Migräne- und Kopfschmerz-Chat am 23.01.2017

Dies ist unsere Gruppe zum Migräne- und Kopfschmerz-Chat und sie funktioniert folgendermaßen: Um ca. 12:00 Uhr des jeweiligen Chat-Tages wird die Kommentar-Funktion aktiviert. Will man eine Frage eintragen, klickt man in das Fenster der Kommentarfunktion. Hat man eine Frage eingetragen, sieht man unter seinem Beitrag “Antworten”. Diese Antwortfunktion benutzt Prof. Göbel, um die Antwort auf die vorherige Frage einzustellen. Prof. Göbels Antwort ist dann ein wenig eingerückt und unterscheidet sich daher auch optisch von den Fragen. Sollte der Fragesteller zum selben Thema noch eine Folgefrage haben, bitte auch auf “Antworten” klicken – aber nur dann! Sonst bitte immer in das Kommentar-Fenster schreiben. Nach dem Chat wird die Kommentar-Funktion wieder deaktiviert bis zum nächsten Chat-Tag. Alle Fragen und Antworten bleiben in diesem Blog erhalten und bestimmte Themen können jederzeit mit der Such-Funktion wiedergefunden werden. Alle Aktionen werden am Chat-Tag auch auf der Startseite des Headbook aufscheinen.

Fragen können nur am jeweiligen Chat-Tag ab 12:00 Uhr eingetragen werden. Bitte immer auf das aktuelle Datum in der Überschrift achten, das unter “Live-Chats” eingetragen ist.

By | 2017-01-23T20:00:21+00:00 Dezember 17th, 2016|Livechat|42 Comments

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Profilbild von Bettina Frank - Moderatorin

42 Kommentare

  1. Profilbild von kerstin
    kerstin 23. Januar 2017 um 12:09 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    bei mir wurde eine ‚Mischform‘ Morbus Meniere (linkes Ohr mittlerweile ertaubt) und vestibulärer Migräne diagnostiziert. Schwindelanfälle (ohne Kopfschmerzen) habe ich ca. 3 bis 4 mal im Monat. Im akuten Anfall nehme ich eine Rizatriptan Schmelztablette 10 mg, außerdem Vomex Supp. und – wenn der Anfall sehr heftig ist, Diazepam 5 mg als Rektole. Es geht mir so schlecht in dem Moment des Anfalls (Übelkeit, Erbrechen; starkes Aufstoßen, Kopfbewegung nicht möglich), dass ich nur liegen kann und schlafen möchte. Leider dauert es immer – trotz Vomex – über eine Stunde, bis ich wegdämmern kann.

    1. Ist die Kombination der drei Medikamente sinnvoll im aktuen Anfall oder zuviel des Guten? Gibt es andere Möglichkeiten, schneller aus dem belastenden Schwindelanfall herauszukommen?

    2. Ich habe beobachtet, dass ich Schwindelanfälle nach dem Essen von Fertigprodukten (Tütengerichte) bekommen habe, ca. eine Stunde nach der Nahrungsaufnahme. Kann es einen Zusammenhang geben oder sollte ich das als Zufall abhaken?

    Herzlichen Dank, Kerstin

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 23. Januar 2017 um 18:43 Uhr

      Liebe Kerstin,

      aus Ihrer Beschreibung ist nicht direkt zu entnehmen, ob es sich um eine Migräne mit Hirnstammaura handelt. Eine Mischform sollte nicht diagnostiziert werden, da die Behandlung ganz unterschiedlich zu gestalten ist. Sie schreiben, dass die Schwindelereignisse nicht mit Kopfschmerzen einhergehen. Die Einnahme von Rizatriptan in Ihrer Situation scheint mir nicht ausreichend begründet. Ihre Schilderung lässt an einen paroxysmalen Lagerungsschwindel denken. Lassen Sie dies vor Ort mit Ihrem Neurologen klären. Der von Ihnen geschilderte Zusammenhang mit Nahrungsmitteln scheint mir nicht wahrscheinlich.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  2. Profilbild von Heidi13
    Heidi13 23. Januar 2017 um 12:12 Uhr

    Sehr geehrter Herr Professor Göbel,
    seit Ende November 2016 habe ich eine sehr schlechte Phase:
    Nahezu jeden Tag habe ich Migräne.
    Ich habe in den letzten Wochen drei Cortisonbehandlungen durchgeführt (an 2 Behandlungsphasen jeweils 3 Tage 100 mg, 3 Tage 75 mg, 3 Tage 50 mg, die letzte Behandlung „nur“ 3 Tage 100 mg)
    In diesen Behandlungsphasen war ich fast schmerzfrei. Sobald ich jedoch das Cortison abgesetzt hatte, fingen die Kopfschmerzen wieder an. Aktuell habe ich am letzten Freitag das letzte Mal Cortison genommen, Samstag und Sonntag waren schmerzfrei. Heute jedoch habe ich schon wieder Kopfschmerzen. Was können Sie mir raten? Was soll ich jetzt tun? Meine Prophylaxen: Migravent Classic und circa alle drei Monate Botox.
    Ich danke Ihnen sehr für Ihre Antwort!
    Herzliche Grüße
    Heidi Finkenbeiner

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 23. Januar 2017 um 18:44 Uhr

      Liebe Heidi,

      aus Ihrer Beschreibung wird nicht deutlich, ob es sich bei Ihnen um einen Status migraenosus handelt oder ob bei Ihnen ein Medikamentenübergebrauchskopfschmerz vorliegt. Die alleinige Gabe von Kortison löst beide Probleme nicht. Entscheidend ist, dass eine wirksame Vorbeugung aufgebaut wird, die verhindert, dass die ursprüngliche Attackenfrequenz wieder aufflammt. Dies scheint durch Ihre jetzige Vorbeugung nicht erreicht zu werden. Bei nahezu täglicher Migräne ist es möglich, dass Sie an mehr als an 10 Tagen im Monat Kopfschmerzakutmedikation verwenden. Ohne eine Medikamentenpause wird hier kaum eine Besserung erzielt werden können.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  3. Profilbild von Manfred
    Manfred 23. Januar 2017 um 12:16 Uhr

    Sg. Hr. Göbel

    habe im Feb. 2015 einen Medikamentenentzug bei Ihnen in der Klinik gemacht, danach schaffte ich es die Attaken und die Einnahme von Triptanen unter 10/Monat zu halten. Seit ein paar Monaten geht das leider nicht mehr und bin wieder bei 12-15/Monat gelandet. Stress, Arbeit,….
    Möchte jetzt gerne wieder einen Medikamentenentzug machen da ich das mit den Schmerzmittel und Triptanen nicht mehr durchhalte,(nehm derzeit immer 1x Naramig mit 500mg Naproxen)geht das auch zu Hause mit meinem Hausarzt ? auf was soll ich aufpassen bzw. soll ich die ersten Tage auch Kordison nehmen, und was soll mir mein Arzt als Unterstützung geben wenn ich den Schmerz nicht durchstehe ?

