Migräne- und Kopfschmerz-Chat am 15.10.2018

Dies ist unsere Gruppe zum Migräne- und Kopfschmerz-Chat und sie funktioniert folgendermaßen: Um ca. 12:00 Uhr des jeweiligen Chat-Tages wird die Kommentar-Funktion aktiviert. Will man eine Frage eintragen, klickt man in das Fenster der Kommentarfunktion. Hat man eine Frage eingetragen, sieht man unter seinem Beitrag “Antworten”. Diese Antwortfunktion benutzt Prof. Göbel, um die Antwort auf die vorherige Frage einzustellen. Prof. Göbels Antwort ist dann ein wenig eingerückt und unterscheidet sich daher auch optisch von den Fragen. Sollte der Fragesteller zum selben Thema noch eine Folgefrage haben, bitte auch auf “Antworten” klicken – aber nur dann! Sonst bitte immer in das Kommentar-Fenster schreiben. Nach dem Chat wird die Kommentar-Funktion wieder deaktiviert bis zum nächsten Chat-Tag. Alle Fragen und Antworten bleiben in diesem Blog erhalten und bestimmte Themen können jederzeit mit der Such-Funktion wiedergefunden werden. Alle Aktionen werden am Chat-Tag auch auf der Startseite des Headbook aufscheinen.

Fragen können nur am jeweiligen Chat-Tag ab 12:00 Uhr eingetragen werden. Bitte immer auf das aktuelle Datum in der Überschrift achten, das unter “Live-Chats” eingetragen ist.

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46 Comments

  1. Bettina Frank - Admin 15. Oktober 2018 um 12:05 Uhr

    Die Gruppe ist geöffnet, Fragen können jetzt eingetragen werden. 🙂

  2. Kathy 15. Oktober 2018 um 12:06 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Göbel,
    meine beiden Kinder (14/16) leiden unter chronischer Migräne, mit ebenso chronischer Aura in Form von Hyperakusis und optischen wie sensorischen Fehlwahrnehmungen. Alle medikamentösen Versuche waren bislang bezügl. Aura ohne Erfolg. Nun habe ich gelesen, dass gerade die Migräne mit Aura ein erhöhtes  Schlaganfallrisiko in sich birgt.  Meine Frage ist: Weiß man, warum das so ist? Mich treibt natürlich auch die Frage um, resultiert dann aus der chronische Aura ein um so höheres Risiko? Stelle mir das so vor, dass sich das Gehirn meiner Kinder in einem permanenten Ausnahmezustand befindet?
    Herzliche Grüße Friederike

    • Hartmut Göbel 15. Oktober 2018 um 19:15 Uhr

      Liebe Kathy,

      die Risikogene für Migräne regeln insbesondere eine Reihe von Gefäßregulationen. Bei unbehandelter Migräne ist das Risiko für Bluthochdruck, Schlaganfall oder Herzinfarkt um ca. das Doppelte erhöht. Aus diesem Grunde sollte man Migräne immer ernst nehmen und sachgerecht behandelt. Eine chronische Aura im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Wenn man davon spricht, würde man wahrscheinlich einen migränösen Infarkt meinen. Aufgrund Ihrer Schilderung gehe ich davon aus, dass dies hier nicht Thema ist. Es gibt einen sogenannten Aurastatus, bei dem die Aura länger anhält. Möglicherweise meinen Sie eine sensorische Hyperaktivität mit erhöhter visueller und akustischer Sensitivität. Insgesamt ist es erforderlich, dass man die Migräne mit allen möglichen Behandlungsoptionen therapiert, damit das Risiko sowohl für vaskuläre als auch für psychische Komplikationen möglichst reduziert wird.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  3. BaluForKanzler 15. Oktober 2018 um 12:07 Uhr

    Sehr geehrter Prof. Göbel,
    Ich versuche, es kurz zu machen: ich habe seit etwa 10 Jahren chron. Migräne (ca. 25 Tage pro Monat). Bin deswegen frühberentet. Seit Mai diesen Jahres hat sich die Symptomatik plötzlich drastisch verändert – mein Neurologe diagnostiziert Basilaris-Migräne. Diese habe ich nun nahezu täglich, stundenlang. Ich bin verzweifelt, völlig am Ende. Zusätzlich habe ich jetzt seit etwa 2 Monaten anhaltende Aurasymptome: Sensibilitätsstörungen in Armen und Beinen, Schwindel, Seh-, Hör- und Sprachstörungen, innere Unruhe, Muskelschwäche, Ataxie. Wegen Verdacht auf migränösen Infarkt wurde ein MRT gemacht – ohne Befund. Die bisherigen Medikamente helfen nicht mehr. Einzig Vomex und Tavor bringen ein bisschen Erleichterung, aber das ist ja keine Dauerlösung.
    Nun meine Frage: was bedeuten diese anhaltenden Aurasymptome? Habe ich doch schon bleibende Schäden am Gehirn und wie lange kann das noch anhalten? Was kann man noch tun, um das zu durchbrechen? Selbst Lidocain-Infusionen halfen nicht. Ich drehe wirklich bald durch…
    Danke für Ihren Rat.
    Viele Grüße. BaluForKanzler

    • Hartmut Göbel 15. Oktober 2018 um 19:20 Uhr

      Liebe BaluforKanzler,

      wie schon in der vorherigen Frage ist das Konzept von anhaltenden Aurasymptomen wissenschaftlich nicht gesichert. Wenn Aurasymptome länger als eine Woche anhalten, spricht man von einem migränösen Infarkt. Die von Ihnen geschilderten Syndrome können tatsächlich mit einer Migräne mit Hirnstammaura in Zusammenhang gebracht werden. Dieser Begriff wird heute für den früheren Begriff Basilarismigräne verwendet. Bei solchen begleitenden Symptomen muss man Infarktareale nicht im MRT erkennen können. Die Diagnose kann auch dann bestehen, wenn in der bildgebenden Diagnostik ein entsprechender Infarkt nicht abzugrenzen ist. In der Regel halten solche Symptome dauerhaft an. Sie können jedoch auch durch die Plastizität des Gehirns sich ändern oder auch ganz zurückgehen. Eine genaue Vorhersage ist nicht möglich. Lidocain-Infusionen sind bei dieser Symptomatik nicht effektiv, Belege für die Wirkung bestehen nicht. Wesentlich ist, dass man sämtliche Therapieverfahren umsetzt, die bei der Migräne geeignet sind, vorbeugend oder in der Akuttherapie wirksam zu sein. Das schließt sowohl Verhalten, medikamentöse Vorbeugung als auch Attackentherapie ein.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

