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Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz (MÜK)

Öffentliche Gruppe zuletzt vor 1 Woche, 2 Tagen aktiv

Wie entsteht MÜK, wie erkennt man ihn und wie wird er behandelt?

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Tags: mÜk

Neuroleptika gegen Migräneattacke (22 Antworten)

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  • Profilbild Julia vor 2 Jahre, 1 Monat:

    Hallo an alle
    ich nehme seit anfang november, immer wenn ich die zeit dafür habe, statt imigran inject ein neuroleptikum und evtl. bei einem heftigen anfall eine kleine menge cortison, um die migräne zu verschlafen. Das klappt so gut, daß ich im november an 16 migränetagen nur 2x imigran gebraucht habe. Im dezember habe ich an 6 von 12 tagen imigran genommen, da wichtige termine anstanden. Seit mitte dezember bin ich offensichtlich meinen seit jahren bestehenden MÜK los (hoffentlich) und habe einen völlig klaren kopf zwischen den anfällen. Man braucht allerdings die nötige zeit zum schlafen. Vielleicht ist das ja auch für einige von euch eine alternative zum triptan(über)gebrauch.
    Ich wünsche allen schönes kopfschmerzärmeres jahr
    Julia

  • Profilbild Tomi vor 2 Jahre, 1 Monat:

    Hallo Julia,

    hört sich interessant an, ich habe dasselbe Problem mit 10-12 Triptanen/monat. schon länger.
    Als ich mit Allegro vor ca. 7 Jahren anfing, brauchte ich 4-5 monatlich.

    Ob allerdings “Deine Methode” langfristig ausgeführt gesünder ist ?
    Beide erwähnten Mittel sind oft eingenommen auch nicht ganz “ohne”.

    Gruß
    Tomi

    P.S. Noch eine PN an Dich abgeschickt.

  • Profilbild Bettina Frank – Moderator vor 2 Jahre, 1 Monat:

    Liebe Julia,

    wenn Du von den 16 Migränetagen im November nur 2 x Imigran verwendet hast, was hast Du an den restlichen 14 Tagen gemacht? Immer Neuroleptika und/oder Kortison genommen und geschlafen? Das kann auf Dauer auch keine Lösung sein.

    Bei so vielen Migränetagen im Monat hast/hattest Du sicher einen MÜK. Wenn Dein Kopf nun so frei ist, könnte es sein, dass Du mit den Kortisoneinnahmen ganz “nebenbei” auch eine Medikamentenpause gemacht hast. Dann müsste es ja jetzt im Januar wieder besser laufen.

    Alles Gute und liebe Grüße
    Bettina

  • Profilbild Julia vor 2 Jahre, 1 Monat:

    Liebe Bettina,

    das soll auch keine dauerlösung sein. Ist aber als medikamentenpause für mich sehr praktikabel, da ich so die triptane reduzieren kann ohne viel schmerzen aushalten zu müssen. Cortison hab ich vor diesem versuch sehr viel nehmen müssen. Das hat aber nichts gebracht, außer schmerzfreien tagen während der cortisoneinnahme. Jetzt hab ich nur noch sehr wenig cortison (im ganzen dezember nur noch 20mg prednisolon) gebraucht. Auch vom neuroleptikum nehme ich zunehmend weniger, da die anfälle seltener und viel schwächer geworden sind. Mal sehen, ob es so bleibt. Bei migräne weiß man ja nie, was sie morgen möchte. Einen versuch ist es meines erachtens wert, um dem MÜK vorzubeugen.

    Liebe grüße

    Julia

  • Profilbild Bettina Frank – Moderator vor 2 Jahre, 1 Monat:

    Liebe Julia,
    bei der Medikamentenpause in der Klinik wird ja in der Regel auch Kortison zusammen mit einem Neuroleptikum gegeben. Damit es eine “richtige” Medikamentenpause ist, sollten aber während dieser Zeit keine Schmerzmedikamente eingenommen werden, wie Du sicher weißt.

    Ob diese Methode auch als Vorbeugung zu empfehlen ist, weiß ich ja nicht so. Aber Du hast ganz recht: Bei der Migräne weiß man nie, was morgen ist und so versucht halt jeder, einen für ihn gangbaren Weg zu finden. Wie auch immer, ich wünsche Dir, dass es nun so gut bleibt.

