migräne dennoch triggern können. Nun bin ich verwirrt, also Migräne doch durch Verspannungen? Oder geht es hier um die Unterscheidung zwische Ursache und Trigger?
    Falls ich Sie das schon mal gefragt habe bitte ich um Entschuldigung, aber mich beschäftigt die Frage sehr, da ich etwa im Alter von 16 Jahren ständig starke Verspannungen im Nacken hatte und die Schmerze erst später hinzukamen.

    Viele Grüße

    • Liebe Minifiets,

      tatsächlich kommt erst der Kopfschmerz und dann die Verspannung als Reaktion darauf. Leider ist das noch nicht die ganze Geschichte, denn dauerhafte Verspannung ist eine Stressreaktion für das Nervensystem, welche wiederum Migräneattacken triggern kann. Man nennt dies auch gerne einen Teufelskreis zwischen Kopfschmerzen und Verspannung. Deshalb muss man in der Behandlung beide Bereiche wirksam anpacken.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  4. seestern36 sagt:

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,
    ich war vor einem knappen Jahr bei Ihnen in der Klinik. Ausgangssituation dafür waren über viele Jahre hinweg starke Kopfschmerzen mit zahleichen Migräneanfällen, so dass es über Jahre hinweg fast keinen kopfschmerzschmerzfreien Tag gab. Dazu kamen sich seit einigen Jahren einschleichende chronische Schmerzen im Schulter-Arm-Bereich, die von zahlreichen Fachärzten untersucht wurden, ohne eine eindeutige Ursache für diese starken Schmerzen feststellen zu können. Ich habe das Gefühl, dass die Muskeln ständig kontraktiert sind und daher die Schmerzen verursachen. Muskelentspannende Medikamente haben aber keine Wirkung gezeigt.
    In Kiel wurde darauf hin für 14 Tage unter Chortisongabe die Medikamentenpause durchgeführt, die ich danach noch für insgesamt ca. 6 Wochen durchhalten konnte. Das Ergebnis für den Kopfschmerz war sehr postitiv, so dass ich heute nur noch selten Kopfschmerzen oder Migräne habe und auch entsprechend max. 5 bis 7 Schmerzmitteltage habe (ca. 3 bis 5 mal pro Monat).
    Die Schulter-Armschmerzen sind aber nach wie vor fast täglich akut. Während einer weiteren Reha im Rückenzentrum Berlin habe ich ein Sport- und Muskelaufbauprogramm durchlaufen, dass ich jetzt selbständig fortführe. Dem Kopf hilft das zusätzlich, aber für die Schulterschmerzen wurden mir für die Schmerzbekämpfung folgende Medikamente empfohlen:
    Ibuprofen 600
    Katalodon S-long
    Novaminsulfon-Tropfen
    Jetzt stelllt sich die Frage, wie ich die Schmerzen im Schulterbereich mit diesen Medikamenten bekämpfen kann ohne wieder einen MIK zu bekommen.
    Gibt es zwischen diesen dreien aus Ihrer Sicht ein Mittel, das die Abhängigkeit nicht so stark fördert und wie ist in diesem Fall mit der 10-Tages-Regel umzugehen, wenn man die Schmerzmittel eigentlich braucht ohne Kopfschmerzen zu haben .

    Mit freundlichen Grüßen

    Seestern36

    • Liebe Seestern,

      erstmal herzlichen Glückwunsch zur Verbesserung Ihrer Kopfschmerzsituation. Sie haben sehr gut aufgepasst und versuchen die Regeln wirksam umzusetzen. Leider besteht noch das zusätzliche Problem der Schulterschmerzen. Auf die Dauer werden die drei genannten Medikamente keine Lösung darstellen können. Sie zählen auch zu den 10 Tagen im Rahmen der 10/20 Regel dazu. Sie müssen also auch damit haushalten.

