Migräne- und Kopfschmerz-Chat am 28.07.2013

Dies ist unsere Gruppe zum Migräne- und Kopfschmerz-Chat und sie funktioniert folgendermaßen: Um ca. 12:00 Uhr des jeweiligen Chat-Tages wird die Kommentar-Funktion aktiviert. Will man eine Frage eintragen, klickt man in das Fenster der Kommentarfunktion. Hat man eine Frage eingetragen, sieht man unter seinem Beitrag “Antworten”. Diese Antwortfunktion benutzt Prof. Göbel, um die Antwort auf die vorherige Frage einzustellen. Prof. Göbels Antwort ist dann ein wenig eingerückt und unterscheidet sich daher auch optisch von den Fragen. Sollte der Fragesteller zum selben Thema noch eine Folgefrage haben, bitte auch auf “Antworten” klicken – aber nur dann! Sonst bitte immer in das Kommentar-Fenster schreiben. Nach dem Chat wird die Kommentar-Funktion wieder deaktiviert bis zum nächsten Chat-Tag. Alle Fragen und Antworten bleiben in diesem Blog erhalten und bestimmte Themen können jederzeit mit der Such-Funktion wiedergefunden werden. Alle Aktionen werden am Chat-Tag auch auf der Startseite des Headbook aufscheinen.

Fragen können nur am jeweiligen Chat-Tag ab 12:00 Uhr eingetragen werden. Bitte immer auf das aktuelle Datum in der Überschrift achten, das unter “Live-Chats” eingetragen ist.

By | 2013-07-28T21:38:29+00:00 Juli 7th, 2013|Livechat|57 Comments

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Profilbild von Bettina Frank - Moderatorin

57 Kommentare

  1. Profilbild von Bettina Frank - Moderatorin
    Bettina Frank - Moderatorin 28. Juli 2013 um 11:35 Uhr

    Frage von Beatrice:

    Guten Tag Herr Dr- Göbel
    Ich erlaube mich Sie als 2nd Opinion anzufragen.
    Ich habe seit Okt. 2011 jeden Tag einen Migräne Anfall. Ich bekam verschiedene und immer stärkere Epilepsie-Mittel, die nicht viel nützten, aber starke Nebenwirkungen hatten. An Pfingsten 2012 kam ich dann zum Triptane-Entzug in die Barmelweid Klinik in der Nähe von Aarau. Dort gab man mir einfach Novalgin gegen die Migräne Anfälle. Da ich gelesen hatte, dass ein Triptane Entzug eigentlich nach 1 Woche von Erfolg gekrönt sein sollte, wollte ich nicht noch eine 4. Woche dort bleiben. Ich sah den Sinn nicht ein, denn geholfen hat es mir nicht.
    Am 10. November bekam ich dann eine Botox Spritze und hatte dann ein halbes Jahr Ruhe. Dann konnte ich wieder nicht schlafen, trotz der Schlafmittel und die Migräne kam zurück. Der Migräne Arzt spritzte mir erneut Botox, aber diesmal half sie mir nicht und ich hatte wieder jeden Tag einen Migräne Anfall. Im April 2013 starb dann meine Mutter und im Mai konnte mein demenzkranker Mann nicht mehr schlucken. Es stellte sich heraus, dass er einen inoperabler Tumor an der Speiseröhre hatte und ihm wurde ein Stunt an der Speiseröhre eingesetzt. Als ich meinen Mann im Spital besuchte stürzte ich ein 5. Mal wegen meiner defekten Wirbelsäule und ich hatte eine Gehirnerschütterung.
    Ich nehme jetzt jeden Tag Efexor 150 mg und Meta Zerok 50 mg, Vitamin D und Vitamin B12 an denen ich einen Mangel hatte. Wenn ich früh erwache und die Migräne noch nicht so stark ist nehme ich Co-Dafalgan, wenn ich beim Erwachen schon sehr starke Migräne habe, nehme ich Relpax. Meine Nierenwerte sind nicht so gut.
    Mein Migräne Arzt hat mir nun vorgeschlagen, dass ich nochmals einen Entzug im Kantonsspital von Baden mache, der dortige Neurologe ist Präsident der Migräne Gesellschaft Schweiz. Mein Arzt ist der Meinung, dass man mir in der Barmelweid Klinik nicht den richtigen Entzug machte und will der Krankenkasse eine Gesuch für einen 2. Medikamenten Entzug stellen. Gibt es noch eine andere Lösung, denn ich möchte doch wieder wie früher höchstens 1-2 Anfälle pro Monat haben und nicht deren 30.
    Was soll ich Ihrer Meinung tun. Auf Anraten der Ärzte habe ich meinen Mann nun gestern ins Pflegeheim gebracht. Also sollte ich von dieser Seite her keinen Stress mehr haben.

    • Profilbild von Anna
      Anna 28. Juli 2013 um 13:06 Uhr

      Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

      vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen.
      Ich bin 44 J., habe seit ein paar Jahren ca. 1 x im Monat in der Woche vor meinen Tagen halbseitige Kopfschmerzen. Diese sind immer von Durst, Blässe, müden Beinen, Antriebslosigkeit, Erschöpfung und drückenden Fußsohlen begleitet. Manchmal fühle ich mich auch an dem Tag morgens ganz besonders ausgeruht, doch mittags schleichen sich die Symptome ein. Manchmal beginnt es im Nacken. Wenn ich sofort eine Paracetamol nehme, bessert es sich, habe dann nur noch das Gefühl, etwas betäubt zu sein. Zögere ich die Einnahme über Stunden hinaus und bleibe dabei noch in Bewegung, wird der Schmerz stärker, ist dumpf oder es kann ein halbseitiges Pochen an der Schläfe mit Beklemmung in der Brust, selten mit Erbrechen, geben. Wenn ich mich ruhig hinlege, bessern sich die Beschwerden auch. Von Anfang bis Ende dauert es zwischen 1-2 Tagen, bin am nächsten Tag zwar noch etwas erschöpft, aber wieder arbeitsfähig. Oft habe ich in den nächsten Tagen ein leichtes Ziehen auf der anderen Kopfseite gehabt. Mein Hausarzt war sich nicht im Klaren, diagnostizierte dann eine Migräne. Sollte ich etwas ändern?

      Liebe Grüße,
      Anna

      • Profilbild von Anna
        Anna 28. Juli 2013 um 13:09 Uhr

        …Uups, sorry, ich bin mit dem Chatten nicht vertraut.

        • Profilbild von Bettina Frank - Moderatorin
          Bettina Frank - Moderatorin 28. Juli 2013 um 13:15 Uhr

          Anna, kannst Du bitte Deinen Beitrag kopieren und neu einstellen? 😉 Scrolle ganz nach unten und setze ihn im freien Fenster ein. Du hast sozusagen auf den ersten Beitrag geantwortet und da möchte Prof. Göbel seine Antwort eintragen. Danke!

          Ich kann ihn dann gerne für Dich löschen, wenn Du ihn neu eingestellt hast.

      • Profilbild von Hartmut Göbel
        Hartmut Göbel 28. Juli 2013 um 19:32 Uhr

        Liebe Beatrice,

        bei Bestehen eines Kopfschmerzes durch Medikamentenübergebrauch ist eine Medikamentenpause erforderlich. Während dieser Zeit darf man keine Akutmedikamente einnehmen, die sonst normalerweise bei Kopfschmerzen und Migräne wirksam sind. Werden solche Medikamente verabreicht, funktioniert die Pause nicht und das Kopfschmerzleiden bleibt in der entsprechenden Intensität bestehen. Auch die Behandlung mit Botulinumtoxin bei einem Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch führt nicht zur Linderung der Problematik. Notwendig ist daher eine nochmalige adäquate Pause, um ein zielführendes Behandlungsresultat zu ermöglichen.

