Migräne- und Kopfschmerz-Chat am 21.09.2015

Dies ist unsere Gruppe zum Migräne- und Kopfschmerz-Chat und sie funktioniert folgendermaßen: Um ca. 12:00 Uhr des jeweiligen Chat-Tages wird die Kommentar-Funktion aktiviert. Will man eine Frage eintragen, klickt man in das Fenster der Kommentarfunktion. Hat man eine Frage eingetragen, sieht man unter seinem Beitrag “Antworten”. Diese Antwortfunktion benutzt Prof. Göbel, um die Antwort auf die vorherige Frage einzustellen. Prof. Göbels Antwort ist dann ein wenig eingerückt und unterscheidet sich daher auch optisch von den Fragen. Sollte der Fragesteller zum selben Thema noch eine Folgefrage haben, bitte auch auf “Antworten” klicken – aber nur dann! Sonst bitte immer in das Kommentar-Fenster schreiben. Nach dem Chat wird die Kommentar-Funktion wieder deaktiviert bis zum nächsten Chat-Tag. Alle Fragen und Antworten bleiben in diesem Blog erhalten und bestimmte Themen können jederzeit mit der Such-Funktion wiedergefunden werden. Alle Aktionen werden am Chat-Tag auch auf der Startseite des Headbook aufscheinen.

Fragen können nur am jeweiligen Chat-Tag ab 12:00 Uhr eingetragen werden. Bitte immer auf das aktuelle Datum in der Überschrift achten, das unter “Live-Chats” eingetragen ist.

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Profilbild von Bettina Frank - Moderatorin

50 Kommentare

  1. Profilbild von Bettina Frank - Moderatorin
    Bettina Frank - Moderatorin 21. September 2015 um 11:54 Uhr

    Fragen können jetzt eingestellt werden. Bitte nicht auf „Antworten/reply“ klicken, sondern nur im Kommentarfeld posten.

    Bitte Fragen kurz halten und nur eine pro Person einstellen.

    Danke, dass Ihr diesen Bitten nachkommt!

    • Profilbild von Lulu
      Lulu 21. September 2015 um 12:22 Uhr

      Guten Tag Herr Professor,

      Ich habe letztes Jahr im November zum ersten Mal botox gespritzt bekommen. Danach bekam ich für drei Tage heftige Migräne, danach war es aber ok. Im Februar wurde dann wieder nachgespritzt. Auch da bekam ich wieder heftige Migräne , aber im gesamten Zeitraum der drei Monate immer wieder ca 2 x wöchentlich. Danach habe ich die Behandlung mit Botox abgebrochen. Mein Neurologe ist der Meinung, es doch noch einmal zu versuchen, da auch der tägliche Spannungskopfschmwrz kaum noch auszuhalten ist. Würden Sie auch so verfahren ?

      Viele Grüße

      • Profilbild von Bettina Frank - Moderatorin
        Bettina Frank - Moderatorin 21. September 2015 um 14:44 Uhr

        Bitte hier unter meinem Kommentar NICHT weiterschreiben, sondern bis nach unten scrollen und in das freie Kommentarfeld schreiben. NICHT hier auf „Antworten/reply“ klicken!

      • Profilbild von Hartmut Göbel
        Hartmut Göbel 21. September 2015 um 18:33 Uhr

        Liebe Lulu,

        nach der Behandlung mit Botox zur Therapie der chronischen Migräne kann es in den Tagen nach den Injektionen zu einer Migräneattacke kommen. Das ist keine direkte Substanzwirkung. Im Einzelfall ist hier stressbedingte Reaktion, insbesondere bei den ersten Behandlungen, wahrscheinlich. Zur Beurteilung der Wirkung ist der Vergleich vor der Therapie mit dem Zeitraum nach der Therapie notwendig. Sie können dann feststellen, ob die Häufigkeit der Migräne reduziert wurde. Oft findet sich auch ein verbessertes Ansprechen auf die Akutmedikamente. Häufig kann auch eine Reduktion von sonstigen präventiven Medikamenten erkannt werden.

        Botox hilft weiter leider nicht gut gegen täglichen Spannungskopfschmerz. Die Wirksamkeit dafür ist nicht belegt. Dies ist vielmehr nur für die chronische Migräne belegt. Diese äußert sich dadurch, dass mindestens 8 Migränetage pro Monat bestehen, zusätzlich 7 weitere Kopfschmerztage, ohne dass für diese ein bestimmter Kopfschmerztyp definiert wird. In jedem Fall sollte es sich um anfallsweise episodische Kopfschmerzen handeln, nicht um einen permanenten Dauerkopfschmerz. Wenn dies der Fall ist, ist auch von einem weiteren Zyklus keine entscheidende Besserung zu erwarten.

        Freundliche Grüße
        Hartmut Göbel

  2. Profilbild von BaluForKanzler
    BaluForKanzler 21. September 2015 um 11:55 Uhr

    Guten Tag Herr Prof. Göbel,

    Danke für die Möglichkeit, hier Fragen loszuwerden.

    Bei mir wurde nach langen Irrwegen jetzt eine Neuroborreliose als Ursache meiner chron. Migräne festgestellt. Nun habe ich das Problem, dass ich wegen meiner Schmerzen im Bewegungsapparat eigentlich dauernd Schmerzmittel nehmen müsste (am besten hilft Arcoxia), zur Vermeidung des Übergebrauchs aber nicht darf. Mein Neurologe hat mich jetzt verwirrt, indem er sagte, dass die Beschränkung auf max. 10 Tage pro Monat nur für Triptane gilt, wohingegen ich das Arcoxia ruhig 20 Tage im Monat nehmen dürfte.

    Jetzt meine Frage: Was ist Ihre Meinung dazu, bzw. welche Schmerzmittel eignen sich zur regelmäßigen Einnahme ohne einen Übergebrauchs-Kopfschmerz zu verursachen? Opiate habe ich auch schon erfolglos versucht (Oxycodon, Palexia, Morphin).

    MfG, BaluForKanzler

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 21. September 2015 um 18:35 Uhr

      Lieber Balu,

      eine chronische Migräne ist eine eigenständige primäre Kopfschmerzerkrankung. Sie lässt sich nicht auf eine Infektion zurückführen, eine Neuroborreliose kann also definitionsgemäß nicht Ursache einer chronischen Migräne sein. Natürlich kann eine Neuroborreliose chronische Kopfschmerzen bedingen, definitiv jedoch nicht eine chronische Migräne.

