Administratoren

  • Profilbild
  • Profilbild

Die kindliche Migräne

Öffentliche Gruppe zuletzt vor 4 Monaten, 3 Wochen aktiv

Diagnose, Therapie und Vorbeugung.

Zum Einstellen eines Beitrags bitte immer auf “Forum” klicken. Dann öffnen sich alle Foren, die in dieser Gruppe schon bestehen. Nun kann man sich ein passendes Forum für seinen Beitrag aussuchen. Ist das passende Thema nicht dabei, bitte auf “Neues Thema” klicken und somit ein neues Forum eröffnen. Aussagefähige Überschrift wählen, Beitrag einstellen und unter “Tags” die relevanten Suchwörter eintragen.

Kinderschmerztherapie (13 Antworten)

← Übersicht   Alle Diskussionen anzeigen
  • Profilbild Monika vor 1 Jahr, 11 Monaten:

    Moin Moin ;) ,

    in den letzten Monaten bin ich immer wieder darüber gestolpert, dass Kinder mit chronischen Schmerzen meistens nur stiefkindlich behandelt werden. (Ausnahmen bestätigen hier die Regel ;) ).

    Mir fällt z. B. auf, dass bei der Schmerztherapie im Netz zwei Gruppen von Kindern oft zusammen genannt werden, das sind Migränekinder und Kinder mit Pallativschmerzen.

    (hier z. B. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-29475144.html). edit: der Link funktioniert anscheinend so nicht, ich kopiere stattdessen einen Ausschnitt unter meinen Beitrag)

    Und dort spielen Migränekinder auch nur am Rande eine Rolle. In einigen Berichten konnte ich lesen, dass in der Kinderschmerztherapie ein großer Mangel an Studien vorhanden sei.

    Ob dieses nun tatsächlich so ist, weiß ich als Laie natürlich nicht. Da man aber überall nachlesen kann, dass die Kopfschmerzhäufigkeit bei Kindern dramatisch zunimmt, stimmt es mich jedoch sehr nachdenklich.

    Sicherlich sollte in erster Linie hier verhaltenstherapeutisch angesetzt werden, allerdings habe ich persönlich oft das Gefühl vermittelt bekommen, dass man Kinder mit Schmerzen häufig nicht ernst nimmt. Ich erinnere hier als bekanntes Beispiel auch an die Sendung “Nano”, in der eine Mutter berichtet, welche Aussagen sie sich von dem Lehrer ihres migränekranken Sohnes anhören durfte.

    Ähnliches habe ich als Mutter auch von einigen Fachärzten gesagt bekommen, ich möchte das nicht näher erläutern, nur noch einmal auf den allgemeinen Tenor hinweisen.

    Nun die eigentliche Überlegung, warum ich dieses Thema eröffne: Woran liegt es, dass es anscheinend nur wenige oder wenig aussagekräftige Studien gibt? Liegt es daran, dass die meisten Migränekinder ihre wenigen Attacken in kürzester Zeit “wegschlafen” und besteht deshalb scheinbar weniger bis kein Handlungsbedarf? Liegt es daran, dass die Eltern sich eher nicht an spezielle Einrichtungen wenden und die Migräne ihrer Kinder im eigenen Zimmerchen behandeln?

    Wenn ich sehe, wie viele Möglichkeiten man als Erwachsener hat, seine Migräne in den Griff zu bekommen (Prophylaxe U N D Attackentherapie), dann könnte ich zu dem Ergebnis kommen, dass die Betreuung eines Migränekindes für den fähigen Behandler schon fast frustrierend sein muss.

    hmmm… just my two cent

    Liebe Grüße

    Monika

    Hier ein Auszug aus dem Spiegelbericht:

    Kinder besäßen noch kein voll ausgereiftes Nervensystem, lautete lange die medizinische Lehrmeinung. Folglich könnten sie auch keine Schmerzen empfinden wie Erwachsene. Zernikow zitiert aus einem Fachaufsatz von 1968, den er nach mehreren Dutzend Kongressen mittlerweile auswendig kann: “Im Allgemeinen tolerieren Kinder Schmerzen gut.”

    Diese alte Vorstellung lebt in den Köpfen vieler Ärzte bis heute fort – selbst dort, wo mit höchstem medizinischem Aufwand gearbeitet wird: So werden auf Intensivstationen nur ein Drittel aller Frühchen gegen die Schmerzen ihrer Behandlung versorgt. “Barbarisch” nennt das Zernikow.