        Freundliche Grüße
        Hartmut Göbel

      • Profilbild von Hartmut Göbel
        Hartmut Göbel 28. Juli 2013 um 19:34 Uhr

        Liebe Anna,

        Ihre Schilderungen sprechen sehr dafür, dass bei Ihnen eine Migräne besteht. Die Attacken treten nach Ihren Angaben menstruellgebunden auf. Um den Anfall wirksam zu behandeln, sollten Sie möglichst frühzeitig ein Migräneakutmedikament einsetzen. Möglich sind Schmerzmittel oder ein spezifisches Migränemittel in Form der Triptane. Da die Behandlung mit Paracetamol nur unzuverlässig Ihre Kopfschmerzen reduziert, sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen, ob nicht eine Behandlung mit einem Triptan erfolgen sollte.

        Freundliche Grüße
        Hartmut Göbel

  2. Profilbild von Pascale
    Pascale 28. Juli 2013 um 11:48 Uhr

    Hallo Prof.Göbel,

    seit meinen Aufenthalt in Kiel , letztes Jahr im
    August, nehme ich Stangyl als Migräne Prophylaxe.
    ( Das sich nicht positiv auf meine Anfälle auswirkt,
    sondern auf meine Psyche.)
    Da ich jetzt fast jede Woche 1-3 Tage Migräne uns Spannnungskopfschmerzen habe, meinte mein Neurologe ich sollte es mit 25mg – 50mg Topiramat probieren.
    Stangyl soll ich dann auch abends weiterhin gleichzeitig mit einnehmen. Ich habe aber von einigen starken Nebenwirkungen gehört,
    gerade auch in der Wechselwirkung mit Stangyl.
    Jetzt ist meine Frage, soll ich es mit Topiramat probieren,
    und passt Stangyl dazu oder lieber ein anderes Medikament.

    Vielen Dank und liebe Grüße nach Kiel.

    Pascale

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 28. Juli 2013 um 19:35 Uhr

      Lieber Pascal,

      ein bis drei Migränetage pro Woche bedeutet, dass Sie im Monat zwischen vier bis zwölf Migränetage erleiden. Bei Vorliegen von Stimmungsproblemen sollte sorgfältig abgewogen werden, ob eine vorbeugende Behandlung mit Topiramat eingeleitet wird. Unter Topiramat können sich häufig Stimmungsprobleme und Ängste entwickeln. In erster Linie sollte zur Vorbeugung eine Monotherapie mit einem einzigen Medikament versucht werden. Wenn Stangyl gut vertragen wird, wäre es empfehlenswert, zunächst dieses Medikament bezüglich seiner Dosis zu erhöhen um damit einen weiteren Effekt zu erzielen. Bitte besprechen Sie diese Option mit Ihrem aktuell behandelnden Arzt.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  3. Profilbild von Claudia
    Claudia 28. Juli 2013 um 12:01 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,
    ich hätte eine Frage bezüglich Prophylaxe. Seit ca. 9 Monaten nehme ich als Prophylaxe Amlodipin 5 mg morgens und 5 mg abends und zusätzlich seit ca. 5 Monaten abends noch 75 mg Opipramol. Diese Kombination hilft mir sehr gut und die Migräne und Spannungskopfschmerzen haben sich merklich reduziert.
    Warum soll man eine Migräneprophylaxe eigentlich nach ca. 9-12 Monaten absetzen bzw. langsam ausschleichen? Und falls dann sich der Zustand wieder verschlechtert, könnte man die Prophylaxe auch dauerhaft nehmen?
    DANKE für die Rückmeldung im voraus.

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 28. Juli 2013 um 19:37 Uhr

      Liebe Anastasia,

      man setzt sich eine Grenze in der Migräneprophylaxe von sechs bis neun Monaten, um zu diesem Zeitpunkt zu überprüfen, ob die Prophylaxe überhaupt noch notwendig ist. Stellt sich nämlich eine sehr gute Besserung ein, kann man erwägen, die Prophylaxe abzudosieren oder ganz zu beenden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass bei einem guten Behandlungseffekt und guter Verträglichkeit die Prophylaxe zu diesem Zeitpunkt abgesetzt werden muss. Ist man unsicher, ob die Wirkung bestehen bleibt und möchte gerne aufgrund früherer Erfahrungen den positiven Effekt weiter aufrechterhalten, kann selbstverständlich die Vorbeugung weiter durchgeführt werden. Die Prophylaxe kann auch dauerhaft eingenommen werden, wenn dies erforderlich ist.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  4. Profilbild von Marlene
    Marlene 28. Juli 2013 um 12:04 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    danke für die Möglichkeit, wieder eine Frage im Chat zu stellen.

    Obwohl ich mit vielen verschiedenen Prophylaxemedikamenten und durch Verhaltensmaßnahmen versucht habe, meine Migräne in den Griff zu bekommen, hat bisher keine der Maßnahmen gewirkt. Die Migräneschwelle ist extrem niedrig und es hat sich auch schon mehrmals ein status migänosus entwickelt.
    Das dann eingesetzte Kortison (Prednisolon, Methylprednisolon, Dexamethason), hat nicht zur Beendigung der Schmerzen geführt; es haben sich nach Einnahme extrem starke Kopfschmerzen entwickelt, die noch tagelang (trotz Absetzen des Kortison) anhielten und den Migräneschmerz überdeckt haben (Vermutung meiner Ärztin: erhöhter Hirndruck).
    Meine Frage lautet nun, gibt es ein Alternativmedikament zum Kortison??

    Wären eine Metoclopramid-oder Magnesiuminfusion eine Möglichkeit? Wenn ja, Magnesium in welcher Form?

    Nochmals vielen Dank für Ihre Antwort.
    Marlene

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 28. Juli 2013 um 19:39 Uhr

      Liebe Marlene,

      Kortisonpräparate sollten nur im Ausnahmefall bei der Migräne eingesetzt werden. Migräne ist eine chronische Erkrankung, gerade bei hochfrequenten Attacken hat Kortison im Langzeitgebrauch zu viele Nebenwirkungen und kann nicht kontinuierlich und dauerhaft eingesetzt werden. Auch Kortison kann bei zu häufiger Einnahme einen Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz und einen Absetzkopfschmerz bedingen.

      Es führt daher kein Weg daran vorbei, eine möglichst wirksame Vorbeugung zu finden. Als Notfallmedikament beim Status migraenosus oder auch bei hochfrequenten Migräneattacken sowie bei Rebound-Kopfschmerz im Rahmen eines Medikamentenentzugs können Metoclopramid, Magnesium und eine Reihe weiterer Medikamente eingesetzt werden. Dabei kommt es jedoch sehr individuell auf den Einzelfall an. Magnesium steht in Form von Magnesium-Ampullen für den behandelnden Arzt zur Verfügung.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  5. Profilbild von Martina
    Martina 28. Juli 2013 um 12:06 Uhr

    Lieber Herr Prof. Dr. Göbel,

    auf dem Schmerzkongress 2012 in Mannheim berichteten Sie über die gute Wirksamkeit von Katadolon S long im Falle verspannungsbedingter Schmerzen im Schulter-Nacken und Kopfbereich bei einer Anwendung über 12 Wochen.
    Im selben Jahr schrieben Sie im Forum, dass noch nicht geklärt sei, ob Katadolon einen Mük auslösen könne.

    Meine Frage lautet nun, ob es diesbezüglich neue Erkenntnisse gibt, insbesondere wenn Katadolon S long beim Vorliegen eines komplexen Schmerzsyndroms (einschl. Migräne und Spannungskopfschmerzen) als Prophylaxe für die genannten Spannungskopfschmerzen eingesetzt wird.

    Vielen herzlichen Dank für Ihre Antwort und freundliche Grüße
    Martina

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 28. Juli 2013 um 19:40 Uhr

      Liebe Martina,

      es ist weiterhin noch nicht eindeutig wissenschaftlich erklärt, ob Flupirtin in retardierter Form einen Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch induzieren kann. Flupirtin in unretardierter Form scheint dies in Einzelfällen zu bewirken. Insofern liegen keine neuen Erkenntnisse diesbezüglich vor. Mittlerweile liegen jedoch neue Empfehlungen für den Einsatz von retardiertem Flupirtin vor. Danach sollte dieses Medikament nur über einen limitierten Zeitraum eingesetzt werden.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  6. Profilbild von Marilla
    Marilla 28. Juli 2013 um 12:11 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    ich habe ein Tensgerät. Dies ist wohl auch bei Migräne nutzbar. Wo sollte ich das ansetzen und mit welchen Einstellungen?