      Tatsächlich besteht immer ein Konflikt, wenn wegen einer anderen Erkrankung eine dauerhafte medikamentöse Schmerztherapie erforderlich ist. Dies ist besonders häufig zum Beispiel bei chronischen Rückenschmerzen in Verbindung mit episodischer Migräne ein Problem. Gesicherte Studien, wie man da vorgehen sollte, bestehen leider nicht. Auch sagen die Leitlinien zu dieser Problematik, die sehr häufig im Alltag besteht, nicht viel aus. Nach unserer Erfahrung kann man bei einem dauerhaften Schmerzproblem ein gleichmäßig wirksames Schmerzmittel nehmen, ohne dass ein Medikamentenübergebrauchskopfschmerz entsteht. Dies trifft zum Beispiel für retardierte Opioide zu. Auch Arcoxia, das normalerweise im akuten Migräneanfall nicht wirksam ist, kann insbesondere bei Gelenkschmerzen erwogen werden. Dabei ist es in der Regel sinnvoller, eine feste konstante Dauereinstellung vorzunehmen als die Medikamente bedarfsweise einzusetzen. Arcoxia hat eine Halbwertszeit von rund 24 Stunden. Daher wird eine dauerhafte Wirkspiegel erzeugt, der nach unserer Erfahrung bei einer festen Einstellung keinen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz bedingt.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

      • Profilbild von BaluForKanzler
        BaluForKanzler 21. September 2015 um 19:35 Uhr

        Also verstehe ich Sie richtig, dass die 10/20-Regel nur für Triptane gilt?

  3. Profilbild von Sonnenblume
    Sonnenblume 21. September 2015 um 11:59 Uhr

    Sehr geehrter Herr Professor Göbel,

    ich (weiblich, 26 Jahre, seit 2009 chronische Migräne) nehme seit Dezember 2014 Candesartan zur Prophylaxe (nachdem ich seit 2009 alle anderen Prophylaxemedikamente erfolglos durchprobiert habe) und bekomme alle 3 Monate Botox gespritzt. Dies hat zum ersten Mal ein wenig Erfolg gehabt, die Attacken sind zumindest schwächer ausgeprägt, die Häufigkeit hat auch ein wenig nachgelassen; leider weiterhin bei 1-3 Attacken die Woche ca. 1 Tag.
    Leider wirken, seitdem ich Candesartan nehme, keine Triptane mehr (ich habe alle durchprobiert, natürlich verteilt). Normale Schmerzmedikamente hatten mir noch nie geholfen und helfen weiterhin nicht. Daher habe ich nun kein einziges Medikament mehr, das mir akut hilft. Ein Zusammenhang mit dem Candesartan besteht definitiv, nach Absetzen hatten mir Triptane wieder geholfen, die Häufigkeit und Intensität der Attacken ist aber gleich angestiegen. Sowie ich das Candesartan wieder eingenommen und aufdosiert habe, lag die Wirkungslosigkeit der Triptane wieder vor. Meine Ärzte können sich das nicht erklären, sehen aber den zeitlichen Zusammenhang. Absetzen möchte ich das Candesartan nicht, da es das einzige Medikament ist, das mir zum ersten Mal geholfen hat. Was kann ich machen?
    Weiterhin würde ich gerne wissen, ob man Candesartan und Doxepin zusammen nehmen darf. Das Doxepin wurde mir damals in Kiel (Februar 2014) als Medikament zur Prophylaxe gegeben, allein brachte es jedoch keine Verbesserung der Migräne, ich konnte jedoch besser schlafen und generell etwas besser zur Ruhe kommen. Zusammen mit 12 mg Candesartan (25 mg Doxepin) am Abend hatte ich jedoch Herzrasen und konnte gar nicht schlafen. Ist das eine normale Nebenwirkung?

    Vielen herzlichen Dank im Voraus.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Sonnenblume

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 21. September 2015 um 18:38 Uhr

      Liebe Sonnenblume,

      der Zusammenhang zwischen Candesartan und der Wirksamkeit von Triptanen, den Sie schildern, ist sehr ungewöhnlich. Offensichtlich widerlegt sich dies bei Ihnen im individuellen Fall. In der Weise können Sie durch eine zusätzliche präventive Therapie die Wirkung der Triptane verbessern. Der gleichzeitige Einsatz von Doxepin könnte eine solche Option sein. Sie können mit Ihrem Arzt besprechen, ob eine entsprechende Aufdosierung zu erwägen ist. Herzrasen ist in der Regel eine vorübergehende Erscheinung und muss nicht langfristig auftreten. Eine Erklärung, warum Candesartan in Ihrem Fall die Wirkung der Triptane reduziert, ist aufgrund der wissenschaftlichen Literatur nicht möglich.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  4. Profilbild von Peter
    Peter 21. September 2015 um 12:03 Uhr

    Lieber Herr Prof. Göbel,

    laut Ihrer Empfehlung können Triptane auch in Kombination mit Naproxen oder Arcoxia eingenommen werden. Ist diese Kombination auch mit anderen Medikamenten aus der Gruppe der NSARs (Piroxicam oder Celebrex) möglich?

    Vielen Dank für Ihre Antwort.
    Mit freundlichen Grüßen
    Peter

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 21. September 2015 um 18:48 Uhr

      Lieber Peter,

      die Kombination von Triptanen mit Naproxen ist in wissenschaftlichen Studien analysiert worden, die Wirksamkeit ist belegt. Dies gilt nicht für Arcoxia oder andere NSARs. Im Einzelfall werden jedoch diese Substanzen auch mit Triptanen mit Erfolg in der Kombination eingesetzt. Allerdings bewegt man sich hier immer im Rahmen von individuellen Therapien ohne gesicherte Wirksamkeitsnachweise.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  5. Profilbild von Martina
    Martina 21. September 2015 um 12:04 Uhr

    Lieber Herr Prof. Göbel,

    ich leide schon seit längerer Zeit an chron. Migräne und chron. neuropathischen Schmerzen im Bereich des Trigeminus.
    Meine Frage bezieht sich nun auf die neuropathischen Gesichtsschmerzen . Nachdem durch die gängigen Medikamente aus der Gruppe der Antidepressiva sowie Antiepileptika keine Besserung erzielt werden konnte, wurde mir nun geraten, für zwei bis drei Wochen ein retardiertes Opioid zu nehmen. Ich möchte auf jeden Fall ausschließen, dass diese Einnahme einen Mük auslösen könnte und wollte Sie daher um Ihre Meinung zu dieser Poblematik bitten, d.h. ganz konkret: könnte das retardierte Opioid einen Mük auslösen?