    Vielen Dank für Ihre Antwort und schöne Grüße aus Österreich !

    Manfred

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 23. Januar 2017 um 18:45 Uhr

      Lieber Manfred,

      bei der ambulanten Medikamentenpause sind die ersten Tage häufig wegen der aufkommenden Rebound-Kopfschmerzen problematisch. Da Sie bereits wissen, wie eine Pause durchgeführt werden kann, ist ein ambulanter Versuch möglich. Zur Reduktion der Rebound-Kopfschmerzen gibt es verschiedene Wege. Gemeinsam haben alle, dass Akutmittel wie Triptane oder Schmerzmittel nicht verwendet werden dürfen, da sonst der Zweck der Pause nicht erfüllt werden kann. Die Einnahme von Melperon oder Vomex kann die Schmerzen erträglicher machen. Alternativ oder additiv kann auch zur Überbrückung Prednisolon erwogen werden. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  4. Profilbild von Dany
    Dany 23. Januar 2017 um 12:25 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel
    Seit ca. 6 Monaten hat sich bei mir aus einer normalen leichten Migräne mit Aura eine starke Schwindelmigräne entwickelt die 3-4x im Monat mit extremem Schwindel aber nur mässigen Kopfschmerzen auftritt. Seit 10 Wochen nehme ich Topamax und merke noch keine Besserung. Halten sie diese Prophylaxe für die richtige Wahl? Flunarizin wurde wegen Unwirksamkeit auch schon abgesetzt. Gibt es gegen den starken Schwindel ein Medikament zur akuten Behandlung? Ein Anfall dauert immer 3-5 Tage mit durchgehend Schwindel. Zusätzlich nehme ich Migravent.
    Vielen Dank für Ihre Antwort und ihre Zeit.
    Herzliche Grüsse
    Dany

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 23. Januar 2017 um 18:50 Uhr

      Liebe Dany,

      aufgrund Ihrer Schilderung scheint es mir zunächst erforderlich, dass die verschiedenen Möglichkeiten von episodischem Schwindel abgeklärt werden. Eine spezifische Wirkung von Topamax auf episodischen Schwindel ist erfahrungsgemäß leider nicht zu erwarten. Bei Hirnstammauren, die mit starkem Schwindel einhergehen, wird in der Regel Flunarizin eingesetzt. Hier ist die Frage, ob es ausreichend dosiert war. Man geht in der Regel auf eine Dosis von 10 mg pro Tag. Zur Behandlung von akuten Schwindelattacken ist es entscheiden, um welche Schwindelform es sich handelt. Sehr häufig findet sich der gutartige paroxysmale Lageschwindel oder der Lagerungsschwindel. Lassen Sie sich entsprechend vor Ort von einem Neurologen beraten.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  5. Profilbild von Diana
    Diana 23. Januar 2017 um 12:27 Uhr

    Sehr geehrter Herr Doktor Göbel,

    in meiner Verzweiflung wende ich mich heute an sie.

    Bis vor 2 Jahren hatte ich einmal im Monat eine Menstrulle Migräne und seit 5 Jahren phasenweise mit Flimmerskotomen ohne nachfolgenden Kopfschmerz zu kämpfen. Seit meine Periode ausgesetzt hat fällt die regelmäßige Migräne weg, bin 49 und in den Wechseljahren. Geblieben sind zeitweise die Flimmerskotome.

    Nun hätte ich aber 2 Fragen an sie.

    Die Flimmerskotome haben immer mal andere Gesichter, das heißt das Flimmern ist fast immer das gleiche, hab aber bemerkt das ich vorher ab und zu Schwindelattacken habe und das es manchmal nur 10 Sekunden flackert und dann ist es verschwunden, das hat mich dann doch verunsichert. Versuche die Anfälle mit Magnesium in Grenzen zu halten.

    Dann hatte ich letzte Woche 2 mal, nach fast einem Jahr Pause, eine Migräne, das eine mal war ich von jetzt auf gleich extrem müde und bin ich auch eingeschlafen, eine Stunde später mit extremem Tinnitus den ich seit ein paar Monaten in leichter Form habe und starken Kopfschmerzen aufgewacht. Am nächsten Tag waren die Schmerzen weg, nur war ich wie beommen und die Ohrgeräusche und leichte Kopfschmerzen im Hinterkopf kommen zwischendurch wieder.

    Ist das alles noch im normalen Bereich? Ich habe zwar einen Neurologen, aber ich glaube er nimmt mich nicht ernst mit meinen Anliegen wenn ich denn mal zu ihm gehe. Deswegen dachte ich ich wende mich heute an sie.

    Vielen Dank für die Zeit die sie sich nehmen und Grüße, Diana Brockmann

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 23. Januar 2017 um 18:51 Uhr

      Liebe Diana,

      Sie beschreiben einerseits eine typische visuelle Aura, die ohne und mit Kopfschmerzen auftreten kann. Die Symptomatik in der letzten Woche kann einer sogenannten Hirnstammaura entsprechen. Dabei treten beidseitig Symptome auf, aber auch Symptome Müdigkeit bis hin zur Bewusstlosigkeit, Tinnitus, Sprachstörungen und andere komplexe Aurasymptome. Da dieser Ablauf nach Ihrer Schilderung recht neu ist, sollten Sie eine neurologische Untersuchung durchführen lassen. Ansonsten sind Ihre Schilderungen sehr wahrscheinlich für eine Migräne mit Hirnstammaura.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  6. Profilbild von Taglilie
    Taglilie 23. Januar 2017 um 12:34 Uhr

    Sehr geehrter Herr Professor Göbel

    Im Dezember 2016 war ich stationär in ihrer Klinik. Sie diagnostizierten bei mir einen Dauerkopfschmerz und verordneten 50 mg Trimipramin. Die Kopfschmerzen haben eine mittlere Schmerzstärke , alle paar Tage unterbrochen von 2-3 Stunden Schmerzfreiheit.
    Zusätzlich zu dem Dauerkopfschmerz habe ich seit circa zwei Jahren jeden Morgen nach dem aufwachen verstärkte Kopfschmerzen, die mich sehr belasten. Sie empfahlen, vor dem Schlafen eine kohlenhydratereiche Nahrung einzunehmen . Dies habe ich fünf Wochen ausprobiert, bisher ist leider keine Besserung eingetreten.
    Gibt es noch eine andere Möglichkeit, was ich zur Vorbeugung der morgendlichen Kopfschmerzen ausprobieren könnte?
    Diese morgendlichen Kopfschmerzen erwecken mich nicht aus dem Schlaf, ich habe einen regelmäßigen Schlaf -Wach Rhythmus und keine Schlaf – Apnoe. Sie sind auch unabhängig vom Ort des Schlafs und von Kopfkissen.
    Vielen Dank für Ihre Antwort .