    Denn die alte Lehrmeinung ist längst widerlegt. Beschnittene Kinder, so ergab eine Studie, reagierten Monate später auf das Piksen einer Spritze mit deutlich mehr Schmerzen als unbeschnittene Kinder.

    Wahrscheinlich richten Schmerzen bei Kindern sogar noch größeren Schaden an als bei Erwachsenen. “Sie brennen sich in das noch junge, plastische Nervensystem ein und lassen eine Art Schmerzgedächtnis entstehen”, erklärt Zernikow.

    Als US-Mediziner etwa die Haut von neugeborenen Ratten verletzten, beobachteten sie, wie sich an dieser Stelle mehr schmerzempfindliche Nervenenden, so genannte Nozizeptoren, bildeten. Diese blieben – auch als die Wunde längst verheilt war. “Schmerzen hinterlassen tiefe genetische Spuren”, sagt Zernikow, “und so nehmen die Kinder sie mit ins Alter.”

    …..

    Die Werte von Philipp wollten zunächst nicht fallen. Die Morphindosis musste erhöht werden, und der Mediziner erwog, auch andere Stoffe ins Feld zu führen. “Wir haben gute Erfolge etwa mit Ketamin erzielt”, berichtet er. Ketamin ist eigentlich ein Narkosemittel. In weit geringeren Dosen blockiert es aber die Übertragung des Schmerzes in das Gehirn. In medizinischen Fachbüchern findet sich für den Einsatz keine Anleitung. Zernikow hat seine Erfahrung durch Experimentieren und aus Erkenntnissen bei der Therapie von Erwachsenen erlangt.

    Dabei unterscheidet sich die Wirkung der Mittel zwischen Jung und Alt erheblich. Die lindernden Substanzen werden über die Nieren der Kinder schneller ausgeschieden als bei den Alten. So kann es passieren, dass die Dosis, berechnet pro Kilogramm Körpergewicht, im Verhältnis zum Erwachsenen höher angesetzt werden muss.

    Von der Pharmaindustrie erhalten die Ärzte wenig Unterstützung. Häufig sind Arzneimittel für Kinder gar nicht zugelassen. Dafür müssten eigens Studien in Auftrag gegeben werden. “Weil es aber zu wenig Kinder als Abnehmer der Mittel gibt, rechnet sich das meistens nicht”, klagt Zernikow. Folglich müssten die Ärzte das rechtliche Risiko tragen und sich über die Zulassungsbestimmungen hinwegsetzen. Nicht jeder Mediziner traut sich das.

  • Profilbild Bettina Frank – Moderator vor 1 Jahr, 11 Monaten:

    Liebe Monika,

    es ist wirklich kaum zu glauben, wie sehr die Schmerztherapie mancherorts noch in den “Kinderschuhen” steckt. Wenn man auch bedenkt, wie viele Kinder und vor allem auch Neugeborene früher leiden mussten, könnte einem ganz übel werden.

    Mit meinen migränekranken Kindern hatte ich insofern keine Erfahrungen dieser Art machen müssen, da ich sie gleich mit nach Kiel genommen hatte. Aufgrund meiner eigenen guten Erfahrungen, kam für mich keine andere Klinik/Arzt mehr in Betracht.

    Insgesamt gibt es leider immer noch zu wenige Zentren und/oder Ärzte, die sich tatsächlich auskennen mit Schmerztherapie und sich zum Thema auch auf dem Laufenden halten. Da aber inzwischen der volkswirtschaftliche Schaden nicht gut therapierter Schmerpatienten allen inzwischen vor Augen ist, gibt es immer mehr Bestrebungen, hier Abhilfe zu schaffen.

    Liebe Grüße
    Bettina

  • Profilbild Monika vor 1 Jahr, 11 Monaten:

    Liebe Bettina,

    es ist ja schon als Erwachsener schwierig, den richtigen Arzt zu finden, geschweige denn die richtige Therapie.

    Wenn ich mir dann ansehe, wie viele verschiedene Prophylaxemedikamente zur Verfügung stehen, und welche Auswahl man bei der Attackentherapie hat, alleine schon die Anzahl der verschiedenen Triptane… (die für Kinder ja nicht zur Verfügung stehen… ) und dann schaue ich auf die paar Seiten im Buch, in denen es um kindliche Migräne geht, dann kann ich es kaum fassen.

