Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz (MÜK)

Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz (MÜK)

MÜK oder chronische Migräne? Was soll ich tun? (Fienchen)

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  • fienchen
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    Beitragsanzahl: 60

    Liebes Sternchen,

    das mit der Depression finde ich schwierig Abzugrenzen im Kontext einer chronischen Schmerzerkrankung und meinem medizinischen Umfeld scheint es da auch nicht besser zu gehen.

    Meine Therapeutin ist sich sicher ich hab keine, mein Neurologe macht sich da überhaupt keine Gedanken drüber, Kiel war sich nicht sicher ob ja oder nein und Essen ist der Meinung ich habe trotz punktueller Überlastung ausreichend Reserven und Rückhalte…

    Ich hätte jetzt generell kein Problem mit der Diagnose, insofern als das es ja nun einfach so ist, dass ich grotten unglücklich mit der Gesamtsituation bin. Aber ist das krankhaft? Wäre es nicht fast weniger normal wenn ich mit Anfang 30 die Dauerbeschäftigung mit einer Erkrankung und dann noch den anderen im Hintergrund als normal und Lebenserfüllend oder auch nur akzeptabel sehen würde?

    An manchen, schmerzfreien Tagen ist mir das manchmal zu viel, dann sitze ich vormittags zuhause und fühle mich einsam und gelangweilt. Alle sind arbeiten und gehen einer Aufgabe nach und ich kann mich über die „Freizeit“ nicht freuen. An anderen Tagen genieße ich es jetzt schon Adventskalender und Weihnachtsgeschenke überlegen, basteln oder besorgen zu können.

    Ja gelegentlich hadere ich sehr mit meinem Schicksal, an den allermeisten Tagen bemühe ich mich jedoch um Gelassenheit, denke Lösungsorientiert und suche mir Dinge die mir gut tun wie bspw. außerplanmäßige Ausflüge oder Aktivitäten mit meinem Patenkind. Vor allem aber bin ich mir selbst an Tagen wie gestern absolut sicher, dass weiter geht, besser wird und nicht das Ende der Fahnenstange ist. 😉

    Ich habe mir mal die Frage gestellt wo der Unterschied in der Behandlung mit zusätzlicher Diagnose Depression wäre und eigentlich habe ich keinen gefunden. AD nehme ich ohnehin zur Prophylaxe, eine Verhaltenstherapie, geregelter Tages- und Essrhytmus, ausreichend Bewegung und Entspannungsübungen sind die Bausteine im Umgang mit der Migräne wie auch mit/gegen eine Depression oder habe ich da jetzt nen Denkfehler?

    Ich nehme mir auf jeden Fall zu Herzen immer wieder mal nachzuspüren ob sich in dieser Hinsicht etwas verändert.

    Lieben Gruß
    fienchen

    sternchen
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    Beitragsanzahl: 4254

    Liebe Fienchen,

    nun ja, wer sagt, dass wir ein Leben so oder so haben werden. Die Erwartung ein gewisses Leben führen zu können, ist m.E. nicht richtig, wenn auch verständlich. Wo bleiben ansonsten die vielen Menschen, die schlimme Not leiden. Die Menschen die flüchten stehen uns ja z.Zt. ganz nah vor Augen. Haben wir mehr Anrecht auf einen ausgefüllten Job, etc. etc.? Nein, das Leben ist so gesehen nicht gerecht, und wir haben keinen Anspruch.

    Wenn der Gedanke an eine Depression besteht, wäre es wichtig dieses mit dem Arzt zu besprechen. Vielleicht gibt es eine Medikation die zu ergänzen oder zu ändern wäre.

    Wünsche Dir alles Gute und drücke die Daumen, dass die Zuversicht weit oben an der Oberfläche steht.

    Alles Liebe
    Sternchen

    fienchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 60

    Liebes Sternchen,

    ich verstehe Deine Antwort nicht. Ich glaube nicht, dass ich ein Recht auf ein besseres Leben habe als andere und gerade im Bezug auf Flüchtlinge oder andere Notleidende Menschen sind doch wohl viele über ihre Situation nicht als glücklich zu bezeichnen. Abgesehen davon halte ich das irgendwie für einen Äpfel und Birnen Vergleich.