      Es wäre daher ebenfalls besser, wenn man eine vorbeugende Behandlung konzipiert, welche die Einnahme von Akutschmerzmitteln weitgehend vermeiden lässt. Als Alternative können jedoch retardierte Opioid-Analgetika, wie z.B. Tramadol retard, erwogen werden. Diese führen nach unseren Erfahrungen nicht zu einem MÜK.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  5. jutta sagt:

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,
    ich habe eine Migräneodysee hinter mir
    Man hat mir neben Relpax Equilibrin zuerst 1x, dann 2x30mg verordnet,was mir überhaupt nicht bekommen ist (5 starke Migräneanfälle in 8 Tagen).
    Nun habe ich von Valproinsäure gelesen; mein Internist würde mir das Antiepileptikum verordnen . Ich wage mich aber nach den unangenehmen Erfahrungen mit Equilibrin nicht so recht daran. Ich muss sagen , dass ich neben den akuten Migräneanfällen immer ein Wund-und Druckgefühl im Kopf habe (eine bestimmte Arterie im linken vorderen Kopf ) ist fast dauerhaft schmerzhaft, mir scheint auch geschwollen. Vielen Dank für Ihren Einsatz.
    Jutta

    • Liebe Jutta,

      weder mit Equilibrin, noch mit Valproat alleine lässt sich eine wirksame Kopfschmerzbehandlung durchführen. Notwendig ist ein Gesamtkonzept, bestehend aus Wissen, Information, Verhalten und gegebenfalls medikamentöser Vorbeugung und Attackentherapie.

      Auch Komplikationen, wie Medikamentenübergebrauchskopfschmerz etc. müssen erwogen werden. Damit wird klar, dass das einfache Umsetzen von vorbeugenden Medikamenten bei so schwerer Kopfschmerzbelastung meist nicht ans Ziel führen kann. Ich möchte Ihnen deshalb empfehlen, sich in einer spezialisierten Kopfschmerzsprechstunde vorzustellen.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  6. Nadja sagt:

    Sehr geehrter Herr Göbel,
    seit Herbst 2010 wurde bei mir ein atypischer Gesichtsschmerz beidseits diagnostiziert.Dem voraus gingen innerhalb der letzten zwei Jahre diverse Zahn/Kieferbehandlungen- Wurzelbehandlung, Zahnentfernung, Wurzelspitzenresektionen, Entfernung einer Zyste im Oberkiefer, in der gesamten Zeit wurden mir vier Zähne gezogen! In dem Zusammenhang hatte ich auch Nasennebenhöhlenentzündungen, sowie eine sich verschlimmernde Pollen/Hausstauballergie.(kurz das ganze Immunsystem war auf “Hochtouren”.
    Nach der letzten Zahnentfernung nahmen die Schmerzen extrem zu und „wechselten“ auf einmal , die Seite, änderten sich (brennen, kribbeln, ziehend- Dauerschmerzen, nicht einstechend, an wechselnden Stellen, vor allem um den Kiefer, manchmal auch um das Auge herum, später an zwei Stellen vom unteren Hinterkopf aus). Die Behandlung wurde begonnen mit Lyrica 75mg 1-0-2 und Laif 900mg 1 morgends, mit etwas Besserung, anschließend Hinzunahme von Amitryptilin 1-0-1 (50mg), langsam wieder etwas besser aber nicht gut. Amitryptilin wurden nochmals erhöht auf 2-0- 1. Die Nebenwirkungen waren aber immens stark ( extreme Müdigkeit, Konzentrationsstörungen..)
    Bei einem Aufenthalt in einer Naturheilabteilung wurde eine „Mitbehandlung“ durch den dortigen Schmerztherapeuten organisiert und die Medikation verändert. Ich bekam 3 mal Infusionen (Lidocain) in der einen Woche und Mydocalm- für 3 Wochen. Das A. wurde reduziert auf 0-0-1. Das Lyrica reduziert auf 1-0-1. Hinzugenommen wurde Tilidin 50/4 auf 1-0-1.
    Mein Zustand besserte sich stark, auch mein gelittener seelischer Zustand, weil endlich die Schmerzen wenigsten erträglich waren. Nach einiger Erholung und langsam steigender Belastung (ich bin immer noch krankgeschrieben, aber übernehme im Haushalt und mit meinen zwei Kindern wieder mehr Aufgaben usw.) werden die Schmerzen wieder mehr. Eine Erhöhung des Tilidin auf 2-0-1 ergab keine Besserung.Neben der medikamentösen Therapie habe ich ein Tens Gerät erhalten und nehme wöchentlich an einer sehr guten Schmerzbewältigungsgruppe teil und versuche langsam mit walken und Yoga zu beginnen. Mein Arzt wollte gerne (ist im Moment noch im Urlaub) gerne das Lyrica und das A. reduzieren, weil dies auf Dauer nicht gut für die Leber ist. Er meint es gäbe eventuell auch noch andere Medikamente die man ausprobieren könnte, wenn das alles nichts hilft könnte man sich auch an einen auf Kopf/Gesichtsschmerz spezialisierten Arzt wenden. Er nannte mir ihren Namen- so bin ich auf dieses Chat gestoßen und würde gerne ihren Rat/ihre Einschätzung zu einer weiteren Therapie erfahren, soweit möglich aus der Ferne.
    Mein Wunsch ist es am liebsten so wenig wie möglich Tabletten nehmen zu müssen, andererseits habe ich gehört, dass es wichtig ist eine mögliche Schmerzfreiheit zu erlangen um das Schmerzgedächtnis langsam wieder „umzugewöhnen“ ? Ich habe jetzt eine Rehabilitation beantragt und hatte eigentlich geplant mit einer Wiedereingliederung wieder in meinen Job einzusteigen, habe aber im Moment etwas Sorge, weil die Schmerzen gerade wieder mehr werden (ich arbeite als Krankenschwester an einer Förderschule für behinderte Kinder mit 34 Stunden in der Woche).
    Ich würde mich sehr über eine Antwort von Ihnen freuen.
    Einen schönen Frühlingsanfang
    Nadja Klingender

