Migräne und Schule

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  • Dojo
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    Hallo, wie funktioniert bei euch die Zusammenarbeit mit der Schule und welche Möglichkeiten gibt es, den Kindern den Schulalltag zu erleichtern?

    Meine Tochter hat mittlerweile so eine Gegenwehr vor dem Schulbesuch aufgebaut, das der Gedanke allein sie so aufregt, dass sie Kopfschmerzen und Panik bekommt. Hat sie jetzt Kopfweh wegen der Schule oder hat sie Schulangst wegen den Kopfschmerzen? Angefangen hat es auf jeden Fall mit Migräne vor 5 Jahren und wenn diese vorbei war, ist sie auch gerne wieder zur Schule gegangen. Seit Sommer letzten Jahres mit Beginn der ständigen starken Spannungskopfschmerzen und dem zunehmenden Druck in die Schule zu müssen hat sie eine immer größere Scheu vor dem Schulbesuch und auch generell in die Öffentlichkeit entwickelt und wurde auch zunehmend depressiv. Oder vielleicht war diese Angst auch immer schon da und ist nur keinem aufgefallen.

    Auf jeden Fall hat sie sich monatelang mit Schmerzen in die Schule gequält, musste eher abgeholt werden und hatte viele Fehltage, dies hat natürlich auch Folgen, wie Attestpflicht, Gespräche mit Lehrern, Schoolworker, Rechtfertigung beim Amtsarzt, Aufnahme in ein Schulverweigerungsprogramm, Psychotherapie. Sehr stressig für alle Beteiligten und auch für sie, die ja langsam selbst daran glaubt, dass etwas nicht mit ihr stimmen kann.

    Natürlich heißt es jetzt man muss sich seinen Ängsten stellen und auf jeden Fall, egal wie in die Schule und das ist ja bestimmt auch in vielen Fällen richtig, aber bei einem depressiven Kind mit Migräne, wie soll das gehen?

    Man soll sich auch nicht so auf die Kopfschmerzen focussieren, aber die sind doch dann sowieso jeden Morgen wieder Thema wenn die Schule ist. Wenn dann noch keine Schmerzmittel helfen und wir bis jetzt auch noch keine wirksame Prophylaxe haben wird das sehr schwierig werden.

    Momentan ist so wie es aussieht kein ganzer Schultag für sie zu schaffen, wenn sie wieder aus der Klinik kommt. Vorher war das ganz klar, wenn sie es schafft geht sie gern zur Schule und wenn sie zuviel Kopfweh hatte dann blieb sie daheim. Aber jetzt fehlt ihr jede Motivation und Freude, dann geht es nur mit Zwang und das verursacht wieder Stress und das endet wahrscheinlich in Migräneanfällen nachts und dann geht schon mal 2 Tage gar nichts mehr.

    Von der Schule aus ist es kein Problem mit einem langsamen stundenweisen Schuleintritt und ein ruhiger Raum mit einer Liege steht auch zur Verfügung. Auch müsste sie sich jetzt dieses Jahr noch keinen Stress wegen der Versetzung machen, eigentlich ja optimale Bedingungen. Aber ihr ist diese ganze Sonderbehandlung zu auffällig, da würde sie lieber daheim bleiben, sich die Decke über den Kopfziehen und ihrem Kopfweh ergeben.

    Wie haben eure Kinder den Schultag überstanden und wie habt ihr sie motiviert?

    • Dieses Thema wurde geändert vor 1 Jahr, 10 Monate von  Dojo.
    • Dieses Thema wurde geändert vor 1 Jahr, 10 Monate von  Dojo.
    Sina 09
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    Beitragsanzahl: 45