    Können Sie was zur Einnahmemenge und -dauer von dem homoöpathischen Arzneimittel Dolor-orthim sagen? Halten Sie da was von? Ich habe das über eine Anzeige gefunden und mit 2 mal 15 Tropfen angefangen. Ich meine es tut mir gut, wobei es bei Migräne ja nie eine echte 1 zu 1 Wirkung gibt.

    Danke

    Marilla

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 28. Juli 2013 um 19:40 Uhr

      Liebe Marilla,

      ein TENS-Gerät können Sie im Bereich der Schulter- und Nackenmuskulatur einsetzen. Dort wird oft Muskelanspannung und erhöhte Sensitivität empfunden. Das TENS-Gerät kann diese reduzieren und so Auslösemechanismen der Migräne im Einzelfall stabilisieren. Im akuten Anfall ist ein TENS-Gerät in aller Regel nicht zielführend.

      Homöopathische Arzneimittel wurden sehr intensiv zur Vorbeugung der Migräne untersucht. Bedauerlicherweise zeigte sich dabei keine Wirksamkeit.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  7. Profilbild von Tina
    Tina 28. Juli 2013 um 12:15 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    auch ich möchte die Gelegenheit nutzen, Sie heute um Ihren Rat zu bitten.

    Beim Versuch, mich im Forum über Tizanidin zu informieren, bin ich auf unterschiedliche, sich z.T. widersprechende Aussagen gestoßen. Meine Fragen dazu lauten nun:

    • hat sich inzwischen der Verdacht bestätigt, dass die prophylaktische Einnahme von Tizanidin einen Mük verursacht?
    • Sollte diese Frage noch ungeklärt sein: wie verhält man sich dann am besten bei der Einnahme von Tizanidin als Akutmedikament; kann man es zusätzlich zu den 10 Medikamententagen nehmen oder sollte man es vorsichtshalber mit einbeziehen?

    Recht herzlichen Dank für Ihre Antwort und viele Grüße nach Kiel.
    Tina

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 28. Juli 2013 um 20:22 Uhr

      Liebe Tina,

      zur Frage, ob Tizanidin einen MÜK verursacht, liegen keine neuen Erkenntnisse vor. Es wird in den Leitlinien zur Vorbeugung des Kopfschmerzes vom Spannungstyp angeführt. Man geht davon aus, dass ein MÜK dadurch nicht bedingt wird. Die Einnahme von Tizanidin als Akutmedikament ist ungewöhnlich. Die Wirksamkeit ist nicht bestätigt. Wenn es bei Ihnen jedoch hilft, sollten Sie es vorsichtshalber in die 10er-Regel einbeziehen.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  8. Profilbild von Lilly
    Lilly 28. Juli 2013 um 12:17 Uhr

    Sehr geehrter Prof. Göbel,

    zunächst einmal vielen Dank für Ihre Zeit und Mühe, die Sie für diesen Chat aufbringen.

    Seit längerer Zeit versuche ich mich über die Rolle des Serotonins zu informieren, aber mir ist einiges in diesem Zusammenhang unklar geblieben. Daher würde ich mich freuen, wenn Sie mir ein wenig Klarheit verschaffen könnten.
    Wenn ich es richtig verstanden habe, ist ein Serotoninmangel aufgrund einer vorherigen Ausschüttung maßgeblich an dem Migränegeschehen beteiligt. Bedeutet das nun, dass Serotonin ausgeschüttet wird, wenn zuviel davon vorhanden ist und sollte man daher (abgesehen von allen anderen Verhaltensmaßnahmen) bzgl. der Ernährung besonders darauf achten (z.B. keine Bananen essen)? Andererseits liest man, dass ein ausreichend hoher Serotoninspiegel die allgemeine Schmerzschwelle senken kann, was dann für eine Ernährung sprechen würde, die die Serotoninproduktion ankurbelt. Da ich an verschiedenen Schmerzarten leide (einschl. Migräne), wüsste ich nun gerne, wie ich mich in diesem Fall ernährungsmäßig am besten verhalte.

    Nochmals vielen lieben Dank für Ihre Antwort.
    Lilly

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 28. Juli 2013 um 20:24 Uhr

      Liebe Lilly,

      Serotonin spielt im Nervensystem eine wichtige Rolle als Botenstoff. Migräne entsteht nicht, wie man früher angenommen hat, durch ein zu viel oder ein zu wenig an Serotonin. Serotonin spielt jedoch eine wichtige Rolle in der Regulation von Nervenfunktionen. Heute sind über 100 verschiedene Serotoninrezeptoren bekannt, die, ähnlich wie Postleitzahlen, im Körper für verschiedene Funktionen verantwortlich sind. Der Körper kann durch Freisetzung bestimmter Botenstoffe diese gezielt ansprechen und damit im Körper Funktionen auslösen. In der Behandlung macht man sich dies zu Nutze, indem man bestimmte selektive Serotoninagonisten einsetzt, um zum Beispiel Entzündungsmechanismen oder Gefäßreaktionen therapeutisch zu beeinflussen. Das bedeutet jedoch nicht, dass während des Migränegeschehens zu viel oder zu wenig Serotonin ausgeschüttet wird. Tatsächlich ging man vor etwa 25 Jahren davon aus.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  9. Profilbild von Molly
    Molly 28. Juli 2013 um 12:18 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    wieder einmal sind Fragen aufgetaucht und wieder einmal bin ich froh und dankbar, mich an dieser Stelle an Sie wenden zu können.
    Aufgrund eines komplexen Schmerzgeschehens (einschl. Migräne) habe ich zahlreiche Prophylaxen ausprobiert, die entweder nicht die erhoffte Wirkung oder kontraproduktive Nebenwirkungen (z.B. Zittern des Kiefers = Verstärkung meiner Kiefergelenkarthrose) hatten.
    Nun möchte ich als Migräneprophylaxe das Mutterkraut ausprobieren, über das es hier in Deutschland leider wenig Erfahrungen gibt, da es kaum angewendet wird. Vielleicht können Sie mir dennoch meine diesbzgl. Frage beantworten.
    Nach meinen Kenntnissen wird Mutterkraut in England zur Migräneprophylaxe, allerdings auch zur Behandlung akuter Schmerzen und Fieber angewendet. Bedeutet das nun, dass man es als Akutmedikament einstufen müsste und sich durch die kontinuierliche Einnahme zur Migräneprophylaxe ein Mük entwickeln könnte?
    Gelten allgemein bei pflanzl. Präparaten dieselben Regeln wie bei chem. Arzneimitteln?

    Ich danke Ihnen im Voraus für Ihre Antwort
    Molly

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 28. Juli 2013 um 20:25 Uhr

      Liebe Molly,

      Mutterkraut wurde in mehreren Studien hinsichtlich der prophylaktischen Wirkung bei der Migräne untersucht. Dabei konnte bedauerlicherweise kein wirksamer Effekt festgestellt werden. Aus diesem Grunde setzt man Mutterkraut zur Migränevorbeugung nicht ein. Als Akutmedikament muss man Mutterkraut nicht auffassen, es wirkt nicht in der akuten Anwendung bei Migräne.