    • Liebe Nadja,

      Ihre Schilderung lässt ein komplexes neuropathisches Schmerzsyndrom der Gesichtsnerven annehmen. Nach mehreren Voroperationen können leider Nervenvernarbungen bestehen bleiben und Dauerschmerzen bedingen. In einer solchen Situation können individuell angepasste Medikamente helfen. Diese Einstellung erfordert tatsächlich Spezialisierung und Erfahrung. Aus Ihren Schilderungen entnehme ich, dass Sie bereits länger arbeitsunfähig sind. Bevor eine unspezifische Rehamaßnahme eingeleitet wird, sollte eine spezialisierte Schmerztherapie, eventuell auch stationär, erwogen werden.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  7. hallo herr göbel

    ich nehmen nun seit ein paar monaten wieder an etwa 20 tagen triptane.
    nun hat sich seit 10 tagen eine dauermigräne eingestellt.
    ich war heute in der migränesprechstunde in der schweiz.
    der arzt meinte ich sei bereits wieder im mük, sehen sie das auch so?
    nun hat er mir cortison gespritzt und orfiril als prophylaxe verschrieben.
    dazu hat er mich 7 tage krank geschrieben, dass ich zur ruhe kommen.
    und als schmermedi bei migräne hab ich imigran (Sumatriptan) verschrieben zum spritzen.

    welche erfahrunge haben sie mit orfiril gemacht?

    grüessli
    melanie manetsch

    • Liebe Melifischli,

      ich stimme Ihnen zu, dass es anzunehmen ist, dass ein MÜK eingetreten ist. Durch die Kortisongabe können während einer Medikamentenpause die Umstellungskopfschmerzen gelindert werden. Orfiril kann in der Vorbeugung wirksam sein, allerdings muss auf Empfängnisverhütung geachtet werden.

      Bevor eine Akuttherapie gestartet wird, sollte eine ausreichende Medikamentenpause eingehalten werden. Diese kann eine Zeitspanne von 2 – 8 Wochen umfassen.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

      • hallo herr göbel
        herzlichen dank für ihre super antwort.
        für die empfängnisverhütung ist gesorgt.

        wie meinen sie das mit der akuttherapie, also erst ein entzug und dann mit ofiril starten?