    Ich wünsche mir meinen Beruf wieder ausüben zu können und bin hier und auch in Kiel darin bestärkt worden, dass chronische Migräne mit schwerem Verlauf auch wieder zur episodischen werden kann. Natürlich habe ich darauf keinen Anspruch aber was bleibt wenn nicht die Hoffnung?

    Was also möchtest Du mir mit Deiner Antwort sagen? Ich scheine da gerade absolut auf dem Schlauch zu stehen und weiß nicht so recht wie ich das einordnen soll.

    Viele Grüße
    fienchen

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4254

    Oh nein liebe fienchen, ich wollte dich nicht verunsichern. Es tut mir sehr leid, wenn ich meinen Beitrag nicht verständlich formuliert habe.

    Auch ich möchte dich bestärken in deinen Vorhaben. Ich finde es total klasse, wenn du an deinen Zielen arbeitest. Ich pers. bin die letzte, die nicht wirklich sehr gut nachvollziehen kann, wenn man seinen Beruf ausüben möchte. Auch ich habe meinen Beruf geliebt. Auch ich war traurig, ihn nicht ausüben zu können. Das alles ist für mich absolut nachvollziehbar.

    Ich wollte den Druck ein wenig aus deinem Bestreben nehmen. Wollte dich bestärken nicht zu hardern. Ich möchte dir nicht sagen, was richtig oder falsch ist. Ich wollte dir lediglich meine pers. Erfahrungen mitteilen und wünsche dir, dass du eben nicht grotten unglücklich mit deiner Situation bist.

    Sorry, noch einmal, wenn mir das mit meinen Worten nicht gelungen ist. Aber so ist das hier im Netz. Manches kann man vielleicht nicht so gut rüberbringen, als wenn man sich gegenüber sitzt.

    Ich wünsche Dir alles Gute und hoffe, dass für dich bald eine deutliche Besserung eintritt, und dein Bemühen Erfolg hat.

    Lieber Gruß
    Sternchen

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 11 Monate von  sternchen.
    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3895

    Liebes Fienchen,
    ich kann dich so gut verstehen!
    Ich bin seit 9 Monaten im Ruhestand. Ich habe erwartet, dass dann, wenn erstmal dieses tägliche frühe Aufstehen und dieses fremdbestimmte Leben vorbei wären, ich sofort viel weniger oder gar keine Migräne mehr haben würde.
    Es ist nicht so.
    Ich habe zwar mittlerweile immer wieder 4-5 oder 6 Tage am Stück „frei“ von Migräne -was vor einem Jahr noch ein Traum gewesen wäre- aber ich habe es anders ERWARTET.
    Und DAS macht mir Kummer. Es wäre doch „normal“, dass die Migräne verschwinden würde, wenn der Stress erstmal wegfällt.
    Und es wäre normal, dass du in deinem Alter berufstätig sein könntest.
    Von einem mit chronischen Schmerzen habe ich den Ausspruch gelesen, der auch für uns gilt:
    „Wir haben ein anderes Normal.“

    Von Depression würde ich erst sprechen, wenn jegliche Freude aus deinem Leben verschwunden wäre. Solange es noch lichte Momente gibt, wo etwas Spaß macht, würde ich den Gedanken „Depression“ mal nicht hereinlassen.