      • BaluForKanzler 15. Oktober 2018 um 20:52 Uhr

        Heißt das, dass ich NICHTS (!!!) tun kann außer abwarten, dass diese Symptome vielleicht irgendwann mal verschwinden?! Mein jetziger Zustand ist unerträglich. Ich kann nicht damit leben. Das ist für mich unvorstellbar und inakzeptabel. Sorry, aber ich bin echt am Ende. Viele Grüße, BaluForKanzler

  4. Sanni 15. Oktober 2018 um 12:10 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel

    Ich nehme ab und zu zur Sedierung bei schweren Attacken Amitriptilyn 50 mg oder 100 mg Trimipramin. Triptane und Schmerzmittel wirken nicht.
    Weniger hilft nicht. Prophylaxen alle durch.

    Bei beiden Mittel zur Sedierung treten Unruhe in den Beinen auf das ich ein Bewegungsdrang habe.
    Darf man diese Mittel weiter nehmen oder besteht ein Risiko von irreversiblen
    Bewegungsdrang ?

    Lieben Dank und Gruß
    Sanni

    • Hartmut Göbel 15. Oktober 2018 um 19:20 Uhr

      Liebe Sanni,

      sowohl bei Amitriptylin als auch bei Trimipramin können bei akuter Gabe Unruhe in den Beinen auftreten, ebenso Bewegungsdrang. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich hier um irreversible Nebenwirkungen handelt, ist gering. Tatsächlich erleben Sie ja offensichtlich, dass diese Symptome immer wieder verschwinden.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  5. Lenie 15. Oktober 2018 um 12:11 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    ich habe seit ca. 40 Jahren Migräne. Letzte 10 Jahre chronisch und schwer verlaufend. Bin deutlich im Med.übergebrauch. Cortison kann ich nicht vertragen. Wie kann man sonst eine Medikamentenpause durchführen? Welche Rolle spielt bei Migräne ein Mikroadenom der Hypophyse und ein Arnold Chiari Syndrom Grad 1?
    Vielen Dank für Ihren Einsatz.
    Mit freundlichen Grüßen
    Lenie

    • Hartmut Göbel 15. Oktober 2018 um 19:22 Uhr

      Liebe Lenie,

      zu einer Medikamentenpause muss man nicht Kortison als Begleittherapie einsetzen. Bei einigen Patienten lindert es den sogenannten Rückschlagkopfschmerz. Deshalb kann man es verwenden. Man kann eine Medikamentenpause jedoch auch ohne weiteres ohne Kortison oder andere lindernde Begleitmedikamente durchführen. Sollte eine ambulante Medikamentenpause nicht möglich sein, gibt es auch die Option, diese stationär durchzuführen. Dabei kann unter stationären Bedingungen eine Reihe von Maßnahmen den Rückschlagkopfschmerz lindern, so dass man auch einfacher ans Ziel kommt. Ein Mikroadenom der Hypophyse und ein Arnoldt-Chiari-Syndrom °I sind in der Regel für den Verlauf der Migräne nicht relevant.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  6. Lora 15. Oktober 2018 um 12:13 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    ich habe Chronische Migräne, Chronische (letzte Zeit mittelschwere) Depression und eine Somatisierungsstörung (Atemnot).
    Bis 26.09.18 war ich mit den Medikamenten (Botox 195, Venlafaxin 225 mg, Valproat 1200 mg) soweit eingestellt, dass ich 12 -15 KS-Tage, 3-4 Atemnottage und an 0 – 3 Tagen Akutmitteln hatte.

    Aufgrund des steigenden Gewichts habe ich Valproat (nach Absprache mit meiner Ärztin) ab 26.09 auf 900 mg reduziert.
    Fast zeitgleich hatte ich erneutes Bandscheibenvorfall in LWS und musste leider Schmerzmitteln nehmen:
    Im September – 8 Tage mit Akutmittel. Von 15.09 – 14.10 – 9 Tage.

    Jetzt habe ich letzte Wochen täglich Migräne und extreme Erschöpfung. Dabei sehr starke Übelkeit, Aura, die Schmerzen strahlen bis in die Hände.

    Ich habe folgende Fragen:

    – Liegt jetzt tägliche Migräne an MÜK oder eher an der Reduzierung von Valproat?
    – Es stand bei mir im Gespräch den Valproat weiter zu reduzieren und mit Lamotrigin zu ersetzen. In erster Linie als Stimmungsstabilisatoren. Wirkt Lamotrigin auch auf Migräne positiv?
    – Welche Stimmungsstabilisatoren kämen für mich noch infrage (Migräne, Depri, Somatisierung und Gewicht)?

    Lieben Dank für Ihre Hilfe!
    Lora

    • Hartmut Göbel 15. Oktober 2018 um 19:23 Uhr

      Liebe Lora,

      die Häufigkeit Ihrer Migräne kann tatsächlich sowohl von der Reduzierung von Valproat als auch der erhöhten Einnahme von Akutschmerzmittel abhängig sein. Versuchen Sie jetzt am besten wieder auf eine Schmerzmittelakuteinnahme von weniger als an 10 Tagen im Monat zu kommen. Es kann sein, dass sich dann die Kopfschmerzhäufigkeit wieder stabilisiert, wenn die Akutschmerzmitteleinnahme dafür von Bedeutung war. Anderenfalls wäre es möglich, auf ein anderes Medikament auszuweichen, das ähnlich wie Valproat wirkt. Tatsächlich gilt dies für Lamotrigin, ebenfalls ein Antiepileptikum. Bei komplexen Migräneverläufen, insbesondere mit Stimmungsschwankungen, kann Lamotrigin wirksam und unterstützend sein. Ansonsten können eine Reihe von Antidepressiva in Erwägung gezogen werden, die die Stimmung stabilisieren, ohne eine bedeutsame Gewichtszunahme zu bedingen. Ein Beispiel dafür ist Escitalopram oder Citalopram sowie Duloxetin.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  7. Marlene 15. Oktober 2018 um 12:15 Uhr

    Lieber Herr Prof. Göbel,

    zur Akutbehandlung meiner Migräne nehme ich auf Ihre Empfehlung hin 5 mg Naratriptan. Mit 2,5 mg Naratriptan sowie mit anderen Triptanen erziele ich keine ausreichende Wirkung ( kein Mük ). Trotz zusätzlicher Einnahme von Naproxen zu 5mg Naratriptan kommt die Migräne häufig nach ca. 12 Stunden wieder.
    Meine Frage an Sie wäre nun, ob ich innerhalb von 24 Stunden nochmals 5 mg Naratriptan nachnehmen kann, da im Beipackzettel nur die übliche Dosierung von 2,5 mg und maximale Tagesdosis von 5 mg angegeben ist.