  8. Miggy sagt:

    Sehr geehrter lieber Prof. Göbel,
    vor der Schmerzmittel- oder Triptaneinnahme wird ja ein Antiemetika empfohlen, das Übelkeit und Brechreiz unterdrücken soll. Auch sonst ist mir häufig übel.

    Von Vomacur wird man ja meistens sehr müde, deshalb war bei mir jahrelang MCP Mittel der 1.Wahl. Leider habe ich 2007 wärend eines längeren Klinikaufenthaltes festgestellt, dass ich davon auf einmal Ängste bekam. Wenn der Körper das Medikament einigermaßen abgebaut hat (nach ca.5 h) ist alles wieder O.K. .

    Neulich habe ich es wieder probiert, es war einfach nur scheußlich, ich habe mir nicht mal zugetraut zur Physiotherapie zu fahren.
    Domperidon bringt mir leider nichts gegen Übelkeit.

    Ich habe ein bisschen gegoogelt und Zofran gegen Übelkeit gefunden, da steht aber, dass es die Darmpassage verzögern kann (nicht hilfreich, oder? um Medikamente zum Wirkungsort zu bringen). Wie sehen Ihre Erfahrung damit aus?

    Gibt es sonst noch was? Iberogast, Pfefferminzöl und Abtei-Magentropfen helfen leider nur ca. 15 Minuten, so dass ich zur Zeit sehr viel Vomacur nehme und ewig müde bin.

    Herzliche Grüße von Miggy

    • Liebe Miggy,

      leider können einige Antiemetika (Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen) Müdigkeit verursachen. Es kann aber manchmal auch die Migräne an sich sein, die für die Müdigkeit verantwortlich ist.

      Zofran ist ein Serotonin-Antagonist und wurde im Rahmen der Migräneforschung entwickelt. Es zeigte sich, dass das Medikament nicht gegen die Migräneschmerzen, jedoch gegen Übelkeit und Erbrechen wirksam sein kann. Im Einzelfall kann es auch bei schwerer Übelkeit während einer Migräneattacke eingesetzt werden.

      Eine Alternative wäre Vomex, aber auch auf dieses Medikament reagieren viele mit Müdigkeit. Eine Hilfe kann die sehr frühe Einnahme des Triptans sein. Dadurch wird die Entstehung von Übelkeit durch schnelle Wirkung vorgebeugt.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  9. Sima sagt:

    Sehr geehrter Professor Göbel,
    jetzt mal einen Beitrag von einem fast geheilten, wenn auch vorübergehend :)
    Noch beim letzten chat ging es mir so schlecht, dass Sie mich auf mögliche Mük aufmerksam gemacht haben. Danach habe ich in meinem Migränetagebuch geblättert und hab festgestellt, dass ich fast immer mit Mühe und Not an der Grenze von 10/20 blieb. Mein durchschnittlicher Medikamentenverbrauch: 5-6 Triptane und nur bei Anfällen, wo Triptan nicht durchgegriffen hat Ibuprofen dazu, das ich durch Naproxen ersetzen wollte, aber dazu ist es nicht mehr gekommen.
    Ich habe am 08.12.10 zum ersten Mal eine Botoxbehandlung durchführen lassen. Da die Migräne noch weitere 6 Wochen danach unverändert blieb habe ich die Hoffnung auf eine Wirkung aufgegeben.
    Erst ab der 7 Woche habe ich eine Besserung gespürt.
    Erst wurden die Abstände länger und dann auch die Intensität, so, dass ich den letzten Anfall der nur ein paar Stunden gedauert hat sogar ohne Triptan überstanden habe. Mein Kopf ist belastbar und die Überempfindlichkeit gegen meine Trigger ist weg.
    Meine Fragen:
    1- kann Botox erst nach 6 Wochen plötzlich anfangen zu wirken?
    Ich lese doch überall, dass wenn es denn wirkt, dann schon 3-10 Tage nach der Behandlung, ansonsten nicht.
    2- Wenn mein Wunder Botox heißt, wäre ich ein Fall für die OP zur dauerhaften Lähmung des betroffenen Muskels?
    3- Freue ich mich zu früh, oder reicht eine Zeitspanne von 8Wochen, für eine Aussage?
    Es hat in letzter Zeit in meinem Leben keine entscheidende Veränderung gegeben, worauf das Ganze zurückzuführen wäre und so eine Phase habe ich früher nie gehabt.
    Was sagen die Studien und Ihre Erfahrung darüber aus?
    Ich habe einfach nur Angst rückfällig zu werden und würde gerne wissen, wie ich mich am besten verhalten soll, damit es auch so bleibt.