    Ich würde dir aber ans Herz legen, nicht aufzugeben.
    Das Konzept „Ich habe nur noch nicht das Richtige gefunden“ gefällt mir besser als „es hat alles keinen Zweck“.
    Vielleicht ist die Sorte Entspannung, die du betreibst, nicht die richtige. Vielleicht lässt reines Entspannen ( im Sinne vor Erschlaffen ) den Energiehaushalt zusammenbrechen, was für Migräniker immer blöd ist.
    Vielleicht gibt es im Bereich der medikamentösen Prophylaxe noch Wirkstoffe, die du nicht probiert hast.
    Vielleicht gibt es auf dem „nicht-Evidenz-basierten“ Markt noch Energiezapfstellen, die man ausprobieren kann, ohne dass einem finanziell das Fell über die Ohren gezogen wird.
    Ich habe bei uns in der Stadtbücherei fast alles abgegrast, was als „energiespendend“ angepriesen wird und habe Dinge gefunden, die zu mir passen.
    Hör einfach nicht auf zu suchen.
    Nimm Tipps und Vorschläge und Erfahrungsberichte von anderen auf, aber teste immer, ob sie in der Weise auch auf dich zutreffen. Das ist ein schönes Ziel, dem man sich Tag für Tag ein wenig nähern kann, indem man Dinge tut oder Dinge lässt, aber anders als bisher.
    Ich bin sicher, du kommst dabei voran!
    Auch wenn die Erfüllung der Erwartungen noch in weiter Ferne zu sein scheint.
    Alles Gute!
    alchemilla

    fienchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 60

    Liebe Sternchen, liebe Alchemilla,

    ich habe mir schon gedacht, dass deine Botschaft nur nicht bei mir angekommen ist. Manchmal hat schreiben mit Menschen deren Art etwas zu sagen man nicht persönlich kennt, doch so seine Tücken.

    Daher danke ich Dir für Deine erneute Antwort!

    Du hast oft mit dem was Du zwischen meinen Zeilen liest recht. Und die Traurigkeit die du herausgelesen hast ist unbestritten da.

    Als das Ziel, die Wiedereingliederung in diesem Herbst anzupeilen, gesteckt wurde erschien das noch eine sooo lange Zeit bis dahin zu sein und nun ist diese Zeit und es klappt nicht.

    Die gestarteten Prophylaxen in Kiel haben Wirkung gezeigt, sind aber irgendwie noch nicht die perfekte Mischung oder Dosierung und mein behandelnder Neurologe ist mir nur sehr bedingt eine Hilfe. Welches Medikament könnte noch erhöht werden, welches sollte ersetzt werden und wenn von was. Es gibt immer wieder so viele Fragen und aktuell kann die niemand beantworten.

    Gibt es für mich ein Medikament was auch die Attacken Häufigkeit noch weiter reduziert oder ist es so wie es jetzt ist schon das Maximum einer Prophylaxe? Warum wird Botox leicht abgewandelt im Stirnbereich gespritzt und nur 150 Einheiten?

    Mein hardern kommt auch daher, dass ich das Gefühl habe langsam eine Entscheidung treffen zu müssen für das eine (Arbeit) oder das andere (Erwerbsunfähigkeit auf Zeit) und das möchte ich nicht.

    Und dann diese neue Verdachtsdiagnose, es scheint als würde es immer zwei Schritte vor und einen zurück gehen und manchmal macht mich das total wahnsinnig und/ oder unglaublich müde.

    Ich weiß, dass es sein kann, dass es nicht anders gehen wird und wenn ich ein Leben ohne meinen Beruf führen müsste würde ich mit Sicherheit mein Glück in einer Alternativ Beschäftigung suchen und finden, es würde allerdings für mich bedeuten die „Schreibtischseite zu wechseln“ wie wir es unter Kollegen so schön nennen. Natürlich würde mein Leben weiter gehen aber dafür habe ich nicht vorher schon gegen so viele Widrigkeiten meinen Weg erkämpft, es würde mir mehr als schwer fallen dies zu akzeptieren.

    Ich merke jedoch beim schreiben und über eure Antworten nachdenken immer mehr was die Einzelbestandteile meines grotten Unglücklich seins eigentlich sind und habe dadurch die Möglichkeit jeden Punkt einzeln anzugehen und so das Namenlose Gespinst der Traurigkeit wieder in einzelne Aspekte zu splitten.

    Ich denke am akutesten sind aktuell die bevorstehenden Untersuchungen, diese Beginnen in einer Woche und dann bin ich hoffentlich relativ schnell schlauer.

    Was die Medikamente angeht, gebe ich meinem Neurologen am 14.11 nochmal die Gelegenheit sich einzulesen und nehme Alternativ Kontakt nach Kiel auf.