    Ich danke Ihnen ganz herzlich für Ihre Antwort.
    Liebe Grüße
    Martina

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 21. September 2015 um 18:49 Uhr

      Liebe Martina,

      retardierte Opioide können bei zusätzlichen Dauerschmerzen neben episodisch auftretender Migräne in der Regel eingesetzt werden, ohne dass ein MÜK entsteht. Es gilt auch hier, dass eine dauerhafte konstante Einstellung mit einem langsam freisetzenden Opioid in der Regel nicht zu einer Frequenzzunahme der Migräne führt. Opioide dieser Art wirken auch nicht zur akuten Therapie der Migräneattacke. In der Regel ist es so, dass nur Substanzen, die auch wirksam sind in der Attackentherapie der Migräne, einen MÜK bedingen können.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  6. Profilbild von Tobi
    Tobi 21. September 2015 um 12:06 Uhr

    Lieber Herr Prof. Göbel,

    ich leide trotz Ausschöpfung aller gängigen Prophylaxemaßnahmen und Einhaltung aller notwendigen Verhaltensregeln an chron. Migräne und es entwickelt sich von Zeit zu Zeit auch ein status migänosus. Leider wirken bei mir keine Triptane und Kortison vertrage ich nicht. Darum hat sich mein Hausarzt bereiterklärt, mir in diesem Fall eine Magnesiuminfusion zu legen. Da er jedoch über keine Erfahrungswerte auf diesem Gebiet verfügt, wollte ich Sie fagen, mit welcher Dosierung Sie in Ihrer Kinik arbeiten.

    Vielen Dank für Ihre Zeit und Mühe und herzliche Grüße an Sie und Ihr Team.
    Tobias

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 21. September 2015 um 19:08 Uhr

      Lieber Tobi,

      hochdosiertes Magnesium kann bei Akutmigräneanfällen wirksam sein. Allerdings gibt es dazu auch keine gesicherte wissenschaftliche Literatur, man muss aufgrund individueller Erfahrungswerte die Therapie anpassen. Die Gabe von Magnesium 5/10 Prozent, 10 ml kann bei der Akuttherapie einer schweren Migräneattacke als Alternative für Schmerzmittel oder Triptane wirksam sein.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  7. Profilbild von Jenny
    Jenny 21. September 2015 um 12:09 Uhr

    Lieber Herr Prof. Göbel,

    vielen Dank für dieses Forum und Ihre Arbeit! Ich finde es toll!

    Meine Frage bezieht sich auf die Vererbung von Migräne. Eine genetische Bereitschaft scheint ja erwiesen zu sein. Ich leide sehr unter Migräne, meine 3 Geschwister nicht. Meine Mutter und einige Geschwister leichte Migräne, andere gar nicht. Da ich einen starken Kinderwunsch habe, beschäftigt mich die Frage immer wieder sehr, ob ich meine Gene überhaupt weitergeben sollte.

    Meine Frage: Ist die Wahrscheinlichkeit, Migräne weiterzuvererben größer, wenn die Migräne manifestiert ist oder wird die Bereitschaft in gleichem Maße von gesunden und kranken weitervererbt? Werde ich also mit größerer Wahrscheinlichkeit die Migräne weitervererben, da ich starke Migräne habe als jemand, der nur leichte oder keine Migräne hat? Gibt es dazu Forschungen/Wahrscheinlichkeiten?

    Und: Denken Sie, dass es ok ist, solange bis man einen Schwangerschaftstest machen kann, Triptane zu nehmen?

    Liebe Grüße, J.

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 21. September 2015 um 19:11 Uhr

      Liebe Jenny,

      bei der Migräne wird keine 1:1-Beziehung zwischen den Genen und der Migräne vererbt. Vielmehr kann das Risiko, in bestimmten Situationen mit Migräneattacken zu reagieren, durch bestimmte Genkonstellationen erhöht werden. Aus dieser Sicht ist es im Einzelfall nicht vorherzusagen, ob eine Migräne bei den Kindern mit hoher Wahrscheinlichkeit auftritt oder nicht. Die Natur lässt sich dabei nur schwer in die Karten schauen. Bedenken Sie dabei auch immer, dass bei der Migräne keine Läsion im Nervensystem besteht. Vielmehr haben Menschen, die von Migräne betroffen sind, ein sehr leistungsfähiges und aktives Gehirn. Es kommt in erster Linie darauf an, wie man mit der genetischen Ausstattung umgeht, um möglichst das Risiko für Migräneattacken zu reduzieren. Die Welt hat gerade Menschen, die Migräne haben, besonders viel zu verdanken.

      Es gibt nur eine sehr kurze Zeit, in der eine Schwangerschaft unsicher ist. In den ersten 14 Tagen nach dem ersten Zyklus der letzten Menstruation, ausgehend von einem gleichmäßigen 28-Tage-Zyklus, kann davon ausgegangen werden, dass keine Schwangerschaft vorliegt. Bei einem gleichmäßigen Zyklus kommt es etwa 14 Tage vor Menstruation zum Eisprung. 6 Tage nach Eisprung erfolgt die Einistung des befruchteten Eis in die Gebärmutter und somit der erste Kontakt zwischen Mutter und Kind. Erst dann kann das werdende Kind überhaupt mit der Wirksubstanz, die die Mutter gegen die Migräne eingenommen hat, in Kontakt treten. Eine medikamentöse Behandlung der Migräneattacken ist ungefähr für die Dauer der ersten 3 Wochen nach dem ersten Tag der letzten Menstruation ohne Gefährdung der Frucht möglich. Eine bestehende Schwangerschaft kann mit neueren Schwangerschaftstests ab dem 6. bis 10. Tag nach Eisprung nachgewiesen werden, das heißt, es gibt ca. 3 Wochen nach Menstruation einige unsichere Tage, in denen man vor Einnahme einer Akutmedikation die Durchführung eines Schwangerschaftstests empfiehlt.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  8. Profilbild von malaya
    malaya 21. September 2015 um 12:16 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    zuerst wieder ein herzliches Dankeschön an Sie, für Ihre Zeit und Mühe!

