EMDR Heilsame Augenbewegungen

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  • denkpositiv
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    Beitragsanzahl: 278

    Ein herzliches Hallo in die Runde!

    Hat schon jemand von EMDR gehört bzw. damit zu tun gehabt?

    Ich bin in einer Zeitschrift auf einen kleinen Artikel darüber gestolpert. Es handelt sich um eine Therapie, bei der es darum geht, mit schnellen Augenbewegungen chronische Schmerzen zu lindern (auch Migräne).

    Habt alle einen schönen und schmerzfreien Tag!
    LG Denkpositiv

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7198

    Hallo, liebe Denkpositiv.

    Habs mal gegoogled, dürfte wohl wieder mal eine von diesen teuren Schaumschlägereien zugunsten fremder Portmonees sein.
    Aber bitte Achtung, hilft, auch wenn es noch so viel kostet, sicher nicht gegen Fußpilz oder Plattfüße! 😉 😉 😉 .

    Dir auch noch einen schönen Tag und liebe Grüße,
    Julia

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27490

    Liebe Denkpositiv,

    muss jetzt Julia mal widersprechen, denn es hilft gut. 😀 Auch gegen eingewachsene Zehennägel. 😀 😀 😀 Du verstehst die Ironie? 😉

    Liebe Grüße
    Bettina

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7198

    😉 Bettina, hast du das selbst getestet? Wie viele Jahre musstest du diese Augenakrobatik anwenden bis es was gebracht hat? 😉

    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3945

    Liebe Denkpositiv,
    ich habe von EMDR bisher nur in Zusammenhang mit Traumatherapie gehört.
    Ich habe in der Stadtbücherei das Buch gefunden von der Frau, die diesen Trick „entdeckt“ hat. Und sie hat dann gleich eine Therapieform daraus gemacht.
    Ich habe aber in wissenschaftlichen Zeitschriften auch sehr kritische Berichte gelesen. Demnach haben Studien keine ( nachhaltige) Besserung ergeben können.
    Bei mir würde intensives Augenrollen eher eine Migräneattacke auslösen.
    Ich habe mir schon das Augenrollen bei Entsetzens-Gefühlen abgewöhnt. Ächzen ist da viel wirkungsvoller – zumal DAS wenigstens die Mitmenschen auch mitkriegen.
    ( Augenrollen ist zu leise )
    LG
    alchemilla

    denkpositiv
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 278

    Liebe Julia,
    liebe Bettina!

    … eurer Reaktion entnehmen ich, dass es sich eher um eine Fußtherapie handelt. Oha, einen Moment, probieren wir es doch gleich auch mal gegen Fersensporn!

    Ich hab die Ironie verstanden und lach mich schepps 🙂

    Ganz nebenbei hab ich vorhin mitbekommen, dass heute Welt-Faulenzertag ist. Diesen als solchen wahrzunehmen wäre vermutlich bei vielen von uns Migränetypen gegenüber EMDR eine tatsächlich sinnvolle Sache 😉

    Nicht herumrödeln, in aller Ruhe faulpelzen und den Tag Tag sein lassen. Da fällt mir doch glatt ein feiner Cappuccino ein, hmmmm………

    Habt einen schönen Abend!

    denkpositiv
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 278

    Hallo Alchemilla!

    Ich hab seit meinem ersten Beitrag in dieser Sache auch etwas herumgegoogelt.

    Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Mir geht es nämlich ähnlich. Migräne und Augenbewegungen vertragen sich schon im Ansatz nicht.

