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Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz (MÜK)

Öffentliche Gruppe zuletzt vor 1 Woche, 1 Tag aktiv

Wie entsteht MÜK, wie erkennt man ihn und wie wird er behandelt?

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Tags: mÜk

Kortison (7 Antworten)

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  • Profilbild Hanah vor 1 Jahr, 11 Monaten:

    Hallo,
    im Forum steht bereits, dass Kortison keine Dauerlösung sein darf wegen erheblicher Langzeitnebenwirkungen und nicht häufiger als einmal im Quartal genommen werden sollte. Um einen sinnvollen Umgang damit pflegen zu können, würde ich gerne wissen, welche Darreichungsform und welche Dosierungsmenge am sinnvollsten ist.

    Beispielsweise hab ich einmal eine Kortison-Infusion erhalten, die zwar half, aber wohl sehr hoch war (1000 mg Methylprednisolon verdünnt in 5 %iger Glukose). Ein anderes Mal bekam ich (von einem anderen Arzt) 7 Tage Prednisolon AL 20 mg Tabletten verschrieben, die nicht soooo toll wirkten (hatte zwar keine Migräne aber ständig einen “dicken Kopf”). An anderer Stelle hörte ich wiederum von “3 Tagen 100 mg Kortison”.

    Was scheint “mengen/nutzen-mäßig” am sinnvollsten, wenn man sich aus einer MÜK befreien will?

    LG
    Hanah

  • Profilbild schwannschezelle vor 1 Jahr, 11 Monaten:

    Hallo, Hanah !

    Für die Therapie eines “Status mirgränosus” ist mir die Gabe von Cortison max. 250 mg intravenös oder 60 mg – 100 mg als Tablette für die Dauer von 2 Tagen bekannt.

    Eine Empfehlung für eine Langzeittherapie für die Behandlung einer Migräne gibt es meines Wissens nach aber nicht.
    Hinsichtlich anderer Erkrankungen hat sich eine langfristige Gabe von 5 mg Cortison p.o. aber als ungefährlich erwiesen.

    Mit hat bisher die Einnahme von Triptanen immer ausreichend weitergeholfen – welche Möglichkeiten (neben Cortison) gibt es darüber hinaus, um eine langandauernde Migräen zu durchbrechen ?

    Grüße,
    Michael

  • Profilbild Hartmut Göbel vor 1 Jahr, 11 Monaten:

    Es gibt keine festen Regeln für die Behandlung der Migräne mit Kortison. Die Dosierungen beruhen auf allgemeinen Erfahrungen und den Grundprinzipien bei der Anwendung von Kortison. Für die Anwendung bei Migräne sind meist nur die jeweiligen eigenen Erfahrungen Grundlage. Allgemein gilt: Kortison ist keine Routinemedikament. Es kann daher auch keine Standards oder allgemeine Leitlinien geben.

    Wir setzten Kortison nur in speziellen Situationen ein, z.B. bei einem Status migraenosus, dann, wenn die Schmerzen über drei Tage hinaus nicht abklingen wollen. Hier kann zur akuten Kupierung Prednisolon eingesetzt werden. Die Dosierungen liegen im Bereich von 100 bis 250 mg, in schweren und komplexen Situationen auch darüber. Die Prednisolon-Behandlung muss meist mit weiteren Maßnahmen verbunden werden, wie Behandlung von Übelkeit, Erbrechen, Elektrolyt- und Wasserverlust, Stabilisierung des Blutzuckerspiegels, Sedierung etc. Es sind also immer Ausnahmesituationen, eine Notbremse, wenn man so will. Diese Behandlung kann keinesfalls nach festen Regeln und Zeitabständen erfolgen, am besten ist, man braucht sie möglichst gar nicht. Wenn aber doch, dann so selten wie möglich, höchstens einmal pro Quartal. Im Vordergrund steht immer die Vorbeugung, damit solche Eskalationen nicht notwendig werden.

    Eine Dossierung über mehrere Tage mit 20 mg ist nach meiner Erfahrung nicht zielführend und wirksam.