    Vielen Dank für Ihre Antwort und liebe Grüße nach Kiel

    Marlene

    • Hartmut Göbel 15. Oktober 2018 um 19:25 Uhr

      Liebe Marlene,

      Naratriptan 2,5 mg ist ein sehr gut verträgliches Triptan. Die Besonderheit dabei ist jedoch, dass es sehr mild wirkt und es auch sehr lange dauert, bis die Wirkung eintritt. Dabei hat sich die Gabe von 5 mg Naratriptan bewährt. Im Gegensatz zu anderen Triptanen, bei denen das Triptan sowohl in einer niedrigen als auch höheren Dosierung zur Verfügung steht, ist dies bei Naratriptan nicht der Fall. Aus den frühen Zulassungsstudien ist bekannt, dass Naratriptan 5 mg deutlich besser wirkt als 2,5 mg, in Deutschland ist jedoch nur die niedrige Dosierung verfügbar. Da man früher für die Entstehung eines Medikamentenübergebrauchskopfschmerzes nicht die Dosierung heranzog, sondern die Häufigkeit der Einnahme pro Monat (weniger als 10 Tage im Monat), würde es für die Entwicklung eines MÜKs nicht relevant sein, ob sie am gleichen Tag nochmals 5 mg Naratriptan einnehmen.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  8. Koenigstiger 15. Oktober 2018 um 12:17 Uhr

    Sehr geehrter Herr Professor Göbel,

    ich war vor kurzem stationär in ihrer Klinik und leide seit zwei Jahren an chronischen Kopfschmerzen vom Spannungstyp. Im Internet bin ich auf eine Alternative zum TENS-Gerät gestoßen- das sogenannte SFMS-Gerät (Small Fiber Matrix Stimulation).
    Auf der Website des Herstellers wird behauptet, dass dieses SFMS dem TENS-Gerät in einigen Punkten überlegen ist. Sei es die Handhabung als auch die Wirkung.

    Frage: Wie ist Ihre Meinung und Erfahrung zu diesem Gerät speziell für meine Situation?

    „Weil Schmerzen und die Stärke ihres Empfindens oft dadurch beeinflusst werden, dass aufgrund einer chronischen oder bereits sehr lange andauernden Erkrankung krankhafte morphologische und funktionelle Veränderungen im schmerzweiterleitenden System bestehen, ist TENS weitgehend wirkungslos. Denn nur durch eine Blockade der Schmerzweiterleitung kann keine dauerhafte Schmerzlinderung erreicht werden. Diese strebt dagegen die Small Fiber Matrix Stimulation (SFMS) an, die in allen bomedus®-Produkten zum Einsatz kommt. Im Gegensatz zu TENS gibt es hier punktförmige Elektroden, die matrixförmig angeordnet sind und niederfrequente Stromimpulse mit einer Stärke von vier Hertz unter die Haut schicken. Dadurch kommt es zu einer gleichförmigen Stimulation, welche die Nerven beruhigt und das Schmerzgedächtnis des Patienten verändert. Letztlich verlernt der Patient seine Schmerzen. Im Gegensatz zu TENS kommt es bei SFMS nur zur spezifischen Stimulation der als Schmerzfasern bekannten Aδ-Fasern, die in der Epidermis liegen. Dadurch werden tieferliegende Gewebeschichten und Nervenfasern geschont, wodurch Nebenwirkungen vermindert werden. SFMS macht sich im Gegensatz zu TENS auch die natürliche Neuroplastizität zunutze. Weil alle Neuronen im menschlichen Körper zu einer Anpassung ihrer morphologischen und funktionellen Eigenschaften an externe Reize fähig sind, kann es durch SFMS gelingen, ein chronisch gewordenes Schmerzempfinden deutlich zu reduzieren. Daher ist der Effekt von SFMS im Vergleich zu TENS von deutlich längerer Dauer, weil das Verfahren eine tatsächliche Veränderung in den Nervenzellen bewirkt. Zudem lässt sich SFMS im Unterschied zu TENS auch bei Patienten anwenden, die beispielsweise in ihren Gelenken ein Metallimplantat haben oder die adipös sind. SFMS ist TENS also deutlich überlegen, wobei die benötigten Geräte mindestens ebenso einfach zu bedienen sind.“ ( https://bomedus.com/blog/blogartikel/114_elektrotherapie-im-vergleich-tens-ems-und-sfms/ )

    Im Folgenden der Link zur genauen Wirkungsweise des SFMS-Gerätes.
    https://bomedus.com/blog/wirkmechanismus/

    Für Ihre Bemühungen bedanke ich mich im Voraus recht herzlich und verbleibe

    mit freundlichen Grüßen

    • Hartmut Göbel 15. Oktober 2018 um 19:26 Uhr

      Lieber Königstiger,

      spezifische Untersuchungen zu den von Ihnen genannten Vorteilen eines SFMS-Gerätes sind nach meiner Kenntnis für den Kopfschmerz vom Spannungstyp nicht wissenschaftlich belegt. Inwiefern die dünnen Nervenfasern für die Entstehungskopfschmerzen vom Spannungstyp verantwortlich sind, ist zudem offen.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  9. dirkou 15. Oktober 2018 um 12:32 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,
    ich habe eine Frage zur Behandlung eines Migräneanfalls mit immer wiederkehrenden Auren. Zuletzt bin ich nachts mit Schmerzen über der Nasenwurzel aufgewacht, also noch kein Halbseitenkopfschmerz, dafür aber Taubheitsgefühl in Arm und Bein rechts, kurze Zeit später Aura, dann der Halbseitenkopfschmerz, dann wieder Aura usw. In diesem Fall weiß ich nicht wann ich das Triptan nehmen soll, denn nach der Aura ist vor der Aura, haben Sie einen Tipp für mich, was ich in so einem Fall tun kann. Sedierende Medis fallen raus, da ich zur Arbeit muss. Herzlichen Dank und viele Grüße aus Würzburg

    • Hartmut Göbel 15. Oktober 2018 um 19:27 Uhr

      Lieber Dirkou,

      bei solch ungewöhnlich komplexen Auren wäre es nicht ratsam, ein Triptan einzunehmen. Möglich ist die Gabe eines NSAR wie z.B. Aspirin oder Ibuprofen. Auch die Einnahme von Novaminsulfon wäre unproblematisch, diese Medikamente wirken nicht gefäßwirksam. Sollten dann die Auren abklingen, können Sie immer noch ein Triptan dann zu Beginn der Kopfschmerzphase einsetzen.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  10. Vanessa 15. Oktober 2018 um 12:36 Uhr

    Guten Tag, Herr Prof. Göbel!