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 23. Januar 2017 um 18:52 Uhr

      LiebeTaglilie,

      ich kann hier nur allgemein antworten. Nach 5 Wochen sollte man das Behandlungskonzept noch nicht aufgeben. Man kommt erst jetzt eigentlich in das Zeitfenster, in dem eine vorbeugende Behandlung zu wirken beginnt. Daher möchte ich Sie ermutigen, die Behandlung weiterzuführen. Wenn Trimipramin gut vertragen wird, könnte erwogen werden, eine Dosiserhöhung vorzunehmen. Denken Sie auch daran, all die anderen vorbeugenden Maßnahmen durchzuführen, die Sie hier gelernt haben.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  7. Profilbild von deportiva
    deportiva 23. Januar 2017 um 12:41 Uhr

    Meine sehr häufigen Attacken kommen nachts. Wie kann ich sie am Vorabend verhindern? Kohlenhydrate bringen mir nichts. Hilft ggf. ein Orgasmus als Entspannung?

    Haben Sie inIhrer Klinik Erfahrung mit Candesartan?

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 23. Januar 2017 um 19:02 Uhr

      Liebe Deportiva,

      Ihre Frage ist sehr allgemein, eine spezifische Antwort ist daher nicht möglich. Die Behandlung richtet sich in erster Linie nach der Form der Kopfschmerzen. Daher sollte sie eindeutig diagnostiziert werden. Nächtliche Kopfschmerzen können manchmal Clusterkopfschmerzattacken sein. Auch der schlafgebundene Kopfschmerz kann in der Nacht auftreten. Der Kopfschmerz bei sexueller Aktivität kann natürlich auch zu dieser Tageszeit oder besser Nachtzeit auftreten. Candesartan wird zur Vorbeugung in der Migräneprophylaxe eingesetzt.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

      • Profilbild von deportiva
        deportiva 23. Januar 2017 um 19:16 Uhr

        Es handelt sich um bis zu 13 Migränetage im Monat, die als Auslöser Wiederkehrkopfschmerz, SW-Wind, Ausfluge, Reisen, warme Bäder, Aqua Fitness oder selbst kleinste Mengen Alkohol haben.
        Sexuelle Aktivität ist mir nicht als Auslöser bekannt. Ich habe sie als Prophylaxe gedacht.

        Candesartan schleiche ich seit 10 Tagen ein, nachdem bisher nichts geholfen hat. Die Migräne begleitet mich zunehmend seit 52 Jahren.

  8. Profilbild von Sina 09
    Sina 09 23. Januar 2017 um 13:03 Uhr

    Sehr geehrter Prof. Göbel,

    Mein 16jähriger Sohn Daniel ist bei Ihnen in der Klinik im Oktober auf Amitriptylin als Prophylaxe eingestellt worden. Leider hat das bis heute auch nach Dosiserhöhung bis 75mg noch nichts gebracht. Jetzt möchten die hier behandelnden Neurologen auf Topamax umstellen, obwohl bereits eine Depression mit Suizidgedanken besteht. Andere Alternativen sehen Sie nicht.
    Betablocker und Flunarizin haben wir wegen starken Nebenwirkungen und keiner Wirkung abgesetzt. Pizotifen verschreibt hier kein Arzt.
    Können wir Ihrer Erfahrung nach doch Topiramat testen oder gibt es noch andere Möglichkeiten.

    Mit bestem Dank für Ihre Mühe

    Sina 09

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 23. Januar 2017 um 19:04 Uhr

      Liebe Sina,

      bei einer Depression mit Suizidgedanken ist aus meiner Sicht die Behandlung mit Topamax nicht ratsam. Oft kann man von einer medikamentösen Vorbeugung nicht erwarten, dass sie den Krankheitsverlauf entscheidend verändert und z. B. Kopfschmerzfreiheit eintritt. Auch die Stabilisierung und die tendenzielle Besserung in einen längeren Zeitabschnitt kann schon ein positiver Effekt sein. Üblicherweise sollten vorbeugende medikamentöse Behandlungen erst nach 3 Monaten beurteilt werden. Wenn andere Alternativen bisher nicht vertragen wurden oder nicht wirksam waren, sollte bei akzeptabler Verträglichkeit die Behandlung weitergeführt werden. Das vorzeitige Umsetzen kann häufig eine Therapieoption verspielen. Pizotifen war bis vor wenigen Jahren noch in Deutschland im Kindesalter zugelassen, die Firma hat dieses Medikament in Deutschland leider nicht mehr im Handel, da es kaum eingesetzt wurde. In vielen umliegenden Ländern ist es nach wie vor verfügbar und wird dort sehr häufig bei Kindern mit schwerer Migräne eingesetzt. Sollten Sie vor Ort nicht weiterkommen, ist ggf. zu erwägen, ob Sie sich noch einmal in einem Kopfschmerzzentrum überregional vorstellen.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  9. Profilbild von Don Jan
    Don Jan 23. Januar 2017 um 13:14 Uhr

    Sehr geehrter Herr Professor Göbel,

    vielen Dank für die Möglichkeit des Live-Chats und Ihre damit verbundene Mühe.

    Seit gut vier Wochen nehme ich zur Migräne Prophylaxe Topiramat anfangs 25mg, seit einer Woche 50mg täglich. Seit gut vier Wochen ist meine Anfallshäufigkeit gestiegen bzw. die Anfälle klingen nicht mehr ganz ab.
    Die einzige geänderte variable ist meiner Meinung nach das neue einzunehmende Topiramat Kan das sein? Muss ich nur etwas geduldig sein? Mein nächster Arzttermin steht routinemäßig in drei Wochen an. Soll ich diesen vorziehen oder die Zähne zusammenbeißen?

