Moin Moin
,
in den letzten Monaten bin ich immer wieder darüber gestolpert, dass Kinder mit chronischen Schmerzen meistens nur stiefkindlich behandelt werden. (Ausnahmen bestätigen hier die Regel
).
Mir fällt z. B. auf, dass bei der Schmerztherapie im Netz zwei Gruppen von Kindern oft zusammen genannt werden, das sind Migränekinder und Kinder mit Pallativschmerzen.
(hier z. B. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-29475144.html). edit: der Link funktioniert anscheinend so nicht, ich kopiere stattdessen einen Ausschnitt unter meinen Beitrag)
Und dort spielen Migränekinder auch nur am Rande eine Rolle. In einigen Berichten konnte ich lesen, dass in der Kinderschmerztherapie ein großer Mangel an Studien vorhanden sei.
Ob dieses nun tatsächlich so ist, weiß ich als Laie natürlich nicht. Da man aber überall nachlesen kann, dass die Kopfschmerzhäufigkeit bei Kindern dramatisch zunimmt, stimmt es mich jedoch sehr nachdenklich.
Sicherlich sollte in erster Linie hier verhaltenstherapeutisch angesetzt werden, allerdings habe ich persönlich oft das Gefühl vermittelt bekommen, dass man Kinder mit Schmerzen häufig nicht ernst nimmt. Ich erinnere hier als bekanntes Beispiel auch an die Sendung “Nano”, in der eine Mutter berichtet, welche Aussagen sie sich von dem Lehrer ihres migränekranken Sohnes anhören durfte.
Ähnliches habe ich als Mutter auch von einigen Fachärzten gesagt bekommen, ich möchte das nicht näher erläutern, nur noch einmal auf den allgemeinen Tenor hinweisen.
Nun die eigentliche Überlegung, warum ich dieses Thema eröffne: Woran liegt es, dass es anscheinend nur wenige oder wenig aussagekräftige Studien gibt? Liegt es daran, dass die meisten Migränekinder ihre wenigen Attacken in kürzester Zeit “wegschlafen” und besteht deshalb scheinbar weniger bis kein Handlungsbedarf? Liegt es daran, dass die Eltern sich eher nicht an spezielle Einrichtungen wenden und die Migräne ihrer Kinder im eigenen Zimmerchen behandeln?
Wenn ich sehe, wie viele Möglichkeiten man als Erwachsener hat, seine Migräne in den Griff zu bekommen (Prophylaxe U N D Attackentherapie), dann könnte ich zu dem Ergebnis kommen, dass die Betreuung eines Migränekindes für den fähigen Behandler schon fast frustrierend sein muss.
hmmm… just my two cent
Liebe Grüße
Monika
Hier ein Auszug aus dem Spiegelbericht:
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Kinder besäßen noch kein voll ausgereiftes Nervensystem, lautete lange die medizinische Lehrmeinung. Folglich könnten sie auch keine Schmerzen empfinden wie Erwachsene. Zernikow zitiert aus einem Fachaufsatz von 1968, den er nach mehreren Dutzend Kongressen mittlerweile auswendig kann: “Im Allgemeinen tolerieren Kinder Schmerzen gut.”
Diese alte Vorstellung lebt in den Köpfen vieler Ärzte bis heute fort – selbst dort, wo mit höchstem medizinischem Aufwand gearbeitet wird: So werden auf Intensivstationen nur ein Drittel aller Frühchen gegen die Schmerzen ihrer Behandlung versorgt. “Barbarisch” nennt das Zernikow.
Denn die alte Lehrmeinung ist längst widerlegt. Beschnittene Kinder, so ergab eine Studie, reagierten Monate später auf das Piksen einer Spritze mit deutlich mehr Schmerzen als unbeschnittene Kinder.
Wahrscheinlich richten Schmerzen bei Kindern sogar noch größeren Schaden an als bei Erwachsenen. “Sie brennen sich in das noch junge, plastische Nervensystem ein und lassen eine Art Schmerzgedächtnis entstehen”, erklärt Zernikow.
Als US-Mediziner etwa die Haut von neugeborenen Ratten verletzten, beobachteten sie, wie sich an dieser Stelle mehr schmerzempfindliche Nervenenden, so genannte Nozizeptoren, bildeten. Diese blieben – auch als die Wunde längst verheilt war. “Schmerzen hinterlassen tiefe genetische Spuren”, sagt Zernikow, “und so nehmen die Kinder sie mit ins Alter.”
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Die Werte von Philipp wollten zunächst nicht fallen. Die Morphindosis musste erhöht werden, und der Mediziner erwog, auch andere Stoffe ins Feld zu führen. “Wir haben gute Erfolge etwa mit Ketamin erzielt”, berichtet er. Ketamin ist eigentlich ein Narkosemittel. In weit geringeren Dosen blockiert es aber die Übertragung des Schmerzes in das Gehirn. In medizinischen Fachbüchern findet sich für den Einsatz keine Anleitung. Zernikow hat seine Erfahrung durch Experimentieren und aus Erkenntnissen bei der Therapie von Erwachsenen erlangt.
Dabei unterscheidet sich die Wirkung der Mittel zwischen Jung und Alt erheblich. Die lindernden Substanzen werden über die Nieren der Kinder schneller ausgeschieden als bei den Alten. So kann es passieren, dass die Dosis, berechnet pro Kilogramm Körpergewicht, im Verhältnis zum Erwachsenen höher angesetzt werden muss.
Von der Pharmaindustrie erhalten die Ärzte wenig Unterstützung. Häufig sind Arzneimittel für Kinder gar nicht zugelassen. Dafür müssten eigens Studien in Auftrag gegeben werden. “Weil es aber zu wenig Kinder als Abnehmer der Mittel gibt, rechnet sich das meistens nicht”, klagt Zernikow. Folglich müssten die Ärzte das rechtliche Risiko tragen und sich über die Zulassungsbestimmungen hinwegsetzen. Nicht jeder Mediziner traut sich das.
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