    Ich hatte im April diesen Jahres, vermutlich auf zu hoher Einnahme von NSAR wie Ibu + Naproxen zurück zu führen, ein blutendes Magengeschwür, welches per Clips geschlossen werden musste. Im KH hat man mit geraten, möglichst ganz auf die Einnahme von NSAR zu verzichten.
    Mein Hausarzt hat mir, da ich dann auch noch eine Gesichtsrose bekomme habe, Novalminsulfon gegen die Schmerzen verschrieben, welche ich Bedenkenlos mit Pantorpazol zusammen einnehmen könne, so seine Aussage. Meine Magenschleimhaut ist nach wie vor gerötet.
    Wie sieht es bei der Einnahme von Triptanen aus, muss ich auch hier Pantoprazol vorweg einnehmen und ist Novalminsulfon tatsächlich „freundlicher“ für den Magen als Ibuprofen? Aufgrund von starker Aura nehme ich auch häufiger Vomex ein, wie verhält es sich hier und ist die Wirkung evtl durch den Magenschutz eingeschränkt?
    Leider kann ich nicht immer auf Schmerzmittel verzichten.
    Vielen Dank für eine Rückmeldung und sonnige Grüße nach Kiel
    Vanessa

    • Hartmut Göbel 15. Oktober 2018 um 19:43 Uhr

      Liebe Vanessa,

      bei der von Ihnen genannten Vorgeschichte sollte man auf NSAR verzichten. Novaminsulfon wirkt zudem häufig wirksamer und greift die Magenschleimhaut nicht an. Auch Triptane irritieren nicht die Magenschleimhaut, so dass sie bei Ihrer Vorgeschichte grundsätzlich gegeben werden können. Novaminsulfon ist definitiv magenfreundlicher als Ibuprofen. Auch Vomex belastet den Magen nicht, die Wirkung wird durch Magenschutz nicht beeinträchtigt.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  11. Ella 15. Oktober 2018 um 12:37 Uhr

    Sehr geehrter Herr Professor Göbel,

    ist die CGRP-Antikörper Prophylaxe ab November 2018 in Deutschland erhältlich?

    Ich habe vor kurzem gelesen, daß die Krankenkassen die Kosten für die CGRP-Antikörper Prophylaxe ersteinmal nur dann übernehmen, wenn bereits 3 oder 5 (bei chronischer Migräne) andere medikamentöse Prophlaxen keinen Erfolg hatten oder unverträglich sind. Stimmt das? Falls ja, wie lange zahlt die Kasse nicht und wieviel kostet eine Anwendung?

    Herzlichen Dank für Ihre Antwort
    Ella

    • Hartmut Göbel 15. Oktober 2018 um 21:44 Uhr

      Liebe Ella,

      nach Herstellerangaben ist Erenumab ab November 2018 auch in deutschen Apotheken gegen ärztliches Rezept verfügbar. Über die genaue Erstattungspolitik gibt es bisher noch keine definitiven Informationen seitens des Herstellers. Aktuell wird mit dem gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) über die Voraussetzungen für die Erstattung diskutiert. Eine definitive Information über die Bedingungen liegt bisher nicht öffentlich vor. Es wird darüber gesprochen, dass bei der episodischen Migräne sämtliche leitliniengerechte Therapieverfahren entweder unwirksam sein müssen, nicht vertragen werden oder Gegenanzeichen bestehen. Erst in dieser Situation soll auf Erenumab zurückgegriffen werden. Bei der chronischen Migräne muss zudem auch eine Behandlung mit Botulinumtoxin nicht vertragen werden, unwirksam sein oder es liegen Kontraindikationen vor. Definitive Aussagen allerdings sind nach wie vor nicht offiziell bekanntgemacht worden. Daher besteht weiterhin eine gewisse Unsicherheit, für welche Patienten das Medikament eingesetzt werden kann und erstattet wird. Ärzte müssen bei der Verordnung das Wirtschaftlichkeitsgebot beachten. Das bedeutet, wenn preiswertere Medikamente den gleichen Zweck erfüllen wie ein teures oder gar sehr teures Medikament, muss das preiswerte Medikament eingesetzt werden. Auch der Preis von Erenumab ist bisher noch nicht offiziell bekanntgegeben worden.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  12. Sonja L. 15. Oktober 2018 um 12:52 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Göbel,

    ich leide an einer sehr heftigen menstruationsassoziierten Migräne, das heisst die Anfälle treten bei mir nur etwa alle zwei Wochen auf (beim Eisprung und kurz vor der Periode). Die Attacken sind kurz vor der Periode derart heftig dass ich regelmäßig in die Notaufnahme des Krankenhauses gebracht werden muss.
    Ich habe bei Stress auch gelegentlich Migräne, aber die Anfälle sind nicht so heftig und ich kann sie gut mit Sumatriptan in den Griff bekommen.
    Wie kann ich diese schweren hormonellen Attacken nur in den Griff bekommen? Sumatriptan ist beinahe wirkungslos und ich verbringe vor und während der Periode regelmäßig eine Woche ausschließlich im Bett.

    LG, Sonja L.

