Berufstätigkeit und Migräne

Berufstätigkeit und Migräne

Wie ungehen mit Migräneattacken bei der Arbeit?

Ansicht von 9 Beiträgen - 1 bis 9 (von insgesamt 9)
  • Autor
    Beiträge
  • Sini05
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 10

    Hallo zusammen,

    ich leide zwar schon seit etlichen Jahren unter Kopfschmerzen, aber dass es sich dabei tatsächlich um Migräne handelt, weiß ich erst seit einem guten Jahr.

    Im Studium hab ich mich so durchgequält und hatte an langen Tagen jedesmal Kopfschmerzen. Sogar einen Teil meiner Prüfungen habe ich in diesem Zustand absolviert (was auch irgendwie den Vorteil hatte, dass es mir zu bescheiden ging um auch nur annähernd Angst vor der Prüfung zu haben). Nach dem Studium beim Arbeiten war es dann teilweise schon grenzwertig, aber ich hab halt immer irgendwie die Zähne zusammengebissen und mich durchgequält und war abends froh, mich ins Bett legen zu können. Oder ich habe es mit Paracetamol versucht, was zumindest eine zeitlang halbwegs funktioniert hat. Irgendwann wurde es immer heftiger. Im Büro musste ich mich zwischendrin im Krankenraum auf die Liege legen oder lag auch schonmal auf dem Boden, weil nix mehr ging und ich auch noch Sehstörungen dazu bekam und fast nix mehr in den PC tippen oder lesen konnte. Das war aber nicht immer möglich und so passierten auch leider häufig Fehler.

    Als ich meinen letzten Job neu angetreten hatte, ging es mir nach ca. 3 Monaten so mies, dass ich mich heute noch wundere, wie ich es noch heil mit dem Auto nach Hause geschafft hatte und mich dort nur noch hingelegt hatte. Am nächsten Morgen ging’s mir immer noch so mies und ich hatte es gewagt, zum Hausarzt zu gehen und mich krankschreiben zu lassen. Es folgte prompt die Kündigung von meinem AG, da die das ja gar nicht gerne sehen, wenn man während der Probezeit krank ist.

    Nun bin ich wegen einer anderen dummen Verletzung schon längere Zeit krankgeschrieben und habe keinen Job mehr. Allerdings mache ich mir Sorgen, wie ich zukünftig mit solchen Migräneattacken während der Arbeitszeit umgehen soll? Kein Chef der Welt würde wohl begeistert davon sein und die meisten Kollegen wahrscheinlich auch nicht. Ich möchte meine Arbeit ja gut, richtig und zuverlässig verrichten, aber während einer Migräneattacke fällt es mir schwer, mich zu konzentrieren und es passieren so dann leider auch schneller Fehler. Wie bekomme ich das richtige Maß hin, mich ausreichend zu schonen und dennoch nicht zu viel auszufallen oder zu viel Arbeit den Kollegen aufzubürden? Triptane sind ja gut und recht, aber eben auch nur bedingt einsetzbar, da man nicht zu viel davon nehmen sollte und die Nebenwirkungen u.U. ebenfalls die Arbeitsfähigkeit einschränken können (wobei ich die Nebenwirkungen in meinem Fall zumindest bei Rizatriptan im Vergleich zu den Einschränkungen einer Migräneattacke als vernachlässigbar empfinde). Aber je nach Job geht das nicht. Bei Rizatriptan steht z.B. im Beipackzettel, dass es die Fahrtauglichkeit beeinträchtigen kann. Das tut m.M.n. eine Migräneattacke allein auch schon. Was also tun, wenn man beruflich mit dem Auto unterwegs sein muss?

    LG

    Sini

    • Dieses Thema wurde geändert vor 1 Monat von  Sini05.
    Sini05
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 10

    Hallo nochmals,

    nachdem ich nun von meiner Verletzung soweit genesen bin, dass ich wieder arbeitsfähig bin, beginnt morgen mein erster Arbeitstag in meinem neuen Job. Daher wird für mich die Thematik, wie mit einer Migräneattacke während der Arbeit umzugehen ist aktueller denn je. Zyklusbedingt wird es nicht mehr lange dauern, bis mich die allmonatlich Migräneattacke erteilt. Wenn ich Pech habe, geschieht dies gleich am ersten oder zweiten Arbeitstag. Hinzu kommt, dass ich mich nach so langer krankheitsbedingter Pause auch erst wieder an die langen und gefüllten Arbeitstage gewöhnen muss. Erfahrungsgemäß stellt dies bei mir einen zusätzlichen Trigger dar. Noch dazu die aktuell schwül-heiße Wetterlage als weiteren Trigger. Nun muss ich mich bei meiner Arbeit immer gut konzentrieren und 100% bei der Sache sein. Da mache ich mir schon so meine Gedanken, wie ich das im Falle einer Migräneattacke handeln soll?