    Mein Bauchgefühl, kombiniert mit meinem Arztbrief und dem hier gelesenen gibt schon ein paar Ideen vor, was noch auf dosiert werden sollte. Aber so eigenmächtig bin ich dann doch nicht.

    Jetzt ist es wieder ein elend langer Text mit zig Gedankensprüngen geworden…

    Ich danke euch fürs Lesen und eure Anteilnahme. Ich weiß, dass viele von euch diesen Weg bereits beschreiten mussten und sich einiges immer wieder wiederholt, daher wirklich ein Danke von Herzen, dass ihr mich auf meinem Weg so liebevoll begleitet!

    Liebe Grüße
    fienchen

    akascha
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    Beitragsanzahl: 152

    Liebes Fienchen,

    Ich werde etwas wehmütig wenn ich deine Zeilen lese, weil ich dich so gut verstehen kann. Deine Gedanken könnten auch meine sein bzw. waren und sind noch meine.

    Auch ich war dieses Jahr in Kiel und habe nur kleine Verbesserungen bisher merken können. Habe immer noch täglich Migräneschmerzen.
    Auch ich wusste nicht, kann ich wieder arbeiten oder muss ich Erwerbsminderung beantragen (war knapp 1 Jahr krank geschrieben). Ich habe so doll mit der Entscheidung gehapert.

    Diese Entscheidung hat mir mein Arzt im Oktober abgenommen und mich quasi zur Arbeit geschickt. Ich arbeite zurzeit aber nur 3 Tage die Woche, da ich eh 1 Tag immer frei habe und durch die Ansammlung der Urlaubstage noch 1 Tag mehr freinehmen konnte.
    Und…es ist sehr schwer, aber doch machbar. Mein Chef unterstützt mich sehr, sodass ich erst einmal keinen Druck habe. In 3 Wochen geht dann noch meine Reha los.

    Ich hatte auch zwischenzeitlich Kiel kontaktiert, da ich überhaupt nicht weiter gekommen bin und mich hilflos gefühlt habe. Dr. Heinze hatte noch gute Ideen bezüglich der Prophylaxe und es hilft nun tatsächlich etwas.
    Zögere hierbei nicht, sondern kontaktiere Kiel und schildere Deine Lage. Dir wird ganz bestimmt geholfen.

    Diese Traurigkeit kenne ich sehr gut, sie begleitet mich. Ich weiß aber, dass sie aus der Erschöpfung und den täglichen Schmerzen entstanden ist und überzeugt, dass es keine Depressionen sind. Wie Alchemilla auch schreibt, es gibt auch wirklich fröhliche Momente. Ich denke, es ist bei dir bestimmt ähnlich.
    Achtsamkeit hilft mir sehr gut, mich damit auseinander zu setzen.

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft und ich bin davon überzeugt, dass du die für dich richtigen Entscheidungen treffen kannst und wirst.

    Liebe Grüße
    Astrid

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4254

    Liebes Fienchen,

    zunächst wünsche ich dir alles Gute für die anstehenden Untersuchungen. Schritt für Schritt wird es immer weiter gehen. Klar da kommt es auch manchmal vor, dass man mal wieder 2 Schritte zurück muss.

    Nicht den Mut verlieren, und zuversichtlich zu sein, das wünsche ich dir von ganzem Herzen.

    Alles Liebe
    Sternchen

    fienchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 60

    Ihr Lieben,

    so lange ist es her, dass ich euch geschrieben habe. Ich hatte immer gehofft wenn ich euch das nächste Mal berichte, dann, dass ich mein altes Leben wieder haben würde und so verging die Zeit und diejenigen unter euch, die diesen Weg bereits vor mir beschritten haben wissen, dass dies nicht passiert ist…
    Ich musste erst noch mehrfach auf die harte Tour lernen, dass ich mit diesem Kopf einfach nicht durch die Wand komme, bis ich am heutigen Punkt ankommen konnte.

