Hallo liebe Forumsmitglieder,
ich bin noch ganz neu hier und die Orientierung im Forum fällt mir doch etwas schwer. Ich hoffe, dass ich mit meinem Beitrag im richtigen Forum gelandet bin.
Wie im Titel schon geschrieben hat mein Arbeitgeber veranlasst, dass ich nächste Woche zum Betriebsarzt muss, da ich durch die Migräne sehr viele Fehltage habe. Ich bin jetzt knapp 41 und die Migräne hat bei mir mit ca. 34 begonnen. Wie sicher viele andere hier im Forum, habe ich schon einiges versucht wegen der Migräne, aber es hilft halt leider nicht immer. Entspannungsübungen (Muskelrelaxation nach Jacobson, Qui Gong), Akupunktur, Pestwurz, Magnesium…. bis hin zu Topamax habe ich alles durch. Bei mir ist es so, dass ich mit Triptanen gut zurecht komme, wenn ich sie rechtzeitig einnehme. Oft wache ich aber in den Morgenstunden auf und mir ist bereits total übel und der Kopfschmerz ist da. Dann muss ich erst etwtas gegen die Übelkeit einnehmen (als Zäpfchen), da ich sonst meistens die Tabletten erbreche. Dann nach einer Stunde ca. kann ich Triptane einnehmen und dann hilft nur noch schlafen, schlafen, schlafen… Dass sich das mit meiner Berufstätigkeit nicht verträgt ist klar. Inzwischen bin ich völlig fertig und würde am liebsten einfach meinen Job hinschmeißen. Aber ich bin Single, muss mich selbst finanzieren und habe große Angst vor einem sozialen Abstieg.
Im Frühjahr dieses Jahres wurde ich zudem noch operiert und bin 5 Wochen ausgefallen. Die OP hatte nichts mit der Migräne zu tun, musste aber sein, sie war schon mehrfach aufgeschoben. Durch diese 5 Wochen Fehlzeiten + der Migräneausfalltage wurde nun das Betriebliche Eingliederungsmanagement in Gang gebracht. Dazu ist jeder Arbeitgeber verpflichtet, dessen Arbeitnehmer mehr als 6 Wochen innerhalb von 12 Monaten fehlt. Um nicht zu viele Fehltage zu haben, habe ich mir immer wieder kurzfristig einen oder zwei Tage Urlaub für die Migräne genommen.
Nun wurde mir mitgeteilt, dass ich keinen Urlaub für die Migräne mehr nehmen darf. Gleichzeitig wird mir aber unterschwellig gedroht, dass es ja so nicht mehr weitergeht. Ich habe in der nächsten Woche einen Termin beim Betriebsarzt, der mir Sorgen macht. Was kommt da auf mich zu? Wenn der feststellt, dass keine Besserung in Sicht ist, ist das ein Grund für eine Kündigung. Wegen der Gespräche mit meinem Arbeitgeber habe ich inzwischen auch einen Antrag auf Anerkennung einer Schwerbehinderung gestellt. Mal sehen was daraus wird, die Sache läuft noch. Meine Ärzte unterstützen mich da wirklich ganz toll.
Zu der Angst vor dem Termin beim Betriebsarzt kommt noch die schlechte Atmosphäre im Büro. In meinem Team herrscht seit einiger Zeit eine furchtbare Stimmung. Jeder überwacht den anderen, es wird nach Fehlern gesucht, andere werden angeschwärzt und ganz offen sehr bösartig über Kollegen hergezogen. Eine andere Kollegin war nun häufiger krank und ich höre, wie über sie geredet wird wenn sie nicht da ist: sie würde ja nur lügen, faul sein, andere im Stich lassen, sei ein Prinzesschen….
Ich weiß, dass hinter meinem Rücken genauso auch über mich gesprochen wird wenn ich ausfalle. Für die männlichen Kollegen ist Migräne schlicht ein Witz, ein leichter Kopfschmerz, wegen dem man natürlich nie fehlen würde. Ein Kollege hat mich schon ganz offen als Drückeberger beschimpft. Und bei den weiblichen Kollegen wird Interesse oder Mitleid geheuchelt und hintenrum gelästert. Ich weiß, dass ich meine Arbeit gut mache und erledige trotzdem alles. Die vereinbarten Zielvereinbarungen habe ich immer zu 100% erfüllt. Aber ich bin halt immer wieder krank.
Ich sitze mit einer Kollegin in Büro, die fast persönlich beleidigt ist, wenn ich mich krankmelde. Eisiges Schweigen am Telefon. Ich habe sooooo ein schlechtes Gewissen wegen der Fehlzeiten, aber ich kann in diesem Zustand einfach nicht arbeiten, ich schaffe es kaum aufzustehen, wie soll ich da arbeiten? Irgendwie entsteht aus diesem schlechten Gewissen und dem Stress auf der Arbeit ein Teufelskreis und ich glaube, dieser Stress löst sicherlich auch wieder Migräne aus. Und ich komme nicht aus diesem Kreislauf heraus. Inzwischen habe ich richtige Angst zur Arbeit zu gehen. Die Stimmung dort ist kaum auszuhalten. Es gibt so viel Streit unter den Kollegen. Unser Team wird von zwei Chefinnen geleitet, die beide sehr verschieden sind in der Art der Personalführung. Für beide zählt hauptsächlich die Leistung, mit Problemen können sie nur schwer umgehen. Sie wirken dabei fast peinlich berührt und schaffen es nicht, die Stimmung im Team zu verändern. Hilfe von dort kann ich nicht erwarten. Einen Betriebsrat gibt es bei uns auch nicht.
Inzwischen suche ich nach einer neuen Arbeitsstelle, da ich nur noch mit Bauchschmerzen zur Arbeit gehe, obwohl ich die Arbeit selbst gern mache. Nur, die Migräne nehme ich ja auch zu einer neuen Arbeitsstelle mit und Fehlzeiten werde ich auch dort sicher haben. Wahrscheinlich würde ich dadurch noch nicht einmal die Probezeit überstehen….
Ihr kennt diese Ängste sicherlich selbst, oder? Ich weiß zurzeit einfach nicht mehr weiter und bin kurz davor einfach alles hinzuschmeißen… aber was dann?
Vielleicht gibt es hier jemand, der ähnliche Situationen schon gemeistert hat und mir Tipps geben kann, wie ich aus diesem Tief wieder herauskomme.
Vielen lieben Dank
Klara