    Zur Reduktion der Umstellungskopfschmerzen bei MÜK auf der Basis einer Migräne kann ebenfalls Prednisolon eingesetzt werden. Hier versteht sich von selbst, dass auch dies eine Ausnahmesituation sein soll. Man gibt hier in der Regel 100 mg und dosiert dann über 20 mg Stufen langsam auf 0, ca. über einen Zeitraum von 10 Tagen. Allerdings wird auch hier die Therapie individuell angepasst. Auch diese Behandlung ist keine Regelbehandlung und sollte nicht unspezialisiert und leichtfertig einmal nur so durchgeführt werden. Es kommt gerade auch hier auf die Begleittherapien an, damit ein MÜK nicht gleich wieder entsteht.

  • Profilbild Hanah vor 1 Jahr, 11 Monaten:

    Danke Herr Prof. Göbel,

    das ist ja alles offenbar nicht so einfach.
    Sie schrieben “Wir setzten Kortison nur in speziellen Situationen ein, z.B. bei einem Status migraenosus, dann, wenn die Schmerzen über drei Tage hinaus nicht abklingen wollen. Hier kann zur akuten Kupierung Prednisolon eingesetzt werden. Die Dosierungen liegen im Bereich von 100 bis 250 mg, in schweren und komplexen Situationen auch darüber”.

    -> Wie viele Tage würden Sie dies dann einsetzen? Ich frag nur, damit ich nicht wieder so was ähnliches erlebe, wie meine wenig zielführende 7-Tage-20mg-Kur.

    Und: Was ist denn ein “Umstellungskopfschmerzen bei MÜK auf der Basis einer Migräne” ?

  • Profilbild schwannschezelle vor 1 Jahr, 11 Monaten:

    Hallo,

    mit einem “Umstellungskopfschmerrz bei MÜK” ist nach meiner Meinung derjenige Kopfschmerz gemeint, der bei der Medikamentenentwöhnung auftritt und (bei einer Basis auf einer Migräne) ganz beträchtlich sein kann.

    Liege ich damit richtig ?

  • Profilbild Hartmut Göbel vor 1 Jahr, 11 Monaten:

    Beim status migraenosus geht man am Symptom orientiert vor. Ziel ist, dass mit der ersten Anwendung der status unterbrochen wird und nur eine Anwendung nötig ist. Wenn nach zwei bis drei Tagen mit jeweiliger Anwendung immer noch keine Besserung erzielt wird, hat die Weiterführung keinen Sinn. Bei Beachtung eines Gesamtkontextes in der Behandlung kommt das aber so gut wie nie vor.

    Einige Definitionen:

    MÜK: Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz. Er charakterisiert sich durch migräne-ähnliche Merkmale, meist jedoch milderer Ausprägung, jedoch an mehr als 10 Tagen pro Monat. Er wird immer wieder durch hochfrequente Einnahme von Akutmedikamenten erträglich gemacht, verfestigt sich dadurch jedoch und nimmt immer mehr über die Monate oder gar Jahre zu. Parallel dazu erschöpfen sich die Betroffenen, es treten innere Unruhe, Depressionen und Abgeschlagenheit auf.

    Umstellungskopfschmerz: Nach Absetzen der an mehr als an 10 Tagen pro Monat eingesetzten Akutmedikation bei Beginn der Medikamentenpause entsteht ein Umstellungskopfschmerz (synonym: Rebound-Kopfschmerz, weniger treffend: Entzugskopfschmerz). Dieser tritt meist 24-48 Stunden nach dem Absetzen auf und erreicht seinen Gipfel nach ca. 3 Tagen. Er klingt dann meist innerhalb von 10 bis 14 Tagen ab.

  • Profilbild Hanah vor 1 Jahr, 11 Monaten:

    Merci..

    3 Tage 100 mg Prednisolon max. 4 mal im Jahr -> das ist doch mal eine Info, mit der man arbeiten kann

    LG
    Hanah