    Ich bin weibl., 1,72 bei 53 kg, knapp 50 J., häufige Migräne , insbes. um Menstr. u. Eisprung herum.
    Vor ca. 2 Jahren bekam ich eine schwere Thyreoiditis de Quervain. Restvol. SD jetzt nur noch 2 ml. Substituiere derzeit mit Thyroxin 81,25 micr.gr. Und bin innerhalb der Normwerte , FT3 im unteren Normbereich.

    Die Migräne ist in den letzten zwei Jahren stark angestiegen. Sehen Sie diesbezügl. Sinn in einem Präparatewechsel Thyroxin oder in einem weiteren Aufdosieren, zumindest solange ich die Normwerte nicht verlasse? ( Abdosieren habe ich schon getestet, war nicht erfolgreich).

    Und falls möglich bitte noch eine Info: Zählen 0,2%-Procain-Bicarbonat-Infusionen oder 1%ige Procain-Injektionen in die 10/20-Regel?

    Vielen Dank für Ihre Mühe und herzliche Grüße

    Malaya

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 21. September 2015 um 19:19 Uhr

      Liebe Malaya,

      wenn die Schilddrüsenwerte im Normbereich liegen, ist von einer Aufdosierung oder Abdosierung abzuraten. Es gibt keine Hinweise, dass dadurch die Migränehäufigkeit sich ändern wird. Auch durch einen Präparatewechsel ist eine Änderung der Situation nicht zu erwarten. Sie sollten vielmehr überlegen, eine sonst effektive Migränevorbeugung aufzunehmen.

      Die Behandlung mit Procain ist zur Migränetherapie ohne gesicherte Wirkung. Allerdings würde ich die Behandlung damit innerhalb der 10/20-Regel als nicht problematisch ansehen.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  9. Profilbild von Anett
    Anett 21. September 2015 um 12:19 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    meine Migräne ohne Aura startet grundsätzlich jeden Montag und dauert mitunter drei Tage. Prüfungen, das Verreisen am ersten Urlaubstag oder sonstige außergewöhnliche Situationen können ebenfalls Auslöser sein. Diese kann ich gut nachvollziehen, weil ich in neuen Situationen sehr angespannt bin und ein paar Reize mehr mich schnell überfordern. Mein Tagesablauf am Wochenende und in der Woche ist sehr gleichmäßig und ich habe keinerlei Stress auf der Arbeit oder Ängste vor der Arbeit. Warum es mir wirklich jeden Montag mehr oder weniger schlecht geht, kann ich mir nach jahrelanger Beobachtung und vielem „Herumprobieren“ nicht erklären.

    Mein Neurologe hat mir daher eine Psychotherapie empfohlen. Dahingehend habe ich keine Erfahrungen und würde gern wissen, auf welche Art von Therapie oder Ausbildung der Fachkräfte ich bei der Suche nach einem geeigneten Psychiater achten muss.

    Ich danke Ihnen vielmals im Voraus!

    Herzliche Grüße

    Anett

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 21. September 2015 um 19:21 Uhr

      Liebe Anett,

      die Migräne kennt tatsächlich nach wissenschaftlichen Studien die Wochentage. Sie tritt am häufigsten am Samstag auf, gefolgt von Sonntag und dann schließlich folgt Montag. Warum bei Ihnen gerade der Montag sehr häufig betroffen ist, lässt sich aus der Ferne kaum näher analysieren. Häufig ist es tatsächlich die Änderung des Rhythmus zwischen Arbeit und Erholungsphase, die eine Migräneattacke generieren kann. Das gilt in beide Richtungen von der Anspannung in die Entspannung und umgekehrt. Auch die Ernährungsweise am Wochenende oder das veränderte Schlafverhalten kann schon zu dieser Situation führen. Überlegen Sie einmal, wie die Migräne sich über einen längeren Urlaub verhält, ob auch dann der Montag ein Problem ist oder eben nicht. Prüfen Sie auch, ob im Falle von längeren Reisen immer wieder der Montag betroffen ist. Es ist gut möglich, dass bei einem fixen Wochentag doch bestimmtes Verhalten zur Migräne mit beiträgt. Ob hier eine Psychotherapie der adäquate Ansatz ist, kann ich aufgrund der Angaben nicht entscheiden. Grundsätzlich gilt, dass eine Verhaltenstherapie bei Migräne die wirksamste Therapieform darstellt. Dabei kann auch im Rahmen einer Verhaltensanalyse ermittelt werden, welche Verhaltensfaktoren möglicherweise für das Auftreten besonders relevant sind.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  10. Profilbild von jogger
    jogger 21. September 2015 um 12:43 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Göbel,
    ich leide seit 16 Jahren unter Spannungskopfschmerzen – unbeeinflussbares Schmerzsyndrom ICD-10R52-1 bei chronischer Kopfschmerz vom Spannungstyp ICD-10 G44.2. Ich war 2013 stationär bei Ihnen. Basistherapie war Amitryptylin, Imigran, Mirtazapin und Topiramat ….Nun war Tramadol diesen Sommer ein weiterer Ansatz – ohne Erfolg!! – Kann ich mich jetzt als austherapiert betrachten?
    Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen
    Herzliche Grüße
    Armin

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 21. September 2015 um 19:29 Uhr

      Lieber Jogger,

      bei chronischen Spannungskopfschmerzen sind Opioide wie Tramadol unwirksam. Es wäre verheerend, wenn man nach Einsatz eines generell als unwirksam bekannten Medikamentes als austherapiert gelte. Chronische Spannungskopfschmerzen sind chronisch, weil sie in der Regel nur sehr schwer zu behandeln sind. Gerade aber dann ist es notwendig, sie zu stabilisieren, eine weitere Chronifizierung zu vermeiden und auch darauf hinzuarbeiten, sie zu verbessern oder zumindest erträglicher zu gestalten. Auch Komplikationen müssen verhindert werden, die bei chronischen Schmerzen sehr häufig auftreten. Beide Behandlungen sind also notwendig. Die von Ihnen beschriebene Basistherapie kann dazu beitragen, die chronische Schmerzkrankheit zu stabilisieren.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  11. Profilbild von ivitho
    ivitho 21. September 2015 um 13:39 Uhr

    Sehr geehrter Prof. Göbel,

    ich habe vor 3 Wo. Topiramat (nach ca. 2 Jahren) absetzen müssen, weil ich so starke Muskelkrämpfe hatte, die nur mit Katadolon & Morphin gelindert wurden. Die Krämpfe sind inzwischen fast weg. Aber jetzt nimmt meine Migräne wieder zu.