      Grundsätzlich gelten bei pflanzlichen Präparaten die gleichen Regeln wie bei chemischen Arzneimitteln. Auch diese wirken über chemische Moleküle, es besteht dabei kein Unterschied.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  10. Profilbild von
    manderley 28. Juli 2013 um 12:35 Uhr

    Lieber Herr Professor Göbel,
    meine Migränekarriere dauert nun schon seit meinem 10 Lj. an, ich bin jetzt 49 Jahre alt.
    Sämtliche Prophylaxen und einige Klinikaufenthalte habe ich auch schon durch und gelte bei einigen Neurologen mehr oder weniger als „austherapiert“ (Originalton der Neurologen)
    Nun setze ich auf die Wechseljahre, dam eine Migräne hormonell bedingt ist. Jedoch leider nicht nur auf die Zeit der Periode, sondern auch während des Eisprungs. Hormonell wurde auch schon viel probiert von der durchgehenden Pille bis hin zum Implanolstäbchen.
    Maxalt hilft mir allerdings gut.
    MEINE FRAGE NUN; WELCHE ALTERNATIVEN GIBT ES NOCH IN DEN WECHSELJARHEN

    (meine Frauenärztin ist darin sehr unbeholfen und wartet immer meine Vorschläge ab)

    UND
    WAS KANN MAN NOCH IN DER AKKUTMEDIZIN MACHEN? (von Prophylaxen möchte ich erstmal abstand halten) z.b. sprach mich mein Hausarzt auf nitrospray an.

    :))Herzlichen Dank für Ihre Mühe–Manderley

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 28. Juli 2013 um 20:26 Uhr

      Liebe Manderley,

      in den Wechseljahren nimmt die Migräne bei ca. 25% der Frauen ab. Allerdings nimmt sie bei einem weiteren Viertel zu, bei rund 50% bleibt sie konstant. Insgesamt ändert sich also an der Migränehäufigkeit durch die Wechseljahre im Mittel nichts. Die Behandlung der Migräne in den Wechseljahren unterscheidet sich nicht von den Prinzipien der Migränebehandlung in anderen Lebensabschnitten. Eine Hormonbehandlung ist nach heutiger Meinung nicht wirksam. Bei sehr häufiger Migräne sollte man sich auch mit einer medikamentösen Prophylaxe nach den aktuellen Standards auseinandersetzen und den Einsatz erwägen. Nitrospray gehört jedoch nicht dazu.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  11. Profilbild von Johanna
    Johanna 28. Juli 2013 um 12:57 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    Ich nehme seit April 2013 Topamax.

    Die Wirkung für den Kopf ist bisher nicht von „durchschlagendem Erfolg“ gekrönt, ich habe vor 14 Tagen um 25 mg auf 100 mg erhöht und beobachte noch.

    Ich habe allerdings festgestellt, dass meine seit mehreren Jahren fast ständig irgendwo vorhandenen diffusen Schmerzen im Körper (Arm, Schulter, Knie, Fuß) verschwunden sind. Kann das zusammenhängen mit der Einnahme von Topamax oder ist es nur Zufall?

    Vielen Dank, dass Sie sich an einem Sonntagabend im Hochsommer Zeit für unsere Fragen nehmen.

    Herzliche Grüße

    Johanna

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 28. Juli 2013 um 20:33 Uhr

      Liebe Johanna,

      bei sehr häufiger Migräne kann insgesamt das Schmerzabwehrsystem erschöpft werden und sich auch eine allgemeine hohe Schmerzempfindlichkeit einstellen. Unter der Behandlung mit Topamax kann eine Besserung dieser Symptomatik eintreten. Der Effekt kann also mit der Behandlung zusammenhängen.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  12. Profilbild von Angeli Ka
    Angeli Ka 28. Juli 2013 um 13:05 Uhr

    Sehr geehrter Herr Dr. Göbel,
    Ich nehme seit drei Jahren Ca. Betablocker. Abends eine halbe metoprolol. Dadurch verschwand meine Migräne.
    Vor einem Monat trat wieder eine Aura auf mit Kopfschmerzen, die aber mit einer ibu 400 wieder weggingen. Diesen Monat hatte ich zwei auren mit leichten Kopfschmerzen und Nackenschmerzen.
    Es ängstigt mich etwas, weil ich auch erhöhten Blutdruck habe.
    Ich rauche und trinke nicht treibe ausdauerSport und bin 59 Jahre alt.
    Meine Frage:warum trotz betablocker jetzt wieder Auren???
    Vielen dank Liebe grüße nach Kiel
    Warum trotz betablocker Auren? ???

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 28. Juli 2013 um 20:34 Uhr

      Liebe Angelika,

      auch bei wirksamer Einstellung mit einem migränevorbeugenden Medikament können immer wieder Kopfschmerzanfälle oder auch Auren auftreten. Wenn in diesem Monat zwei entsprechende Auraphänomene aufgetreten sind, ist dies noch nicht beunruhigend. Möglicherweise haben diese Auren auch damit zu tun, dass Sie sich besonders körperlich beansprucht haben, unregelmäßig gelebt haben oder auch Ihre Ernährung möglicherweise unregelmäßig war. Wenn allerdings Ihr Blutdruck erhöht ist, sollten Sie mit Ihrem Hausarzt besprechen, ob die Dosierung von Metoprolol nicht erhöht werden sollte. Dies könnte dann sowohl den Verlauf der Auren als auch den Blutdruck verbessern.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  13. Profilbild von Marcus
    Marcus 28. Juli 2013 um 13:51 Uhr

    Werter Herr Göbel,

    ich, Marcus (27), leide unter episodischen Clusterkopfschmerz seit 11 Jahren. Normalerweise 2 Episoden pro Jahr für je 2 Monate. Ich befinde mich bis heute seit Januar 2013 in einer Episode, gefahr einer Chronifizeirung besteht. Prophylaxe: ret. Verapamil 360 mg, Melatonin 12 mg, Gamma Core. Akutmedikation: Sauerstoff (15l/min). Mittlerweile hat sich ein Dauerschmerz in der li. Gesichtshälfte eingestellt, 1-2 Attacken (NS 2-5) täglich. Ich suche nach nicht-medikamentösen (bzw. nebenwirkungsarmen) Therapieverfahren —> gefunden: Neurostimulationsmethode (NSM) durchgeführt von Prof. Molsberger (Düsseldorf), zur Zeit Studie an 10-12 CK-Patienten.

    Meine Frage: Hat die Neurostimulationsmethode Nebenwirkungen? Können Sie diese Methode empfehlen oder würden Sie eher davon abraten?

    Vielen lieben Dank für die Beantwortung meiner Frage,

    Schöne Grüße,

    Marcus

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 28. Juli 2013 um 20:35 Uhr

      Lieber Marcus,

      nach bisher episodischem Verlauf tritt bei Ihnen der Cluster seit Januar 2013 nun durchgehend auf. Zudem hat sich ein Dauerschmerz in der linken Gesichtshälfte eingestellt. In erster Linie sollte erwogen werden, das retardierte Verapamil zu erhöhen. Es handelt sich dabei um die verträglichste und wirksamste Maßnahme. In der Regel geht man so vor, dass man dieses bis zur Wirksamkeit oder bis zur Verträglichkeitsgrenze erhöht. Zusätzlich kann eine Kombinationsbehandlung mit Lithium erwogen werden. Die Neurostimulationsmethode mit Gamma-Core ist ohne Wirksamkeitsnachweis. Das Konzept überzeugt mich persönlich nicht, wir setzen es daher auch nicht ein.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  14. Profilbild von BaluForKanzler
    BaluForKanzler 28. Juli 2013 um 14:07 Uhr

    Hallo Herr Prof. Göbel,

    Herzliche Grüße aus dem Hitzekessel NRW.

    Mich würde interessieren, ob die ONS „nur“ den reinen Migräne-Kopfschmerz beheben kann, oder ob auch die ganzen Begleitsymptome (Übelkeit, Schläfrigkeit, Lichtempfindlichkeit, Taubheitsgefühle usw.) beeinflusst werden?

