Migräne- und Kopfschmerz-Chat am 25.04.2011

  1. Sunny sagt:

    Hallo Prof. Göbel,

    ich leide unter Migräne und Spannungskopfschmerzen. Im Sommer nehmen meine Kopfschmerzen immer stark zu. Wenn ich mich z.B. in der Sonne aufhalte oder noch schlimmer im Garten arbeite, dann bekomme ich oft erst durch die Hitze Kopfschmerzen, manchmal sogar Migräne. Zeitweise helfen mir kalte Lappen im Nacken oder eiskaltes Wasser über den Nacken laufen zu lassen. Aber leider nicht immer. Was kann ich im Sommer noch tun, damit ich nicht immer so unter Kopfschmerzen leide? Es ist ja wirklich schade, wenn man das schöne Wetter nicht richtig genießen kann.
    Vielen Dank!

    Mit freundlichen Grüßen
    Michaela

    • Liebe Sunny,

      physikalische Reize wie Licht, Lärm und Hitze können Attacken auslösen. Der beste Schutz davor ist, solche Auslöser zu vermeiden. Das geht natürlich bei sommerlichen Temperaturen nur schwer. Die beste Vorbeugung ist daher, den Schatten zu suchen, viel zu trinken und körperliche Anstrengung einzuschränken. Leider ist das nicht so ideal, aber eine bessere Lösung kann ich bedauerlicherweise nicht vorschlagen.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  2. heika sagt:

    Lieber Herr Prof. Göbel,

    durch eine Vorerkrankung muss ich täglich 100 mg ASS zu mir nehmen. Wenn ich nun an einem Tag zu meinem Triptan 500 mg Naproxen genommen habe, um die Wirkung des Triptans zu verstärken, kann ich dann das ASS weglassen?

    Lieber Gruß
    Heika

    • Liebe Heika,

      Naproxen überwiegt die Wirkung von ASS 100, sodass an den Einnahmetagen ASS weggelassen werden kann.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

      • heika sagt:

        Vielen Dank für Ihre Antwort.
        Und überhaupt DANKE für alles, was Sie für uns tun!
        Heika

  3. Julia sagt:

    Lieber Herr Professor Göbel,

    ich habe den Eindruck, dass hier im Forum eine große Unsicherheit bezüglich der unterschiedlichen Wirkungen und Einsatzmöglichkeiten der verschiedenen Antiemetika besteht. Zum Beispiel kommt nie zur Sprache, dass MCP von einigen, wegen ihrer genetischen Disposition, nicht vertragen wird.
    Genauso gibt es m.E. Unsicherheiten beim Einsatz vom “Magenschutz”, den PPI.
    Die Antwort muss vielleicht nicht unbedingt heute hier im Chat kommen, aber wenn es Ihnen irgendwann möglich wäre, würde das sehr hilfreich sein.

    Schon mal ganz lieben Dank
    Julia

    • Liebe Julia,

      vielen Dank für diese wichtige Anregung, die tatsächlich nicht im Rahmen des Chats erschöpfend zu beantworten ist. Ich werde diese gerne in nächster Zeit in einer passenden Forengruppe beantworten.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  4. birgit d sagt:

    Lieber Herr Prof. Göbel,

    wie meine Mitpatientin, Sunny, leide ich auch unter Migräne und Spannungskopfschmerzen. Leider haben sich die Kopfschmerzen so ausgeweitet, dass selbst das Duschen, leichte sportliche Übungen, Tätigkeiten im Haushalt: wie Fenter zu putzen oder den Boden zu wischen, erst zu Spannungskopfschmerzen, die dann in eine Migräne übergehen, führen. Helles Sonnenlicht, Wind oder Kälte führen auch zu den o.g. Schmerzen. Hilft gegen die Spannungskopfschmerzen vielleicht doch eine Botoxinjektion in den Nacken? Ich fühle mich diesen Schmerzen so hilflos ausgeliefert.
    Vielen Dank!

    Mit freundlichem Gruß
    Birgit

    • Liebe Birgit,

      die Wirksamkeit von Botulinum-Toxin ist bisher nur für die chronische Migräne belegt. Die chronische Migräne nach der Definition dieser Studien, äußert sich in mindestens 8 Migränetagen pro Monat und zusätzlich mindestens 7 weiteren Kopfschmerztagen, die auch in Form von Spannungskopfschmerzen ablaufen können. Eine ähnliche Situation scheint ja bei Ihnen zu bestehen. Aus diesem Grunde könnte eine Behandlung eine Verbesserung erbringen. Das Arzneimittel wird jedoch erst voraussichtlich ab September des Jahres 2011 auch in Deutschland zugelassen sein und von den gesetzlichen Kassen übernommen werden.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  5. muschel sagt:

    Sehr geehrter Herr Professor Göbel,
    seit einigen Wochen bekomme ich regelmäßig in der Nacht von Freitag auf Samstag Migräne, meist gegen 2 bis 3 Uhr früh. Es liegt also nicht am geänderten Wach/Schlafrhythmus. In der Woche bin ich meist sehr erschöpft und ohne Motivation. Ich muss sehr viel Energie aufwenden, um morgens aufzustehen. Umsomehr freue ich mich auf das Wochenende, das dann aber keine Erholung bringt.
    Außerdem bin ich derzeit in den Wechseljahren, mein Östrogenspiegel ist stark gesunken. Kann das die Ursache für die geänderte Migräne sein? Aber woher kommt die Regelmäßigkeit der Attacken? Bisher kam die Migräne eher unregelmäßig, meist im Laufe des Tages, Auslöser war Sress.
    Vielen Dank für Ihren Rat.
    Mit freundlichem Gruß
    Muschel

    • Liebe Muschel,

      die Migräne kennt die Wochentage, der Samstag und der Sonntag sind leider die häufigsten Migränetage. Gründe dafür schließen ein: Rhythmusänderung am Wochenende, verändertes Ernährungsverhalten, Erschöpfung durch eine intensive Arbeitswoche und andere Faktoren, die unter der Woche keine Rolle spielen.

      Bei Ihnen könnten neben Wechseljahrsbeschwerden auch Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen für die geänderte Situation verantwortlich sein. In der vorbeugenden Behandlung sollten diese Faktoren daher eingehend berücksichtigt werden.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  6. urba sagt:

    Lieber Herr Prof. Göbel,

    kann es sein, dass ein Zusammenhang besteht zwischen Migräne und der Art des Träumens? Ich habe seit längerer Zeit Migräne, auch Spannungskopfschmerzen. Häufig beginnt die Migräne schon morgens beim Aufwachen. Irgendwann fiel mir auf, dass die letzten Traumfetzen, an die ich mich erinnern konnte, eine Gemeinsakeit aufwiesen: Ich hing immer in dem vorangegangenen Traum fest wie in einer unendlichen Spirale, musste vor dem Aufwachen eine Aufgabe lösen, die im Traum niemals eine Lösung hat – grässlich! Im Wachzustand erkenne ich sofort, dass die Lösung des Problems gar nicht schwierig ist. Aber die Migrane/der Kopfschmerz pocht schon im Kopf. Die Inhalte der Träume haben meist mit Dingen zu tun, die mich gerade beschäftigen. Das kann so banal sein wie das Umordnen einer Exceltabelle oder das Basteln an einer Lampe. Jedenfalls geht dieses Festhängen im oder am Traum einer Migräne voraus.
    Danke für Ihre Antwort!

    Viele Grüße
    urba

    • Liebe(r) Urba,

      vielen Dank für diese interessante Beobachtung. Zwischen den Träumen, dem Schlafen und der Migräne gibt es viele Verbindungen. So kann z.B. im Rahmen einer Migräneattacke eine tiefe Schläfrigkeit bis zur Bewusstlosigkeit entstehen. Schlafwandeln kann eine Form der Migräneaura darstellen. Bewusstseinsverschiebungen wie zB. das “Alice im Wunderland-Syndrom” kann ebenfalls im Rahmen einer Migräneaura auftreten. Viele Patienten kennen auch, dass das Gähnen eine Migräneattacke ankündigt.

      Die Migräneattacken entstehen oft aus dem Schlaf heraus. Daher erinnert man sich sehr häufig an Träume, die vor dem Aufwachen stattgefunden haben. Ihre Beobachtung eines Verhaftens in vermeintlich unlösbaren Problemen entspricht Berichten anderer Migränepatienten über die Phase vor dem Anfall. Auch im Wachzustand gelingen oft Dinge nicht, die sonst völlig einfach zu lösen wären. Systematische Beobachtungen dazu sind mir leider nicht bekannt. Ihre Frage allerdings motiviert dazu, diesem Thema einmal näher nachzugehen.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

      • urba sagt:

        Lieber Herr Prof. Göbel,

        herzlichen Dank für die Antwort. Was ist das „Alice im Wunderland-Syndrom“?

        Viele Grüße
        Ursula (Urba)

  7. Monika sagt:

    Lieber Herr Prof. Göbel,

    die Krankengeschichte meines Sohnes setze ich als bekannt voraus.

    Momentan bekommt er Immunglobuline gespritzt und nimmt neben verschiedenen Nahrungsergänzungsmittel mit großem Erfolg 100 mg Vigil morgens ein.

    Da bis jetzt keine effektive Attackentherapie gefunden wurde, ist für den Notfall Kortison angedacht. Nach meinem Wissen sollte man dazu Diazepam einnehmen.

    Lt. dem Beipackzettel (Vigil) könnte es allerdings zu Wechselwirkungen mit Diazepam kommen.

    Wir verhalte ich mich bei einer Attacke nun am Besten? Sollte er in dem Fall ausschließlich das Kortison einnehmen und auf das Diazepam verzichten? Oder sollte er doch lieber ganz auf eine Einnahme verzichten und die Attacke ausliegen? Welche Möglichkeit wäre in Ihren Augen die Sinnvollste?