    Meine „Eckdaten“:

    Männlich, 38, Migräne seit dem 16 Lebensjahr
    seit ca. 15 Jahren zunehmend, aktuell 8-10 Anfälle pro Monat mittlere Intensität

    Akutmedikation aktuell: Zolmitriptan 5mg Schmelztabletten
    Bei Bedarf MCP 10mg
    täglich 2 x 25mg Topiramat

    tägliches Tragen von Otoplastik (Gehörschutz -15dB)
    täglich 40min Cefaly
    täglich autogenes Training
    3x wöchentlich Schwimmen
    regelmäßige, ausgewogene Mahlzeiten
    disziplinierter, gleichmäßiger Tagesrhythmus

    Vielen Dank für Ihre kurze Einschätzung.

    Herzliche Grüße nach Kiel

    Jan

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 23. Januar 2017 um 19:04 Uhr

      Lieber Jan,

      unter einer neugestarteten Prophylaxe kann auch eine Zunahme der Migräne bemerkt werden. Dies muss nicht unbedingt mit der Substanz zu tun haben. Es kann sein, dass der spontane Verlauf der Migräne, der ja grundsätzlich variabel sein kann, sich verschlechtert. Aus diesem Grunde sollte man auch die Bewertung einer Vorbeugung nur nach einem längeren Zeitraum von 2-3 Monaten vornehmen. Die Dosierung von 50 mg Topiramat ist noch im unteren Bereich. Es hängt insgesamt davon ab, wie die bisherigen Behandlungen vertragen wurden und wie sie gewirkt haben, um zu entscheiden wie weiter vorgegangen werden kann. Da Sie jetzt die Behandlung schon über 4 Wochen durchgeführt haben, scheint es mir ratsam, noch 1-2 Monate die Behandlung weiterzuverfolgen um sicher zu sein, ob das Medikament für Sie sinnvoll eingesetzt werden kann.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  10. Profilbild von kris
    kris 23. Januar 2017 um 13:48 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,
    ich leide unter Spannungskopfschmerz, chronischer Migräne mit und ohne Aura sowie Clusterkopfschmerzen. Für den Cluster nehme ich Verapamil 240 mg. Morgens eine halbe, abends eine ganze, also insgesamt 360 mg sowie Sauerstoff. Bei der Migräne nehme ich Sumatriptan inject 6 mg sowie Vomex A und bei Wiederkehrkopfschmerz Novasulfon. Der Schmerztherapeut meinte, dass ich das GammaCore ausprobieren sollte, was ich auch getan habe. Erfolg gleich null. Nun ist der Schmerztherapeut der Meinung, dass ich nichts mehr nehmen solle. Er steht auf chinesischer Medizin. Ich solle Thai Chi probieren, Tees sowie eine Psychotherapie versuchen. Dann würden die Schmerzen weg gehen, da die Medikamente nicht helfen. Der Neurologe war froh, dass ich einen Schmerztherapeuten habe, da die Mischung Migräne und Cluster nicht gut wäre. Er wusste also auch nicht weiter. Nun habe ich seit 4 Wochen ununterbrochen Migräne und befinde mich in einem Teufelskreis, da ich nicht mehr zur Ruhe komme und mich natürlich schlapp fühle. Ich weiß nicht mehr was ich noch machen kann. Haben Sie eine Lösung, was ich als Prophylaxe für die Migräne nehmen kann, bis ich bei einem neuen Schmerztherapeuten war? Es dauert halt lange bis man einen Termin bekommt.

    Freundliche Grüße nach Kiel

    kris

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 23. Januar 2017 um 19:15 Uhr

      Liebe Kris,

      Sie beschreiben eine komplexe Kopfschmerzkonstellation mit drei verschiedenen Kopfschmerzformen. Die Behandlung mit Verapamil des Clusterkopfschmerzes ist leitliniengerecht. Sollte der Cluster darauf gut ansprechen und nicht mehr auftreten, wäre das gut. Ansonsten kann auch eine Dosiserhöhung von Verapamil erwogen werden. Zusätzlich sollte auch je nach Häufigkeit der Migräneattacken eine spezifische Vorbeugung gegen Migräne eingeleitet werden. Für das von Ihnen genannte Neuromodulationsverfahren gibt es nach wie vor keinen überzeugenden Wirksamkeitsnachweis, eine Therapieentscheidung aufgrund der therapeutischen Wirkung scheint aus meiner Sicht nicht begründet. Die von Ihnen genannten weiteren unkonventionellen Therapieverfahren sind ebenfalls ohne nachgewiesenen therapeutischen Effekt. Wenn bei Ihnen 4 Wochen ununterbrochen Migräneattacken auftreten, sollten Sie erwägen, sich in einem spezialisierten Kopfschmerzzentrum vorzustellen, auch in Hinblick auf die sehr komplexe Gesamtkonstellation. Dorthin können Sie sich auch direkt von Ihrem Hausarzt überweisen lassen.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  11. Profilbild von akascha
    akascha 23. Januar 2017 um 13:51 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    ich war im Mai 2016 zum dritten Mal in Ihrer Klinik (chronische Migräne mit tägl. Kopfschmerzen) und wurde dort auf Trimipramin 75mg und Quetiapin 50mg eingestellt.
    Seit September/Oktober nehme ich noch zusätzlich Candesartan 16 mg.

    Ich habe immer noch mit täglicher Migräne zu kämpfen, auch wenn sich die Zeitspanne zwischen den starken Attacken vergrößert hat (liege bei 5-7 Triptantagen / Monat).

    Herr Dr. Heinze sagte mir, dass das Quetiapin noch niedrig dosiert wäre und ich noch bis 100mg Luft habe. Nun habe ich seit 2 Tagen auf 75mg hochdosiert, trotzdem bin ich noch hin und hergerissen.

    Meinen Sie, es ist noch einen Versuch wert es mit einer höheren Dosierung zu versuchen? Ich wünsche mir mal wieder ein paar schmerzfreie Tage.