    Das erste Halbjahr 2017 habe ich meinen Neurologen durch alle möglichen Prophylaxen gezwungen die mir noch einfielen, eine im Raum stehende Diagnose wurde ausgeräumt eine weitere, viele doofe Untersuchungen später, auch, ich hab einen Arzt gefunden der mir die heißersehnten 200 Einheiten Botox spritzte und war weiterhin der festen Überzeugung bis zum Sommer in Vollzeit wieder eingegliedert werden zu können.

    Stattdessen landete ich im Krankenhaus, diesmal weil ich auf offener Straße umkippte und zu diesem Zeitpunkt etwa am 23. Tag ohne eine schmerzfreie Minute war. In dem darauf folgenden großen Katzenjammer wurde auch mir klar, dass die Aussteuerung im Grunde bereits beschlossene Sache war und ich im Sommer in überhaupt keinem Büro sitzen würde, erst recht nicht Vollzeit.
    Ich fuhr meinen Aktionismus runter, minimierte meine Prophylaxen auf die wirklich Wirksamen und probierte vorerst keine weiteren mehr aus und versuchte mich jetzt wirklich endlich damit abzufinden, dass meine Schmerztage sich einfach nicht reduzieren lassen wollen sondern nur Intensität und Dauer.

    Ich hab es wirklich jedes Mal versucht zu akzeptieren und dann kam immer eine neue Idee, was den so ersehnten Durchbruch diesmal bestimmt bringen würde und der blinde Aktionismus war wieder voll entfacht.

    Dann gab es in meinem Umfeld mehrere fiese Schicksalsschläge und mir wurde schlagartig klar: Du wirst an dieser Erkrankung nicht sterben, also lerne verdammt nochmal damit zu leben!

    Diese Feststellung blieb allerdings erst mal einfach so stehen, denn es folgten Theater mit dem Botox Arzt und wieder einen Neuen suchen, ein erneuter Status, der Bürokratie Wahnsinn, den die Aussteuerung mit sich brachte, im direkten Anschluss das Widerspruchsspielchen mit der Rentenversicherung bzgl. der Reha und dann ein plötzlicher Todesfall im Familienkreis der mir endgültig den Boden unter den Füßen entzog.

    In Reha ging es dann über meinen Geburtstag, Weihnachten und Silvester aber der erst so verhasste Termin gab mir schlussendlich die Möglichkeit, an diesen Tagen nicht mit einem leeren Platz am Tisch konfrontiert sein zu müssen.

    Von der Vorstellung einer Rückkehr in meine alte Tätigkeit in Vollzeit hatte ich mich mittlerweile tatsächlich endlich verabschiedet aber zumindest mit Teilzeit und Home-Office geliebäugelt. Von der Reha hatte ich mir nie eine medizinische Verbesserung erhofft sondern mit vorher klar formuliert was ich für Anwendungen und Angebote wahrnehmen wollen würde und was ich mir generell als Ziel erhoffe.

    Ein neues Leben habe ich mir nun nicht gestaltet, das ist auch gar nicht so einfach oder auch nötig aber ich habe in der Reha den Weg zurück zu mir gefunden, dem Teil , der mich, frei von allen äußeren Umständen ausmacht und ich habe dort das Wort Akzeptanz ein bisschen mit Leben füllen können. Und seit ich zurück bin jeden Tag ein bisschen mehr.

    Es war ein langer Weg und ist ein Prozess, der vielleicht nie richtig endet. Zu Beginn war der Schock, wie kann das noch meine mir bekannte Migräne sein, die mich quasi über Nacht aus dem Leben schießt und die erste Idee war und blieb einfach: ich muss wieder gesund werden, das muss doch genauso wieder verschwinden wie es gekommen ist. Alles andere kann doch gar nicht wahr sein. Ok, ist nicht passiert, dann muss es aber zumindest Medikamente geben die helfen. Und stets bleibt das Ziel: zurück auf vorher.

    Dann kommt der Punkt an dem man vielleicht realisiert ein Zurück wird es nicht so schnell geben und andere können damit auch ein akzeptables Leben führen aber ein nach vorne, ein anders ist noch nicht vorstellbar. Dazwischen kommt immer wieder die Hoffnung, die Wut, die Verzweiflung und dann irgendwann nach der zigsten Drehung um mich selbst, kommt ganz leise und langsam die Akzeptanz und mit ihr der Weg nach vorne.