    1. Würden die Krämpfe wieder schlimmer werden, wenn ich erneut mit Topiramat anfangen würde? (Dociton, Betablocker, Amitriptilin, Natil-N funktionieren nicht.)

    2. Kann ich mit Celebrex (Cox2-Hemmer) die Triptanwirkung verstärken? Naproxen vertrage ich nicht.

    Vielen lieben Dank.

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 21. September 2015 um 19:30 Uhr

      Lieber Ivitho,

      bei der Behandlung mit Topiramat können gelegentlich Muskelkrämpfe auftreten. Ob sie bei einer Wiederaufnahme der Therapie erneut auftreten, kann nicht vorhergesagt werden. Man muss dies ausprobieren, wenn sonst keine anderen Alternativen bestehen. Dabei sollte eine sehr langsame Aufdosierung berücksichtigt werden.

      Die gemeinsame Anwendung von einem Triptan mit Naproxen ist in wissenschaftlichen Studien als wirksam belegt. Die gemeinsame Anwendung eines Triptans mit Celebrex jedoch nicht. Allerdings ist anzunehmen, dass aufgrund des Wirkmechanismus auch dadurch eine verbesserte Wirkung zu erreichen ist. Dies muss jedoch im Einzelfall ausgetestet werden.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  12. Profilbild von Marion
    Marion 21. September 2015 um 14:27 Uhr

    Guten Tag Herr Prof. Göbel,

    erst einmal vielen Dank für Ihre Zeit!
    Ich leide auch unter chronischer Migräne und habe jetzt schon alles ausprobiert, inklusive Botox, welches nach dem Spritzen bei mir nur starke Migräneanfälle auslöste.
    Da ich jetzt wieder in einem MÜK bin, falle ich häufig in einen Status Migranosus, den ich dann mit 100 mg Prednisolon, 3 Tage hintereinander versuche zu durchbrechen.
    Leider hat diese Dosis das letzte mal nicht gereicht, so dass ich erst über 4 Tage 250 mg Prednisolon und nach nicht außreichender Wirkung nochmal über 2 Tage 500mg Urbason als Infusion erhalten habe.
    Nun meine Frage, wie hoch kann ich das Prednisolon oral einnehmen?
    Vielen Dank für Ihre Antwort!

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 21. September 2015 um 19:46 Uhr

      Liebe Marion,

      bei einem Status migraenosus kann Prednisolon wirksam sein. Dies sollte jedoch nur für den Ausnahmefall vorbehalten sein. Die Behandlung von höheren Dosierungen über 6 Tage, insbesondere wenn sie häufiger eingesetzt werden, kann so bereits zu Nebenwirkungen führen. Insbesondere ist die sog. Nebennierenrindeninsuffizienz ein Problem dabei. Es geht dabei insbesondere um die längere Gabe von höheren Dosierungen, die das Risiko verstärken.
      Es ist dabei wichtig, dass man nach Beendigung der Therapie die Dosierung langsam ausschleicht, insbesondere wenn Prednisolon über mehrere Tage gegeben worden ist. Hier gibt es weiter keine Standards und man muss hier individuell vorgehen. Wichtig erscheint es, in einer solchen Situation weitere Versuche einer vorbeugenden Therapie zu machen, auch wenn die Migränehäufigkeit dabei nicht unbedingt drastisch reduziert wird. Oft kommt es dann jedoch zu einem besseren Ansprechen von Akutmedikation, sodass man insgesamt eine bessere Erträglichkeit der schweren Migräne erreichen kann.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  13. Profilbild von escada
    escada 21. September 2015 um 14:27 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    Ich bin seit gut 3 Jahrzehnten Migräne Pat, die letzten Jahre leide ich an hochfrequenter, therapeutisch sehr schwer zu beeinflussender chron. Migräne ohne Aura.
    Ich habe sämtliche Prophylaxen, Akutmedikationen durch und versuche auch mein Verhalten so gut es möglich ist auf die Migräne abzustimmen.
    Zu meiner Frage:
    In den letzten 2-3 Jahren stellte ich anfangs unregelmäßig, mittlerweile seit mehreren Monaten regelmäßig fest, dass ich eine Stunde bis einen halben Tag vor einem Anfall einen sehr stark bitteren äußerst unangenehmen Geschmack im Mund bekomme, der erst wieder weggeht, wenn der Anfall abklingt.
    D.h. dieser Geschmack tritt nicht in Verbindung mit bestimmten Medikamenten oder Nahrungsmitteln auf, sondern ich werde z.B. auch mitten in der Nacht wach, habe diesen schrecklichen Geschmack im Mund, zu diesem Zeitpunkt aber noch keine Kopfschmerzen und Stunden später ist dann aber der Migräne Anfall da.
    Der Geschmack lässt sich auch mit Bonbons lutschen, Zähneputzen etc. nicht wegbringen. er verschwindet erst, wenn der Anfall abklingt.
    Kommt es am nächsten und übernächsten Tag zum Wiederkehrkopfschmerz, was bei mir meist der Fall ist, kehrt auch dieser bittere Geschmack immer wieder als Vorbote zurück.
    Mein Hausarzt und meine Neurologin haben keine Idee dazu.
    Haben Sie vielleicht eine Erklärung für dieses Phänomen, bzw. könnte sich daraus ein möglicher neuer Therapieansatz für mich ergeben, der sich auch auf meine Migränefrequenz und Intensität positiv auswirken könnte?
    Vielen Dank für Ihre Antwort

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 21. September 2015 um 19:47 Uhr

      Liebe escada,

      Migräne kann sich als besondere Aura zeigen. Vor Beginn der Schmerzenphase können bei der Migräne lokale non-logische Störungen auftreten. Auch neuropsychologische Störungen können als Aurasymptome bestehen. Veränderungen des Geruchs und des Geschmacks gehören dabei besonders häufig dazu. Eine Intensivierung des Riechvermögens kennt nahezu jeder Migränepatient. Veränderte Geschmackswahrnehmungen sind ebenfalls häufig, ohne dass sie jedoch spezifisch kommunziert werden oder weiter bekannt sind. Aus dieser Sicht ist das von Ihnen beschriebene Phänomen durchaus häufig und typisch.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  14. Profilbild von augenstern
    augenstern 21. September 2015 um 14:55 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    Ich habe eine Frage zum Schmerzmittelgebrauch: Momentan habe ich einen sehr starken Rheumaschub, da mein neuer Rheumatologe die bisher gut funktionierende Biologikatherapie unterbrochen hat. Nun bin ich ausschließlich auf Cortison und Schmerzmittel angewiesen, um mich überhaupt bewegen zu können. Daher kann ich, was sie Schmerzmittel betrifft, die 10/20Regel nicht einhalten und befürchte, in einen MÜK zu kommen. Haben Sie einen Rat für mich, wie ich das vermeiden kann? Ich hoffe,bald wieder ein Biologikum zu bekommen, muss aber die Zeit bis dahin und zum Wirkungseintritt überbrücken.
    Für Ihre Antwort bedanke ich mich im Voraus schon ganz herzlich!