    • Hartmut Göbel 15. Oktober 2018 um 19:46 Uhr

      Liebe Sonja,

      bei Ihnen kommt es in allererster Linie auf eine effektive Attackentherapie an. Am effektivsten ist in dieser Situation möglicherweise die Gabe von Sumatriptan subkutan mit dem Autoinjektor. Man spritzt sich dabei mit einer Fertigspritze 6 mg selbst unter die Haut. Damit ist gewährleistet, dass die Substanz auch wirklich in der Blutbahn ankommt und wirken kann. Eine andere Option ist, am Tag vor der erwarteten Regelblutung bereits ein Triptan einzunehmen. Schließlich sollte man, wenn man eine Tablette einnimmt, darauf achten, dass man eine möglichst wirksame Substanz verwendet, wie z.B. Zolmitriptan 5 mg oder Relpax 40 oder gar 80 mg. Eine weitere Strategie ist die Optimierung der vorbeugenden Behandlung. Versuchen Sie auch, sich im menstruellen Zeitfenstern möglich körperlich zu schonen, ausreichend zu trinken und Kohlenhydrate zu sich zu nehmen.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  13. Freya 15. Oktober 2018 um 13:01 Uhr

    Hallo Herr Prof. Göbel,

    gibt es schon was Neues in Bezug auf die Kostenübernahme der Krankenkassen bei der Migräne-Impfung? Meine letzte Information vor ca. einem Monat war die, dass derzeit noch verhandelt wird, ob der Patient die Kosten für die Spritzen selbst tragen muss oder ob diese (teilweise) von den Kassen übernommen werden. Sind die Verhandlungen schon abgeschlossen oder bereits absehbar, wann der Zeitpunkt kommen wird?

    Lieben Gruß,
    Maria Rudolf

    • Hartmut Göbel 15. Oktober 2018 um 21:45 Uhr

      Liebe Freya,

      Ihre Frage habe ich bereits weiter oben bei Ella ausführlich beantwortet.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  14. Pauline 15. Oktober 2018 um 13:05 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    Seit meinem 14. Lebensjahr leide ich an Migräne. Die letzten 8 Jahre war der Zustand ertragbar mit einer gewissen Medikamention, welche wir auch zwischen durch gewechselt haben, von Topiramat bis hin zu Betablockern war alles dabei.

    Seit Anfang diesen Jahres wurde die Migräne schlimmer und aufgrund von Prüfungen und eines neuen Jobs nahm ich unbewusst mehr und mehr triptane und es entstand ein Übergebrauchskopfschmerz. Mein Schmerztheraput empfahl mir einen kalten Entzug, mit zusätzlichen injektionen einmal die Woche in die Halsnerven.

    Die Kopfschmerzen sind seit Monaten nicht besser und ein Reha Antrag wurde von dem deutschen Rententräger abgelehnt.

    Schmerzkliniken haben Wartezeiten von bis zu einem Jahr, aber ich kann ja kein Jahr zuhause bleiben. Ich will ja arbeiten.

    Können Sie mir ggf. Helfen bzw einen Rat geben?

    Mit freundlichen Grüßen
    Pauline

    • Hartmut Göbel 15. Oktober 2018 um 19:51 Uhr

      Liebe Pauline,

      wenn ein Medikamentenübergebrauchskopfschmerz durch eine ambulante Medikamentenpause nicht beherrschbar ist, sollten Sie sich unter stationären Bedingungen behandeln lassen. Schildern Sie der Klinik, bei der Sie sich anmelden wollen, Ihre Situation. Es gibt z.B. auch Standby-Listen, wenn ein Patient, der angemeldet ist, kurzfristig nicht die Behandlung aufnehmen kann, kann man in der Warteliste vorrücken. Es findet sich bestimmt eine Möglichkeit, dass Ihnen zeitnah geholfen werden kann.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  15. Nachtfalter 15. Oktober 2018 um 13:07 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel

    Ich leide seit meiner Jugend immer wieder an Migräne. Dass es sich um Migräne und nicht bloss Spannungskopfschmerzen handelt, wurde erst im Alter von ca. 40 Jahren erkannt. Jetzt bin ich 56j. und hab in den letzten Jahren mit zomig und Irfen die Anfälle an max. 10 Tagen pro Monat behandelt. Seit Juni 2018 haben die Anfälle und die Verspannungen sowie die Medikamenteneinnahme-Tage zugenommen. Bei der 1. Konsultation im Kopfschmerzzentrum Hirslanden (Ich wohne in der Schweiz) wurde mir eine Botoxbehandlung empfohlen (Topomax, Betablocker, ets. vor ein paar Jahren nicht erfolgreich). Gleichzeitig sei aber davon auszugehen, dass ich bereits im MÜK sei. Ich habe nun vor 12 Tagen eine erste Botoxbehandlung erhalten. Vor 7 Tagen hatte ich einen fast schmerzfreien Tag und hab mich dann dazu entschieden zuhause eine Medikamentenpause durchzuführen. Motilium und die Antideppressiva (Sertraline 100 und Trimipramin 25 hatte ich schon vorher) aber kein Kortison als Begleitmedikation. Heute ist der 7.Tag und die Kopfschmerzen (ich denke heute ist es Migräne, ist aber manchmal schwer zu unterscheiden, weil ohne Aura) sind immer noch oder wieder recht heftig. Meine Neurologin empfahl mir am Telefon jetzt wieder normal mit Triptan zu behandeln, auch ohne 3 schmerzfreie Tage, so wie es in Ihrem Merkblatt steht. Wichtig sei, dass ich jetzt einfach darauf achte, bis zum 9. November die 10 Einnahmetage nicht zu überschreiten. Und bis dann sollte auch spürbar sein, ob das Botox hilft. Jetzt bin ich extrem verunsichert. Soll ich jetzt doch noch weitere Tage ohne Medikamente aushalten? Oder war die Pause (so die Neurologin) lange genug? Welchen Rat können Sie mir geben? Herzlichen Dank!