    Vielen Dank & Viele Grüße
    Akascha

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 23. Januar 2017 um 19:15 Uhr

      Liebe Akascha,

      bei sehr schweren Verläufen, die auf die üblichen Migräneprophylaktika und sonstigen Therapieverfahren nicht gut ansprechen, müssen sorgfältig individuelle Wege gesucht werden, um das Krankheitsbild zu stabilisieren oder zu verbessern. Allein die Tatsache, dass die weitere Chronifzierung und Verstärkung der Migräne gestoppt werden kann, ist dabei bereits ein positiver Effekt. Die Ihnen vorgeschlagene Dosisanpassung sollten Sie zusammen mit Ihrem behandelnden Arzt erwägen, um die Therapieeffektivität weiter auszubauen, auch wenn dies offensichtlich nur in sehr kleinen Schritten möglich ist. Es gibt viele Beispiele dafür, dass dann im Laufe der Zeit ein positiver Effekt erreicht wird.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  12. Profilbild von Chloe
    Chloe 23. Januar 2017 um 14:10 Uhr

    Lieber Herr Prof. Göbels,
    ich leide unter chronischer Migräne und habe meine erste Botoxinjektion ich am 30.11. bekommen.
    Was ich zu der Zeit aber nicht wusste war, dass 200 Mauseinheiten gespritzt werden sollen, damit sich eine Wirkung zeigt. Auf meinem Kassenbon der Apotheke fand ich den Hinweis KR1 Botox 100 E, somit sind dann wohl nur 100 Einheiten gespritzt worden. Leider habe ich das erst gelesen, nachdem ich die erste Botox-Injektion bekommen hatte.

    Eine positive Wirkung hat sich bisher leider auch nicht gezeigt. (Weder kürzere Anfälle, noch hat die Häufigkeit abgenommen. Liegt das generell an der zu geringen Dosis?

    Ich hatte jedoch in den ersten 4 Wochen nach der Injektion ganz schlimme Nackenschmerzen. Ich hatte das Gefühl, dass das noch zusätzlich triggert. Auch jetzt gibt es immer wieder Tage mit Nackenverspannung, die ich vorher in dieser Form nicht hatte.

    Nun habe ich wiederum gelesen, dass viele anfangs diese Nackenprobleme haben (meist aber nur ein paar Tage) und man, um dem Vorzubeugen, weniger Botox in den Nacken spritzt. Da ich aber sowieso nur „die Hälfte“ bekommen habe, frage ich mich, wie soll das funktionieren…….wo hin mit dem ganzen Botox…..(denn leider scheinen auch meine Augenlider minimal mehr runter zu hängen, also wäre alles in die Stirn zu spritzen auch nicht ideal)
    Meine Ärztin habe ich noch nicht auf die geringe Einheit angesprochen, aber auf meinen Hinweis der starken Schmerzen im Nacken, sagte sie, das hätte sie noch nie gehört.
    Sicher hat Sie auch eine Erklärung für die 100 Einheiten……

    Alles in allem bin ich ratlos, auch im Hinblick, ob ich überhaupt eine 2. Behandlung machen lassen soll. Deshalb wäre es mir sehr wichtig, von Ihnen einen Rat/Einschätzung zu erhalten – vielen Dank im Voraus!
    LG

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 23. Januar 2017 um 19:18 Uhr

      Liebe Chloe,

      das in den sogenannten PREEMPT-Studien eingesetzte Dosierungsschema geht von 150 bis 195 Einheiten aus. Für diese Dosierungen ist ein Therapieeffekt nachgewiesen. Das heißt nicht, dass bei niedrigen Dosierungen nicht auch ein Therapieeffekt erzielt werden kann. Allerdings kann man bei niedrigen Dosierungen nicht davon ausgehen, dass die in Studien belegte Wirksamkeit mit niedrigen Dosierungen reproduziert werden kann. Bei erstmaliger Injektion können Nackenschmerzen auftreten. Die dort in den Muskel eingeschlossenen Schmerzstoffe werden gelöst, sie diffundieren in den Muskel und man hat grippeähnliche Muskelschmerzen für eine gewisse Zeit. Dies ist eigentlich ein gutes Zeichen, da das Medikament dann an der richtigen Stelle eingesetzt worden ist.

      Bei der ersten Behandlung können die von Ihnen beschriebenen Symptome besonders intensiv auftreten. Bei Wiederholung eines Behandlungszyklus ist das dann in der Regel deutlich milder.

      Lassen Sie sich informieren, nach welchem Schema die Behandlung durchgeführt wird. Die Behandlung sollte zulassungsgemäß nur von in der Behandlung der chronischen Migräne mit Botulinumtoxin erfahrenen Neurologen durchgeführt werden.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  13. Profilbild von susisonne
    susisonne 23. Januar 2017 um 14:35 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    ich habe seit ca. 20 Jahren starke Migräne. Unbehandelt dauern die Kopfschmerzen ca. 24-36 Stunden. Aufgrund von „unstillbarem Erbrechen“ brauche ich ein schnell wirkendes Triptan (MCP hilft nicht).

    Ich nutze bislang Maxalt 10 mg oder Sumatriptan 100 mg und bin mit der Wirkung, auch der Schnelligkeit der Wirkung, sehr zufrieden. Jedoch taucht die Migräne oft nach ca. 20-30 Stunden erneut auf. Eine gleichzeitige Einnahme von Naproxen 500 hat daran nichts geändert. Eine weitere Triptaneinnahme hilft, aber ich habe natürlich immer die 10-20-Regel im Augen / Hinterkopf.

    Daher meine Frage: Welches andere Triptan bietet sich möglicherweise an, …
    a) wenn die Migräne sich langsam ankündigt? (Allegro?)
    b) wenn ich nachts mit starker Migräne aufwache? (ist dann weiterhin Maxalt o. Sumatriptan die beste Option?)

    Herzlichen Dank im Voraus für Ihre Antwort!

    Mit freundlichen Grüßen
    Susisonne

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 23. Januar 2017 um 19:30 Uhr

      Liebe Susisonne,

      Sie beschreiben den sogenannten Wiederkehrkopfschmerz. Nach initial effektiver Behandlung kann der Kopfschmerz wieder erneut auftreten. In diesem Falle hilft die wiederholte Einnahme des primär eingesetzten Triptans in aller Regel. Gerade schnellwirksame Triptane sind auch oft schneller abgebaut als langsamer wirkende Triptane. Dies gilt z. B. für Rizatriptan oder auch für Sumatriptan im Autoinjektor. Wenn eine lange Wirkung erzielt werden soll, sind z. B. Relpax 40 mg, Almogran 12,5 mg, Naratriptan 2,5 mg oder Frovatriptan 2,5 mg zu erwägen. Die Behandlung mit Naproxen bei gleichzeitiger Einnahme mit dem Triptan kann bei einem Teil der Patienten das Wiederauftreten verhindern. Die Einnahme von Naproxen 500 bei schon bereits aufgetretenem Wiederkehrkopfschmerz ist in der Regel nicht effektiv. Hier wäre es besser, dass primär eingesetzte Triptan noch einmal einzusetzen. Zielführend ist es meist, wenn man die verschiedenen Triptane systematisch austestet und die Wirksamkeit im Kopfschmerzkalender protokolliert, um dann für die verschiedenen Situationen ein individuell effektives Triptan herauszufinden. Wenn die Migräne sich langsam ankündigt, kann tatsächlich Allegro oder ein anderes langwirksames Triptan wie oben beschrieben zielführend sein. Wenn eine starke Migräne nachts den Schlaf unterbricht und man mit schweren Kopfschmerzen aufwacht, kann Sumatriptan im Autoinjektor oder ein potentes Triptan wie z. B. Zolmitriptan oder Rizatriptan zielführender sein.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