    Da ich viel mit dem Auto unterwegs bin, wird es auch schwierig, sich mal eben kurz wo hinlegen zu können. Und die Einnahme von Triptanen ist dann ebenfalls nicht so ohne weiteres möglich. Das könnte ich dann höchstens zur Nacht hin einnehmen in der Hoffnung, dass die Migräne am nächsten Tag nicht erneut kommt. Habt ihr sonst noch irgendwelche Tipps für mich?

    LG,

    Sini

    Tanni
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 1943

    Liebe Sini,

    es ist nie leicht, in dieser Situation im Beruf die Balance zu halten – wie du schreibst, möchte man auf der einen Seite den Arbeitgeber nicht von vornerein mit vielen Krankheitstagen „belasten“, aber auf der anderen Seite möchte und darf man sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse nicht zu sehr vernachlässigen…

    Bei dir kommt jetzt einfach sehr viel zusammen. Was arbeitest du denn? Gerade wenn du sagst, dass du immer konzentriert und zu 100% bei der Sache sein musst, dann frage ich mich, ob das tatsächlich so ist, oder ob du dir das vornimmst, um deine Arbeit wirklich perfekt zu erledigen…

    Ich würde es jetzt mal andersrum sehen: Du fängst einen neuen Job an, das heißt, dass du dich erstmal einfinden musst, die Abläufe kennen lernen etc. – die ersten Tage geht es darum, die Kollegen kennen zu lernen, dein Aufgabengebiet zu erfahren und ähnliches. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dich jemand an deinem ersten Arbeitstag ins Auto setzt und dich alleine auf einen Außendienst schickt. Es ist vielleicht leichter gesagt als getan, aber geh die Sache einfach entspannt an, mach dir selbst nicht zu viel Druck und lass es auf dich zukommen. Wenn jetzt die ersten Tage die Migräne kommt, dann behandle gleich mit Triptan und wenn dich jemand fragt, ob es dir nicht gut geht und du nicht von der Migräne erzählen willst, dann schieb es notfalls auf die Hitze und deinen Kreislauf… 😉
    Mit der Zeit wirst du ein Gespür dafür haben, wie deine Kollegen und deine Vorgesetzten reagieren und zu diesem Thema stehen, dann kannst du auch ganz klar fragen, welche Möglichkeiten es gibt…

    Wegen dem Autofahren würde ich mir ehrlich gesagt nicht zu viele Sorgen machen – ich fahre problemlos mit Rizatriptan auch weite Strecken. Der Hinweis in der Packungsbeilage steht bei sehr vielen Medikamenten dabei, es kommt darauf an, wie du selbst darauf reagierst. Fühlst du dich unter Triptan denn so müde und unkonzentriert, dass du dich für fahruntauglich hälst? Dann wäre vielleicht zu überlegen, nochmal ein anderes Triptan zu testen…
    Und was spricht dagegen, mit dem Auto auf den nächsten Parkplatz zu fahren und dich auf die Rückbank zu legen?

    Mein Arzt hat mir gesagt, dass ich mit meinem Arbeitgeberwechsel einen absolut Migräneunverträglichen Job angenommen habe – ich bin regelmäßig auf langen Dienstreisen mit Arbeitstagen von deutlich mehr als 10 Stunden, bin in Randbedingungen unterwegs, die mir stundenlang essen und trinken nicht erlauben, muss in Besprechungen extrem aufpassen weil unsere Betriebe jeden falsch formulierten Halbsatz für sich verwenden, muss rechtssichere Entscheidungen treffen, stehe dabei häufig unter Zeitdruck… – und meine Reaktion? Wenn es nicht geht, dann geht es halt nicht. Dann sage ich die Besprechung ab, verschiebe die Dienstreisen, schließ mich im Büro ein und stelle mein Telefon auf die Zentrale um… Nur welche Möglichkeiten sich dir in deinem Job konkret bieten, das wird sich erst mit der Zeit zeigen…

    Ich wünsche dir, dass du deinen neuen Job erstmal locker und entspannt und mit Freude beginnen kannst. Mach dich nicht zu sehr verrückt 🙂

    Liebe Grüße, Tanni

    Sini05
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 10

    Hallo Tanni,

    und erstmal vielen Dank für deine Antwort.

