Migräne- und Kopfschmerz-Chat am 05.06.2017

Dies ist unsere Gruppe zum Migräne- und Kopfschmerz-Chat und sie funktioniert folgendermaßen: Um ca. 12:00 Uhr des jeweiligen Chat-Tages wird die Kommentar-Funktion aktiviert. Will man eine Frage eintragen, klickt man in das Fenster der Kommentarfunktion. Hat man eine Frage eingetragen, sieht man unter seinem Beitrag “Antworten”. Diese Antwortfunktion benutzt Prof. Göbel, um die Antwort auf die vorherige Frage einzustellen. Prof. Göbels Antwort ist dann ein wenig eingerückt und unterscheidet sich daher auch optisch von den Fragen. Sollte der Fragesteller zum selben Thema noch eine Folgefrage haben, bitte auch auf “Antworten” klicken – aber nur dann! Sonst bitte immer in das Kommentar-Fenster schreiben. Nach dem Chat wird die Kommentar-Funktion wieder deaktiviert bis zum nächsten Chat-Tag. Alle Fragen und Antworten bleiben in diesem Blog erhalten und bestimmte Themen können jederzeit mit der Such-Funktion wiedergefunden werden. Alle Aktionen werden am Chat-Tag auch auf der Startseite des Headbook aufscheinen.

Fragen können nur am jeweiligen Chat-Tag ab 12:00 Uhr eingetragen werden. Bitte immer auf das aktuelle Datum in der Überschrift achten, das unter “Live-Chats” eingetragen ist.

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26 Comments

  1. Bettina Frank - Admin 5. Juni 2017 um 12:06 Uhr

    Der Chat ist geöffnet, Fragen können eingestellt werden. Es ist anzunehmen, dass der Chat bereits vor 20 Uhr geschlossen wird, wenn zu viele Fragen eingetrudelt sind. Das nur zur Info. 😉

    Bitte nicht hier auf „Antworten/reply“ klicken, sondern im neuen Fenster schreiben.

  2. Lady Tiana 5. Juni 2017 um 12:29 Uhr

    Ich erhielt im August die Diagnose Migräne mit Aura.Nehme seit dem 95mg Metoprolol.Da meine Tage immer mehr,werden bekomme ich nun seit Mai Topiramat 150mg noch dazu.
    Überall lese ich das 100mg ausreichen.

    Sind 150mg Topi nicht zuviel?Undkannich das Metoprolol zusammen mit Topi auf Dauer weiter nehmen?

    • Hartmut Göbel 5. Juni 2017 um 21:22 Uhr

      Liebe Tiana,

      die Regel ist, dass man möglichst einen einzelnen Wirkstoff einsetzt, um vorbeugend Migräneattacken zu reduzieren. Dieser Wirkstoff sollte dann aufdosiert werden um eine möglichst optimale Wirkung zu erzielen. Die Grenze der Dosierung richtet sich nach der individuellen Verträglichkeit und nach der Wirksamkeit. Erreicht man also ab einer bestimmten Dosis eine zufriedenstellende Wirkung muss man nicht weiter höher dosieren. Stellt sich bei einer bestimmten Dosierung jedoch eine Unverträglichkeit oder inakzeptable Nebenwirkungen ein, dann muss man ebenfalls die Dosierung beenden. In dieser Situation wird man zunächst die Umstellung auf ein anderes Medikament erwägen. Auch dieses setzt man wieder als Einzelsubstanz ein. Erst unter der Voraussetzung, dass ein einzelnes Medikament nicht ausreichend wirkt, wird man eine kombinierte Behandlung erwägen. Grund dafür ist, dass in der Regel sich Nebenwirkungen addieren und damit die Verträglichkeit limitiert ist. Hinzu kommt, dass man immer überlegen muss, nichtmedikamentöse Therapiemaßnahmen sowie Verhaltensfaktoren zu optimieren.

