Chronische Migräne

Chronische Migräne

Warum wird Migräne chronisch?

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  • daudau76
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 9

    hallo liebe migräne- community,

    eine frage beschäftigt mich schon länger, aber ich habe hier noch keine antwort dazu gefunden und vergesse auch immer, in kiel nachzufragen:

    warum wird aus einer episodischen migräne eigentlich eine chronische migräne? abgesehen natürlich davon, dass die anzahl der schmerztage zunimmt bzw. die schwelle von 15 überschreitet.

    was macht das gehirn bzw. die reizverarbeitenden nerven? warum haben sie immer mehr probleme? warum kann es sein, dass man immer mehr schmerztage bekommt, obwohl man die trigger minimiert hat? ist das so eine art gewöhnung? oder reagiert man noch empfindlicher auf alles und jeden kleinesten reiz? spielt zunehmendes alter eine rolle?

    dass mein migränikerinnen- hirn anders auf reize reagiert als ein normales hirn, habe ich in kiel gelernt und akzeptiert. auch dass ich mein leben daran anpassen muss.

    schwierig zu verstehen, wieso mein kopf dann immer mehr migräne macht.

    und bei vielen hier scheint es ja ähnlich zu sein.

    hat jemand eine medizinische (neurologische) erklärung?

    euch eine schmerzfreie adventszeit (mit wenig blockflöte-spielenden kindern 😉
    claudia

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5244

    Liebe Claudia,

    die Phase der Blockflöte-spielenden Kinder habe ich hinter mir. Es gibt Dinge, die ein Migränekopf nicht vermisst… 😉
    Und ich habe mir fest vorgenommen, vor den nächsten Erledigungen in der Stadt Ohropax in die Ohren zu stopfen. Dieses laute Dauergedudel ist für mich ein Trigger „der ersten Reihe“.

    Die beste Erklärung für die Verschlechterung einer Migräneerkrankung im Laufe der Jahre habe ich bei einem Forentreffen mal von Prof. Göbel selbst gehört: Migräne ist oft eine progredient verlaufende Erkrankung, also eine fortschreitende Erkrankung.

    Und deshalb ist es oft schon ein großer Erfolg, wenn sich ein Krankheitsverlauf über einen längeren Zeitraum hinweg nicht verschlechtert. Viele Patienten sind frustriert, wenn sich trotz vieler Bemühungen in alle Richtungen keine Besserung zeigt. Prof. Göbel sagte damals, dass eine Verhinderung einer Verschlechterung auch schon ein Erfolg ist, nur wird dieser nicht wahrgenommen, weil die Patienten nur das Gefühl haben, dass sich nichts tut.

    Und leider gibt es bei einigen ein weiteres Verschlechtern trotz aller Bemühungen. Vielleicht verläuft es langsamer, vielleicht ist es aber auch einfach so, dass es durch nichts aufzuhalten ist. So etwas ist ja nicht messbar.

    Sicher ist auf jeden Fall, dass das Erleben von häufigen und starken Schmerzen immer noch schmerzempfindlicher macht. Unser Nervensystem härtet nicht ab, es wird immer sensibler. Deshalb ist es auch so wichtig, dass man möglichst eine gute Attackenbehandlung findet und/oder, falls nötig, durch eine medikamentöse Prophylaxe Erleichterung in der Frequenz und Stärke der Attacken verschafft.

    Das zunehmende Alter arbeitet eher für uns 😉 . Viele alter werdende Menschen berichten von einer Besserung ihrer Migräne, manche gar von einem Verschwinden, was dadurch bedingt ist, dass unser Gehirn im Alter langsamer arbeitet. Was mit weniger Reizen und weniger Problemen bei der Reizverarbeitung einhergeht.

    Lieber Gruß
    Heika

    daudau76
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 9

    liebe heika,

    das erklärt es wirklich gut! vielen dank für deine ausführliche antwort.

    dann werde ich jetzt mal auf das alter warten (ich meine dr. heinze meinte mal ab 70 schrumpft das gehirn….ist bei mir noch laaange hin). aber alleine zu verstehen, dass meine nerven immer sensibler werden, und dass das der „normale“ migräneverlauf ist, hilft mir auch schon ein wenig.

    hier habe ich noch einen tipp an dich: ich habe mir so spezielle ohrstöpsel bestellt, die nur bestimmte frequenzen (die hohen?) rausfiltern, mit denen man aber noch etwas höhren kann. die muss man dann, im gegensatz zu ohropax, nicht rausnehmen, wenn man z.B. mit einer verkäuferin spricht.

    ich trage sie auch mal zuhause, wenn mein sohn gitarre übt (blockflöte habe ich ihm nicht erlaubt;)

    lg claudia

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