    Es wird auch ganz klar gemacht, wie schwierig die Behandlung bei Kindern ist. Wenn ich im Umkehrschluss aber auch lese, dass Arzneimittel für Kinder nicht zugelassen werden, da keine Studien in Auftrag gegeben werden, weil es sich nicht rechnet… Hier die Ärzte möglicherweise auf eigenes Risiko behandeln, dann stößt mir das wirklich sauer auf.

    Liebe Grüße

    Monika

  • Profilbild Julia vor 1 Jahr, 11 Monaten:

    Hallo Monika,

    Ich glaube, Kinder lassen sich, wenn sie damit aufwachsen, viel mehr gefallen als wir Erwachsene. Die kennen es ja oft nicht anders und arrangieren sich mit den Schmerzen. Da entsteht für die Wissenschaft kein so großer Druck . Und auch keine Arbeitsausfallkosten. Ich glaube, da bin ich ein Extrembeispiel. Kopfschmerzen gehörten für mich einfach zum Leben dazu, basta. (auch heute ist das noch so, das hab ich so gelernt. Auch die schlimmste Migräne bringt mich mit Sicherheit nicht wirklich aus der Ruhe. Heute zum Glück ja mit den Triptanen, das ist natürlich kein Vergleich mit früher).
    Außerdem sind Studien an Kindern immer problematisch. Einmal, weil sie freiwillig sind und zum 2. wer läßt an seinem Kind rumprobieren? Das überlegt man sich doch zweimal. Besonders in der Onkologie ist das oft hochdramatisch. Da möchte ich nicht Arzt sein.

    LG Julia

  • Profilbild Monika vor 1 Jahr, 11 Monaten:

    Liebe Julia,

    leider hast du Recht, es herrscht anscheinend kein Druck, da niemand wirtschaftlich geschädigt wird.

    Trotzdem kann es nach meinem Empfinden nicht sein, dass der Satz “Schmerzen muss man nicht hinnehmen” für Kinder anscheinend so nicht gilt.

    Wenn man sich einmal das Video von Cindy McCain ansieht, dann möchte ich ständig hinzufügen “und bei Kindern scheint es noch schlechter zu sein…”

    Schlimm ist auch, dass sie gar nicht in der Lage sein können, “ihr eigener Anwalt zu sein”, ich möchte nicht wissen, wie viele Eltern sich mit falschen Aussagen und Therapien zufrieden geben.

    Liebe Grüße

    Monika

    PS: ich habe einen interessanten Bericht über die Onkologie in Münster gelesen. Dort kommt extra ein Schmerztherapeut und kümmert sich darum, dass die Kinder weitestgehend schmerzfrei sind. Meistens wird dort Morphin eingesetzt, welches sehr gut vertragen wird (Pumpe und auch Pflaster). Gerade auch nach Chemotherapie, wenn alle Schleimhäute kaputt sind, ist es ihm sehr wichtig, dass die Kinder ohne Schmerzen sind und auch essen können.

  • Profilbild Julia vor 1 Jahr, 11 Monaten:

    Zu dem fehlenden wirtschaftlichen Druck kommt ja auch noch, dass Kinder in der Regel leise leiden. Du hast oft genug geschrieben, dass dein Sohn die Anfälle überschlafen hat. Ich bin sicher, das war kein gemütlicher Schlaf, sondern pure Verzweiflung. Kinder können noch ausschalten und sich ausklinken aus der Realität. Sonst würden sie manches nicht ertragen. Wir Erwachsenen würden uns viel lauter beschweren. Kinder gehen nicht von sich aus zum Arzt und klagen und fordern Hilfe. Wie viele Eltern sind nicht in der Lage, die Situation zu überblicken und sich wie du, mit aller Kraft und noch viel mehr, für die Belange ihrer Kinder einzusetzen. Und Kinder werden oft noch weniger ernst genommen als wir Großen. Wie viel Kraft kostet es dich, immer wieder zu kämpfen für das Recht deines Kindes (ist jetzt ja dank Kiel, zumindest medizinisch,besser geworden).
    Kämpf weiter, es lohnt sich.

  • Profilbild Monika vor 1 Jahr, 11 Monaten:

    Liebe Julia,

    ich habe heute erst wieder einen weiteren vorausschauenden Schritt getan, ich habe mit der Krankenkasse telefoniert. Ich hatte vor einiger Zeit schon mein Glück versucht, da war “meine” Sachbearbeiterin aber nicht im Hause. Man hatte mich vor Kiel gebeten, ob ich nicht ein Feedback abgeben möchte, weil mehrere Mitarbeiter an diesem Fall interessiert seien. Und das habe ich heute getan.