      Eine häufige Ursache für eine Frequenzsteigerung ist auch ein zunehmender Medikamenteneinsatz für die Attackenbehandlung. Man wird immer sensitiver, da der Körper sich an die häufige Akuteinnahme anpasst und die Empfindlichkeit paradoxerweise erhöht. In jedem Fall werden Metoprolol als auch Topiramat eingesetzt. Die Dosierung von Metoprolol entspricht einem Spiegel, der üblicherweise als wirksam angesehen wird. Topiramat wird in der Regel bis 100 mg dosiert. In früheren Studien wurden auch Dosierungen bis zu 200 mg am Tag überprüft. Allerdings zeigte sich dabei sehr häufig eine zu starke Nebenwirkungsrate. Es treten insbesondere kognitive Defizite mit Konzentrationsreduktion, Gedächtnisminderung sowie auch depressive Symptome auf. Sollten bei Ihnen entsprechende Beschwerden bestehen, erwägen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Arzt abzustimmen, ob die Behandlung entweder zunächst als Einzeltherapie durchgeführt werden kann oder aber ob eine Dosisreduktion in Ihrem Fall sinnvoll ist. Bei beiden Medikamenten handelt es sich um Wirkstoffe, die für die Dauertherapie geeignet sind.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  3. Rudolf 5. Juni 2017 um 12:34 Uhr

    Sehr geehrte Damen und Herren
    Seit Oktober letzten Jahres begannen meine Beschweren. Hörsturz (80 Dezibel) enormer Druck im Kopf und Schwankungenwindel. Im Oktober war der Blutdruck sehr hoch, wurde aber mit Medikamenten eingestellt. Seid dem bin ich in ständiger Behandlung (HNO, Neurologie, Schmerztherapie, akkupunktur, Krankengymnastik, ständig beim Hausarzt) Es wurde bisher keine Ursache gefunden. Mittlerweile ist der Leidenschaft sehr hoch. Bin seit Oktober 2016 arbeitsunfähig. Es würde etwas besser, eine Eingliederung war geplant, dann kam heftiger Rückfall. Mein Vater hatte früher schon Mal Migräne, ich als junger Mann auch. Mein Hausarzt sprach von ihrer Klinik, sie sind eine neue Hoffnung für mich! Ich würde mich sehr über eine Rückmeldung freuen und verbleibe mit freundlichen Grüssen
    Rudolf

    PS: Hallo Rudolf, ich habe Deinen Nachnamen und die Festnetznummer rausgenommen, da die Beiträge weltweit zu lesen sind. LG Bettina

    • Hartmut Göbel 5. Juni 2017 um 21:23 Uhr

      Lieber Rudolf,

      der von Ihnen beschriebene hohe Blutdruck kann einen Großteil Ihrer Symptome erklären. Unabhängig davon können auch zusätzlich primäre Kopfschmerzen bestehen. In Hinblick auf Ihre lange Arbeitsunfähigkeit und Ihren starken Leidensdruck sollte eine spezielle multimodale Schmerztherapie erwogen werden. Die Aufnahmekriterien und die Anmeldungsunterlagen finden Sie auf unserer Homepage.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  4. Fine 5. Juni 2017 um 12:40 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    meine Frage bezieht sich auf das Thema chronische Migräne in der Schwangerschaft.

    Zur Zeit behandle ich mit Botox sowie hochdosiertem Magnesium, Sumatriptan und Zolmitriptan im Akutfall. Bevor wir mit der Verhütung aufhören, möchte ich mich natürlich genau informieren. Jedoch widersprechen sich bei dem Thema meine Schmerztherapeutin und meine Frauenärztin. Deswegen meine Frage an Sie:

    – Sind Botox, Sumatriptan und hochdosiertes Magnesium in der Schwangerschaft möglich?

    Bei einigen Medikamenten liest man ja diesbezüglich „unter Vorbehalt“ bzw. „unter Nutzen-Risiko-Abwägung“, aber das hilft mir als Patientin wirklich nicht weiter!

    Vielen Dank für Ihre Auskunft und Ihre Zeit!