      • Profilbild von susisonne
        susisonne 23. Januar 2017 um 19:46 Uhr

        Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

        Sie schreiben „Wenn eine lange Wirkung erzielt werden soll, sind z. B. Relpax 40 mg, Almogran 12,5 mg, Naratriptan 2,5 mg oder Frovatriptan 2,5 mg zu erwägen.“

        Vor einigen Jahren habe ich schon mal Formigran rezeptfrei gekauft. Das Medikament hatte jedoch kaum Wirkung (ich nutze normalerweise Maxalt 10 mg oder Sumatriptan 100 mg).

        Meine Frage: Wenn ich ein länger wirkendes Triptan testen möchte (die ja nicht so stark wirken), kann / soll ich dann am besten direkt zwei Tabletten nehmen, also
        2 x 40 mg Relpax
        2 x 12,5 mg Almogran
        2 x. 2,5 mg Naratriptan oder
        2 x 2,5 mg Frovatriptan?

        Mit bestem Dank
        & herzlichen Grüßen aus Südoldenburg!
        Susisonne

  14. Profilbild von Dusty
    Dusty 23. Januar 2017 um 14:57 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    vielen Dank dafür, dass Sie ihre Zeit für uns opfern.

    Ich habe neuropathische Kopfschmerzen, überwiegend des Subraorbitalis links, ausstrahlend in den linken Kiefernbereich.
    Bis Oktober 2016 habe ich sowohl 45 mg Mirtazapin, als auch 25 mg Oxycodon genommen. Seit Dezember nur noch 15 mg Mirtazapin.
    Leider sind die Schmerzen so sehr schlecht auszuhalten.
    Meinem Schmerztherapeuten fällt auch nichts weiteres mehr ein.
    Ich habe gehört, dass Botox auch bei dieser Art Kopfschmerz helfen könnte.
    Meine Nachfrage bei Neurologen stieß jedoch auf Unverständnis.

    Haben Sie evtl. eine Idee was sonst noch helfen könnte?

    Mit freundlichen Grüßen
    Dusty

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 23. Januar 2017 um 19:34 Uhr

      Liebe Dusty,

      neuropathische Schmerzen im Kopfschmerzbereich sind auf eine Läsion von Nerven zurückzuführen. Die Behandlung hängt ganz davon ab, um welche Läsion es sich handelt. Ohne genaue Angaben ist daher keine spezifische Beantwortung möglich. Es gibt jedoch bei neuropathischen Schmerzen zahlreiche Optionen. Neben der Auswahl der Substanz muss auch die genaue Dosierung individuell herausgefunden werden. Ob das von Ihnen genannte Botox wirksam ist, ist bisher nicht ausreichend geprüft, eine Wirkung ist nicht zu erwarten. Sollten Sie keine Linderung erzielen können, erwägen Sie, sich in einem spezialisierten Kopfschmerzzentrum vorzustellen.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  15. Profilbild von Alina
    Alina 23. Januar 2017 um 15:40 Uhr

    Sehr geehrter H. Prof. Dr. Göbel,

    seit meinem 20 Lebensjahr leide ich unter Migräne, die ich aber mit Triptanen immer gut in den Griff hatte. Aufgrund einer schweren viralen Erkrankung des ZNS verbunden mit einem Schlaganfall, Hirnödem vor ein paar Jahren darf ich keine Triptane mehr nehmen. Ich leide nun stärker und schneller unter Spannungskopfschmerzen und Migräne und habe in den letzten Jahren bei den meisten Prophylaxen entweder kaum Erfolg oder zu schwere Nebenwirkungen, so dass ich nur verstärkt auf Schmerzmittel (Ibu, Novalminsulfon) zugreifen kann, jedoch dabei die 10 Tage Regel beachte. Bei den restlichen Tagen muss ich dann so durch. Ich bekomme auch Botox seit 2 Jahren gespritzt. Auch hier ist der Erfolg mäßig. Meine Leistungsgrenze ist seit der Erkrankung stark gesungen. Ich ermüde schnell und reagiere mit Kopfschmerzen. Inwieweit wird bei Ihnen in der Klinik auch ein Schwerpunkt auf Nichtmedikamentöse Verfahren/Verhalten und Schmerzbewältigung gelegt, wenn man eine starke Medikamentenunverträglichkeit hat bzw. was würden Sie mir raten?

    Vielen Dank im Voraus für die Mühe.

    Freundliche Grüße
    Sandra

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 23. Januar 2017 um 19:36 Uhr

      Liebe Sandra,

      bei Ihnen liegt eine sehr besondere Situation vor. Aufgrund Ihrer Schilderung wird nicht ohne weiteres deutlich, ob tatsächlich die Gabe von Triptanen nicht möglich ist. Treten Durchblutungsstörungen aufgrund des entzündlichen Hirnödems auf, kann im Einzelfall erwogen werden, dennoch die Akutbehandlung mit Triptanen durchzuführen. Dies erfordert jedoch eine sehr sorgfältige individuelle Prüfung. Wie Sie richtig schreiben, muss so oder so eine intensive Vorbeugung durch Verhaltensmaßnahmen erreicht werden. Auch die medikamentöse Vorbeugung sollte so effektiv wie möglich eingestellt werden, damit Attacken vermieden werden können. Zusätzlich ist auch die Behandlung der akuten Migräneattacke mit Nonopioidschmerzmitteln durch die Auswahl der Wirkstoffe als auch der richtigen Dosierung zu optimieren. Eine entsprechende multimodale Schmerztherapie, auch unter stationären Bedingungen, scheint mir erwägenswert.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  16. Profilbild von schachgigant
    schachgigant 23. Januar 2017 um 15:53 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof.Dr. Göbel,,

    ich war 2012 in Ihrer Klinik. Seitdem bin ich immer unter 10 Tagen Medikamenteneinnahme im Monat geblieben. Prophylaxe klappte. Seit ca. 1 Jahr habe ich Probleme mit der HWS.
    Es wurden 2 Vorwölbungen diagnostiziert. Zudem habe ich seit längerem gelegentlich mit Gesichtsschmerzen (immer die gleiche Seite) zu kämpfen. Das größere Problem sind die HWS-beschwerden, wegen der Gesichtsschmerzen nehme ich nichts ein.

