Liebe Alice,
genau solche Befürchtungen, die du hier angeführt hast, habe ich bei meinem Sohn auch jedes mal, wenn er wieder mit einer Attacke im Bett liegt, anstatt im Unterricht zu sitzen.
Auch wir haben ein Gutachten. Und es wurde auch zuerst nicht anerkannt, wurde sogar sämtlichen Fachlehrern vorenthalten.
Erst auf mein erstauntes Nachfragen, als man sich bei einem Gespräch mit den Lehrkräften über sein ständiges Fehlen negativ äußerte, kam ans Licht, dass dieses in der Schublade der Klassenlehrerin verschwand und die Kollegen gar nichts davon wussten.
Das Problem daran ist m. E., dass die meisten selbst mit dem Gutachten gar nichts anfangen können. Die Klassenlehrerin war z. B. der Meinung, sie müsste es mit Schweigepflicht belegen – und hat auch der Klasse gegenüber nie erwähnt, warum mein Sohn so oft fehlt bzw. nur stundenweise am Unterricht teilnimmt. Durch diese Unkenntnis wurde er von seinen Mitschülern gemobbt… und dazu dann noch von den Fachlehrern nicht selten ungerecht behandelt. Und – das alles TROTZ Gutachten!
Ich konnte es im letzten Jahr noch aufklären, auf seinem Zeugnis steht nun nichts Negatives, er ist mit 99 Fehltagen versetzt worden. Momentan ist sein Befinden sehr viel besser, er fehlt immer noch ca. einmal die Woche, aber kann das (noch?) kompensieren.
Ich hatte auch überlegt, ob ich versuche, ihm einen Behindertenausweis zu beantragen. Das wäre ein offizielles Dokument, welches wirklich von jedem anerkannt werden muss. Ich denke, es würde dem Gutachten noch mehr Gewicht geben.
Allerdings… ich bin mir nicht wirklich sicher, ob das nur Wunschdenken ist und ob nicht noch mehr Nachteile für ihn entstehen. In deinem Fall aber frage ich mich, was denn da noch negativer laufen soll… deine Tochter ist sowieso schon massivst benachteiligt worden!
Die Idee mit dem Anwalt finde ich gut, aber den kann sich leider nicht jeder leisten. Sollte es für dich kein Problem sein, wäre dieses wahrscheinlich der effektivste Weg für euch. Vll. fragst du aber auch noch mal in einem Forum für gehandicapte Kinder nach? Dort hatte ich selbst schon einiges erlesen über das Für und Wider des Ausweises. Allerdings trafen die Erwähnungen dort bisher nicht direkt auf meinen Sohn zu. Ich habe mich bis jetzt aber selbst nie geäußert und konkrete Fragen gestellt. Diese Möglichkeit hättest du, und dort sind auch Betroffene, die von ihren Erfahrungen und Erfolgen berichten. Viele kennen sich mit den Rechten und Möglichkeiten wirklich sehr gut aus.
Ich hoffe, dass deine Tochter noch eine Möglichkeit hat, ihren schulischen Weg erfolgreich zu Ende zu bringen, trotz Handicap.
Ich bin, wie gesagt, auch immer noch nicht im Klaren darüber, ob bei uns ein Ausweis sinnvoll ist. In deinem Fall hätte ich sicherlich gar nicht mehr gezögert.
Alles Gute!
Monika