    Mit freundlichen Grüßen,
    Augenstern

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 21. September 2015 um 19:54 Uhr

      Lieber Augenstern,

      bei Einstellung der Schmerzen bei rheumatischen Grunderkrankungen sollte ein möglichst dauerhafter konstanter Wirkspiegel erzielt werden. Dies ist möglich mit sog. retardierten Opioid-Schmerzmitteln, die über 12 Stunden gleichmäßig den Wirkstoff zur Verfügung stellen. Ein MÜK ist dabei nicht zu erwarten. Möchte man entzündungshemmende Schmerzmittel einsetzen, sollte man hier auf eine möglichst lange Wirksamkeitsdauer abzielen. Dies gilt zum Beispiel für langwirksame NSAR oder Cox-2-Hemmer.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  15. Profilbild von Heiko59
    Heiko59 21. September 2015 um 15:22 Uhr

    Guten Tag Herr Prof. Göbel,
    ich würde gerne etwas über den Zusammenhang zwischen einer Gähn Attacke und einer beginnenden Migräne erfahren. Hängt das eine mit dem anderen zusammen, und wie haben diese beiden Einfluss aufeinander?
    Zum anderen würde ich gerne etwas über das „Kieferknacken“ erfahren, welches ich auch habe. Dieses wurde schon von mehreren Migränepatienten berichtet, und ich wurde auch in Ihrem Haus bei der Eingangsuntersuchung daraufhin untersucht. Können Sie mir erklären woher dieses kommt, und welche Bedeutung es bei der Migräne hat?
    Vielen Dank für Ihre Bemühungen,
    mit Freundlichen Grüßen
    H.Geiss

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 21. September 2015 um 19:56 Uhr

      Lieber Heiko,

      Gähnen ist ein nicht seltenes Ankündigungssymptom einer kommenden Migräne. Die genauen Mechanismen dazu sind nicht bekannt, es handelt sich möglicherweise um feste reflektorische Abläufe, die im Rahmen der Migräneentstehung aktiviert werden.

      Muskuläre Anspannung im Schulter-Nackenbereich, aber auch im Kaumuskelbereich finden sich häufig bei Patienten mit hoher Attackenfrequenz. Durch die Sensitivierung der Muskelnerven entsteht reflektorisch eine Hyperaktivität von Muskeln. Möglicherweise ist dies der Grund für Ihre Beobachtung. Entscheidend ist dabei, dass diese Phänoemene nicht ursächlich für die Migräne sind, sondern ungeklärt reflektorisch eine Konsequenz der Migräne.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  16. Profilbild von Islay
    Islay 21. September 2015 um 15:33 Uhr

    Sehr geehrter Herr Professor Göbel,
    ich bin 52 Jahre und leide seit 2002 an derzeit durchschnittlich 10 Tagen Migräne pro Monat. Prophylaxe mit Metoprolol 47,5mg und Opipramol 100mg ( zur Nacht). Hauptsorge ist der MÜK und das Limit von 10 Triptanen pro Monat nicht zu überschreiten.

    Sobald eine Attacke angefangen hat läuft sie über drei bis im Extremfall 8 Tage ( dann erst z.B. 5 Tage rechts und 3 Tage links). Meiner Meinung nach ist der Wiederkehrkopfschmerz durch die Triptane (mit)bedingt. Die gleichzeitige Einahme von Naproxen oder einem anderen NSAID hilft nichts, wohl manchmal ein Wechsel des Triptanpräparates während der Attacke. Derzeit wechsle ich zwischen Allegro und Naramig. Ich arbeite in einer chronisch unterbesetzten Abteilung. Zu Hause bleiben ist keine Option, auch Umsteigen auf eine sedierende Basistherapie nicht.
    Gibt es eine Optimierung des Attackenmanagements?
    Mit herzlichem Dank und freundlichen Grüßen.

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 21. September 2015 um 20:12 Uhr

      Liebe Islay,

      ich sehe das Problem sehr langer Attacken, die auch in einem Status migraenosus über mehr als 3 Tage hinausgehen können. Allegro und Naratriptan gehören zu den besonders lang wirkenden Akutmedikamenten in der Migräneattackentherapie. Alternativen wären auch Almotriptan oder Relpax. Wenn die zusätzliche Einnahme von Naproxen oder anderen NSAR keine Verbesserung bedingt, kann noch die zusätzliche Gabe eines Mittels gegen Übelkeit und Erbrechen wie zum Beispiel Vomex sowie die Dosiserhöhung des Triptans eine Option sein. Des Weiteren können Sie versuchen, die Propyhlaxe-Medikation zu erhöhen.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  17. Profilbild von Thomas
    Thomas 21. September 2015 um 16:03 Uhr

    Sehr geehrter Herr Professor Göbel,
    zuerst etwas positives, im November 2012 war ich für 14 Tage in Ihrer Klinik, seit dem habe ich die 10 Tage Regel eingehalten, obwohl ich in der Regel 15-17 Migräne Tage pro Monat habe.
    In Ihrer Klinik habe ich die erste und im folgenden Jahr noch zwei weitere Behandlungen mit Botox bekommen ohne jeden Erfolg.
    Im Mai 2014 wurde in der Uni- Klinik Köln ein Neurostimulator de Fa. ST. JUDE MEDICAL implantiert.
    Bis Monat 11.2014 hatte ich daraufhin nur jeweils 10 Migräneanfälle pro Monat, seit 12. 2014 wieder 15 bis 17 Anfälle.
    Zur Prophylaxe nehme ich zur Zeit Amitriptilin 25 mg und Bisoprolol 5 mg.
    Für einen Rat,was ich noch machen kann um meine Situation zu verbessern währe ich Ihnen sehr dankbar.
    Mit freundlichen Grüßen aus Köln,
    Thomas Brück