    Mit freundlichen Grüßen, BaluForKanzler

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 28. Juli 2013 um 20:36 Uhr

      Liebe Balu,

      die occipitale Nervenstimulation (ONS) wirkt keinesfalls nur auf den Migränekopfschmerz. Auch die Migränebegleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmüberempfindlichkeit sowie die gesamte sich aus der Migräne ergebende Problematik kann dadurch verbessert werden. Vorrangiges Ziel ist jedoch die Häufigkeit und die Intensität der Migräneattacken zu reduzieren. Daraus ergibt sich, dass auch die Konsequenzen schwerer und häufiger Migräneattacken gelindert werden.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  15. Profilbild von Schnuckl
    Schnuckl 28. Juli 2013 um 14:18 Uhr

    Sehr geehrter Professor Göbel,

    ich bin 24 und habe seit meinem 7. Lebensjahr Migräne, meistens ohne Aura, etwa einmal im Jahr mit Aura (Sehstörungen etc). Seit August 2012 nehme ich Topiramat ein (50-0-50), was mir etwa ein halbes Jahr lang sehr gut geholfen hat. Seit ein paar Monaten scheint die Wirkung leider nachzulassen und ich habe wieder jeden zweiten Tag Migräne. Sie beginnt meistens nachmittags, mein Kopf scheint dann irgendwie „überlastet“ zu sein. Als die Wirkung nachlies habe ich wieder viele Triptane und andere Schmerzmittel genommen und daraufhin meinen vierten ambulanten Schmerzmittelentzug mit Kortison gemacht. Danach trat aber keine wirkliche Besserung ein (bei den anderen Entzügen merkte ich jedesmal danach eine merkliche Besserung). Weil mein Neurologe in Stuttgart keinen schnellen Termin für mich bereit hatte, bin ich zu meinem Hausarzt gegangen, der mir zu einer Kombination Topiramat und Valdoxan riet. Dies hat allerdings auch nichts geändert. Nun riet er mir zusätzlich zu dem Topiramat 23,5 mg Metoprolol zu nehmen. Denken Sie, das ist in der Kombination geeignet?Sowohl Propranolol als auch Metoprolol haben früher schonmal geholfen, allerdings traten jeweils nach kurzer Zeit Gewöhnungseffekte ein und ich musste hochdosieren, was bei meinem geringen Gewicht schwierig ist. Ich hatte auch schon daran gedacht, es mit Micardis auszuprobieren. Oder hätten Sie noch einen Tipp für mich? Selbst regelmäßiges Joggen, das früher immer innerhalb kürzester Zeit eine Wirkung zeigte hilft nichts mehr. Mittlerweile weiß ich nicht mehr wirklich weiter.
    Herzlichen Dank für Ihre Mühe und Zeit,

    Viele Grüße,

    Kati

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 28. Juli 2013 um 20:43 Uhr

      Liebe Kati,

      die Anpassung von medikamentösen vorbeugenden Maßnahmen bei bestehendem Medikamentenübergebrauch wird nicht zu einer zielführenden Reduktion der Häufigkeit der Migräne führen. Wenn bei Ihnen also weiterhin an mehr als an zehn Tagen pro Monat Akutmedikamente eingenommen werden, müssten Sie erst noch einmal konsequent eine Medikamentenpause durchführen. Wenn ein ambulanter Entzug nicht zielführend ist, sollten Sie eine stationäre Behandlung erwägen. Ansonsten verlieren Sie mit solchen Kombinationstherapien viel Zeit, nach aller Erfahrung werden diese nicht zu einem befriedigenden Ergebnis führen. Zusätzlich sollte auch bei Ihnen erwogen werden, ob Topiramat noch weitergeführt werden sollte. Die Wirkung besteht nicht mehr. Auch haben Sie, wie Sie schreiben, ein geringes Gewicht. Insgesamt sollte also eine komplette Neueinstellung Ihrer Migränebehandlung erwogen werden.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  16. Profilbild von Manuela
    Manuela 28. Juli 2013 um 14:43 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    auch ich bin sehr dankbar, dass Sie sich heute an diesem heißen Sonntag Zeit für die Beantwortung unserer Fragen nehmen.
    Zu meiner jetzigen Situation: Ich bin 56 Jahre alt und leide seit 16 Jahren unter Migräne, die am Anfang hauptsächlich zyklusbedingt war. Daher hatte ich die Hoffnung, dass es in den Wechseljahren besser würde, aber das Gegenteil war der Fall. Seit ca. 3 Jahren ist die Migräne immer aggressiver geworden (von 6 Tagen im Monat auf 10-12 Tagen im Monat), so dass ich seit 18 Monaten Topiramat nehme (75mg, eine höhere Dosis habe ich nicht vertragen) und seit Ende März Amitriptylin (Dosis 25mg, erreicht vor 4 Wochen). Betablocker kommen für mich nicht in Frage, da ich niedrigen Blutdruck, niedrigen Puls (50-60) und eine leichte Herzrhythmusstörung habe.
    Ich bin in der Berliner Charité seit 14 Jahren in Behandlung, bin dort zufrieden, bin aber auch noch in Behandlung bei einer Schmerztherapeutin, da ich einen Aufenthalt in der Schmerzklinik Kiel plane, sobald eine langwierige Zahnbehandlung mit 2 Implantaten in ein paar Monaten abgeschlossen sein wird.

    Die Monate Mai und Juni war großartig mit nur 6 bzw. 7 Migränetagen und 11 schmerzfreien Tagen dazwischen (wahrscheinlich dank des neuen Amitriptylins). Seit Juni aber habe ich gehäuft Migräne (Juni 12 Triptantage, Juli bereits 14). Es kann sein, dass der Auslöser die Klimaanlage bei uns an der Uni war, denn Klimaanlagen triggern bei mir auch im Urlaub. Mittlerweile wurde diese aber bei mir im Büro vor 2 Wochen abgegklebt, aber die Migräne blieb.
    Zuerst verschrieb meine Schmerztherapeutin mir Indometicin und meinte, ich solle die Tabletten 4 Wochen durchgängig nehmen, ich habe sie aber bereits nach 3 Tagen abgesetzt, da ich heftig Kopfschmerzen bekam. Nun hat sie mir Metamizol verschrieben, von denen ich wochenlang 3×20 Tropfen nehmen soll, und danach möchte sie eine Neuraltherapie (3 Infusionen) mit mir machen. Mein nächster Termin bei ihr ist der 14. September, da sie vorher im Urlaub ist.

    Nachdem ich in der Apotheke erfahren habe, dass Metamizol denselben Wirkstoff hat wie Novaminsulfon, von dem mir schwindelig wurde, habe ich das Medikament nicht genommen. Meine Fragen lauten nun – nachdem ich weder im „Migräne-Bekanntenkreis“ noch im Internet Positives über eine dauerhafte Behandlung mit Metamizol noch über die Neuraltherapie gehört habe – : Haben Sie neue Erkenntnisse über diese Behandlungsformen und gibt es noch Alternativen für mich?
    Erwähnen möchte ich noch, dass ich wegen eines eingeklemmten Nervs an der linken Rippenseite seit gestern nun Ibuprofen nehmen muss, also diesen Monat wäre es sowieso nichts gewesen mit der 10/20 Regel!

    Nochmals vielen Dank, dass Sie diesen Roman gelesen haben und darauf antworten,

    mit freundlichen Grüßen,

    Manuela

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 28. Juli 2013 um 20:44 Uhr

      Liebe Manuela,

      die Dauerbehandlung mit Metamizol oder Novaminsulfon (identische Wirkstoffe) ist nach unserer Auffassung keinesfalls eine geeignete Migränebehandlung. Darunter wird sich sehr schnell eine Verfestigung, Chronifizierung und Steigerung der Häufigkeit nach unserer Erfahrung einstellen. Bedauerlicherweise liegen auch für die Neuraltherapie keine gesicherten Wirksamkeitsnachweise vor. Auch die Dauerbehandlung mit Indometacin ist bei der Migräne nach unserer Auffassung keine zielführende Therapie.

      Bei Ihnen scheint eine Neueinstellung der Vorbeugung erforderlich, auch müssen chronifizierende Faktoren individuell herausgearbeitet und dann in das Behandlungskonzept eingebracht werden.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  17. Profilbild von Jasmin
    Jasmin 28. Juli 2013 um 15:18 Uhr

    Sehr geehrter Hr.Prof. Göbel,
    zunächst eine pragmatische Frage:
    Beeinflusst es die Wirksamkeit eines Triptans, ob ich es vor oder nach dem Essen nehme?