    Liebe Grüße
    Bettina

  • Profilbild Julia vor 2 Jahre, 1 Monat:

    Hallo Bettina,
    daß neuroleptika zu den in medikamentenpausen verbotenen schmerzmitteln gehören war mir nicht bewußt. Ich habe sie zum einsparen von triptanen verschrieben bekommen. Bei mir scheint es geklappt zu haben, aber wir sollten es vielleicht nicht weiter diskutieren. Es ist  dann wohl doch kein empfehlenswerter weg.
    Liebe Grüße
    Julia

  • Profilbild Bettina Frank – Moderator vor 2 Jahre, 1 Monat:

    Liebe Julia,

    das ist ein Missverständnis: Ich hatte geschrieben, dass Neuroleptika zusammen mit Kortison während einer Medikamentenpause verordnet werden. “Zusätzlich” sollen keine Schmerzmedikamente eingenommen werden. Neuroleptika sind ja keine Schmerzmedikamente, sondern sedieren, beruhigen und tragen zur Schmerzdistanzierung bei.

    Natürlich soll hier dieses Thema weiter diskutiert werden, weil wir alle lernen können von den Erfahrungen der anderen. Also ist Dein Beitrag hier sehr wichtig.

    Liebe Grüße
    Bettina

  • Profilbild Migränchen vor 2 Jahre, 1 Monat:

    ihr lieben, auch ich versuche es zur zeit machnesmal mit lexotanil, allerdings besteht meines wissens nach eine recht schnelle abhängigkeit…und ein entzug soll körperlich länger daueren als bei so manch anderer droge (weiß das deswegen, da ich gerade aus berufsgründen ein seminar zum thema drogen und sucht machen musste), daher wird es – wenn – auch immer von mit großem respekt eingenommen.
    auch muss ich sagen, dass bei mir lexotanil besser wirkt als ein schlafmittel (im schmerzfall)….aber auch nicht immer – leider…
    zusätzlich habe ich beobachtet (also bei mir) dass schlafmittel in verbidung mit triptanen schlimme übelkeit auslösen können….(im speziellen fall geht es hier um halcion).
    alles liebe
    elvira

  • Profilbild Hartmut Göbel vor 2 Jahre, 1 Monat:

    Die Diskussion spricht hier sehr wichtige Punkte an. Triptane etc. erhöhen ab einer Einnahmehäufigkeit an mehr als 10 Tagen pro Monat die Attackenfrequenz.
    Die Dauereinnahme ist daher keine Lösung.
    Was kann man also machen?

    Vorbeugung ist das zentrale Thema, um unter 10 Tage/Monat zu kommen. In erster Linie durch Wissen und Verhalten, in zweiter Linie durch Medikamente.

    Viele haben jedoch eine sehr aggressive Migräne, die sich trotzdem nicht unter 10 Tage/Monat reduzieren lässt.

    Aus unserer Sicht ist daher das Durchhalten eines Anfalles von Zeit zu Zeit adäquat, um nicht ständig über 10 Tage pro Monat zu kommen. Das kann man aber nicht so ohne weiteres aushalten.
    Hier kann tatsächlich ein mittel- oder niedrigpotentes Neuroleptikum helfen, man schläft die Migräne dann weg. Vorteil: keine Gewöhnungsgefahr. Nachteil: Häufiger Kreislaufprobleme mit Schwindel und die Entspannung ist nicht so angenehm wie bei Benzodiazepinen (z.B. Lexotanil). Bei letzteren ist aber die schnelle Gewöhnung die Regel und dann hat man ein zweites Problem. Daher empfehlen wir Benzodiazepine für diese Anwendung nicht, außer in ganz bestimmten wenigen Ausnahmesituationen.

    Kortison ist auch eine Option, allerdings auch ebenfalls nur für die seltene Ausnahme, um langfristige Nebenwirkungen zu vermeiden

  • Profilbild Bettina Frank – Moderator vor 2 Jahre, 1 Monat:

    Vielen Dank für diese Informationen.

    Wie oft im Jahr kann man denn diesen Weg gehen? Wie Sie ja wissen, hält sich meine Migräne auch nur ungern an die 10-Tage-Regel. ;)

    Mir hatte Diazepam sehr gut geholfen, aus dem letzten status migraenosus rauszukommen. Allerdings nur in Verbindung mit Kortison.