    Ich habe diesen Weg im Kampf mit mir selber und der Akzeptanz benötigt, um an diesem Punkt jetzt anzukommen, wie oft hab ich euch geschrieben, dass ich es einfach nicht akzeptieren könnte in meinem Alter kampflos in Rente zu gehen, nun wird es eine Teilrente und eine Teilzeitarbeit und es ist ok.

    Es wird weiter Schleifen geben, Schritte zurück, unnötige Abzweigungen, auf die Nase fallen, neue Hoffnung und Enttäuschung, das ist der Weg aber ich habe endlich das Gefühl ihn wieder mehr mitbestimmen zu können.

    Der Schritt zurück in mein altes Arbeitsumfeld wird nochmal eine große Veränderung aber wenn ich akzeptieren kann nicht wieder wie früher zu sein, dann werden die Kollegen das auch lernen können. Aber da sind wir ja jetzt auch noch nicht ganz.

    Mit diesem gleichförmigen, an guten wie an schlechten Tagen ein bisschen tun und an Guten nicht mehr powern bis der Akku leer ist, werd ich mich wohl nie richtig anfreunden aber ich musste einsehen und spüren, dass es besser für mich ist.

    Vieles von dem was ich nun so neuartig und pathetisch verkünde habt ihr versucht mir nahezubringen aber ich konnte es da einfach noch nicht verstehen bzw. fühlen oder umsetzen, denn im Nachhinein muss ich zugeben habe ich immer gehofft nicht akzeptieren lernen zu müssen.

    Ihr habt mir hier, mit euren wissenden, fürsorglichen, liebevollen und unterstützenden Worten, die Kraft gegeben das Durchzustehen und mich immer bestärkt nicht aufzugeben. Zu meiner Geschichte gehört daher auch dieser Teil. Es gibt ihn, den Weg mit dem Monster im Kopf leben zu lernen,vielleicht nicht wie früher, nicht so wie erhofft, nicht schnell und nicht einfach aber am Ende nicht schlecht.

    Liebe Grüße
    fienchen

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4254

    Liebe fienchen,

    danke für deine Zeilen. Ich freu mich sehr, dass du nun deinen Weg gefunden hast. Man spürt in deinem Beitrag die Erleichterung.

    Natürlich geht dieser Weg noch weiter. Aber die Erkenntnis zu haben, dass die Aktzeptanz ein wichtiger Baustein im Leben mit der Migräne ist, ist die halbe Miete. 🙂 🙂 🙂

    Wie schön, dass du diesen Teil deiner Geschichte erlebt und bewältigt hast. Dass das Leben trotzdem nicht schlecht und lebenswert ist, dass ist schon die ganze Kaltmiete. 🙂 🙂 🙂

    Alles Liebe
    Sternchen

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 26778

    Liebe Fienchen,

    ich habe Deinen Text gerne gelesen und erkennen können, dass Du Dir Deinen ganz speziellen Weg jetzt gesucht und auch gefunden hast. Es war sicher schwer, auch aufgrund der Schicksalsschläge, die Du überwinden musstest, aber nun steht einem Neuanfang nichts mehr im Wege. Ich wünsche Dir viel Glück und Kraft und Selbstvertrauen, denn Du kannst das schaffen. 🙂

    Alles Liebe,
    Bettina

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 6983

    Hallo, liebe fienchen,

    mir fiel eben dein sehr bewegender Bericht vom März über deinen Weg zu Bewältigung und Akzeptanz der vielfältigen Probleme rund um unsere „geliebte“ Migräne ein.
    Wie geht es dir inzwischen? Immer noch so, wie du es dir damals so vorgestellt hast.
    Hast du vielleicht inzwischen ein paar gute, selbsterfahrene Tipps auf Lager 😉?