    Nun, ich habe wohl definitiv nicht den migränetauglichsten Beruf. Ich trage viel Verantwortung in meinem Beruf und eine kleine Unaufmerksamkeit kann tatsächlich fatale Folgen haben. Ich versuche mir zwar, ausreichend Pausenzeiten einzuplanen und hoffe, dass ich somit einigermaßen durch den Tag komme. Kollegen gibt es in dem Sinne bei mir keine, ist ein Kleinstbetrieb. D.h. meine Arbeit kann mir auch keiner groß abnehmen. Wenn ich ausfalle, bleibt das liegen. Und der Chef geht gleich nach wenigen Tagen in den Urlaub, sodass ich mehr oder weniger auf mich allein gestellt bin. Einarbeitungszeit gibt’s somit nicht wirklich. Tja, so ist das eben, wenn man Fahrlehrer ist.

    Müde macht mich das Rizatriptan nicht. Ich habe da nur manchmal ein leicht benebeltes Gefühl im Kopf und bin mir dann halt nicht so sicher, ob ich dann noch rechtzeitig genug reagieren kann. Wenn ich selber und alleine fahre, geht das noch einigermaßen. Aber ich will da halt kein Risiko eingehen, wenn ein Fahranfänger neben mir sitzt und fährt. Ist wie gesagt leider nicht der migränetauglichste Beruf. Über kurz oder lang werde ich mich da wohl nach Alternativen umsehen müssen (auch wegen meinem Rücken).

    LG

    Sini

    Tanni
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 1943

    Liebe Sini,

    ok, bei diesem Beruf ist doch manches anders, als bei vielen anderen… Wie hast du es denn bisher gehandhabt? Oder fängst du jetzt neu an?

    Mal als andere Überlegung, wenn du jetzt lange krank warst: Es gibt Modelle, um nach langer krankheitsbedingter Abwesenheit langsam wieder in den Beruf einzusteigen – ich weiß nicht, ob diese auch beim Wechsel eines Arbeitgebers bzw. bei einer neuen Stelle funktionieren, aber solche Modelle machen durchaus Sinn und vielleicht ist dein Chef bereit, dass du – mit Begründung deiner Verletzung – erstmal langsam einsteigst?!?

    Grundsätzlich würde ich an deiner Stelle nochmals die Akutmedikation soweit wie möglich optimieren, vielleicht findest du ein Triptan, das dir gut hilft und zugleich keinen Nebel im Kopf verursacht, so dass du wirklich fit bist… Ob es für deinen Berufszweig bestimmte Regelungen gibt, die dabei beachtet werden müssen, weiß ich leider nicht.

    Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute!

    Liebe Grüße, Tanni

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Woche, 5 Tagen von  Tanni.
    Sini05
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 10

    Hallo Tanni,

    und nochmals vielen Dank für deine Antwort.

    Die Möglichkeit einer stufenweisen Wiedereingliederung gibt es leider nicht, wenn man eine neue Stelle bei einem neuen Arbeitgeber anfängt. Das hab ich bei meiner Krankenkasse und auch bei der Rentenversicherung schon nachgefragt. Also muss ich leider von 0 auf 100% einsteigen, wenn ich keine finanziellen Nachteile in Kauf nehmen möchte (und die Arbeitsagentur würde höchstes bis zum Hartz IV-Satz aufstocken, womit ich finanziell dann immer noch nicht über die Runden kommen würde bzw. ich im Vergleich zu einer Vollzeitstelle immer noch massive finanzielle Einschränkungen hätte, die für mich nicht tolerierbar wären).