    Genießen wir den Abend nach Möglichkeit schmerzfrei und rollen die Augen höchstens anzweifeld nach oben :-)))

    Denkpositiv

    Tanni
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 2010

    Ich frag mich gerade, ob ich den Leuten, die solche Empfehlungen schreiben, ein paar Latten von meinem Zaun abgeben soll 😁 die scheinen sie nötiger zu haben als ich 😉

    Aber selbstverständlich hilft es, die Augen zu bewegen – sonst müssten wir jedes Mal, wenn etwas am Rande oder außerhalb unseres Gesichtsfeldes stattfindet sofort unseren übelst verspannten Nacken hinzuziehen, um den Kopf zu drehen… könnte man womöglich darüber noch argumentieren? 😊 oder es hilft doch nur den plattfüßigen Geldbeuteln… ich glaub ich überlass das denken doch denen, die ein paar Latten mehr zur Verfügung haben.

    Ich glaube aber fast, dass faulenzen und Cappuchino sinnvolle Alternativen sind 😁

    Ich wollt nur mal loswerden: Ihr und euer Ideenreichtum, ihr seid einfach die Besten 😀

    Schmunzelnde Grüße, Tanni

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5456

    Och menno, warum erfahre ich erst abends nach einem langen und anstrengenden Arbeitstag, dass heute Welt-Faulenzertag ist? Hätte ich das schon morgens gewusst, hätte ich meinen Chef vielleicht überzeugen können. 😉

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 7 Monate von  heika.
    glückdererde
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 474

    Hallo,

    da möchte ich doch ausnahmsweise mal deutlich widersprechen:

    EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) ist ein hochdifferenziertes Verfahren, das von Francine Shapiro und vielen anderen grundsätzlich zur Behandlung von Menschen mit traumatischen Erfahrungen entwickelt wurde.
    Bei dieser Diagnose stellt EMDR häufig die beste und zu bevorzugende Behandlungsart dar.

    EMDR hat es in Deutschland als einzige Therapieart in den letzen Jahrzehnten geschafft kassenrechtlich als psychotherapeutisches Behandlungsverfahren anerkannt zu werden. Die Wirksamkeit von EMDR in der Behandlung von Traumatisierten steht wissenschaftlich ausser Frage.

    Man geht dabei, in Übereinstimmung mit neurobiologischen Forschungsergebnissen davon aus, dass durch die Anwendung des EMDR Protokolls eine Art Reset des Gehirns stattfindet beziehungsweise gefördert wird. Grob gesagt nimmt man an, dass eingefahrene Angst- und Erlebensmuster neu strukturiert werden.

    Man hat nun festgestellt, dass EMDR in der Lage ist, auch komplexe chronische Schmerzzustände günstig zu beeinflussen. Auch hier geht man davon aus, dass chronifizierte Schmerzerfahrungs- und -verarbeitungsstrukturen in der Hirnstruktur selber modifiziert werden können. Die absolut ernst zu nehmende Forschung zur Anwendung von EMDR bei chronischen Schmerzen gibt es seit ca. Mitte der 90er Jahre. Dazu liegt auch eine bereits umfangreiche wissenschaftliche Literatur vor.

    Die Ergebnisse bezüglich der Fragen bei welchen Patienten, bei welchen chronischen Schmerzzuständen welche Art von EMDR günstige Erfolge zeitigt, ist allerdings bei weitem noch nicht abgeschlossen. Chronische Schmerzen sind auch kassenrechtlich (noch) keine Indikation zur Erstattung der psychotherapeutischen Kosten.

    Bezüglich der Frage aber, dass EMDR bei Traumatisierten (meist) das Mittel der Wahl ist, gibt es nur noch wenig Meinungsverschiedenheiten. Das einfühlsame Lesen vieler Beiträge auch hier im Forum macht ganz klar, dass bei vielen die hier schreiben eine Traumatisierung durch Schmerzen, Fehldiagnosen, Fehlbehandlungen und nachfolgende Angst vorliegt. Selbst wenn sich heraus stellen sollte, dass die Wirksamkeit von EMDR in der Behandlung von chronischen Schmerzen begrenzt sein sollte, so ist es doch eine mächtige Waffe in der Behandlung auch schmerzinduzierter psychischer Traumata.

    Die Anwendung von EMDR ist übrigens nicht auf die Technik der Augenbewegungen begrenzt. Ähnliche positive Ergebnisse sind auch mit anderen Anwendungstechniken von EMDR erzielt worden.