    Liebe Grüße,
    Julia

    fienchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 60

    Liebe Julia,

    ich habe selber auf der Rückfahrt vom Forentreffen meinen Bericht nochmal gelesen und dabei wieder ein bisschen Pipi in den Augen bekommen weil ich so stolz auf mich bin, dass ich es geschafft habe die Dinge zu beeinflussen die ich beeinflussen kann und mit den anderen immer besser umgehen und leben lerne.

    Seit März hat es sich eigentlich noch besser entwickelt als gehofft. Meine Teilrente ist nun durch und mein Arbeitgeber und meine Kollegen haben mich trotzt aller Änderungen, Sonderregelungen und Einschränkungen mit weit offenen Armen und großer Freude empfangen.

    Ich habe mein Dienstverhältnis bereits letzten Monat wieder aufgenommen und feiere aktuell gerade Resturlaub ab. Im Oktober geht es dann richtig mit einer halben Stelle und überwiegend im Home Office mit freier Zeiteinteilung. Besser geht es wohl nicht und ich bin sehr dankbar einen Arbeitgeber zu haben der mir so entgegen kommt.

    Überhaupt bin ich erfüllt von Dankbarkeit für all die Menschen die mich auf meinem Weg begleitet haben, weiter begleiten und mir den Rücken stärken, das empfinde ich als nicht selbstverständlich und manchmal scheint es fast so als wäre ich mit meiner „Schwäche“ nun greifbarer, nahbarer für andere.

    Ohne die Schmerzklinik Kiel, meine Ärzte vor Ort, meine Therapeutin, meine Familie, alte und neue Freunde, euch hier aber auch Institutionen wie Integrationsfachdienst, VdK und Betriebsärztin wäre ich sicherlich sehr aufgeschmissen gewesen und nur das Zusammenspiel dieser aller und mir hat etwas bewirkt.

    Einen allgemeingültigen Rat oder Tipp kann ich keinen geben, zum einen stehe ich immer noch auf Kinder Füßchen und zum anderen ist es wohl wirklich der ganz individuelle Weg den man für sich finden muss. Ich habe gelernt den Blick weg vom schlechten, dem Schmerz, dem was ich nicht mehr kann zu lenken, hin zu den schönen Momenten, den kleinen Fortschritten, den Dingen die so viel wichtiger sind als eine Funktionsfähigkeit von mindestens 100%.

    Ich hoffe ich kann mir diese Einstellung lange behalten und weiter ausbauen und vielleicht bringt ja irgendeine Prophylaxe doch noch irgendwann wenigstens eine Verbesserung von 23 auf 20 Schmerztage im Monat 😉

    Liebe Grüße
    fienchen

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 6983

    Oh liebe fienchen,

    was für ein wunderbarer Bericht über eine ja doch nicht so wirklich immer einfache Zeit!😉

    Ein ganz großes Dankeschön dafür, denn es ist sooo wichtig, dass wir auch immer wieder positive Rückmeldungen bekommen nach schwierigen Zeiten. Das macht Mut, selbst immer weiter an Verbesserungen zu tüfteln und nie aufzugeben. 🌞

    Das war dann wohl genau der für dich richtige Mix aus ganz ganz vielen Puzzleteilchen, die du mit der Hilfe deiner eigenen positiven Natur und den Menschen um dich rum zu einem Erfolg zusammensetzen konntest. Und dann das Bild mit den Kinderfüßchen 😘, die werden ganz bestimmt noch wachsen!!!

    Es ist für fast alle Schwerbetroffenen ja extrem schwierig, eine Balance zwischen einem guten Weg in Richtung Toleranz bis dann irgendwann Akzeptanz und immer wieder den Rückschlägen in die Verzweiflung zu finden. Da macht dein Beitrag, wie ich finde, doch schon mal ganz große Hoffnung für alle, mindestens schon mal auf die Kinderfüßchen zu kommen.🚸

    Ich wünsche dir sehr, dass es für dich immer weiter bergauf geht.
    Alles Liebe,
    Julia

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Monate, 2 Wochen von  Julia.
    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 26778

    Liebe Fienchen,

    das ist ein sehr schöner und wie schon im März mutmachender Beitrag. 🙂 Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du diesen Weg weiter gehen und sogar noch individuell ausbauen kannst.