    Ich fange jetzt nach 2 1/2 Jahren Pause wieder in dem Beruf an. Hab zwischendrin was anderes gearbeitet, finde in den Bereich aktuell nur leider keine Stelle. Langfristig möchte ich da allerdings wieder hin, weil dieser Bereich, je nach konkreter Stelle wesentlich angenehmer ist. Aber erstmal muss ich da jetzt wieder vorübergehend durchhalten. Früher hab ich mich immer irgendwie durchgequält. Da wusste auch noch keiner so recht, welche Art von Kopfschmerzen das bei mir nun tatsächlich sind. Irgendwie wurde ich jahrelang von den Ärzten nicht ernst genommen und es hieß immer nur, ich solle mehr trinken (und ich trinke eigentlich schon immer genug, mind. 2 – 2 1/2 l pro Tag). Daher blieb mir nichts anderes übrig, denn die üblichen Schmerzmittel (anfangs noch Ibuprofen, bis ich das vom Magen her nicht mehr vertrug, dann Paracetamol oder Novalgin) wirken nicht wirklich gegen diese Kopfschmerzen. Es war teilweise echt grenzwertig und ich hatte deswegen dann auch schonmal einen Unfall während der Ausbildung (konnte irgendwie nicht mehr rechtzeitig eingreifen und dann sind wir volle Kanne gegen den Bordstein geknallt und es waren 2 Reifen kaputt). Da hab ich mich dann aber den Rest des Tages krank gemeldet, weil ich mich dann zusätzlich noch übergeben musste, was ich sonst zum Glück eher nicht muss. Sowas will ich aber für die Zukunft eben vermeiden.

    LG

    Sini

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Woche, 5 Tagen von  Sini05.
    Sini05
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 10

    Toitoitoi, die erste Arbeitswoche hab ich tatsächlich ohne größere Migräneattacken überstanden. Obwohl ich zyklusbedingt eigentlich auf jeden Fall Kopfschmerzen hätte bekommen müssen. Wahrscheinlich war das jetzt aber so viel auf einmal, dass meine Migräne so überfordert war, dass sie gar nicht dazu gekommen ist, sich zu melden. Ich hatte zwar einige Tage morgens dumpfe Kopfschmerzen, wo ich den Kopf nicht nach unten strecken konnte (also bücken ging gar nicht), weil es dann richtig gepocht hat im Kopf, aber das ging immer nach ca. 1 Stunde wieder weg und das waren auch keine richtigen Kopfschmerzen, zumindest wenn man den Kopf oben gelassen hat. Aber so richtige Migräne kam bis jetzt nicht. Aber ich will mich nicht zu früh freuen. Sie kann immer noch kommen, weil es in meinem Beruf immer recht stressig und anstrengend ist. Im Grunde ist es eine permanente Reizüberflutung. Wobei ich das trotz allem angenehmer finde, als den ganzen Tag im Büro vor’m Computer zu sitzen.

    LG

    Sini

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 26468

    Liebe Sini,

    ich freu mich für Dich, das hört sich nach einem guten Start an. 🙂

    Aber ich will mich nicht zu früh freuen.

    Doch, einfach freuen, denn der Start lief gut und das kann Dir schon mal keiner nehmen. 😉

    Alles Gute weiterhin, ein angenehmes Arbeiten wünsche ich Dir.

    Liebe Grüße
    Bettina

    super-angie
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 60

    Hallo Sini,
    die erste Woche hast Du gut überstanden, das ist doch super. In dem Beruf als Fahrlehrer ist es sicher nicht einfach. Aber wäre es nicht eine Möglichkeit, Dir die Fahrzeiten so einzuteilen, dass Du zwischendurch eine längere Pause hast?
    Reizüberflutung gibt es in vielen Berufen, dazu kommt bei vielen noch ein langer Weg zur Arbeit.

    Wichtig ist doch erst mal eine Tätigkeit zu haben, die Dir liegt. So wie ich das gelesen habe, stehst Du noch am Anfang Deines Berufslebens. Sicher wirst Du später noch eine Stelle in dem von Dir gewünschten Bereich finden. Lass Dich von den Migräneattacken und den Sprüchen der Unwissenden nicht unterkriegen!

    Du bist klug – sonst hättest Du nicht studiert
    Du hast Durchhaltevermögen – sonst hättest Du Deine Prüfungen trotz Migräne nicht geschafft
    Du kannst gut mit Menschen umgehen – sonst hättest Du diesen Job nicht.

Ansicht von 9 Beiträgen - 1 bis 9 (von insgesamt 9)

Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.

Zur Werkzeugleiste springen