    Migräne und HWS-beschwerden zusammen erschweren die Einhaltung der 10-er Regel. Bei Migräne nehme ich Triptane. Bei HWS-beschwerden Ibuprofen 600 oder Novaminsulfon Tabletten (500mg). Ich habe Sorgen, dass es zu einem Medikamentenkopfschmerz kommt.

    Haben Sie einen Rat für mich?

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 23. Januar 2017 um 19:36 Uhr

      Lieber Schachgigant,

      wie Sie schreiben, überlagern sich die Schmerzen aufgrund der Nervenirritation bei Bandscheibenvorwölbung mit den Migräneschmerzen. Es sollte daher eine möglichst effektive und schnelle Behandlung dieser Nervenwurzelirritationen im HWS-Bereich erreicht werden. Hier kann eine Dauereinstellung mit einem retardierten Opioidschmerzmittel oder aber auch eine vorübergehende Behandlung mit einem sogenannten COX-II-Hemmer erwogen werden. Beide sind in der Regel bei akuten Migräneattacken nicht wirksam, daher ist auch nicht davon auszugehen, dass ein Medikamentenübergebrauchskopfschmerz für die Migräneerkrankung bedingt wird. Die Behandlung mit Ibuprofen 600 oder Novaminsulfon dagegen kann die Häufigkeit der Migräneattacken erhöhen.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  17. Profilbild von kleineseele
    kleineseele 23. Januar 2017 um 16:06 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,
    mein Neurologe, bei dem ich 35 Jahre in Behandlung war, hat seine Praxis geschlossen.
    nun habe ich versucht einen Neuen zu finden, komme aber mit Denen nicht zurecht.
    Kann ich in dieser Situation auch von meinem Hausarzt betreut werden, der mich und
    meinen Krankheitsverlauf gut kennt und mich mit den nötigen Medikamenten versorgen kann.
    Meine Medikamente sind: Maxalt, Sumatriptan, Naproxen, MCP, Novalgin und Domperidon mit denen
    ich gut zurecht komme.
    Im Voraus vielen Dank
    Ulrike 62 Jahre

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 23. Januar 2017 um 19:38 Uhr

      Liebe Kleineseele,

      leider gibt es einen gravierenden Mangel an Neurologen und Schmerztherapeuten. Wenn Sie sich gut eingestellt fühlen, die Behandlung effektiv ist und Sie gut zurechtkommen, kann Ihr Hausarzt die Therapie problemlos weiterführen. Da Sie schreiben, dass Sie mit der jetzigen Behandlung gut zurechtkommen, scheint mir dies der beste Weg.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  18. Profilbild von uli_b
    uli_b 23. Januar 2017 um 16:52 Uhr

    Lieber Prof. Göbel,

    nachdem ich von Ihnen im Oktober auf Amlodipin eingestellt wurde hat sich meine Migräne deutlich gebessert. Das ist für mich schon eine riesige Erleichterung.
    Wegen meiner anderen Erkrankungen (PTBS, Bipolare Störung) bin ich immer wieder auf Neuroleptika angewiesen. Haben Sie hier Erfahrungen welches Präparat sich bei meiner Komorbidität anbieten würde?
    Olanzapin geht nicht mehr wegen extremer Gewichtszunahme und stark erhöhter Cholesterin und Triglyzeridwerte.
    Quetiapin hat starke Sehstörungen gemacht.
    Abilify probiere ich grade. Ich leide aber unter massiver Übelkeit und fühle mich immer wieder fiebrig.
    Habe Sie noch eine Idee für eine Alternative, die auch der Migräne noch zuträglich sein könnte?

    Vielen Dank für Ihr großes Engagement!
    Ulrike

    PS:
    weitere Medikation:
    Quilonum retard 1/2 – 0 – 1
    Valproat 300 2 – 0 – 2
    Cymbalta 60

    –> hat leider alles keinen Einfluss auf die Migräne

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 23. Januar 2017 um 19:39 Uhr

      Lieber Uli,

      ich freue mich, dass sich eine Besserung eingestellt hat. Die Medikation für Ihre weiteren Erkrankungen sind außerhalb meines Spezialgebietes. Grundsätzlich können jedoch auch ältere Neuroleptika erwogen werden, die auch nach früheren Studien einen positiven Effekt auf die Migräne haben. Hier ist jedoch Ihr behandelnder Psychiater der adäquate Ansprechpartner.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  19. Profilbild von KHA
    KHA 23. Januar 2017 um 17:50 Uhr

    Schönen Guten Abend Herr Professor Dr. Göbel,

    ich leide seit Jahren unter heftigen Migräne-Attacken, ich habe diesbezüglich schon sehr viel ausprobiert (alles was bei Migräne empfohlen wird) und ich achte auch sehr genau auf meinen Körper um Trigger Faktoren zu vermeiden. Dadurch dass ich allerdings sehr sensibel bin und deshalb oft schon minimale Stresssituation zu einem Migräne-Anfall führen bin ich nach wie vor auf der Suche und am recherchieren was mir eventuell noch helfen könnte. Nun bin ich vor einiger Zeit auf das Thema Cannabis gestoßen, (eigentlich hat mich Cannabis an sich nie interessiert weil es bei mir kein High erzeugt und ich deshalb auch nie wirklich verstanden habe warum so viele Menschen kiffen, denn mir hat es einfach nichts gebracht) nur hatte mir ein Freund von seinem Vaporizer erzählt, mit dem kann man pures Gras verdampfen, das heisst es wird nicht verbrannt wie bei einem Joint und somit können durch das verdampfen des Cannabis alle Inhaltsstoffe inhaliert werden. Dadurch bin ich wieder auf Hanf aufmerksam geworden und habe mich in letzter Zeit intensiv mit dem Thema Cannabis im Bezug auf Migräne auseinander gesetzt und informiert.
    Nun würde ich sehr gerne von Ihnen wissen, ob Cannabis tatsächlich bei Migräne helfen kann und was genau beim Konsum im Gehirn passiert, weshalb ich zum Beispiel überhaupt nicht High werde (meine Freunde allerdings sehr).