    Hallo Doro,

    Probleme mit der Schule haben wir auch. Vor 3 Jahren hatten wir auch schon eine Phase die sehr schlecht war und in der er nicht gehen konnte. Damals hatten wir noch sehr viel Entgegenkommen von der Schule und es lief dann wieder trotz vieler Fehlzeiten relativ gut. Leider hat letztes Schuljahr der Rektor gewechselt und damit begannen erst die richtigen Probleme, sodass wir uns dann doch zum Schulwechsel entschlossen haben. Hilfe haben wir dabei von der Schule für Kranke bekommen, die einen auch genau über alle Hilfen, die einem zustehen, beraten können und sich auch mit den Schulen auseinandersetzen. Leider haben wir die Erfahrung gemacht,das zwar viele Möglichkeiten bestehen, man aber sehr auf das Wollen der Lehrer/ Rektoren angewiesen ist.
    Seit Herbst ist Daniel jetzt auf einer anderen Schule, die alle sehr bemüht sind. Leider konnte er dieses Schuljahr trotzdem wegen Dauermigräne erst einige Tage gehen. Unser Ziel ist jetzt das nächste Schuljahr.

    Da ja Eure Schule Euch scheinbar sehr entgegenkommt,denke ich ist es sehr wichtig im Gespräch zu bleiben und auch zu versuchen zumindest an besseren Tagen zu gehen. Ich habe das Gefühl dass es eher immer schwieriger wird, je länger die Kinder zu Hause bleiben.

    Hat Deine Tochter vielleicht eine gute Freundin in der Klasse? Bei uns hat das sehr geholfen. Wir haben damals mit einem Freund,seinen Eltern und der Klassleitung gesprochen und dieser Freund hat dann Daniel oft unterstützt und mitgezogen wenn es ihm nicht so gut ging.

    Insgesamt ist das natürlich jeden Tag sehr kräftezehrend für alle und sehr belastend, wenn man ständig parat steht weil ja das Kind jederzeit wieder abgeholt werden muss. Und man hat ständig Auseinandersetzungen. Aber was anderes raten kann ich leider auch nicht.

    Viele Grüße
    Sina

    Lilli 13
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 165

    Liebe Doro,

    es tut mir sehr leid, dass deine Tochter auch so stark betroffen ist. Ich kann alles, was du schreibst, sehr gut nachempfinden.

    Aber zur Schule: Bei unserem Sohn Ole wurde die Migräne Ende der fünften Klasse so heftig, dass er viele Fehlzeiten hatte. In den Jahren darauf war er immer wieder, manchmal mehrere Monate hintereinander, (fast) überhaupt nicht in der Schule. Wir haben auch alle möglichen Phasen durchgemacht: bei Migräne Zuhause gelassen, stundenweise hingequält, mit Belohnung, mit Plänen …das ganze Programm.

    Ole ist jetzt am Ende der 10ten Klasse und die letzten 2 Jahre ist er mit Spannungskopfschmerzen, die sind bei ihm nicht stark, zur Schule gegangen und mit Migräne Zuhause geblieben und damit ist Ruhe eingekehrt.
    Die Migräne macht was sie will, zumindest bei Ole. Sie wird besser oder schlechter, völlig unabhängig, ob er sich quält oder nicht. Aber ihm und auch mir ging es ohne Quälerei deutlich besser. Ole hat diese ständige Sonderstellung in der Schule auch gehasst und gelernt hat er mit Migräne in der lauten Klasse sowieso nichts. Er hat nur versucht es zu überstehen.

    Ich habe aufgehört zu arbeiten und mit Ole den Schulstoff zumindest zum Teil selbst erarbeitet. Auch mit Migräne haben wir an den meisten Tagen gelernt, manchmal in 10 Minuten Einheiten. Da Einzelunterricht sehr viel produktiver ist als Schulunterricht, hat er auch mehr oder weniger Schritt halten können. Der größte Teil seiner wenigen schmerzfreien Zeit geht allerdings für`s Lernen drauf.
    Wenn er in die Schule gehen konnte, ist er dann aber immer relativ gerne gegangen und hat sich auch angestrengt.
    Ole besucht eine Gesamtschule und die Lehrer waren glücklicherweise kooperativ und relativ entspannt. Er brauchte natürlich auch Atteste und ich habe immer den Kontakt gehalten.
    Die Klinik in Kiel bzw. die Ambulanz hat Ole sehr kompetente, aussagekräftige Atteste ausgestellt, das war sehr hilfreich auch für den Nachteilsausgleich. Das war wirklich klasse!