    Desweiteren: Ich nehme seit 1 J. Doxepin als Prophylaxe (Dosier. 10-10-50mg), was auch zunächst eine gute Besserung nach vorher über Monate nahezu chron. Migräne (mehr als 20Tage/Mon.) bewirkte., d.h. die Schmerztage haben sich mind. halbiert. Nun nimmt die Migränehäufigkeit aber wieder zu und ich habe Probleme die 10/20-Regel einzuhalten. Meine Bedenken gehen dahin in eine erneute Chronifizierung zu geraten. So habe ich im Juni eine fast 3-wöchige Schmerzmittelpause unter punktuellem Einsatz von Prednisolon gemacht(3x1Tag). Diese Woche habe ich nun schon drei Triptantage gehabt, vermutlich durch die extreme Wetterlage getriggert.
    Denken Sie, dass die Prophylaxe wieder geändert werden sollte? Mich belasten die vielen Triptane schnell, d.h. sie machen mich schlapp und drücken sehr auf die Stimmung.

    Ganz lieben Dank für Ihren großartigen Einsatz,
    Jasmin

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 28. Juli 2013 um 20:45 Uhr

      Liebe Jasmin,

      grundsätzlich ist es besser, wenn Sie das Triptan mit möglichst viel Wasser vor den Mahlzeiten einnehmen. Normalerweise stellt sich diese Frage eher nicht, da im Migräneanfall Übelkeit und sogar Erbrechen bestehen kann und ein Mittagessen in dieser Situation kaum zur Debatte steht.

      Bei Ihnen besteht eine sehr stark wechselnde fluktuierende Migränehäufigkeit. Wenn Doxepin gut vertragen wird, können Sie mit Ihrem Arzt besprechen, ob die abendliche Dosierung nicht erhöht werden kann. Bevor Sie die Prophylaxe ändern, sollten Sie diese zunächst ausdosieren und bei guter Verträglichkeit die Wirkung abwarten.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  18. Profilbild von Hanah
    Hanah 28. Juli 2013 um 15:36 Uhr

    Guten Tag zusammen,

    mir erzählte kürzlich ein Cluster-Kopfschmerz-Patient, dass er aufgrund der Einnahme von Imigran regelmäßig sein Herz checken lassen musste. Das hat mich jetzt irritiert, denn mir ist nur bekannt, dass man einmal im Jahr seine Blutwerte checken lassen sollte, sofern man regelmäßig Triptane nimmt… Ist das wirklich nötig mit nem Herz-Check??

    Danke und Gruß
    Hanah

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 28. Juli 2013 um 21:04 Uhr

      Liebe Hanah,

      bei Clusterkopfschmerz werden in der Regel Medikamente zur Vorbeugung eingesetzt, die bei bestimmten Herzerkrankungen mit Vorsicht oder gar nicht verwendet werden können. Dies gilt insbesondere für Verapamil, das in höheren Dosierungen auch zu Erregungsleitungsstörungen des Herzens führen kann. Aus diesem Grunde ist es gerade für Clusterkopfschmerzpatienten wichtig, sich regelmäßig bei entsprechender Behandlung kardiologisch im Verlauf untersuchen zu lassen.

      Bei der Behandlung mit Triptanen gilt, dass diese nur eingesetzt werden dürfen, wenn spezielle Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht bestehen. Dies gilt insbesondere für die koronare Herzerkrankung, Schlaganfall und andere Störungen. Auch der Blutdruck sollte diastolisch unter 95 mmHg sein. Aus diesem Grunde sind regelmäßige Verlaufs- und Erfolgskontrollen unter der Behandlung mit solchen Medikamenten notwendig.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  19. Profilbild von Miauschnecke
    Miauschnecke 28. Juli 2013 um 16:08 Uhr

    Hallo Herr Dr. Göbel,

    seit meinem Aufenthalt in der Schmerzklinik sind mittlerweile 8,5 Monate vergangen. Die Migräne hat sich leider nicht wirklich verbessert. Insbesondere nach dem Absetzen der Antidepressiva vor ca. 2 Monaten (nach 6-Monatiger Einnahme) hat sich die Migräne sogar noch weiter verschlechtert. Mir wurde damals von Ihnen vorgeschlagen, bei Anfällen Naratriptan (2,5 mg) einzunehmen. Dieses hatte aber nicht so richtig gewirkt und ich wechselte weiter zur Alternative Maxalt (10 mg). Auch bei diesem Medikament bin ich mir unsicher, ob es das Richtige ist. Momentan habe ich fast alle 9 Tage einen Migräneanfall (3 Tage lang Migräne und anschließend einige Tage mit starken Spannungskopfschmerzen, welcher Tag für Tag dann abnimmt). Den letzten Migräneanfall habe ich 3 Tage lang jeweils mit einer Maxalt, Naproxen und Vomex behandelt. Nach der Tabletteneinnahme wurde dann zwar die Kopfschmerzintensität niedriger und ich war fähig zu arbeiten, aber ich fühlte mich erschöpft, schläfrig, fertig und Kopfschmerzen hatte ich auch noch. Außerdem kam es am nächsten oder übernächsten Tag erneut zur Migräne. Den letzten Monat hatte ich alle möglichen 10 Tabletten-Einnahme-Tage ausgereizt.

    Anbei meine wesentlichsten Themen:
    1. Sollte ich die Migräne-Tripane wechseln?

    2. Mein Braunschweiger Neurologe möchte mir gerne Beta-Blocker geben, mein Hausarzt kann mir überhaupt nicht weiter helfen. Sind Beta-Blocker eine Möglichkeit für mich zur Vorbeugung? Wie ist Ihre Meinung hierzu?

    Vielen Dank im Voraus.

    Viele Grüße, Katja

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 28. Juli 2013 um 21:06 Uhr

      Liebe Miauschnecke,

      bei sehr langen Attacken über zwei bis drei Tage werden bevorzugt Triptane eingesetzt, die langanhaltend wirken und möglichst eine geringe Rate an Wiederkehrkopfschmerz nach sich ziehen. Dies gilt für insbesondere Naratriptan, Allegro und Relpax. Maxalt gehört zu den sehr schnell wirkenden Triptanen. Die Wirkung setzt am Anfang schnell ein, allerdings sind gerade bei langen Attacken häufig Wiederkehrkopfschmerzen am gleichen oder am folgenden Tag zu erwarten. Auf der anderen Seite ist Naratriptan ein sehr mildes Triptan, das auch lange benötigt, bis die Wirkung einsetzt. Möglicherweise ist es das, was Sie mit „nicht so richtig gewirkt“ meinen. In diesem Fall kann man auch die Gabe von 5 mg Naratriptan erwägen. Eine weitere Wirksamkeitsverbesserung kann man durch die Kombination des Triptans mit Naproxen 500 mg und einem Antiemetikum wie z.B. Vomex A oder MCP erzielen.

      Bei Ihnen besteht, wie Sie schreiben, nahezu alle neun Tage ein Migräneanfall. Das bedeutet, dass Sie im Monat rund drei Migräneattacken haben. Wenn Sie jetzt diese drei Migräneattacken sehr wirksam mit einem Triptan behandeln können, muss nicht unbedingt eine medikamentöse Vorbeugung erfolgen. Haben die Triptane jedoch keine ausreichende Wirkung und halten diese drei Migräneattacken jeweils über drei Tage an, ist es durchaus folgerichtig, eine medikamentöse Vorbeugung einzusetzen. Betablocker sind dabei sehr bewährt und besonders gut verträglich. Einen Behandlungsversuch sollten Sie mit Ihrem Neurologen besprechen.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  20. Profilbild von Stephanie
    Stephanie 28. Juli 2013 um 16:37 Uhr

    Hallo Herr Dr. Göbel,

    ich wollte Sie auf diesem Weg einmal um Ihre Meinung bitten.
    Kurz vorab: bei mir wurde in der 1. Klasse ein ADS diagnostiziert. Meine Eltern hatten sich damals jedoch gegen ein Medikament entschieden.