    Im Anschluss daran habe ich gleich gefragt, wie ich denn verfahren muss, sei es, dass wir evtl. doch mal ambulant nach Kiel fahren, oder auch (was wir nicht hoffen) wenn ein erneuter stationärer Aufenthalt erforderlich wäre.

    Ersteres kann ich ganz gelassen mit der Versichertenkarte erledigen ;) , und im zweiten Fall hätte ich ja nun eine persönliche Ansprechpartnerin, die bestens Bescheid weiß und sich auch davon überzeugen konnte, dass die von ihr und ihren Kollegen gefällte Einzelfallentscheidung in jedem Fall gut und richtig war.

    Das war heute mal wirklich einfach ;) und sehr nett.

    Mein Sohn hat sicherlich den Vorteil, dass ich schon eine gewisse “Kindererfahrung” hatte ;) und ferner in der Welt der Medizin “etwas” Bescheid weiß. So rannte die Glucke (ich ;) ) mit ihrem kranken Küken von Arzt zu Arzt… und hat sich alles angehört und teilweise wurde ich auch ein bisschen gerupft, aber ich habe es überstanden und aufgepasst, dass er nichts abbekommt ;) .

    Leider haben nicht alle kranken Küken soviel Glück und können (wenn auch über Umwege) nach Kiel :) .

    Meine Federn wachsen auch wieder nach ;)

    Liebste Grüße

    Monika

  • Profilbild Julia vor 1 Jahr, 11 Monaten:

    Da hatte die Sachbearbeiterin ja heute auch einen guten Tag, weil ihre Entscheidung sich als richtig herausgestellt hat. Das merkt die sich, kann für euch nur zum Vorteil werden. Immerhin hast du bei denen Interesse geweckt.
    Da sieht man, es lohnt sich, immer wieder über Probleme zu reden. Nur so gibt es Lösungen. Dafür ist dieses Forum einfach genial.
    Freu dich und schlaf gut

    LG
    Julia

  • Profilbild Monika vor 1 Jahr, 11 Monaten:

    Dankeschön :) , schlaf du auch gut.

    Und morgen einen brauchbaren und vor allem schmerzfreien Tag!

    Liebe Grüße

    Monika

  • Profilbild Bettina Frank – Moderator vor 10 Monaten, 3 Wochen:

    Hier wieder mal ein Betrag zum Thema “Kindliche Migräne”. Nach wie vor werden Kopfschmerzen bei Kindern nicht ernst genug genommen und somit besteht die Gefahr der Chronifizierung. Vom Leidensdruck der armen Kleinen mal ganz abgesehen.

    Migräne bei Kindern oft bagatellisert

  • Profilbild Bettina Frank – Moderator vor 7 Monaten, 1 Woche:

    Die Bemühungen gehen in die richtige Richtung. Operative Therapien scheinen immer bedeutender zu werden: Fortschritte in der Kinderschmerztherapie

  • Und wieder ein Beitrag, der deutlich macht, wie wichtig es ist, die Schmerzen von Kindern ernst zu nehmen und zu versuchen, einer Chronifizierung vorzubeugen: Kinder lernen Umgang mit chronischen Schmerzen

  • Profilbild Bettina Frank – Moderator vor 4 Monaten, 3 Wochen:

    Schmerz in früher Kindheit kann fürs Leben prägen:
    Chronische Schmerzen im Erwachsenenalter könnten auf frühe kindliche Schmerzerfahrungen zurückgehen. „Tierversuche zeigen, dass schmerzhafte Verletzungen in der Zeit nach der Geburt lebenslang zu einer Schmerzüberempfindlichkeit nicht nur des betroffenen Areals, sondern auch insgesamt, führen können“, sagte Prof. Dr. Christiane Hermann, Gießen, auf dem Europäischen Schmerz-Kongresses EFIC 2011 in Hamburg. „In gleicher Weise zeigen klinische Studien mit Kindern, dass zum Beispiel Operationen im Säuglingsalter später zu verstärkten Schmerzreaktionen auf Routine-Stimuli wie Impfungen führen. Und neue epidemiologische Daten weisen nach, dass die Folgen von Schmerzerfahrungen in der frühen Kindheit bis ins Jugend- und Erwachsenenalter hineinwirken können. Das soll keiner Panik Vorschub leisten, denn wir kennen auch Faktoren, die solche Konsequenzen abpuffern können. Trotzdem sollten wir unseren Kindern risikoerhöhende Erfahrungen nach Möglichkeit ersparen.“ Artikel weiterlesen