    Freundliche Grüße

    • Liebe Sima,

      typischerweise ist die Wirkung von Botox 4 – 8 Wochen nach Behandlungsbeginn am besten. Der Wirkbeginn auf das muskuläre System startet meist nach etwa 7 Tagen. Die maximale Wirkung ist jedoch auch hier nach ca. 4 – 6 Wochen zu erwarten. Man darf also nicht Wirkbeginn mit maximalem Wirkplateau verwechseln.

      Botox wirkt nicht über die Muskelentspannung, sondern über die Normalisierung der sensorischen Überempfindlichkeit der Sinnesnerven des Kopfes. Dies lässt sich durch eine chirurgische Maßnahme nicht erreichen.

      Ihre Erfahrungen entsprechen der aktuellen Studienlage.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  10. seepferdli sagt:

    Sehr geehrter Professor Göbel

    Occipitalnervinfiltationen (ONI) lindern meine Shmerzen einwenig. Meine Frage nun, wie oft und in welchen abständen kann man eine ONI machen lassen.
    Für die Antwort möchte ich mich jetzt schon bedanken.

    Freundliche Grüsse
    seepferdli

    • Liebe Seepferdli,

      das hängt ganz davon ab, welche Medikamente für die Infiltration verwendet werden. Kortison kann nur kurzfristig eingesetzt werden. Lokalanästhetika können häufiger im Rahmen einer Serie verwendet werden. Allerdings ist auch deren Anwendung keine dauerhafte Therapieoption.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  11. Guten Abend Herr Prof. Göbel,
    Ich hab Anfang Juni einen Termin in der Ambulanz bekommen, am Telefon wurde ich gefragt, ob eine stationäre Aufnahme empfohlen wurde.
    Auch hier im Forum ist die ein Thema.
    Da es zwar nicht unmachbar aber kompliziert wäre stationär nach Kiel zu fahren habe ich den Termin in der Ambulanz gemacht für mich als Schleswig-Holsteiner ist es auch kein großer Aufwand nach Kiel zu fahren.
    Würden sie mir zu einer stationären Behandlung raten oder ist eine ambulante Behandlung genauso möglich?

    Zu mir:
    Ich habe 6-7 Migräneanfälle im Monat die auch mit Meikamenten 3 Tage dauern.
    Außerdem habe ich chronische Spannungskopfschmerzen und sicherlich auch MIK, Ich leide seit meiner Pubertät unter SK und wohl auch Migräne.
    Da ich bei Ärzten, außer bei Dr. Heinze keine guten Erfahrungen gemacht habe, bin ich leider z.Zt nicht wirklich in Behandlung.
    Vielen Dank

    • Lieber Simon,

      bei 7 Migräneanfällen zu je 3 Tagen bestehen 21 Migränetage pro Monat. Daneben bestehen Dauerkopfschmerzen und Kopfschmerzen bei Medikamentenübergebrauch. Bei einer solchen komplexen Kopfschmerzerkrankung ist eine stationäre Kopfschmerzbehandlung mit der größten Erfolgswahrscheinlichkeit versehen.