    Freundliche Grüsse
    Nachtfalter

    • Hartmut Göbel 15. Oktober 2018 um 19:54 Uhr

      Lieber Nachtfalter,

      die Information, dass Botulinumtoxin auch dann wirksam ist, wenn ein Medikamentenübergebrauchskopfschmerz besteht, findet sich immer wieder. Das deckt sich allerdings nicht mit dem Studienprogramm und auch nicht mit der Zulassung. Sie finden z.B. im Beipackzettel die sachgerechte Information, dass über die Wirksamkeit von Botulinumtoxin bei Medikamentenübergebrauchskopfschmerz keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen, eine Wirkung also nicht belegt ist. Tatsächlich wurden im Studienprogramm alle Patienten, die einen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz hatten (sekundäre Kopfschmerzen), zunächst mit einer Medikamentenpause behandelt. Erst wenn diese Medikamentenpause nicht zu einer Reduktion der Kopfschmerzen geführt hat und eine chronische Migräne bestätigt war, wurden die Patienten in die Studie eingeschlossen. Sie finden allerdings in Publikationen und selbst in den Leitlinien gegenteilige Auffassungen. Unser Vorgehen sieht daher in der Regel so aus, dass wir dem Patienten zunächst eine Medikamentenpause anbieten und diese durchführen. Wenn dann die Kopfschmerzhäufigkeit nicht unter 15 Tage im Monat sinkt, wird eine Behandlung mit Botulinumtoxin durchgeführt. Üblicherweise wird eine Pause über einen Zeitraum von vier Wochen durchgeführt, allerdings gibt es dazu keinen Standard.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

      • Nachtfalter 15. Oktober 2018 um 20:09 Uhr

        Sehr geehrter Herr Göbel

        Herzlichen Dank für die ausführliche Antwort. Wie sich das mit Botox und MÜK verträgt wird sich weisen. Meine vordringlichste Frage ist jedoch, ob ich nach einem Medikamentenentzug von 7 Tagen wieder Triptane nehmen kann bei einem Migräneanfall. Oder würden Sie – unabhängig von der Botox-Behandlung – weiter zuwarten? Bis 10 Tage? Bis 14 Tage? Oder gibt es spezifische Indikatoren für diesen Entscheid?

        Freundliche Grüsse
        Nachtfalter

  16. Friedrich 15. Oktober 2018 um 13:37 Uhr

    Lieber Herr Göbel,

    vielen Dank für Ihren Einsatz und die Möglichkeit Ihnen hier Fragen stellen zu können.

    Seit fünf Jahren habe ich den chronischen Kopfschmerz vom Spannungstyp. Meine Therapie besteht aus Ausdauersport, Entspannungsübungen und gelegentlich Amitriptylin. Das wirkt auch ganz gut. Dazu habe ich vier Fragen:

    – Ist dieser Therapieansatz noch der aktuell empfohlene oder gibt es neue Erkenntnisse, die eine andere Therapie empfehlen?
    – Oft fehlt mir die Motivation die Therapie im Alltag konsequent durchzuführen. Wie kann ich das ändern?
    – Führt erhöhter Medienkonsum (Fernsehen, Computerspiele etc.) zu stärkeren Kopfschmerzen? Oder liegt das eher an einer ungünstigen Körperhaltung am Schreibtisch?
    – Wie stehen meine Chancen zur Schmerzfreiheit? Bis jetzt konnte ich die Kopfschmerzen nur reduzieren, aber nicht vollends auskurieren.

    Herzlichen Dank und freundliche Grüße
    Friedrich

    • Hartmut Göbel 15. Oktober 2018 um 20:05 Uhr

      Lieber Friedrich,

      beim chronischen Kopfschmerz vom Spannungstyp muss man möglichst alle Faktoren herausfinden, die die Chronifizierung aufrechterhalten und sie bedingt haben. Dazu gehören psychische Faktoren wie Stress, Angst, Depression, körperliche Faktoren wie muskulärer Stress, Medikamente sowie Medikamentenübergebrauch, eine Reihe von sonstigen Erkrankungen und viele andere mehr. Wesentlich ist dabei tatsächlich, dass man diese Faktoren möglichst alle adressiert. Therapieverfahren wie Ausdauersport, Entspannungsübungen und auch trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin können in der Behandlung sehr wirksam sein. Üblicherweise würde man jedoch ein Medikament wie Amitriptylin dauerhaft konstant geben und nicht nur nach Bedarf gelegentlich. Wer am chronischen Spannungskopfschmerz leidet, muss sehr viel Selbstdisziplin aufbringen und nachhaltig die Therapieverfahren durchführen. Das kann leider kein Arzt abnehmen und muss selbst motiviert sein und die Behandlung konsequent umsetzen. Erhöhter Medienkonsum, langes Sitzen am Computer oder am Schreibtisch können zu muskulärem Stress aber auch psychischem Stress führen und daher Kopfschmerzen vom Spannungstyp unterhalten. Kopfschmerzen vom Spannungstyp, auch wenn sie chronisch sind, können wieder in einen episodischen Verlauf zurückgehen oder auch gänzlich verschwinden. Allerdings muss man sich vor Augen halten, dass es sich hier um ein chronisches Schmerzproblem handelt, das nicht sehr schnell effektiv behandelt werden kann und man einen langen Atem haben muss. Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  17. Flocar 15. Oktober 2018 um 13:46 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,
    seit ca.5 Jahren leide ich an chronischen Clusterkopfschmerzen. In diesem Zeitraum wurden zusammen mit meinem Neurologen alle bekannten Standardmedikamente zur Prophylaxe ausprobiert, leider ohne Erfolg. Attacken bekämpfe ich mit Sauerstoff oder Triptanen.
    Meine Frage: Meine Kopfschmerzen weisen die Anzeichen einer Sluder-Neuralgie auf, die ja zu den Clusterkopfschmerzen gezählt werden. Gibt es für diese Erscheinungsform spezielle Medikamente oder Behandlungsformen. Können die neuen GCRP Medikamente hier hilfreich sein.
    Besten Dank für die Beantwortung der Fragen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Flocar

    • Hartmut Göbel 15. Oktober 2018 um 20:06 Uhr

      Lieber Flocar,

      beim Clusterkopfschmerz geht es nicht nur darum, alle bekannten Standardmedikamente auszuprobieren. Sie müssen auch in der richtigen Dosierung, in der richtigen Anwendungsform und in der richtigen Kombination individuell zusammengestellt werden. Sollten Sie also bisher keine ausreichende Wirkung haben würde ich Ihnen empfehlen, sich in einem Kopfschmerzzentrum vorzustellen, damit hier überprüft werden kann, ob alle Möglichkeiten tatsächlich umgesetzt worden sind. Spezielle Behandlungen für die von Ihnen genannte Sluder-Neuralgie sind wissenschaftlich nicht erprobt. Der Begriff der Sluder-Neuralgie ist sehr alt, er wurde vor über 100 Jahren vorgeschlagen, wissenschaftlich jedoch nie validiert. Das gleiche gilt für die sogenannte Vidianus-Neuralgie. Weder die Sluder-Neuralgie noch die Vidianus-Neuralgie entsprechen den diagnostischen Kriterien für den Clusterkopfschmerz. Daher sollten die Schmerzen genau evaluiert werden und überhaupt diagnostisch geklärt werden, damit man ein strategisches Konzept für die Behandlung aufbauen kann.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  18. lustaufleben 15. Oktober 2018 um 14:02 Uhr