    Ich persönlich halte EMDR als Behandlungsverfahren bei Angst in Folge traumatischer Erlebnisse als in jedem Fall einen Versuch wert, bei nur sehr geringer Gefahr negativer Nebenwirkungen.
    Auch in der Behandlung von chronischen Schmerzen scheint EMDR gute Ergebnisse zu erzielen, wobei es hier noch weiterer Forschung und Evaluierung der Ergebnisse bedarf.

    Liebe Grüße

    glückdererde

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 7 Monate von  glückdererde.
    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3945

    Lieber „GlückDerErde“,
    ich bin sehr froh, dass du an dieser Stelle dein Fachwissen einbringst.
    Da, wo die Diskussion gestern geendet hatte, fühlte ich mich auch nicht wohl und wollte heute unbedingt etwas gerade rücken.
    Das hast du jetzt viel besser gemacht, als ich es je könnte.
    Kritische Einstellungen habe ich dahingehend gelesen, dass man meint, bei tiefen, sehr alten Traumatisierungen wäre der Ansatz zu kurz.
    Wahrscheinlich kommt es aber -wie imer- auch auf den Therapeuten an, ob und wie so ein Verfahren greift, nicht?

    Ist es nicht so, dass WIR ALLE regelmäßig ein bisschen EMDR praktizieren? Jede Nacht, in der REM-Phase?
    Und wenn es da nicht einen wichtigen Zweck erfüllt, hätte die Evolution das doch längst aufgegeben, oder?

    So, wie Denkpositiv berichtet hat, dass man ihr gesagt hat „Augenrollen hilft bei Migräne“, ist das doch aber auf jeden Fall Humpf, finde ich. So, als müsste man nur mit den Augen rollen um eine Attacke zu kupieren.
    Leider werden sinnvolle Verfahren im Volksmund dann oftmals so verunstaltet, dass sie nur noch Unsinn sind.

    Mir hat eine gesagt, ich hätte nur Migräne, weil ich zu wenig trinke. WEIL man weiß, dass Trinken für das Gehirn wichtig ist. Und nicht nur dafür.

    So geht das.

    LG
    alchemilla

    denkpositiv
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 278

    Guten Morgen allereits!

    Da bin ich seit längerer Zeit mal wieder im headbook und schon „neidabbd“, wie man bei uns sagt.

    An alle Traumapatienten oder die, die mehr über EMDR wissen, als ich bisher:
    Ich wollte diese Therapie auf keinen Fall verunglimpfen! Als Migränepatientin bin ich zuerst mal für alles offen, was ich höre, sehe und lese. Habe ich mich dann so gut es geht informiert, kann ich entscheiden, wie ich mit den neuen Erkenntnissen umgehen will.

    Es lebe das headbook als seriöse Quelle!!!

    Dass der ganze Beitrag in die spaßige Richtung gelaufen ist, finde ich aber nun auch nicht schlecht. Oft hilft einem ja schon ein kleines Zipfelchen Humor aus einer großen düsteren Stimmung 🙂

    @ glückdererde
    vielen Dank für deinen Beitrag!

    Habt alle ein möglichst schmerzfreies Wochenenende mit viel Grund zum Schmunzeln und Lachen

    LG Denkpositiv

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7198

    Guten Morgen in die Runde.

    Und ersteinmal danke lieber Glückdererde für diese ausführliche Klarstellung.

    Mir erschien beim Googlen die Vielfalt der verschiedendn Anbieter dieser Therapie zum Teil recht suspekt und da ich von Traumatherapie keine Ahnung habe……. 😉 .
    Dazu kam dann noch die Frage: ist Migräne automatisch ein behandlungsbedürftiges Trauma???