    Die letzten 3 Monaten vor meinem Fachabi (April 2012) konnte ich maximal 1 – 1 1/2 Tage die Woche zur Schule gehen. Jetzt im dualen Studium (seit März 2013) hab ich schnell gemerkt, dass ich mir sowas nicht nochmal erlauben kann und hab mich deshalb nochmal vermehrt beobachtet und reflektiert.
    Ich bin dann reativ schnell darauf aufmerksam geworden, dass die KS häufig erst in der Schule beginnen und das meist nach spätestens 2 Schulstunden. Ich hab das dann näher mit meiner Psychologin, meinen Eltern und meinem Neurologen besprochen und durch eigenes Informieren den Vorschlag gebracht, dass ich mir vorstellen könnte, dass die ADS Problemaik noch stärker da ist als gedacht und ich den Versuch starten möchte, durch eine Behandlung des ADS ein Verbesserung der KS zu erreichen.
    Mein Neurologe behauptete er könne mir kein Ritalin verschreiben und ich müsste dafür zu einem Psychiater. Ich habe dann einen aufgesucht, der mich meine Problematik allerdings kaum erklären lies und meinte Medikamente würden mir nichts bringen ich scheine einfach das falsche zu studieren.
    Ich bin dann über den Hausarzt meiner Psychologin letztendlich an ein Rezept gekommen (Medikinet retard momentan 20mg 1-0-0 Abends nach Bedarf wenn viel zusätzlich gelernt werden muss).
    Ich hab mit 10 mg morgens und abends bekonnen und sofort eine enorm positive Veränderung gespürt auch in Bezug auf die KS! Die Einnahme und Dosierung wurde nun vor ca. 2 Wochen verändert und angepasst und es geht mir gut. Ich hab so gut wie gar keine Nebenwirkungen und die KS sind deutlich besser geworden. Wobei ich in der Prüfungsphase trotzdem 3 Wochen mit Migräne (fast täglich) zu kämpfen hatte.
    Meine Frage ist jetzt, ob es einfach nur Zufall ist, dass mir das Medikinet so gut hilft und ich es einfach dankend hinnehmen soll, oder ob es doch fraglich ist, die KS auf dem Weg zu behandeln.
    Es ist zu erwähnen, dass ich (gefühlt) schon die ganze Pharmaindustrie erfolglos ausgetestet habe, und der Weg jetzt als erster Wirkung zeigt.
    Falls ich die Behandlung problemlos weiter machen kann, würde mich interessieren was Ihre Meinung zu der Dosierung und der Wahl des Medikamentes ist (Medikinet retard darf eigentlich nur bis 18 verschrieben werden ich bin allerdings schon 20).

    Herzlichsten Dank für die Mühe und Hilfsbereitschaft

    Liebe Grüße, Stephanie

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 28. Juli 2013 um 21:07 Uhr

      Liebe Stefanie,

      ich freue mich für Sie, dass mit der Verbesserung des ADS auch eine Verbesserung der Migräne sich eingestellt hat. Es ist gut erklärbar, dass bei Besserung des ADS auch der Migräneverlauf sich stabilisiert. Bei dieser Problematik muss man sehr den Einzelverlauf bedenken, generelle Aussagen sind bedauerlicherweise nicht möglich.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  21. Profilbild von Sunny
    Sunny 28. Juli 2013 um 17:15 Uhr

    Lieber Herr Prof. Dr. Göbel,

    vielen Dank für die Zeit, die Sie sich nehmen um hier unsere Fragen zu beantworten!
    Ich habe chronische Spannungskopfschmerzen und Migräne. Ich hatte jetzt längere Zeit sehr gute Erfolge mit Katadolon s long, die ich eigentlich wegen meiner Rücken- und Nackenschmerzen bekommen habe. Leider bekomme ich das Präparat jetzt nicht mehr verordnet wegen der hohen Lebertoxizität. Ich soll jetzt wieder ein Antidepressivum einnehmen. Leider habe ich damit nicht so gute Erfahrungen gesammelt. Entweder hat es nicht wirklich geholfen oder ich hatte eine extreme Gewichtszunahme. Gibt es auch entspannend wirkende Antidepressiva ohne das leidige Problem der Gewichtszunahme? Vielen Dank für Ihre Hilfe!

    Viele liebe Grüße von Michaela

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 28. Juli 2013 um 21:09 Uhr

      Liebe Sunny,

      vor kurzem gab es eine neue Arzneimittelrichtlinie, nach der Katadolon S long nur über einen Zeitraum von 14 Tagen eingesetzt werden soll. Diese Empfehlung begründet sich auf Sicherheitsbedenken, da in wenigen Einzelfällen bei Langzeiteinsatz Leberschäden aufgetreten sind. Bei chronischem Spannungskopfschmerz sind die sogenannten trizyklischen Antidepressiva wie Amitriptylin, Doxepin etc. bewährt. Eine Alternative könnte auch das Antidepressivum Cymbalta sein.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  22. Profilbild von Tobi
    Tobi 28. Juli 2013 um 17:40 Uhr

    Lieber Herr Prof. Göbel,

    auch ich möchte mich heute mit einer Frage an Sie wenden.
    Obwohl es viele Informationen zur Entstehung eines Mük gibt, habe ich heute doch noch eine Frage dazu an Sie.
    Es wird immer wieder darauf hingewiesen, dass Kombinationspräparate schneller einen Mük auslösen als Einzelsubstanzen, so z. B. auch Kombinationen mit Codein. Hat das Codein als Wirkstoff aus der Gruppe der Opioide in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung und würden Sie die Obergrenze der Einahmetage (max. 10 Tage) in diesem Fall ev. reduzieren?
    Warum zählt in diesem Zusammenhang die kombinierte Einnahme von Triptanen und Naproxen eigentlich nicht als Kombinationspräperat?

    Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort.

    Tobi

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 28. Juli 2013 um 21:10 Uhr

      Liebe Tobi,

      Codein sollte bei primären Kopfschmerzen nicht zur Anfallsbehandlung eingesetzt werden. Es hat eine hohe Potenz sich daran zu gewöhnen, kann die Häufigkeit von Kopfschmerzen erhöhen und zu einem Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch führen. Die kombinierte Einnahme von Triptanen und Naproxen betrifft die Anwendung von zwei Wirkstoffen, die nicht psychotrop wirken. Im eigentlichen Sinne ist auch dies eine Kombinationstherapie, allerdings fehlt dabei bei normaler Dosierung die psychische Wirkung, wie sie durch Codein oder auch Coffein erzeugt wird.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  23. Profilbild von Sommerfloh
    Sommerfloh 28. Juli 2013 um 18:30 Uhr

    Guten Tag Herr Prof. Göbel,
    herzlichen Dank dafür, dass Sie sich die Zeit nehmen, unsere Fragen hier zu beantworten!!
    Ich leide seit meinem 5. Lebensjahr, d.h. seit fast 30 Jahren an Migräne und Spannungs-KS. Derzeit habe ich im Schnitt 10x im Monat KS (2x Migräne, 8x Spannungs-KS). Im Durchschnitt nehme ich auch an diesen 10 Tagen Medikamente ein (Diclo Dispers, Maxalt). Meist dauern die KS 2-3 Tage, an denen ich dann auch mehrere Medikamente pro Tag einnehme. Anschließend können manchmal 1-2 Wochen folgen, in denen ich völlig schmerzfrei bin.
    Nun meine Frage: Kann ich bereits einen MÜK entwickelt haben? Bzgl. der 10/20-Regel bin ich immer so an der Grenze und habe Angst davor, irgendwann doch MÜK zu kriegen. Die längeren Phasen der Schmerzfreiheit sprechen meiner Ansicht nach gegen einen MÜK oder?
    Was denken Sie?
    Hilft ein häufiges Abwechseln der Medikamente (Diclo, Ibuprofen) davor, einen MÜK zu entwickeln?
    Was halten Sie generell von Diclo Dispers als Schmerzmittel in der Kopfschmerztherapie?