    Grüß Gott Herr Prof. Göbel,
    meine Tochter (14 Jahre) und ich (49) leiden unter Migräne – ohne Aura! Diagnostiziert hat dies ein Dr. Paffenrath. Profilaktisch nehme ich 200 mg Metaprollol Retard und bei einer Attacke Rizatriptan 10 mg & Naproxen begleitend. Mit dem Betablocker reduzierten sich die Attacken auf 5 im Monat. Meine Tochter wurde versorgt mit einem Nasalpray ( Rizatriptan) 5 mg und ebenfalls begleitend mit 400 mg Ibu. Beim letzen Besuch jenes Arztes wurden nun die begleitenden Schmerzmittel abgesetzt. Es reicht, wenn wir das Rizatriptan zu uns nehmen. Außerdem wurde meine Tochter von 5mg auf 10mg angehoben, obwohl sich die Attacken nicht erhöht haben. Auf Nachfrage, warum wir die begleitende Medikamente nicht mehr zu uns nehmen sollen, bekamen wir keine Antwort. Was raten sie? Mit vielen Dank und herzlichen Grüßen aus dem Bayrischen Wald!

    • Hartmut Göbel 15. Oktober 2018 um 20:08 Uhr

      Liebe Lust auf Leben,

      üblicherweise behandelt man die akute Migräneattacke bei Einsatz von Rizatriptan mit 10 mg. Dies ist die Standarddosis. Rizatriptan 5 mg war für die spezielle Situation einer zusätzlichen Behandlung mit einem Betablocker zur Verfügung gestellt worden. Daher ist die Gabe von 10 mg zur Attackenbehandlung zulassungskonform. Die zusätzliche Behandlung mit Ibuprofen 400 mg bei gleichzeitigem Einsatz von Rizatriptan ist in aller Regel nicht erforderlich, daher ist die gleichzeitige Einnahme dieser beiden Substanzen nicht notwendig. In Einzelfällen verwendet man ein solches Konzept, wenn das Triptan alleine nicht ausreichend wirkt. Bei Erhöhung der Attackenzahl ist die Anpassung der Dosierung des Akutmedikamentes nicht entscheiden. Hier muss eine vorbeugende Behandlung optimiert werden. Die zusätzliche Gabe von Naproxen zu einem Triptan wird dann eingesetzt, wenn man den sogenannten Wiederkehrkopfschmerz verhindern will. Naproxen hat eine Halbwertzeit von ca. 12 Stunden. Wenn der Kopfschmerz wiederkehrt, ist die Substanz dann bereits im Körper vorhanden und kann den aufkeimenden erneuten Wiederkehrkopfschmerz stoppen. Sollte ein solches Problem nicht vorliegen, ist auch hier die zusätzliche Einnahme von Naproxen nicht erforderlich.

      Herzliche Grüße in den Bayrischen Wald
      Hartmut Göbel

  19. SandraT 15. Oktober 2018 um 14:04 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,
    ich leide schon seit vielen Jahren unter chronischen Verspannungen im Bereich Kopf, Schulter, HWS, Kiefergelenke. Ich bin bei einer Neurologin in medikamentöser Behandlung (niedrig dosiertes Antidepressiva) und mache Gymnastik, Fitnesstraining, progressive Muskelentspannung, Übungen, die mir die Physiotherapeutin gezeigt hat usw.. Insgesamt sind die Beschwerden deutlich besser geworden, aber gerade die Schmerzen in der Kaumuskulatur/ Kiefergelenke bekomme ich nur schwer in den Griff. Ich habe eine angepasste Aufbiss-Schiene, mache Kiefer-Übungen, hatte schon viele Physio-Verordnungen vom Zahnarzt. Das MRT ergab eine Verschiebung des Diskus bei Mundöffnung sowie Abnutzungserscheinungen und Reizungen der Kiefergelenke, der Zahnarzt meinte, es sei nicht ganz in Ordnung, aber nicht besorgniserregend.
    Ich habe bereits mehrfach gelesen, dass es neue Behandlungsansätze mit Botox Spritzen in die Kaumuskulatur (Masseter) gibt, die auch das Zähneknirschen bessern.

    Mich würde interessieren, wie Ihre Erfahrungen mit Botox-Injektionen in die Kaumuskulatur sind? Gibt es dazu umfassende Erkenntnisse? Wie ist Ihre Meinung dazu?
    Mit freundlichen Grüßen
    Sandra

    • Hartmut Göbel 15. Oktober 2018 um 20:09 Uhr

      Liebe Sandra,

      bei einer Hyperaktivität der Kaumuskulatur, wie z.B. bei einer sogenannten oromandibulären Dysfunktion oder bei einer kraniocervicalen Dystonie mit hemifacialem Spasmus, kann die Behandlung mit Botulinumtoxin sehr hilfreich und wirksam sein. Lassen Sie sich von einem Experten beraten, der in der Behandlung mit Botulinumtoxin Erfahrungen hat. Der Vorteil ist, dass eine einmalige Injektion oft dauerhaft diese Symptome beseitigen kann, mehrere Zyklen oder Therapiewiederholungen also nicht unbedingt erforderlich sind.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  20. kris 15. Oktober 2018 um 14:31 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    ich leide an chronischer Migräne und chronischem Clusterkopfschmerz. Bisher waren die Clusterattacken immer nachts. Seit letzter Zeit kommen diese jedoch auch tagsüber. Seit ca. 3 Wochen bin ich in einer Weiterbildung, wo der Unterricht visuell stattfindet. Die Technik funktioniert nicht gut, so dass das Bild des Dozenten häufig nicht zu sehen ist. Da ich ertaubt bin und von den Lippen ablese, bin ich darauf angewiesen, damit ich halbwegs dem Unterricht folgen kann. Die anderen Teilnehmer schalten die Kameras meist auch nicht an, so dass ich von den Fragen bzw. Unterhaltungen ja auch nichts mitbekomme. Kann es sein, dass diese enorme Belastung ein Trigger für den Cluster ist? Diese Art der Weiterbildung ist ja eh schon eine enorme Herausforderung, da auch alle 2-4 Wochen Klausuren geschrieben werden.