    Ich frage mich, ob diese Methode beim Migräneschmerz überhaupt greifen könnte? Migräne an sich ist eine genetischbedingte neurologische Erkrankung und erstmal noch kein psychisches Trauma. Das Geschehen im zentralen Nervensystem, also der Schmerz und alle Begleiterscheinungen, werden doch bei jeder Attacke neu generiert und beruhen nicht auf einem Schmerzgedächtnis, wie andere häufig und wiederholt auftretende Schmerzen.
    Somit ergibt sich für mich, dass es doch auch kein dauerhaftes Schmerzempfinden gibt,also auch keine Veränderungen, die man überschreiben oder löschen könnte.

    Sicher kann durch das Erleben der extremen Migäneanfälle bei einigen Menschen ein dauerhaftes Trauma entstehen, aber kann man dann auch gleich darauf schließen, durch psychiatrische Behandlungsmethoden die Migräneanfälle mit all ihren Facetten verändern oder sogar beseitigen zu können? Ja wohl eher nicht. Das Trauma vielleicht, aber die Migräneveranlagung doch wohl nicht.
    Sicher kann man einen besseren Umgang mit der Erkrankung lernen, keine Frage. Aber auch mit EMDR?

    Und genau da sehe ich einen Freifahrtschein für unseriöse Behandler, denn welcher Migräniker kann das durchschauen und adäquat auf so eine Meldung in einer Zeitschrift oder Werbung reagieren und für sich entscheiden?

    Wünsch euch allen ein schönes Wochenende ohne neue, eventuell traumarisierende Schmerzen,
    Julia

    Ulrike
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3392

    Liebe Denkpositiv,

    erstens habe ich mich gestern schon gefreut, mal wieder von dir zu hören und heute könnte ich mich kringeln über „des neidabbd“! HaHa! (sorry, des verstandet bloss die Schwoba 😉 )

    Und natürlich freue ich mich über den Austausch, den Humor und vor allem über GlückderErde’s Fachkenntnis! 🙂

    Ich hatte gerade gestern mit einer Freundin telefoniert, die EMDR in ihrer Arbeit als Psychologin praktiziert. Sie hat mir gestern von einer Erweiterung dieses Verfahrens erzählt, das brainspotting genannt wird. Sehr faszinierend!

    Allen ein gutes Wochenende!

    Eure Ulrike

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27490

    Lieber Glückdererde,

    Du weißt, wie sehr ich Dich schätze und mag, aber ich möchte jetzt trotzdem noch mal was dazu schreiben und hoffe, dass Du es mir nicht übelnimmst. 😉 Es gibt zwar Evidenz bei der PTBS, aber man weiß nicht, ob es an den Augenbewegungen liegt, oder an der Ablenkung an sich, oder von einer langsamen Exposition mit den traumatischen Erinnerungen und damit Stück für Stück ein Abnehmen der körperlichen Reaktionen auf das Trauma, also dass immer weniger Stresshormone ausgeschüttet werden oder was auch immer da passiert. Es ist zwar nachgewiesen, dass es Wirkung geben „kann“, aber ob sie ursächlich auf das Augenrollen zurückzuführen ist, konnte auch in Studien nicht nachgewiesen werden. Oder hast Du da noch andere Infos?

    Diese Methode ist leider auch in der esoterischen Ecke verortet, Heilpraktiker bieten es auch an, da wird mir das Ganze sowieso gleich etwas suspekt. Habe jetzt einige Studien dazu gelesen, aber werde aus den Aussagen nicht so wirklich schlau. Ursache und Wirkung sind hier eigentlich offen.

    Trotz allem können wir uns doch darauf einigen, dass es absoluter Quatsch ist, so etwas einem Migränepatienten anzubieten.

    Liebe Grüße
    Bettina

    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3945

    Und wie kann es sein, dass ein so vages esoterisches Verfahren kassenrechtlich anerkannt worden ist?
    Das tun die Kassen doch sonst nicht !

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7198

    Ich denke, dass das Verfahren, wie Glückdererde ja schreibt, in der Traumatherapie wohl nicht als esoterisch und total vage angesehen werden sollte und wird.