    Schöne Grüße
    Fine

    • Hartmut Göbel 5. Juni 2017 um 21:23 Uhr

      Liebe Fine,

      eine Behandlung mit Botulinumtoxin darf in der Schwangerschaft nicht durchgeführt werden. Auch bei geplanter Schwangerschaft ist eine Behandlung im Vorfeld abzusetzen. Magnesium ist in der Schwangerschaft möglich. Sumatriptan kann in der Schwangerschaft eingesetzt werden, wenn die individuelle Attackenstärke dies nach individueller Abwägung erforderlich macht. Es liegen mittlerweise umfangreiche Erfahrungen mit der Behandlung von Migräneattacken mit Sumatriptan in der Schwangerschaft vor. Gleichwohl verbleibt auch hier ein Restrisiko. Eine Nutzen-Risiko-Abwägung ist immer erforderlich. Daher muss der Einsatz individuell mit dem behandelnden Arzt abgestimmt sein.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  5. Jasmin 5. Juni 2017 um 14:03 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    im Januar bekam ich in Ihrer Klinik Candesartan 8mg als Prophylaxe zusätzlich zu Botox. Damit ging die Attackenanzahl und -stärke zurück, die Anzahl wurde nun wieder mehr und ich habe ausprobiert, das Candesartan auf 12mg zu erhöhen, zunächst für zwei Tage. Da ich dann abends total unruhig mit Herzklopfen nicht einschlafen konnte, blieb ich lieber bei 8mg. Kann es die verstärkte Unruhe durch das höhere Candesartan kommen oder eher Zufall? ES steht nicht so bei den Nebenwirkungen…

    Herzliche Grüße und vielen Dank für Ihre Mühe,
    Jasmin

    • Hartmut Göbel 5. Juni 2017 um 21:24 Uhr

      Liebe Jasmin,

      die Einnahme von Candesartan ist aller Wahrscheinlichkeit nach nicht die Ursache der von Ihnen beschriebenen Unruhe. Dafür kann es zahlreiche Gründe geben. Daher ist der Zusammenhang mit der Erhöhung der Dosis und der von Ihnen gefühlten Unruhe und Herzklopfen wahrscheinlich zufallsbedingt.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  6. Biggie 5. Juni 2017 um 14:31 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof.Göbel,
    wie immer 1000 Dank für Ihre Hilfe.
    Mein Problem :in Österreich suche ich vergeblich nach einer zufriedenstellenden neurologischen Begleitung. Div.Versuche b Migränespezialisten ,kein Zuhören,kaum Fachwissen v. neuerem Stand,völlig unterschiedliche Therapieansätze…
    Mein ganzes Wissen habe ich durch Sie,das tolle Forum unter Moderation der lieben Bettina!!!
    Trotzdem bin ich an einem Punkt ,wo ich einfach für mich nicht mehr weiterkomme.
    Status quo: regelmäßig seit 3 Jahren 6-10 Einnahmetage ,mittelschwere Attacken,sehr gute Wirkung der Triptane (Frovatriptan ),kein MÜK. Leider auch zusätzlich Schmerztage,an denen ich aushalten muss,die mir aber langsam auf die Substanz gehen.
    Frage:Prophylaxe ja /nein? Wenn ja welche bei tw. sehr niedrigem BD,leichte Angststörung/Depris (lt. Arzt nur eine logische Folge der ständigen Schmerzen…?), wg.früherem Übergewicht Angst vor Zunahme durch Prophylaxe .
    Ich weiss einfach nicht, ob ich täglich ein Medikament einnehmen will,was im Bestfall die Attacken um 50% reduziert,aber selber u.U.zahlreiche NW haben kann.
    Der letzte Tipp eines Schmerztherapeuten : einfach mal ausprobieren u keinen Beipackzettel lesen!
    Das kann ich nicht,ist wohl auch Typsache.
    Würden Sie mir bei den geschilderten Fakten zu einer Prophylaxe raten?
    Welche? Bitte helfen Sie mir mit Ihrer Einschätzung.Ich wünsche mir so sehr ein wenig mehr “Leben”.
    Zusatz:Migräne wurde so stark mit Beginn der Einnahme von bioidenten Hormonen (Östradiol u Progesteron). Trigger ist ja normalerweiser nur ein schwankender H-Spiegel,oder?
    Trotzdem möglicher Zusammenhang?? Einfach mal aussetzen?
    Lieben Dank u für Sie die besten Wünsche
    Herzlichst Biggie