    Vielen Dank für Ihre Antwort!
    Sommerfloh

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 28. Juli 2013 um 21:11 Uhr

      Liebe Sommerfloh,

      aus Ihren Schilderungen entnehme ich, dass Sie die 10er-Regel einhalten, auch wenn Sie immer wieder knapp an der Grenze sind. Darüber hinaus setzen Sie keine Medikamente ein, die psychotrope Wirkstoffe wie z.B. Coffein oder Codein beinhalten. Schließlich bestehen bei Ihnen kopfschmerzfreie Zeiten von bis zu zwei Wochen. Aus all diesen Gründen scheint Ihr Kopfschmerzverlauf stabil zu sein und es ist nicht anzunehmen, dass bei Ihnen ein MÜK besteht. Das häufige Wechseln von Akutmedikamenten reduziert nicht die Wahrscheinlichkeit einen MÜK zu entwickeln. Viel wichtiger sind das Einhalten der 10-20-Regel und das Vermeiden von psychotropen Wirkstoffen. Diclofenac in löslicher Form kann in der akuten Behandlung von Schmerzen geeignet sein. Vorteil dabei ist, dass es bereits im Glas aufgelöst wird und somit schnell den Magen passieren kann. Magenreizungen können dadurch reduziert werden.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  24. Profilbild von nasentier
    nasentier 28. Juli 2013 um 18:32 Uhr

    Guten Abend Herr Göbel,

    Ich bin 25 Jahre alt und habe seit 12 Jahren Migräne, die sich immer weiter verschlimmert (Es kamen Auren dazu, Erbrechen und seit kurzer Zeit schwillt mein Auge an)
    Durch meine Schwangerschaft von Januar 2012 bis September 2012 habe ich das erste Mal erfahren, wie das Leben wirklich sein kann. Ich hatte ein halbes Jahr lang keinen einzigen Anfall. Das hat mich psychisch auch wieder sehr aufgebaut.
    Leider kam es nach der Entbindung sehr schnell wieder und ich liege derzeit bei mindestens 3 Migränetagen in der Woche. Der Alltag fällt sehr schwer und ich habe oft Schwierigkeiten mich ohne Hilfe meines Mannes um meine kleine Tochter zu kümmern.

    Gibt es die Möglichkeit diesen „Schwangerschaftszustand“ nachzuahmen?

    Vor der Entbindung nahm ich Amitryptilin, was zwar nicht die Häufigkeit verringerte aber die Intensität der Anfälle.
    Wäre es sinnvoll die Einnahme wieder zu beginnen?
    Oder können sie mir, da es mir aufgrund der Schmerzen und vor allem kurz vor den Anfällen psychisch nicht so gut geht ein anderes Antidepressivum als Prophylaxe empfehlen?

    Vielen Dank im Voraus,

    nasentier

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 28. Juli 2013 um 21:13 Uhr

      Liebes Nasentier,

      Sie bestätigen wieder die Erfahrungen, dass es kaum etwas Wirksameres gegen die Migräne als die Schwangerschaft gibt. Leider ist dieser Effekt dann in der Stillzeit schnell vorbei, so wie dies auch bei Ihnen der Fall ist. Während der Schwangerschaft besteht eine in der Regel sehr stabile Lebensform mit Schonung, gleichmäßigem Lebensrhythmus und guter Ernährung. In der Stillzeit, gerade beim ersten Kind, ist dies schlagartig vorbei. Man muss in der Nacht mehrmals aufstehen, der Schlaf wird durch die Stillzeit länger unterbrochen, von einem regelmäßigen Tag-Nachtrhythmus kann nicht mehr die Rede sein.

      Eine Schwangerschaft kann nur durch eine Schwangerschaft „nachgeahmt“ werden.

      Bei Ihnen muss jetzt tatsächlich wieder erwogen werden, eine vorbeugende Behandlung einzuleiten. Sie können mit den Ihnen bereits bekannten Medikamenten starten oder aber eine andere Option in Erwägung ziehen. Besonders sollten Sie nach Möglichkeit auf eine gute Ernährung sowie auf einen ausgeglichenen Tag-Nachtrhythmus achten.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  25. Profilbild von Zuckerschaukel
    Zuckerschaukel 28. Juli 2013 um 19:43 Uhr

    Sehr geehrter Professor Göbel,

    ich habe keine medizinische Frage an Sie, aber ich hoffe sie passt trotzdem in diesen Rahmen.
    Ich stehe wegen sehr starker chronischer Migräne vor der Frage nach Berentung. Um meine Arbeitsfähigkeit zu überprüfen, möchte die Rentenversicherung, dass ich zuvor eine psychosomatische Reha mache. Das scheint der normale Gang zu sein. Jetzt möchte ich Sie fragen, ob Sie eventuell Rehaeinrichtungen empfehlen können, die sich explizit mit Migräne auskennen. Denn die gängigen psychosomatischen Rehas behandeln Migräne als psychosomatische Erkrankung. Da fehlt dann das Krankheitsverständnis der neurologischen Erkrankung. Ich habe mich darüber schon mit anderen ausgetauscht, die in solch einer Reha waren. Sie haben durchweg berichtet, dass es grosse Konflikte gab, u.a. weil die Therapeuten Migräne als Vermeideverhalten deuteten und den Patienten nicht ihren Rückzug liessen. Ausserdem mussten sie sich fragwürdigen und verletzende Deutungen aussetzen. Ich kenne diese psychosomatischen Konzepte und weiss, dass ich da nicht richtig bin. Können Sie mir vielleicht sagen, wie ich eine bezüglich Migräne gut ausgebildete Rehaeinrichtung finden kann? Ich habe schon im Netz und bei der Rentenversicherung recherchiert,- bin aber leider nicht fündig geworden.
    Es scheint sehr schwer zu sein das rauszufinden und deshalb wende ich mich mit dieser Frage an Sie, denn ich vermute Sie kennen die Problematik.
    Haben Sie vielen Dank für Ihre Mühe!
    Mit Freundlichen Grüssen, evae

  26. Profilbild von Bettina Frank - Moderatorin
    Bettina Frank - Moderatorin 28. Juli 2013 um 19:50 Uhr

    Bitte heute keine Fragen mehr einstellen! Danke! 🙂

    Wir hatten einen Serverausfall, daher die Verzögerung.

  27. Profilbild von Julia
    Julia 28. Juli 2013 um 21:30 Uhr

    Und auch heute mal wieder ein ganz großes Dankeschön für diesen Extrem-Chat, der wie immer für mich sehr informativ war.

    Danke auch an Bettina und noch einen schönen, entspannten Abend.
    Liebe Grüße
    Julia

  28. Profilbild von Julia
    Julia 28. Juli 2013 um 21:33 Uhr

    Und auch heute mal wieder ein ganz großes Dankeschön für diesen Extrem-Chat, der wie immer für mich sehr informativ und interessant war, lieber Herr Prof. Göbel.
    Danke auch an Bettina und noch einen schönen, entspannten Abend.
    Liebe Grüße
    Julia

  29. Profilbild von Hartmut Göbel
    Hartmut Göbel 28. Juli 2013 um 21:37 Uhr

    Liebe Evae,

    ich bedaure sehr, dass Sie aufgrund Ihrer schweren Migräneverlaufsform mit dem Gedanken einer Berentung beschäftigen müssen. Bedauerlicherweise erleben Sie jetzt die Organisationsprobleme unseres Gesundheitssystems.

    In den Leitlinien wissenschaftlicher Gesellschaften zur Migränebehandlung sind psychosomatische Rehakuren nicht aufgeführt. Ein Wirksamkeitsnachweis besteht nicht. Aufgrund der sektoralen Abgrenzungen unseres Gesundheitssystems, die politisch vorgegeben sind, muss die Versichertengemeinschaft solche Behandlungen tragen, Ihnen wird Lebenszeit dafür abverlangt.

    Ich empfehle Ihnen, sich mit einer wohnortnahen Kopfschmerzzentrum in Verbindung zu setzen. Lassen Sie sich dort beraten, welche ambulanten oder gegebenenfalls stationären Behandlungsmöglichkeiten es gibt. Zusätzlich kann man Sie falls notwendig auch mit einer Stellungnahme gegenüber der Rentenversicherung unterstützen.

    Freundliche Grüße
    Hartmut Göbel

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