    Vielen lieben Dank im Voraus für Ihre Einschätzung.

    Herzliche Grüße

    Monika Koch

    • Liebe Monika,

      bei schweren Migräneattacken kann im Notfall Kortison als Ausnahmetherapie eingesetzt werden. Im Einzelfall erscheint auch die Kombination mit Diazepam möglich. Da dadurch Müdigkeit entsteht, ist es sehr wahrscheinlich, dass die nächsten Stunden eh im Bett verbracht werden müssen und sollen. Daher kann bei schweren Migräneanfällen die kombinierte Therapie zielführend sein.

      Die Wechselwirkungen sollten bei dem ausnahmsweisen Einsatz im Anfall ohne größere Bedeutsamkeit sein.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  8. Monika sagt:

    Lieber Herr Prof. Göbel,

    seit einiger Zeit habe ich massive Magen-Darm-Beschwerden (Gastritis, neu aufgetretene Laktoseintoleranz etc.). Momentan wird mit Ranitidin und entsprechender Diätkost behandelt, dadurch sind die Beschwerden nun schon etwas besser geworden.

    Allerdings hat meine Migräne in den letzten Wochen sehr zugenommen, ebenso Schmerzen, die von der BWS ausgehen (Skoliose), rezidivierendes Schulter-Arm-Syndrom und immer wiederkehrende Interkostalneuralgien, Spannungskopfschmerzen …

    Früher habe ich diese Schmerzen ziemlich erfolgreich mit Diclophenac behandelt, heute ist das aufgrund der Probleme im Verdauungstrakt leider nicht mehr möglich. Ferner war die Migräne bisher nie so präsent wie jetzt (gibt es evtl. einen Zusammenhang mit der Laktoseintoleranz?).

    Beim letzten Chat hatten Sie mir die Einnahme von Katadolon empfohlen. Damit konnte ich gute Erfolge erzielen, allerdings nicht, wenn ich zusätzlich noch Migräne habe.

    Wie kann ich mich in dem Fall am Besten verhalten? Soll bzw. kann ich dann zusätzlich zum Katadolon ein Triptan (Sumatriptan?) einnehmen?

    Herzlichen Dank für Ihre Mühe

    Liebe Grüße

    Monika Koch

    • Liebe Monika,

      leider kommen viele gesundheitliche Beschwerden zusammen. Tatsächlich ist der Einsatz von Diclofenac bei Magenschleimhautreizung nicht zielführend. Katadolon greift die Magenschleimhaut nicht an und wird in dieser Situation besser vertragen. Bei schweren Migräneanfällen ist die zusätzliche Einnahme von einem Triptan möglich.

      Eine Alternative zu Diclofenac wären die Cox-2-Hemmer, wie z.B. Arcoxia. Die Magenverträglichkeit ist dabei besser. Auch ist die Wahrscheinlichkeit für einen MÜK geringer als bei Diclofenac.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  9. torsten07 sagt:

    Hallo Herr Prof. Göbel,

    seit 8 Jahren leide ich unter einem episodischen Clusterkopfschmerz. Die schmerzfreien Intervalle waren in der Regel 1 bis 1,5 Jahre. Da die Attackenhäufigkeit im Herbst letzten Jahres zunahm, verschrieb mir meine Neurologin Verapamil 40mg 3×1 Tablette. Darunter war ich sofort schmerzfrei. Die letzte Schmerzphase war im September letzten Jahres und seit letzten Donnerstag ist mein Cluster wieder aktiv. Ich habe sofort wieder Verapamil 40 3×1 Tablette genommen und bin wieder schmerzfrei. Nun meine Frage: Ist mit der Einnahme von Verapamil eine Verkürzung der schmerzfreien Intervalle möglich bzw. verändert sich auch ein zeitliches Muster bei einem Clusterkopfschmerz ? Meine Clusterkopfschmerzphase dauert in der Regel 10 – 12 Wochen.

    Vielen Dank für ihre Antwort

    Torsten Göbel

    • Lieber Torsten,

      Verapamil hat keinen Einfluss auf die schmerzfreien Intervalle zwischen den aktiven Clusterperioden. Die aktiven Perioden werden vom spontanen Verlauf bedingt. Im Gegenteil ist es besser, Verapamil konstant über längere Zeiten einzunehmen, um das Auftreten einer erneuten aktiven Periode zu verhindern.

      Es ist erfreulich, dass die sehr geringe Dosis von 3 x 40 mg Verapamil bei Ihnen wirkt. Sollte das nicht mehr der Fall sein, würden wir ein Umstellen auf retardiertes Verapamil erwägen, das normalerweise in einer Eingangsdosierung von 2 x 120 mg im Abstand von 12 Stunden dosiert wird. Normalerweise gibt man Verapamil 6 Wochen über die letzte Attacke hinaus.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

By | 2016-12-20T17:55:31+00:00 April 25th, 2011|Livechat|0 Kommentare

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