    Ich würde mich sehr über eine Antwort von Ihnen freuen, ich wünsche Ihnen jetzt noch einen schönen Abend

    Herzlichen Dank schon mal im Voraus

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 23. Januar 2017 um 19:42 Uhr

      Lieber KHA,

      von dem von Ihnen beschriebenen Behandlungskonzept möchte ich Ihnen sehr abraten. In früheren Jahrhunderten hat man auf Cannabis zur Vorbeugung von Übelkeit, Erbrechen und Migränekopfschmerzen zurückgegriffen. Aufgrund dieser Erfahrungen ist bekannt, dass eine gewisse Wirkung erzielt werden kann. Allerdings ist diese nicht zu vergleichen mit den mit modernen Therapieverfahren erreichbaren Wirkungen. Die Vorbeugung und die Akutbehandlung der Migräne ist eine komplexe Therapie. Hier muss vieles selbst in die Hand genommen werden, Verhaltensmaßnahmen, Ernährung, Tagesplanung, psychologische Therapieverfahren und auch medikamentöse Verfahren und anderes sind erforderlich. Darauf sollten Sie sich konzentrieren, nicht auf rechtlich unzulässige Therapieoptionen.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  20. Profilbild von Sophia
    Sophia 23. Januar 2017 um 17:55 Uhr

    Sehr geehrter Herr Professor Göbel,

    seit 1998 leide ich an einer chronischen Pansinusitis, weshalb ich 1999 vier mal an den NNH operiert wurde, zwei mal mit Beck´scher Bohrung. Seither habe ich einen andauernden Stirnkopfschmerz. Alles, was die Schleimhäute in irgendeiner Weise reizt, verschlimmert die Kopfschmerzen.
    2006 war ich dann stationär auch bei Ihnen in Kiel. Sie haben mich auf MST eingestellt, was mir seither das Leben etwas erleichtert hat. Die letzten Jahre fiel mir leider eine gewisse Toleranzentwicklung auf.

    Nun haben mein Mann und ich beschlossen schwanger zu werden, weshalb ich das MST heruntergefahren habe. Seit 5 Wochen habe ich es nun geschafft. Mit Ibuprofen in Kombination mit Protonenpumpenhemmern halte ich mich seither mehr schlecht als recht über Wasser.

    Es scheint schwierig zu sein, eine Aussage darüber zu treffen, ab wann eine Schwangerschaft nach einem solchen Entzug angeraten ist. Immerhin habe ich das MST ja fast 11 Jahre lang ohne Pause eingenommen. Ich hoffe, dass Sie über Erfahrungswerte verfügen? Reicht es, wenn ich mich auf mein „Körpergefühl“ verlasse?

    Auch Ihre Erfahrungen mit Ibuprofen in der Schwangerschaft wären sehr hilfreich für mich. Ich habe zwar fest vor, in dieser Zeit ohne Schmerzmittel zurecht zu kommen, aber aufgrund der Entzündungskomponente meiner Erkrankung ist es vielleicht besser, im Notfall auf Ibuprofen zurückzugreifen, anstatt die Einnahme eines Antibiotikums zu riskieren?

    Ich danke Ihnen sehr für Ihre Hilfe in der Vergangenheit und bewundere Ihren Einsatz hier im Headbook.

    Mit herzlichen Grüßen aus dem verschneiten Süddeutschland
    Claudia Sophia

    • Profilbild von Hartmut Göbel
      Hartmut Göbel 23. Januar 2017 um 19:58 Uhr

      Liebe Sophia,

      neuropathische Schmerzen nach viermaliger Nasennebenhöhlenoperation können extrem schwer belastend sein. Die Behandlung mit Opioidanalgetika kann daher notwendig sein. Sie zählt auch im Langzeitverlauf zu den wirksamsten und verträglichsten Therapiemöglichkeiten. Leider liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor, die die Bewertung eines möglichen fruchtschädigenden Risikos bei Menschen erlauben. Untersuchungen an Tieren zeigen ein mögliches Schädigungspotenzial für die Nachkommen. Daher darf Morphin in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn der Nutzen für die Mutter das Risiko für das Kind klar überwiegt. Sowohl Männer und Frauen im zeugungs- bzw. gebärfähigen Alter sollten Morphin nur einnehmen, wenn eine wirksame Verhütung sichergestellt ist. Auch Ibuprofen kann in der Schwangerschaft nicht ohne weiteres verabreicht werden. Während des ersten und zweiten Schwangerschaftstrimesters sollte Ibuprofen nur gegeben werden, wenn dies unbedingt notwendig ist. Falls Ibuprofen bei Schwangerschaftswunsch eingesetzt wird oder wenn es während des ersten und zweiten Schwangerschaftstrimenon eingesetzt wird, sollte die Dosis so niedrig und die Behandlungsdauer so kurz wie möglich gehalten werden.

      Während des dritten Schwangerschaftstrimenon darf Ibuprofen nicht eingesetzt werden, es hat toxische Wirkungen auf die Herz-Lungen-Funktion des Kindes, die Nierenfunktion, ebenfalls kann eine Verlängerung der Blutungszeit und eine Hemmung der Uteruskontraktionen mit der Folge eines verspäteten oder verlängerten Geburtsvorganges bedingt werden.

      Leider ist die Behandlung also eine Gratwanderung. Sie könnten versuchen, auf nichtmedikamentöse Behandlungsverfahren sich zu konzentrieren. Dazu zählen z. B. Inhalationen, Wärme- oder Kälteanwendungen oder auch Nervenstimulationsverfahren wie z. B. die transkutane elektrische Nervenstimulation. Eine weitere Option kann auch die lokale Anwendung von Kortikoiden wie z. B. Budesonid (z. B. Pulmicort-Spray) sein. Dies führt zu einer lokalen Abschwellung und Entzündungshemmung. Ergebnisse aus kontrollierten Studien sowie weltweite Erfahrungen konnten größtenteils kein erhöhtes Risiko für das Auftreten von unerwünschten Wirkungen auf die Gesundheit des Fetus bzw. Neugeborenen durch inhalativ angewendetes Budesonid während der Schwangerschaft feststellen. Wie bei anderen Mitteln erfordert die Anwendung von Budesonid während der Schwangerschaft jedoch eine Abwägung des Nutzens für die Mutter gegen das Risiko für den Fetus. Die Anwendung sollte so kurz wie möglich erfolgen.

      Freundliche Grüße und alles Gute
      Hartmut Göbel

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