      Dies gilt insbesondere, wenn die bisherigen ambulanten Therapieversuche nicht zielführend waren.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  12. Gabriella sagt:

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,
    zusätzlich zu meinem chronischen Clusterkopfschmerz ist bei mir vor einiger Zeit eine Veränderung am Ober- bis Hinterkopf/Schädelknochen eingetreten. Das Schädeldach erscheint dort in einem Areal von ca. 2cm x 5cm deutlich weicher und ist an dieser Stelle stark schmerzempfindlich. Wenn manuell oder durch Anlehnen Druck darauf ausgeübt wird, kommt es zu langanhaltenden Schmerzen, oft verbunden mit Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. Überhaupt tritt seit kurzem vermehrt Übelkeit und Erbrechen auf, was vorher nie der Fall war. Obwohl ich schon bei verschiedenen Ärzten war, konnte bis auf eine unerklärliche Läsion des Schädelknochen bisher nichts diagnostiziert werden. Meine Frage ist nun, ob es durch den Cluster auch zu Veränderungen am Kopf kommen kann, oder ob nach einem anderem Grund gesucht werden muss.
    Vielen Dank im Voraus!
    Mit freundlichen Grüßen

    • Liebe Gabriella,

      bei Clusterkopfschmerzen entstehen keine Läsionen des Schädelknochens. Es muss daher dringlich nach anderen Erkrankungen gefahndet werden, die solche Läsionen bedingen können.

      Stellen Sie sich bei einem Internisten und beim Orthopäden zur weiteren Diagnostik vor.

      Freundliche Grüße
      Hatmut Göbel

  13. Monika sagt:

    Lieber Herr Prof. Göbel,

    aufgrund seit knapp 2 Wochen andauernder massiver Oberbauch- und Darmproblemen (Diagnostik steht noch aus, momentan nehme ich Ranitidin 300 mg und Diätkost) muss ich zur Zeit leider auf meine gewohnte Schmerzmedikamentation gegen Spannungskopfschmerzen, Migräne etc. verzichten. Auch Supp. haben leider keinen Erfolg bringen können.

    Gestern riet man mir als Alternative zu Aspirin protect. Leider kann ich
    dieses aufgrund der Blutverdünnung nicht nehmen. Gibt es evtl. eine andere,
    ähnlich gut “magenumgehende” Alternative?

    Vielen lieben Dank für Ihre Mühe!

    Herzliche Grüße

    Monika

    • Liebe Monika

      bei Migräne können Triptane eingesetzt werden. Diese greifen die Magenschleimhaut nicht an. Als Schmerzmittel können Paracetamol oder Katadolon eingesetzt werden.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  14. Miriamel sagt:

    Sehr geehrter Prof. Göbel
    Seit 8 Jahren habe ich jedes Wochende eine Mirgäneattacke die ca 3 Tage anhält. Als Prophylaxe habe ich schon Betablocker, Valporinsäure und Flunarizin ausprobiert, aber ohne Erfolg. Jetzt hat mir mein Neurologe Topamax empfohlen. Ich habe aber bedenken das dieses Medikament meine Konzentration stark beeinträchtign könnte oder gar eine Depression auslöset. Gibt es zu diesem Medikament noch eine Alternative? Mein Neurologe sagte mir auch das ich zuviele Triptane einnehmen würde. Relpax, Maxalt oder Allegro+Naproxen sind entweder zuschwach oder die Wirkung hält nicht lange genug an. Derzeit nehme ich 5mg Ascotop+600mg Ibuprofen. Ich muß aber trotzdem jeweils nach ca. 24 Stunden wieder ein Ascotop nehmen. So bin ich in den letzten 4 Wochen auf 12 Triptane gekommen. Ich bin immer von max. 10 Triptanen in 4 Wochen ausgegangen, mein Neurologe sagte höchstens 6. Was ist richtig?

    Vielen Dank für ihre Antwort,
    Miriamel

    • Liebe Miriamel,

      bevor eine medikamentöse Vorbeugung gestartet wird, sollte eine Medikamentenpause erwogen werden. Die Triptane, oder andere Akutmedikamente können nach der 10/20 Regel an maximal 10 Tagen pro Monat eingesetzt werden.