    Meine Kritik bezog sich nur auf die Verbindung zur Migräne und die damit verbundene Gefahr des Missbrauchs durch in Wirklichkeit unkundige Behandler.

    Und wie du, Alchemilla, schon geschrieben hast, macht unser Körper ja wohl ähnliches in der REM-Phase im Schlaf. Auch ist ja bekannt, dass die Bildung neuer Synapsen z.B. durch das Zusammenspiel von verschiedenen geistigen und körperlichen Tätigkeiten angeregt werden.
    Außerdem glaube ich, dass weder die Fachleute noch besonders wir Laien schon alle Zusammenhänge kennen. Für mich ein sehr spannendes Gebiet der Forschung.

    glückdererde
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 474

    Hallo,

    verzeiht meine verspätete Antwort. Ich war von einem chronischen saisonalen traumatischen Erlebnis betroffen, dass jedes Jahr aufs neue völlig unvorbereitet über mich herein bricht: Die Anfertigung/Vorbereitung der Steuererklärung. Psychoedukative und verhaltensmedizinische Massnahmen haben sich diesbezüglich bei mir als völlig nutzlos erwiesen wohingegen eine selbst induzierte EMDR Behandlung zwar nicht die Steuererklärung von selbst machte, aber zu mehr diesbezüglicher Gelassenheit führte.

    Nun zum Thema:

    Der wissenschaftliche Beirat Psychotherapie, der 2006 EMDR als Behandlungsverfahren für die posttraumatische Belastungsstörung zugelassen hat, ist ein eher sehr zögerliches Gremium, das sich seehr schwer tut neue Behandlungsverfahren anzuerkennen. Man kann sich seine Begründung für die Zulassung als kassenrechtlich anerkanntes Verfahren im Internet ansehen. Eine solche Zulassung erfolgt nur dann, wenn eindeutige wissenschaftlich Belege für die Wirksamkeit vorliegen, was bei EMDR in der Behandlung der PTBS eindeutig der Fall ist.

    EMDR hat absolut nichts esoterisches! Dass die genauen Wirkmechanismen nicht wirklich bekannt sind, trifft für viele Behandlungsverfahren (gerade auch in der medikamentösen Prophylaxe des Kopfschmerzes) zu und spricht nicht gegen das Verfahren sondern eher dafür, dass es noch einen deutlichen Forschungsbedarf gibt, der in Angriff genommen werden sollte.

    Aber ganz eindeutig:
    EMDR in der Behandlung der PTBS ist ein wissenschaftlich gut validiertes und international völlig anerkanntes Behandlungsverfahren mit sehr guten Erfolgen.

    EMDR als reine Technik ist nicht so sehr schwer zu erlernen und so wird es wohl möglicherweise auch als isolierte Technik verwendet und von wenig erfahrenen oder nicht so gut ausgebildeten Behandlern angewandt. Das spricht aber natürlich nicht gegen das Verfahren.

    Man muss unterscheiden:
    1. EMDR in der Behandlung der PTBS und insgesamt in der Behandlung posttraumatischer Zustände. Gut wissenschaftlich validiert, sehr gute Behandlungsergebnisse!

    2. EMDR in der Behandlung chronischer Schmerzen. Noch nicht gut validiert, noch zu wenige Studien um gültige Aussagen machen zu können. Die vorliegenden Studien zeigen bei ca. 50 % der Probanden sehr gute Behandlungserfolge. Wer sich ein ungefähres Bild machen will, kann sich in der Mediathek der NDR ‚Visite‘ unter dem Stichwort EMDR noch bis zum 28.8.17 einen ‚Visite‘ Beitrag ansehen. Das Verfahren in der Behandlung chronischer Schmerzen ist sehr interessant und vielversprechend.

    3. Studien zur Anwendung von EMDR in der Therapie chronischer Kopfschmerzen kenne ich nicht, ich weiss auch nicht, ob solche Studien bereits vorliegen. Der letzte mir bekannte Aufsatz zur Behandlung von Schmerzen mit EMDR ist in: Der Schmerz, Ausgabe vom Juli 2017 nachzulesen.