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 21. September 2015 um 20:13 Uhr

      Lieber Thomas,

      aufgrund des schweren chronischen Verlaufs ihrer Migräne haben Sie sämtliche Therapieoptionen erhalten, die zur Vorbeugung bei maximalen Migränevarianten möglich sind. Dazu zählen Botox und auch die Implantation eines Neurostimulators. Wichtig ist jetzt, dass der Neurostimulatur entsprechend dem Verlauf individuell angepasst wird und die Programmierung optimiert wird. Dazu benötigen Sie einen Ansprechpartner, der die Programmierung begleitet und entsprechend der Stimmulationsmuster adaptiert. Zusätzlich muss die Begleitmedikation individuell variiert werden. Sicherlich sind Sie darüber informiert worden, dass die Migräne auch trotz Neuromodulation weiter intensiv behandelt werden muss. Die Reduktion des Leidensdruckes um 30 Prozent ist das primäre Ziel. Die weitere Optimimierung von Verhaltensfaktoren, des sozialen Umfeldes, Arbeitsbelastung, Medikation etc. sind weiterhin erforderlich. In Ihrem Fall ist es günstig, dass Sie von positiven Effekten berichten können, die sehr häufig noch weiter ausgebaut werden können.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  18. Profilbild von Rmot
    Rmot 21. September 2015 um 16:32 Uhr

    Lieber Herr Prof. Göbel,
    was halten Sie davon, Lidocain oder Bupivacain zur Migränebehandlung in die Nase zu sprühen? Ich habe es mit Bupivacain versucht, aber ohne Erfolg. Vielleicht habe ich bei der Anwendung Fehler gemacht – oder macht es mehr Sinn, dies zur Prophylaxe regelmäßig anzuwenden?
    Vielen Dank!!!
    Robert

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 21. September 2015 um 20:19 Uhr

      Lieber Rmot,

      die Attackenbehandlung mit Migränemittel Lidocain oder Bupivacain ist ohne gesicherten Wirkungsnachweis. Da die Migräne im zentralen Nervensystem entsteht und nicht im Nasen-Rachen-Raum, ist auch keine Wirkung zu erwarten.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  19. Profilbild von AL-Vio
    AL-Vio 21. September 2015 um 16:36 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    vor 3 Jahren wurde ich in Ihrer Klinik behandelt und hatte es anschl. einigermaßen geschafft, mit 10 Triptantagen im Monat an der Grenze der zulässigen Schmerzmitteleinnahme zu bleiben. Seit etwa einem Jahr jedoch muss ich, um meinen (Arbeits-)Alltag bewältigen zu können, aufgrund einer beidseitig fortgeschr. Hüftarthrose (1. OP ist gerade erfolgt) und mehreren LWS-Diagnosen zusätzlich Diclofenac einnehmen, womit ich die 10-Tage-Regelung bei Weitem überschreite.
    Was wird Menschen hinsichtl. der Schmerzmitteleinnahme geraten, die zusätzl. zu ihrer Migräne-Erkrankung noch unter weiteren Schmerzerkrankungen leiden?

    fragt, mit freundlichen Grüßen,

    V. R.

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 21. September 2015 um 20:20 Uhr

      Liebe Al-Vio,

      die Dauereinnahme von Diclofenac bei Arthrose ist kritisch, es kommt häufig zu Nebenwirkungen im Magen-Darm-Bereich. Auch ist bei Diclofenac davon auszugehen, dass bei Überschreiten der 10-Tage-Regel ein MÜK entsteht. Aus dieser Sicht wäre es empfehlenswert zu überlegen, eine Umstellung auf ein langsam freisetzendes Opioid-Schmerzmittel wie zum Beispiel retardiertes Tramundin zu erwägen. Auch die Behandlung mit langwirksamen Cox-2-Hemmern wäre eine Option.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  20. Profilbild von Wilhelm
    Wilhelm 21. September 2015 um 16:43 Uhr

    Lieber Herr Professor Göbel,

    eine Frage zum Tablettenübergebrauch. Seit meinem Aufenthalt bei Ihnen vor 3 Jahren brauche ich kaum noch Triptane. Ich nehme jetzt nach Vomex-Einnahme nur noch Aspirin 1000mg. Das reicht fast immer. Manchmal reicht allein Vomex. Allerdings nehme ich das ca. 10 mal im Mona Vomex und 5 – 6 mal Aspirin . Jetzt soll ich wegen akuter Schmerzen der HWS Diclophenac einnehmen, was ich wegen der Übergebrauchproblematik bisher vermieden habe. Meine Frage: kann allein Vomex zu Übergebrauchsfolgen führen und soll ich weiter Diclo vermeiden?
    Vielen Dank
    Wilhelm W.

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 21. September 2015 um 20:29 Uhr

      Lieber Wilhelm,

      leider kann auch Vomex bei sehr häufiger Einnahme zu Gewöhnungseffekten führen. Ob dadurch jedoch ein Übergebrauchskopfschmerz entsteht, ist nicht sicher. In jedem Fall sollten Sie auch nach Möglichkeit hier die 10er-Regel versuchen einzuhalten. Wenn wegen akuter Schmerzen der HWS Diclofenac kurzfristig notwendig ist, sollte dadurch kein Problem resultieren. Problematisch wird es erst, wenn dies über einen längeren Zeitraum notwendig ist. Dann sollte man andere Optionen erwägen, wie zum Beispiel retardierte Opioide und lang wirkende Cox-2-Hemmer.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  21. Profilbild von Maria
    Maria 21. September 2015 um 16:48 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    Seit einigen Jahren erhalte ich vierteljährlich Botox Injektionen ( 200 Einheiten) wegen chronischer Migräne.
    Mal hilft es (knapp unter 10 Migränetage im Monat) mal nicht.
    Vorletztes Quartal nahm ich noch unretardiertes Melandonin 3 mg ( Gall Pharma ) dazu, da hatte ich fast gar keine Migräne mehr.
    Das retardierte Circadin 2 mg, das jetzt nur noch im Handel ist, hilft nicht.
    Vor zwei Jahren habe ich einen Schmerzmittelentzug gemacht, die Migräne besserte sich damals nicht .
    Jetzt mache ich wieder einen Entzug, nachdem ich drei Wochen zuvor täglich Migräne hatte.
    Mein Hausarzt gibt mir Infusionen mit Aspirin und Solu-Decordin H zweimal wöchentlich.
    Meine Frage: Sind diese Mittel das Richtige und wie lange sollte man den Entzug damit machen.