      Da bei Ihnen regelmäßig das Wochenende betroffen ist, muss die Vorbeugung Lebensrhythmus, Anspannung und Stress besonders in den Mittelpunkt stellen. Ohne Optimierung dieser Bereiche können Medikamente alleine oft nur wenig bewirken.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  15. mrs.gasch sagt:

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,
    ich war vom 24.1.-7.2. in Kiel (30 Tage Sumatriptan, MÜK) und habe die bei Ihnen begonnene Medikamtenpause insgesamt 4 Wochen durchgehalten. Im März habe ich leider bislang schon 18 KS-Tage, fast überwiegend Migräne, konnte mich aber bislang an die 10er Regel halten, was nicht ganz einfach war.
    Kann man nach dieser Zeit schon sagen, ob aus der gelegentlichen Migräne von früher bereits eine chronische geworden ist? Oder kann/wird sich das in den nächsten Monaten noch auf ein “normales” Maß einpendeln?
    Falls es sich schon um eine chronische Migräne handelt, was kann ich dann noch tun?
    Vielen Dank für ihre Mühe.
    Herzliche Grüße
    Gabi Schmitz

    • Liebe Frau Schmitz,

      wie schön, dass Sie so tapfer mitwirken, eine Besserung zu erzielen. Die Besserung nach einer Medikamentenpause kann teilweise erst nach 8 Wochen eintreten. Wir empfehlen daher, so lange durchzuhalten.

      Treten trotzdem an mehr als 15 Tagen im Monat Migräneattacken auf, ist als Verlaufsform eine chronische Migräne anzunehmen. Auch diese kann sich jedoch zu einem späteren Zeitpunkt wieder in eine episodische Verlaufsform umändern.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  16. Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    ich bin dankbar, Ihre sehr informative Seite gefunden zu haben! Auch Ihr aktuelles Buch finde ich sehr interessant. Vorneweg, ich bin m, 36, Lehrer.

    Seit ca. 3 Monaten habe ich einen einseitgen Dauerkopfschmerz (ab 5-6 Tagen pro Woche), der meistens täglich die Seite wechselt. Meistens ist er vorne seitlich, mal links, mal rechts.
    Neurologisch ist lt. dem Doc alles in Ordnung, auch ein MRT vor knapp einem Jahr brachte nichts zu Tage. Dieses MRT wurde gemacht, weil schon lange unter heftigen Kopfschmerzattacken leide.
    Seit ich Ihr Buch gelesen habe, bin ich am überlegen, ob es ein MÜK sein könnte. Die 20/10 Regel habe ich zwar immer eingehalten, doch ging es doch schon ab und zu an die 10 hin. Meistens habe ich Thomapyrin genommen, Migräneattacken behandle ich seit ca. 1 Jahr mit Sumatriptan 50mg, 1 Tablette.
    Meine Hausärztin vermutet eher einen Burnout hinter den Kopfschmerzen und hat mich an eine Therapeutin verwiesen, die das ebenfalls vermutet. Der Neurologe hat auf Spannungskopfschmerz und Migräneattacken diagnostiziert.
    Neulich bin ich 10 Tage ohne Medikamente ausgekommen, da war der Dauerkopfschmerz nur ganz leicht, aber dann kam eine Migräneattacke dazwischen, die ich nicht ertragen konnte.
    Hausärztin und Therapeutin raten mir zu einer stationären psychosomatischen Kur, der ich auch nicht abgeneigt bin.
    Was kann/soll ich Ihrer Meinung nach machen? Kiel ist ca. 600km weg…

    Nachtrag: Aktuell nehme ich seit knapp 3 Monaten Fluoxetin 10mg pro Tag. Insgesamt fühle ich mich damit schon besser, aber auf die Schmerzen hat es keinen Einfluss genommen.
    Bei einer Blutuntersuchung wurde bei mir eine MGUS festgestellt, die aber seit der Entdeckung vor 1,5 Jahren stabil ist, und auch lt. dem Hämatologen nichts mit dem Kopfschmerzen zu tun hat.
    Die Thomapyrin hab ich nun durch Aspirin ersetzt. Die wirken zwar nicht ganz so gut, aber wenn das die Gefahr eines MÜK reduziert, nehme ich das gerne in Kauf.