    • Hartmut Göbel 5. Juni 2017 um 21:26 Uhr

      Liebe Biggie,

      vielen Dank für Ihre freundliche Einleitung. Bei der von Ihnen beschriebenen Attackenfrequenz scheinen die Voraussetzungen für eine medikamentöse Prophylaxe gegeben. Bei schweren Verläufen kann man eine ausreichende Linderung oft nur unter Zuhilfenahme einer medikamentösen Vorbeugung erzielen. In aller Regel kann diese verträglich gestaltet werden und der Nutzen überwiegt deutlich möglichen Nebenwirkungen. Ihre Angst kann ich gut verstehen. Allerdings ist es wie beim Schwimmen lernen. Wenn man es nicht versucht, wird man nie herausfinden, ob es klappt. Die Angst wird sich dadurch immer mehr verstärken. Bedenken Sie, dass Sie jederzeit absetzen können und mögliche Nebenwirkungen in aller Regel reversibel sind. Eine Behandlung mit Hormonen kann tatsächlich Migräne verstärken. Wenn kein zwingender gynäkologischer Grund besteht sollte erwogen werden, diese auszusetzen.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  7. tympi 5. Juni 2017 um 15:01 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    ich leide seit 15 Jahren unter atypischer Migräne linksseitig, behandelt mit Triptanen im Akkutfall. Die Pein war sonst nach 2-3 Tagen überwunden, bis zum nächsten Anfall. Seit ca. einem Jahr habe ich nun immer nach den beiden Tagen mit linksseitigen Schmerzen ( hauptsächlich Nervenast unter dem Auge Richtgung Nase ) anschließend nach 1 Tg. Ruhe noch 2- 3 Tage starke, andauernde Schläfenschmerzen auf der rechten Seite. Es läuft immer so ab. Also mit links u. rechts zusammen 4-5 Tage Dauerschmerzen ( bis auf kurze Erholung, wenn die Triptane wirken ). Die Abstände zum nächsten Anfall werden auch immer kürzer, oft habe ich nur noch eine Woche Ruhe, früher bis zu 6 Wo. Warum wechselt der Schmerz auf rechts? Ist das auch Migräne? Dann wäre der Anfall aber doch zu lang.
    Kann es sich um Entzugsschmerzen nach Triptaneinnahme-Ende handeln? Oder kommt noch ein anderer Kopfschmerz hinzu? Was meinen Sie?

    Vielen Dank für Ihre Zeit und Mühe um uns allen zu helfen….

    MFG tympi

    • Hartmut Göbel 5. Juni 2017 um 21:28 Uhr

      Liebe Tympi,

      aufgrund Ihrer Beschreibung ist es möglich, dass sie sich in der Phase der zunehmenden Sensitivierung bei Attackenfrequenzsteigerung im Übergang zu einem Medikamentenübergebrauchskopfschmerz befinden. In dieser Phase wird die Wirkung der Triptane immer geringer, die Attacken treten immer wieder erneut auf, die Attackenfrequenz steigt und die Häufigkeit der Kopfschmerztage nimmt kontinuierlich zu. Das Auftreten der vormals typischen Migräne wird verwaschener, es findet sich ein Kopfschmerzphänotyp mit den verschiedensten Merkmalen. Sie sollten sich mit Ihrem Schmerztherapeuten abstimmen um herauszufinden, ob dies möglicherweise der Grund für die zunehmende Attackenfrequenzsteigerung ist. Erforderlich ist dazu, dass Sie genau einen Schmerzkalender führen, in dem sowohl die Häufigkeit der Kopfschmerzen als auch die Medikamenteneinnahmehäufigkeit hervorgeht. Eine atypische Migräne gibt es übrigens nicht. Entweder die Kriterien für die Migräne sind erfüllt oder es ist keine Migräne. In aller Regel ist damit gemeint, dass nicht nur eine Migräne besteht, sondern eben darüber hinaus auch eine weitere Kopfschmerzform das Bild der Migräne verändert.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  8. mesa 5. Juni 2017 um 15:02 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    hat Sativa-öl irgendeinen Stellenwert bei chronischer Migräne und scheitern der Leitlinientherapie?