    Die Augenbewegungen halte ich auch bei Kopfschmerzen nicht für sinnvoll. Es deutet sich in der Forschung auch an, dass sie eventuell gar nicht das zentrale Wirkmoment von EMDR sind. Vielmehr vermutet man, dass der bilaterale Stimulus bei gleichzeitiger Fokussierung auf das traumatische Moment zentral sind. Man kann EMDR auch zum Beispiel durch bilaterale Berührungen ausführen.

    Was ich in meinem letzten Beitrag hier bereits andeuten wollte ist folgendes:
    Ob EMDR ein grundsätzlich wirksames Verfahren in der Behandlung chronischer Schmerzen (und welcher chronischen Schmerzen) ist, ist derzeit noch nicht wirklich erforscht.

    Gut erforscht ist aber die hervorragende Wirksamkeit bei der Verarbeitung traumatischer Erlebnisse. Nun stellt jede schwere Schmerzattacke, jeder Aufenthalt in der Notaufnahme jede plötzliche deutliche Verschlechterung bekannter Schmerzen mit neuen Symptomen grundsätzlich ein traumatisches Erlebnis dar. Viele traumatische Erlebnisse können spontan verarbeitet werden und bedürfen keiner wie auch immer gearteten psychotherapeutischen Behandlung. Aber viele derer, die hier schreiben scheinen doch auch die Angst vor Krankheiten, die Angst vor dem Schmerz, die Angst vor der Hilflosigkeit als genauso belastend zu empfinden, wie die Kopfschmerzattacke selber. Sie sind traumatisiert.

    All denen würde ich tatsächlich zum Versuch einer EMDR Behandlung mit dem Fokus der Verarbeitung der Traumata und der Angst raten. Die Forschungslage gibt es sicher her, dass man bei dieser Gelegenheit auch gleich versuchen kann, die chronischen Schmerzen zu bearbeiten. Beides ist auch gar nicht wirklich zu trennen.

    Bei meinem letzten Termin bei Dr. Heinze sprach er von einer letztlich einheitlichen Landschaft von Schmerz und Angst sowohl auf neuronaler als auch auf Erlebensebene. Das Bild gefällt mir gut. Können wir die Angst (Trauma) beeinflussen, beeinflussen wir auch die Wahrnehmung des Schmerzes. Das ist nicht voneinander zu trennen.

    Von daher ja: Ich würde auch (chronischen) Migränepatienten einen Versuch mit EMDR eindeutig empfehlen und glaube, dass viele davon sehr profitieren können, während die Gefahr schädigender Nebenwirkungen eher gering ist, im Vergleich mit den meisten Medikamente. (Natürlich meine ich keine EMDR Behandlung während einer akute Migräne.)

    Als letztes: Wer mehr Informationen zu EMDR bei chronische Schmerzen haben möchte, kann mir gerne schreiben. Ich kann auch, bei Interesse etwas über meine persönlichen Erfahrungen mit EMDR schreiben.

    Liebe Grüße

    glückdererde

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7198

    Danke, lieber glückdererde, oder in Bezug auf die lästige Steuererklärung, doch auch jährlich einmal wieder langeselend ? 😉
    Hab die Visitesendung auch schon gefunden, aber noch nicht angesehen.

    Schönes Wochenende,
    Julia

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27490

    Ja ja, Weihnachten überfällt einen auch jedes Jahr völlig unvorbereitet und überraschend. 😉

    Ich möchte auf die Behandlung der PTBS gar nicht weiter eingehen, da es weder Thema hier in unserem Headbook ist, noch sonst wie hier weiter ausgeführt werden sollte. Aber Deine Erfahrungen dazu sind auf jeden Fall interessant.