    Vielen Dank für Ihre Antwort!!!

    • Lieber Feuerdorn,

      aufgrund Ihrer Schilderung ist anzunehmen, dass verschiedene Faktoren Ihr Schmerzproblem gegenseitig unterhalten und bedingen. Erschöpfung, Depression, Medikamentenübergebrauch, sowie die primären Kopfschmerzerkrankungen greifen in das Geschehen gegenseitig ein. Notwendig und hilfreich ist eine sogenannte multimodale Schmerztherapie. Dabei müssen all die genannten Faktoren gezielt in die Behandlung einbezogen werden.

      Eine reine psychosomatische Kur wird diese Bereiche nicht umfassend abdecken können.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  17. sternchen sagt:

    Sehr geehrter Herr Professor Göbel,
    mich würde sehr interessieren, wie weit die Forschung bzw. die Entwicklung neuer Medikamente gegen Migräne im Akutfall, als auch als Prophylaxemittel ist? Wie wahrscheinlich ist es, das ein neues Medikament noch dieses Jahr auf dem Markt erscheint, und für wen ist es geeignet?
    Ganz herzlichen Dank für Ihre Antwort.
    Herzliche Grüße
    Sternchen

    • Liebes Sternchen,

      in diesem Jahr ist das nadelfreie Sumatriptan zur Eigeninjektion unter die Haut zugelassen worden. Neue Substanzen zur Akuttherapie sind in diesem Jahr nicht zu erwarten. Es kann sein, dass Botox zur Behandlung der chronischen Migräne im Herbst diesen Jahres zugelassen wird.

      CGRP-Antagonisten werden in diesem Jahr nicht verfügbar werden.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  18. Sima sagt:

    Danke, nur die Antwort war ein wenig kompliziert für mich. Heißt das, dass ich darauf achten soll, wann die Wirkung anfängt nachzulassen und die Behandlung wiederholen?

  19. hallo herr göbel
    herzlichen dank für ihre super antwort.
    für die empfängnisverhütung ist gesorgt.

    wie meinen sie das mit der akuttherapie, also erst ein entzug und dann mit ofiril starten

  20. Wasserfrau sagt:

    Guten Abend Herr professor Göbel, nach meinen Aufenthalt in Ihre Klinik im April 2009 geht es mir deutlich besser. Die Prophylaxe “Concor Cor ” wurde auf 5 mg erhöht, die Schmerzne waren wenige und besser zu therapieren, mein Triptanverbrauch lag zwischen 8-10/Monat. Also immer noch viel aber trotzdem fühlete ich mich im ganzen besser.
    Nun nehem ich wegen starken Schlafstörungen aufgrund der Wechseljahre seit Dez 2010″Estreva 0,1% Gel, 1,5mg als Gel, dazu oral Gestagen. Nun stelle ich fest das ich höchsten noch 2 Anfälle im Monat habe und da oft keinen Triptane brauchen. Meinen Frage: liegt es am Östrogen??? Wie ist das plötzlich möglich das nach 15 Jahren fast von heute auf morgen die Beschwerden so drastisch nachlassen??.
    Ich freu mich auf Ihre Antwort und wünsche Ihnen und dem Team der Klinik weiter viel Erfolg
    Inge Milde

  21. vielen lieben dank herr göbel.
    kann ich den entzug auch ohne cortison machen?

    ich habe einen entzug bereits vor 2 gemacht, damals auch ohne cortison
    oder ist das nicht sinnvoll.

  22. Liebe Frau Milde,

    es ist schwer zu sagen, welche einzelne Therapiekomponente die Wirkung bedingt. Im Allgemeinen kann das Östrogen-Gel in den Wechseljahren keine Wirkung auf die Migräne bedingen. Es ist daher anzunehmen, dass andere Faktoren für die Besserung verantwortlich sind.

    Freundliche Grüße
    Hartmut Göbel

By | 2016-12-20T17:55:31+00:00 März 28th, 2011|Livechat|0 Kommentare

About the Author:

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Zur Werkzeugleiste springen