    Um die sozialen Kontakte aufrecht zu erhalten, hat Ole ein Smartphone bekommen und die Erlaubnis zu chatten – deutlich länger als ich das sonst erlaubt hätte, aber das war es mir wert.

    Viele Ärzte, Therapeuten etc. sind meiner Erfahrung nach völlig auf den Schulbesuch fixiert, als ob Kinder/Jugendliche gesund würden, wenn sie sich nur irgendwie durch den Schultag quälen, Hauptsache sie haben keine Fehlzeiten. Als ob Kinder nur darauf aus wären, sich vor der Schule zu drücken. Das verunsichert einen natürlich immens, vor allem wenn man ja eh so verzweifelt nach einer Lösung sucht.
    Im Endeffekt kann nur jede Familie für sich und für ihr Kind entscheiden, welcher der richtige Weg ist. Man kennt sein Kind besser als all die anderen, darauf muss man bei aller Verunsicherung vertrauen und danach handeln. Das soll kein schlauer Spruch sein, sondern ist sehr mühsam und leidvoll erarbeitet über die Jahre …

    Das ist jetzt etwas lang geworden, aber vielleicht nützt es dir ja etwas. Ich wünsche Dir und Deiner Tochter ganz viel Kraft und auch Glück 

    Ganz liebe Grüße
    Lilli

    Dojo
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 13

    Es gibt einen Nachteilsausgleich in der Schule.

    Wäre ich nicht im Forum auf das Thema gestoßen, wüsste ich gar nicht, dass so etwas überhaupt existiert.

    Mich würde interessieren, was von euch damit in der Schule erreicht wurde?

    Irgendwo habe ich mal gelesen, dass man sogar die Fehltage entfernen lassen könnte, was ja für spätere Bewerbungen wichtig wäre.

    Sina 09
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 45

    Hallo Doro,

    ja, Nachteilsausgleich gibt es. Wie gesagt kann Dir da die Schule für Kranke weiterhelfen. Die wissen zum einen was möglich ist und helfen vor allem das auch in der Schule durchzusetzen.

    Als Nachteilsausgleich gibt es sehr viele Möglichkeiten, von „man darf während dem Unterricht eine Sonnenbrille aufsetzen“ bis zu Verringern der Schulaufgabenanzahl und Zeitzuschläge oder andere Gewichtung schriftlich/mündlich. Was davon für die jeweilige Situation hilfreich ist und was die Schule auch mitmacht muss man jeweils schauen.

    Liebe Grüße

    Sina

    Lilli 13
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 165

    Hallo Doro,

    Ole hatte teilweise auch einen Nachteilsausgleich, aber im Endeffekt sind wir mit individuellen mündlichen Absprachen am besten gefahren. Dadurch dass sich die Situation immer wieder geändert hat, war der Nachteilsausgleich, der von der Klassenkonferenz beschlossen werden muss, zu wenig flexibel. Man kann ja schlecht alle halbe Jahr einen neuen beantragen. So ein informelles Verfahren geht natürlich nur, wenn die Schule bzw. die beteiligten LehrerInnen sehr kooperativ sind und man Vertrauen haben kann. Für Abschlussprüfungen oder ähnliches muss es natürlich eine offizielle Regelung geben, aber bis dahin habt ihr ja noch etwas Zeit 😉

    Sehr hilfreich bei der Durchsetzung ist es, wenn in dem ärztlichen Attest konkrete Maßnahmen drin stehen, sinngemäß z.B „aufgrund der schweren Migräne ( der Medikation) kommt es zu Konzentrationsproblemen, deshalb ist eine Fristverlängerung bei Klassenarbeiten notwendig“.

    Und wie Sina schon geschrieben hat ist Unterstützung durch die Schule für Kranke oder ev. auch die Inklusionsbeauftragten beim Schulamt hilfreich, da die die Regelungen im Schulgesetz besser kennen als die einzelne Schule und ernster genommen werden als Eltern 😉

    Viel Glück und liebe Grüße
    Lilli

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