    Vielen herzlichen Dank

    Mesa

    • Hartmut Göbel 5. Juni 2017 um 21:29 Uhr

      Liebe Mesa,

      ich nehme an, dass Sie mit Ihrer Frage den Einsatz von Cannabis in der Migränetherapie meinen. Cannabinoide haben einen leichten Effekt auf Übelkeit, sie haben eine geringe schmerzlindernde Wirkung als auch eine entspannende und leicht antidepressive Wirkung. Eine spezifische Wirkung bei chronischer Migräne ist nicht zu erwarten und auch bisher in Studien nicht belegt.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  9. Olga 5. Juni 2017 um 15:09 Uhr

    Sehr geehrter Professor Göbel,
    VIelen Dank für Ihre hervorragenden Bücher, das Kopfschmerzforum und Ihr persönliches großes Engagement für die Migräneleidenden. Ohne Sie wäre ich schon hoffnungslos und so geht es bestimmt Vielen. In Ihren Veröffentlichungen schreiben Sie immmer wieder, dass man zur Verlängerung der Triptanwirkung Naproxen verwenden kann. Da bei mir Naproxen keine Wirkung zeigt, stellt sich mir die Frage, ob ich anstelle Naproxen Ibuprofensaft zur Verstärkung und Verlängerung der Wirkung von Triptanen nehmen kann? Oder würden Sie eher dazu raten, dann gleich Allegro nehmen soll?
    Danke für Ihren Rat und alles Gute,
    Olga

    • Hartmut Göbel 5. Juni 2017 um 21:32 Uhr

      Liebe Olga,

      der kombinierte Einsatz von Naproxen mit einem Triptan soll dazu führen, dass Wiederkehrkopfschmerzen weniger wahrscheinlich werden. Die Triptane sind in der Regel am Anfang des Anfalls sehr gut wirksam. Die Dauer der Wirkung umfasst in der Regel nicht mehr als 4-8 Stunden. Der Wirkspiegel klingt dann wieder ab, das Medikament wird abgebaut und die Migräneattacke kann erneut wieder auftreten. Hat man gleich am Anfang zusammen mit den Triptanen Naproxen eingenommen führt dies dazu, dass mit dem Abklingen der Wirkstoffkonzentration des Triptans nach ca. 6-12 Stunden Naproxen weiterhin vorhanden ist und jetzt das Wiederauftreten des Kopfschmerzes weniger wahrscheinlich wird. Naproxen hat eine Halbwertzeit von ca. 12 Stunden. Es ist also deutlich länger wirksam als das Triptan. Allerdings wirkt Naproxen am Anfang des Anfalls kaum, da es zu lange dauert, bis ein ausreichender Spiegel aufgebaut ist. So ergänzt sich also die kurze schnelle Wirkung des Triptans mit der langen Wirkung von Naproxen.