    Ganz vielen Dank, dass Sie sich die Mühe machen die Frage zu beantworten

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 21. September 2015 um 20:32 Uhr

      Liebe Maria,

      die Migräne äußerst sich im zeitlichen Verlauf durch unterschiedliche Häufigkeiten. Es ist daher nur sehr schwer im Einzelfall festzustellen, ob eine Besserung oder Verschlechterung sich gerade auf die verabreichte Therapie kurzfristig bezieht. Das gilt für alle der von Ihnen geschilderten Therapieverfahren. Aufgrund Ihrer Schilderung scheint es möglich, dass bei Ihnen ein Medikamentenübergebrauchskopfschmerz besteht. Ein Entzug mit Infusionen, die ein Schmerzmittel enthalten, ist nicht zielführend. Sie haben dadurch zwar an und für sich eine Linderung, die schmerzverarbeitenden Systeme des Nervensystems werden dadurch jedoch weiter demoliert, eine adäquate Medikamentenpause ist so nicht möglich. Medikamentenpause heißt, dass sämtliche Medikamente, die zur Attackentherapie sonst wirksam sind, nicht eingesetzt werden, die schmerzverarbeitenden Systeme sich wieder adaptieren und ihre normale Funktionsweise wieder aufnehmen können.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  22. Profilbild von Marta
    Marta 21. September 2015 um 17:30 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,
    im Fberuar diesen Jahres war ich bei Ihnen in der Klinik und habe eine Medikamentenpause durchgeführt. Entlassen wurde ich mit einer Prophylaxe mit Metoprolol 47,5mg und opipramol 50mg.
    Die Pause konnte ich zu Hause noch weiter 21 Tage fortführen ohne jegliche Kopfschmerzen oder Migräne. Leider folgten in den weiteren Monaten immer mehr Attacken. Der April schlug schon mit 8 und der Mai bereits wieder mit 10 tagen zu buche. Juni, Juli, August waren jenseits von 15 Schmerztagen und wurden auch mit Triptanen behandelt. Opipramol habe ich mittlerweile abgesetzt und bekomme nun venlafaxin. Der September ist jetzt schon mit 12 Triptantagen angelangt. Das Triptan hilft mir aber immer ganz gut. Was meinen sie bin ich schon wieder im MÜK nach so kurzer Zeit. Ich bin ratlos und hilflos weil ich mit Kindern Haushalt und Job einfach nicht die Migräne aushalten kann, geschweige denn wieder eine Pause durchführen kann. Ich habe wirklich das Gefühl das jede Triptaneinnahme (Naratriptan) meine Frequenz steigert egal ob ich die 10/20 Regel einhalte oder nicht.

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 21. September 2015 um 20:45 Uhr

      Liebe Marta,

      die schnelle Frequenzzunahme der Migräne durch Triptane ist leider ein häufiges Problem. Man steht ständig zwischen dem Konflikt der Wirksamkeit eines Triptans und der Problematik, dass bei zu häufiger Einnahme schnell eine Frequenzsteigerung entsteht und die Kopfschmerzen immer häufiger werden. Bei Ihnen sollte versucht werden, die vorbeugende Behandlung noch weiter zu verbessern, auch die Verhaltensfaktoren müssen Sie intensiv versuchen einzuhalten. Dies steht sicherlich alles in Konflikt mit den familiären und beruflichen Belastungen. Eine Gratwanderung wird dabei immer die Folge sein müssen. Die Einnahme von Triptanen an 10 Tagen im Monat ist jedoch möglich. So wie die Kopfschmerzfrequenz ansteigen kann, ist jedoch sehr häufig zu beobachten, dass sie bei entsprechender Berücksichtigung der vorbeugenden Maßnahmen sich zurückzieht und die Kopfschmerzfrequenz sich reduziert.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  23. Profilbild von Manuela
    Manuela 21. September 2015 um 17:54 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,
    das Doxepin, welches ich im Februar d.J. in Ihrer Klinik verordnet bekommen habe, schleiche ich nun nach 6 Monaten langsam aus (bin bei 5mg), da die Nebenwirkungen (Gewichtsverlust und Haarausfall) für mich nicht mehr hinnehmbar waren (meine Diagnose in Kiel: chronische Migräne).

    Nun hat mir mein Internist heute Nebivolol verordnet und gemeint, dass amerikanische Studien zeigen, dass es die gleiche Wirksamkeit wie Metoprolol habe, aber geringere Nebenwirkungen (sein Sohn hat auch Migräne). Ich war auch bei einem Kollegen von ihm, der einen Herzuttralschall bei mir gemacht hat, da ich einen leichten Miralklappenprolaps habe, der auch so etwas erwähnte.
    Was ist Ihre Meinung?
    Vielen Dank für Ihre Zeit und Mühe,
    Manuela

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 21. September 2015 um 20:46 Uhr

      Liebe Manuela,

      wenn Sie Doxepin nicht vertragen, können Sie es bei den jetzt bereits geringeren Dosierungen direkt absetzen. Gewichtsverlust ist eine sehr ungewöhnliche mögliche Nebenwirkung von Doxepin. Sie sollten dabei auch immer andere Ursachen in Erwägung ziehen, die diagnostisch geklärt werden müssen. Die Studienlage zur Wirkung von Nebivolol in der Migräneprävention ist ohne gesicherte Basis. Es ist nach heutiger Kenntnis nur möglicherweise wirksam. Ein individeller Einsatz zur Bewertung der Wirkung ist selbstverständlich sinnvoll, wenn eine andere Therapieoptionen mit gesicherter Wirkung nicht verträglich oder nicht effektiv ist. Andere Medikamente, die möglicherweise wirksam sind, sind zum Beispiel Lisinopril, Candesartan oder Clonidin. Hier muss jedoch immer individuell die Dosierung gewählt werden und der Verlauf hinsichtlich der Wirksamkeit im Einzelfall bewertet werden.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  24. Profilbild von Bettina Frank - Moderatorin
    Bettina Frank - Moderatorin 21. September 2015 um 17:57 Uhr

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