    Wir sollten jetzt wieder bei unserem Thema bleiben. Diese Methode für Migräniker zu empfehlen, halte ich für verfehlt und kann Schuld daran sein, dass sinnvolle Therapien unterbleiben oder wertvolle Zeit verloren wird. Täglich kämpfen wir hier für Evidenz und versuchen einen Ausweg aus dem großen unüberblickbaren Dschungel der „alternativen“ Angebote zu finden und aufzuzeigen. Nun ja, wer mit den Augen rollen will, soll das machen, hier wird es nicht empfohlen.

    Liebe Alchemilla, es werden teilweise leider auch völlig sinnlose Methoden ohne jegliche Evidenz von den Kassen getragen, wie z. B. die Homöopathie, Akupunktur (die nur in Teilbereichen einen kaum messbaren Nutzen über Placebo zeigte), sinnlose und teilweise sogar gefährliche Anwendungen des Heilpraktikers … Leider ist es kein Qualitätsmerkmal, wenn die Kassen dann so einen Krampf übernehmen. Vielmehr möchten sie aus Wettbewerbsgründen zahlungskräftige junge Kundschaft binden, die leider immer mehr in Richtung Esoterik tendiert. Uns gehts zu gut und aus diesem Wohlstand (hier mal den gesundheitlichen Bereich betreffend) heraus fangen die Leute an, die Wirkung von Impfungen anzuzweifeln, verfangen sich in Verschwörungstheorien aller Art, lehnen die „böse“ Pharmaindustrie rundweg ab und begreifen nicht mal mehr, dass unsere heutige moderne Medizin täglich Menschenleben rettet, dass die Kindersterblichkeit fast gänzlich im Griff ist, Impfungen das Überleben sichern und Menschen älter werden denn je zuvor.

    Noch mal zum Thema: Dass Schmerz auf mehreren Ebenen Spuren hinterlässt, ist uns allen klar. Dass man unbedingt lernen sollte, mit seiner Krankheit adäquat umgehen zu lernen, die Krankheit auch ein Stück weit anzunehmen und zu akzeptieren, predigen wir hier täglich. Eine vernünftige Verhaltenstherapie, am besten bei einem Therapeuten, der Erfahrung mit Schmerzpatienten hat, kann sehr viel bewirken und enorm hilfreich sein.

    Liebe Grüße
    Bettina

    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3945

    Ja, Bettina,
    an dieser Stelle beende ich für mich die Diskussion, denn wir sind wieder an dem Punkt angekommen, wo wir sehr unterschiedliche Positionen innehaben und wo ich ganz andere Erfahrungen gemacht habe als du.
    Ist ok. Ich schweig fein stille.
    LG
    alchemilla

    denkpositiv
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 278

    Hallo, liebe Ulrike!

    Oh wie schön, du hast meinen Beitrag gelesen und mich prompt verstanden – Stichwort: neidabbd 🙂

    Und weil wir uns nun schon lange nicht mehr begegnet sind, winke ich dir gleich mal ganz ausdauernd zu. Ich wünsche dir ein prima Wochenende! Im besten Fall natürlich ohne jeden Verdruß und ohne Schmerzen!

    Liebe Grüße aus dem Ländle von
    Denkpositiv

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27490

    an … dieser Stelle beende ich für mich die Diskussion, denn wir sind wieder an dem Punkt angekommen, wo wir sehr unterschiedliche Positionen innehaben und wo ich ganz andere Erfahrungen gemacht habe als du.
    Ist ok. Ich schweig fein stille.

    Danke, das freut mich. Sonst wird wieder allzu leicht vergessen, dass Headbook wissenschaftlich ausgerichtet ist und sich an den klinischen Erfahrungen der Schmerzklinik orientiert und an den Leitlinien.

    Liebe Denkpositiv, ich verstehe das auch, habe einige schäbische Freunde. 😉 „Hineingetappt“. 🙂

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7198

    Ich habs auch verstanden…., nach längerem Grübeln 😉 ! 🐝 🐝 🐝

    Liebe Grüße,
    Julia

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