      Allerdings funktioniert diese Strategie erfahrungsgemäß nur bei ca. der Hälfte der behandelten Patienten. Man muss dies also individuell ausprobieren. Ibuprofen wirkt sehr schnell, wird aber auch sehr schnell wieder abgebaut. In der Regel dauert die Wirkung von Ibuprofen nur ca. 3-4 Stunden. Aus dieser Sicht eignet sich dieser Wirkstoff nicht für die Reduktion von Wiederkehrkopfschmerzen. Treten Wiederkehrkopfschmerzen auf, ist es jedoch kein Problem, wenn man am gleichen Tag noch das Triptan wiederholt. Die Regel ist: Bei Wiederkehrkopfschmerzen kann das initial eingenommene Triptan erneut gut wirken. Wirkt allerdings das Triptan bereits von Anfang an nicht, so muss ein Ersatzmedikament genommen werden. Denn dann wirkt auch die Wiederholung des primär eingesetzten Triptanes voraussichtlich nicht.

      Allegro ist ein sehr mildes, schwach wirkendes Triptan. Da ein Kopfschmerz nur wiederkehren kann, wenn er initial auch gebessert worden ist, erklärt sich von alleine, dass ein schwach wirkendes Triptan deutlich weniger Wiederkehrkopfschmerzraten aufweist, als ein sehr effektives Triptan. Theoretisch hat ein Triptan, das überhaupt nicht wirkt, eine Wiederkehrkopfschmerzrate von 0, da der Kopfschmerz definitionsgemäß ja nicht abgeklungen ist und daher auch nicht wiederkehren kann. Im individuellen Fall kann man das Auftreten von Wiederkehrkopfschmerzen nicht vorhersagen. Man muss das Triptan ausprobieren und dann herausfinden, wie man darauf anspricht.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  10. Steffi He 5. Juni 2017 um 16:47 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,
    mit meinen 29 Jahren leide ich bereits seit 19 Jahren an verschiedenen Migränearten (mit Aura, ohne Aura, nur Aura…). Vor allem die Migräne mit Aura macht mir das Leben schwer. Im letzten Sommer war ich Patientin in Ihrer Schmerzklinik. Seitdem hat sich meine Migräne extrem verbessert und das Leben ist wieder lebenswert. Vielen Dank, dass Sie sich so kräftig für uns Migränepatienten einsetzen!

    Eine Sorge plagt mich jedoch noch: immer häufiger kann ich beobachten, dass vor oder während eines Migräneanfalls mein Herz für einen kurzen Moment stolpert. Ist dies ein Grund zur Sorge und wäre es ratsam diesbezüglich einen Spezialisten aufzusuchen?
    Im Voraus vielen Dank für Ihre Antwort und viele Grüße
    Stefanie H.

    • Steffi He 5. Juni 2017 um 17:20 Uhr

      Das Herzstolpen tritt unabhängig davon auf, ob ich ein Migränemedikament einnehme oder nicht.

    • Hartmut Göbel 5. Juni 2017 um 21:33 Uhr

      Liebe Stefanie,

      vielen Dank für Ihre freundliche Einleitung. Ich freue mich, dass Sie von einer deutlichen Besserung berichten können. Im Zusammenhang mit Migräne kann es zu Herzrhythmusstörungen kommen. Tatsächlich unterscheidet man auch eine kardiale Migräne mit kardialen Beschwerden. Dies kann im Rahmen einer Aura auftreten. Gleichwohl sollten Sie sich von einem Kardiologen untersuchen lassen, damit mögliche andere Erkrankungen ausgeschlossen oder erfasst werden können.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  11. Julia 5. Juni 2017 um 16:49 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    stellvertretend für mehrere Mitglieder stelle ich heute eine Frage an Sie.

    Vor 4 Wochen wurde über das Auftreten einer Lippenzyanose nach Benutzen des Ascotop Nasensprays berichtet. Daraufhin kamen auch noch Hinweise auf das gleiche Phänomen und auch kalte Nasenspitzen nach Einnahme auch anderer oraler Triptane.

    Gibt es dafür eine schlüssige Erklärung?