    Dann noch eine Frage zur Migräne. Ich habe vor gut 2 Wochen die 5. Botoxbehandlung erhalten. Seitdem habe ich enorme Probleme den Nacken zu bewegen. Bisher hatte ich solche Nebenwirkungen noch nicht. Eigentlich müssten diese Beschwerden doch schon verschwunden sein, oder?

    Wann kann man mit dem Aimovig in Deutschland rechnen?

    Freundliche Grüße

    kris

    • Hartmut Göbel 15. Oktober 2018 um 20:10 Uhr

      Liebe Kris,

      Clusterkopfschmerzen werden typischerweise nicht durch externe Situationen getriggert. Zwar ist es für Licht und bestimmte Nahrungsmittel wie Nitrate oder Alkohol bekannt, psychischer Stress ist in der Regel kein Auslöser von Clusterkopfschmerzen. Allerdings ist die Bewältigung der Clusterkopfschmerzattacken in Ihrer Situation durch den psychischen Stress sicherlich sehr schwer. Deshalb sollten Sie darum bitten, dass man Ihnen entgegenkommt und Ihrer schweren Erkrankung auch Rechnung trägt. Lassen Sie sich ggf. ein ärztliches Attest dazu ausstellen. Mögliche Nackenbeschwerden nach einer Botox-Injektion können im Einzelfall auftreten. Sie klingen jedoch in aller Regel innerhalb von 2-3 Wochen komplett ab. Sollte es sich vor allem um Schmerzen handeln, spricht dies dafür, dass bestimmte Schmerzbotenstoffe durch die Behandlung freigesetzt werden, diese werden relativ schnell in den nächsten Tagen resorbiert werden und dann klingen diese grippeähnlichen Muskelbeschwerden ab. Es wird erwartet, dass Aimovig Anfang November in den Apotheken auf ärztliches Rezept verfügbar ist.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  21. susisonne 15. Oktober 2018 um 15:47 Uhr

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    derzeit befinde ich mich in der offenen Phase einer Aimovig-Studie.

    Ich war mit Triptanübergebrauch (mehr als 15 Tage) in die Studie gestartet. Die Triptane wirkten vor Studienbeginn aber noch „einwandfrei“ und zwischen den Attacken war ich komplett beschwerdefrei.

    Die Migränetage haben sich unter Aimovig reduziert, aber ich liege dennoch bislang über 10 Migräne-/Triptane-Tage.

    Anders als bei anderen Prophylaxen braucht man ja – meines Wissens – zuvor keine Schmerzmittel-/Triptanpause durchführen, da der Wirkstoff dennoch wirkt, falls man generell zu denjenigen gehört, bei denen der Antikörper wirkt.

    Nun meine Frage:
    Macht es Sinn, vor der nächsten Spritze eine Migräne-Attacke ohne Schmerzmittel/Triptane auszuliegen, um so die Wirksamkeit des Antikörpers zu verbessern?

    Mit bestem Dank im Voraus für Ihre Antwort!

    Mit freundlichen Grüßen
    Susisonne

    • Hartmut Göbel 15. Oktober 2018 um 20:25 Uhr

      Liebe Susisonne,

      aus meiner Sicht trifft ist es nicht sachgerecht, dass man CGRP-Antikörper einsetzt, ohne eine vorherige Schmerzmittel-/Triptanpause bei einem Medikamentenübergebrauchskopfschmerz durchzuführen. Das Konzept einer Medikamentenpause ist hocheffektiv und es kann dazu führen, dass eine Einstellung auf einen CGRP-Antikörper gar nicht mehr erforderlich ist. Ein überzeugender Beleg, dass die CGRP-Antikörper auch bei Medikamentenübergebrauch nachhaltig wirken, ist nach meiner Meinung bisher nicht gegeben. Aus diesem Grunde sollte zunächst immer eine Medikamentenpause durchgeführt werden, bevor die Entscheidung für die Behandlung mit einem CGRP-Antikörper fällt. Dies sollte allein schon aus Wirtschaftlichkeitsgründen und Verträglichkeitsgründen gemacht werden, damit eine möglicherweise lebenslange Bindung an die Antikörperbehandlung umgangen werden kann, indem ein bestehender Medikamentenübergebrauchskopfschmerz behandelt wird. Daher ist für solche Therapieempfehlungen aktuell kein sachlich begründeter Platz. Einen Medikamentenübergebrauch mit einem weiteren Medikament zu behandeln, ist nicht zielführend, wenn eine effektive und ursächliche Behandlung mittels Medikamentenpause möglich ist.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  22. LisaKristin 15. Oktober 2018 um 15:52 Uhr

    Sehr geehrte Herr Prof. Göbel,

    können Sie mir sagen wie lange (Wochen) man auf den Wirkungseintritt des bald erscheinenden Medikaments Erenumab und ob es auch bei MÜK wirkt?

    Herzlichen Dank!

    LisaKristin

    • Hartmut Göbel 15. Oktober 2018 um 20:17 Uhr

      Liebe Lisa-Kristin,

      wie bereits oben ausgeführt gibt es bisher keinen überzeugenden Beleg, dass ein Medikamentenübergebrauchskopfschmerz mit Erenumab behandelt werden sollte. Eine Medikamentenpause sollte immer zunächst versucht werden. Die Wirkung von Erenumab setzt bereits innerhalb der ersten 1-2 Wochen ein. Der Hersteller empfiehlt, dass man um die Wirkung abschließend zu klären, drei Behandlungszyklen durchführt. Die wissenschaftlichen Daten belegen jedoch, dass eine signifikante Wirkung bereits zwei Wochen nach Behandlungsbeginn zu erwarten ist.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  23. Nicky 28. Oktober 2018 um 13:08 Uhr

    Guten Tag Herr Prof.Doc.Göbel ,

    ich bin 38 Jahre alt und leide seit ca.3-4 Jahren an kopfschmerzen. Symptome sind Übelkeit ,Schwindel ,starke Kopfschmerzen,ich sehe verzögert und oder verschwommen ,mein Magen rebelliert in der Zeit ich bin dann extrem müde und möchte mich am liebsten zurückziehen. Was nicht immer geht mit kind und Job.
    Könnte es sich um eine migräne handeln ? Ich war wegen dier Symptomatik noch nicht explizit beim Arzt. Ich muss dazu sagen das ich vor 4 Jahren meinen Mann plötzlich verloren habe oder liegt mein körperlicher Zustand doch an der traue?

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