    Alles Liebe,
    Bettina

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 298

    Liebe Fienchen,

    aufmerksam geworden durch Julias Eintrag habe ich deinen Beitrag vom 23. März 2018 gestern gelesen. Eigentlich bin ich ja nicht mehr so neu hier, aber der muss mir irgendwie durchgerutscht sein, ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, ihn gelesen zu haben. Vielleicht war aber auch genau jetzt der richtige Zeitpunkt für mich, ihn zu lesen! Vor einiger Zeit hätte ich wahrscheinlich nur gedacht ’Ja,ja, blabla, wie soll das denn gehen? Da komme ich nie hin!‘. Heute verstehe ich dich genau und kann nachempfinden, was du schreibst, weil ich das Gefühl habe, einen ähnlichen Weg eingeschlagen zu haben! Ich weiß jetzt, wie groß die Freude darüber sein kann, auch jede noch so kleine Hürde genommen zu haben und ich dadurch wieder ein bisschen besser mit meiner Situation klar komme, was mir alles etwas leichter macht. Ich freue mich so sehr für dich!!!

    Hab vielen Dank, dass du gestern die „Fortsetzung“ ge- und beschrieben hast!

    weil ich so stolz auf mich bin, dass ich es geschafft habe die Dinge zu beeinflussen die ich beeinflussen kann und mit den anderen immer besser umgehen und leben lerne.

    Du kannst wirklich stolz sein! Hut ab! Ich würde dir sofort den „Geschafft-Orden“ verleihen 😊!

    Einen allgemeingültigen Rat oder Tipp kann ich keinen geben, zum einen stehe ich immer noch auf Kinder Füßchen und zum anderen ist es wohl wirklich der ganz individuelle Weg den man für sich finden muss.

    Nein, den gibt es wohl nicht! Aber durch positive Berichte wie deine, können wir Anregungen, Impulse, Lösungsansätze finden! Und wie du, liebe Julia, schreibst, geben sie Mut und Hoffnung!
    Und was heißt hier „Kinderfüßchen“? Das sind doch wohl mindestens schon ziemlich große Kinderfüsschen! Auch ich habe das Gefühl, dass ich dem Ziel „Akzeptanz“ näher gekommen bin, aber wahrscheinlich immer auf dem Weg sein werde! Meine Mutter hat dafür einen guten Spruch: Wirst du alt wie eine Kuh, lernst du immer noch dazu.

    Ich habe gelernt den Blick weg vom schlechten, dem Schmerz, dem was ich nicht mehr kann zu lenken, hin zu den schönen Momenten, den kleinen Fortschritten, den Dingen die so viel wichtiger sind als eine Funktionsfähigkeit von mindestens 100%.

    Super, denn es gibt so viel im Leben, über das wir uns freuen dürfen und für das wir dankbar sein können, trotz allem! Gestern sprach ich mit meinem Mann darüber, dass es einen gewaltigen Unterschied macht, ob ich – wie einer der Brüder im Märchen „Die goldene Gans“ – sage „Immer ich! Hab ich ein Pech!“ oder „Immer ich! Hab ich ein Glück!“

    Überhaupt bin ich erfüllt von Dankbarkeit…

    Mich berührt dieser Satz sehr! Zu erkennen, dass man ein so wertvolles Hilfe-Netzwerk hat, obwohl die Schmerzen noch da sind, ist wohl nicht selbstverständlich. Auch hier freue ich mich für dich und kann nur bestätigen, wie dankbar auch ich für mein „Netz“ bin!

    Ich wünsche dir von Herzen, dass du DEINEN WEG weiterhin so gut gehen kannst! Und mir wünsche ich heute vielleicht den ein oder anderen Erkenntnisgewinn, wenn ich mir dieses Forum heute ganz durchlese, ich freue mich drauf, denn ich weiß ja jetzt schon, wie es ausgeht…😉!

    Dir alles Liebe!
    Katrin

    Viva la Vida! 🍀

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