    Ganz herzlichen Dank für den Chat am heutigen Abend,
    Julia

    • Hartmut Göbel 5. Juni 2017 um 21:39 Uhr

      Liebe Julia,

      viele Migränepatienten berichten über eine starke Reagibilität von peripheren Blutgefäßen. Es können kalte Akren, d. h. eine kalte Nasenspitze, bleiche Lippen, kalte Ohren oder auch kalte und blasse Fingerspitzen auftreten. Unter der Einnahme eines Triptans kann sich dies verstärken. Es ist dabei unklar, ob es die primäre Migräne ist, die diese Reaktion bedingt, oder das Medikament. Letzteres ist eigentlich unwahrscheinlich, da die speziellen Serotoninerezeptoren, an denen das Medikament wirkt, nicht in der Peripherie vorhanden sind. Trotzdem ist eine zusätzliche Beeinflussung der Reagibilität in den Endästen der Blutgefäße möglich. Üblicherweise versteht man unter Zyanose eine fahle, blaue Verfärbung als Zeichen von Kälte und Sauerstoffmangel. Eine Zyanose entsteht in der Regel durch eine Unterversorgung mit Sauerstoff. Eine Gefäßverengung während der Migräneattacke in der Peripherie kann Grund dafür sein.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  12. Alex 5. Juni 2017 um 18:17 Uhr

    Hallo Herr Göbel,
    ich befinde mich zurzeit in einer verzweifelten Lage und ich bin mir nicht sicher was ich tun soll.

    Vor 2 Jahren bekam ich im Alter von 24 meine erste Migräne in Form der Aura Migräne.
    Ich bekam, in einer Spanne von 1.5 Wochen, jeden Tag eine Aura Migräne. Danach „verschwand“ einfach der Horror und ich war erstmal wieder für lange Zeit Migränefrei.
    Erst nach genau einem Jahr bekam ich wieder die gleiche Migräneanfälle, wieder für 1.5 Wochen und das jeden Tag.

    Nun ist wieder ein Jahr vergangen und ich stecke jetzt im sechsten Tag meiner Anfallsserie.
    Dazu sei vielleicht noch gesagt, dass ich kurz vor dieser Anfallsserie eine Pulmonalvenenisolation aufgrund von Vorhofflimmerns hatte. Keine 15 Minuten nach der Katheterablation, bekam ich direkt 2 Auren hintereinander. Wahrscheinlich brachte die Behandlung das Fass zum überlaufen für meine jetzige Schmerzphase in der ich mich grade befinde.

    Das Problem hierbei ist, dass mich alle Faktoren zurzeit fertig machen sodass ich es langsam nicht mehr aushalte. Ich hatte ihr Buch erworben und dort von der „Status Migraenous“ gelesen. Diese soll definiert sein, als EINE Attacke die >72 Stunden dauert. Ist die „Status Migraenos“ bei mir auch gegeben? Bei mir sind es schließlich viele Anfälle die ineinander übergreifen anstatt nur EINE Attacke wie es laut Definition ist.
    Mein Neurologe vor einem Jahr hatte sich wirklich nicht für meinen Fall interessiert, er sagte lediglich zusammengefasst wieder: „Sie haben Migräne, Pech gehabt, hier haben sie Sumatriptan“.

    Nun habe ich viel zu viele Medikamente geschluckt, sodass ich gefahr laufe, einen MÜK zu bekommen. Das macht mich nun soweit fertig, dass ich quasi Gesellschaftsunfähig geworden bin. Was soll ich tun? Ich komme mit den regelmäßigen Schmerzen nicht klar, mir bleibt fast keine Pause!
    Meine letzten Untersuchungen des Blutes ergaben nix auffälliges, lediglich war mein Rheumafaktor CRP auf 7.5 erhöht.
    Ich bin morgen mit meinem Hausarzt verabredet (kurze post-checks zu meiner Herzkatheterablation). Was soll ich ihm sagen/fragen? Was soll ich generell tun?

    Vielen Dank für ihre Mühen!
    ~Alex

    • Hartmut Göbel 6. Juni 2017 um 00:16 Uhr

      Lieber Alex,

      Sie beschreiben eine sehr lange Aura, eine genaue Darlegung der neurologischen Symptome ist offen. Möglicherweise handelt es sich um eine sehr seltene Form eines Aurastatus. Dabei können Auren über längere Zeit, wie von Ihnen beschrieben, auftreten. Es ist gut möglich, dass es sich um ein sekundäres Krankheitsgeschehen handelt und tatsächlich ein Zusammenhang mit dem Vorhofflimmern besteht. Aufgrund der besonderen Situation und auch der hochfrequenten Einnahme von Akutmedikamenten mit Übergang in einen Medikamentenübergebrauch sollten Sie einen spezialisierten Neurologen oder Schmerztherapeuten konsultieren, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Falls möglich, stellen Sie sich in einem Kopfschmerzzentrum vor mit besonderer Expertise in der neurologischen Schmerzbehandlung.

      Alles Gute und freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  13. Christin 5. Juni 2017 um 18:18 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    auch von mir erst mal herzlichen Dank für die Möglichkeit hier Fragen stellen und im headbook so viele wichtige Informationen bekommen zu können.

    Nach mehreren Prophylaxe Versuchen mit Beta Blockern, Flunarizin und Topiramat (die ich wegen starken Nebenwirkungen abbrechen mußte), nehme ich nun seit 6 Wochen abends 10 mg Amitriptylin. Leider konnte ich bis jetzt noch keine Verbesserung der Migräne feststellen. Aber die Nebenwirkungen belasten mich sehr. An manchen Tagen habe ich starken Schwindel. Mein Arzt kann sich aber nicht vorstellen, dass dieser vom Amitriptylin kommt. Er meint dann hätte ich den Schwindel nicht nur an manchen Tagen, sondern eher durchgehend. Nach dieser Aussage hatte ich mir eigentlich fest vorgenommen, die 3 Monate abzuwarten und durchzuhalten.

    Nun habe ich aber leider zusätzlich Zahnprobleme bekommen. Mein Zahnfleisch ist entzündet und eine Kariesstelle hat sich nach vielen Jahren, in denen sie nur beobachtet wurde, sehr verschlechtert. Kann dies evtl. von meinem trockenen Mund kommen? Sonst stört mich diese Mundtrockenheit eigentlich nicht so sehr. Tagsüber trinke ich einfach mehr. Aber nachts oder morgens werde ich mit einem sehr trockenen Hals und Mund wach und fürchte so den Zusammenhang der Zahnprobleme mit dem Amitriptylin.
    Was würden Sie mir empfehlen? Noch 6 Wochen weiter nehmen und auf Verbesserung der Migräne hoffen? Falls keine Verbesserung eintritt, ist es unter diesen Bedingungen empfehlenswert höher zu dosieren?

    Im voraus vielen Dank für Ihre wertvolle Hilfe,
    Christin

    • Hartmut Göbel 6. Juni 2017 um 00:20 Uhr

      Liebe Christin,

      die von Ihnen eingenommene Dosis Amitriptylin von 10 mg ist sehr niedrig. Da Sie keine Besserung verspüren und nach 6 Wochen sich zumindest eine Tendenz im Schmerzkalender abzeichnen sollte, Sie gleichzeitig aber unter Nebenwirkungen klagen, ist zu erwägen, auf eine andere Vorbeugung umzuwechseln. Es macht keinen Sinn, eine eigentlich wirkungslose Therapie in üblicherweise sehr niedriger Dosierung weiterzuführen und trotzdem Nebenwirkungen zu haben. Wenn aufgrund der Nebenwirkungen eine weitere Aufdosierung nicht möglich ist, sollte erwogen werden, eine andere Vorbeugung einzuleiten.

      Nach Ihrer Beschreibung ist es sehr unwahrscheinlich, dass Ihre Zahnfleischentzündung als Nebenwirkung von dem eingenommenen Amitriptylin stammt.

      Sollten Sie das Medikament vertragen, wäre eine Höherdosierung zu erwägen. Sollte sich innerhalb von ein paar Monaten keine Besserung abzeichnen, dann sollte ein Wechsel auf eine andere Vorbeugung erwogen werden.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

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