    Ein Neuroleptikum macht mich leider so schwindlig, dass ich nicht mal mehr den Weg ins Bad schaffen könnte.

    Liebe Grüße
    Bettina

  • Profilbild katinka vor 2 Jahre, 1 Monat:

    Wielange muss man die Migräneattacken denn ohne Schmerzmittel aushalten um sich aus einem eventuellen MÜK “zu befreien”? Gehören Paracetamol etc. auch zu den Mitteln die man nicht nehmen darf? Oder dürfte ich alles außer Triptane nehmen?

    Entschuldigen Sie bitte die vielleicht etwas “dummen” Fragen, aber ich habe gerade erst angefangen meine Migräne zu bekämpfen…

    Viele Grüße,

    Katinka

  • Profilbild Monika vor 2 Jahre, 1 Monat:

    Liebe Katinka,

    dir gehts so wie mir :-) . Alles Neuland… *seufz*

    Danke für deine Frage, die ich gar nicht als dumm ansehe ;-) .

    Liebe Grüße

    Monika

  • Profilbild Julia vor 2 Jahre, 1 Monat:

    Liebe Katinka,

    bei Migräne werden einem die `dummen`Fragen wohl nie ausgehen. Aber hier in diesem Forum bekommt man sehr viele davon beantwortet. Wenn du schnell viel wissen möchtest, mach dir mal die Mühe und lies im alten Forum die letzten 3 Seiten (24,25,26). Da hat Prof Göbel noch fast jede Frage selbst beantwortet. Da steckt enorm viel Information drin. Auch auf den anderen Seiten hat er sehr viel erklärt, man muß es nur suchen.
    Danach ist dir vieles klarer und du kannst dann hier auch `schlaue` Fragen stellen. Viel Spaß dabei.

    Liebe Grüße und bald mehr Durchblick

    Julia

  • Profilbild Bettina Frank – Moderator vor 2 Jahre, 1 Monat:

    Liebe Katinka,

    Prof. Göbel wird sich wahrscheinlich hier auch noch äußern. Aber eines kann ich Dir auch schon sagen: Wenn Du eine Medikamentenpause machst, darfst Du kein Schmerzmittel zu Dir nehmen. Keine Triptane, kein Paracetamol, kein ASS, kein Novalgin usw.

    Die Medikamentenpause und der daraus resultierende Umstellungskopfschmerz dürfen nur mit Kortison und Neuroleptika oder evtl. Diazepam erträglich gemacht werden. Das funktioniert aber gut, vor allem unter stationären Bedingungen.

    In der Klinik reichen in der Regel 14 Tage aus, um aus einem MÜK wieder heraus zu kommen. Je länger man danach auf Schmerzmittel verzichten kann, umso besser ist es.

    So läuft eine Medikamentenpause in der Schmerzklinik Kiel ab:

    Medikamentenpause in der Klinik

    Bei einem medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerz wird heute eine sogenannte Medikamentenpause durchgeführt, im englischen Sprachraum wurde dafür das schöne Wort “drug-holiday”, Medikamentenferien, geprägt. In der ersten Phase der Behandlung klären wir den Patienten sehr ausführlich über die Mechanismen der Kopfschmerzentstehung und die Effekte der Dauereinnahme der Medikamente auf. Darüber hinaus wird der Patient natürlich ausführlich über die weitere Behandlung während der Medikamentenpause informiert.

    Eine Medikamentenpause muss in der Regel stationär durchgeführt werden, da die so genannten Rebound- oder Umstellungskopfschmerzen während der Medikamentenpause zu Hause meist zu einer erneuten Schmerzmitteleinnahme führen. In spezialisierten Kliniken – wie z.B. in der Schmerzklinik Kiel – wird die Dauereinnahme der Kopfschmerzmedikamente von einem auf den nächsten Tag abgebrochen. Zur Beseitigung des darauf einsetzenden Umstellungskopfschmerzes erhält der Patient Medikamente, welche die verbrauchten Botenstoffe wieder vermehrt zur Verfügung stellen. Dazu wird in der Regel eine 14tägige Infusionsbehandlung durchgeführt. Begleitend werden dem Patienten in einem intensiven verhaltensmedizinischen Programm Konzepte vermittelt, um den Kopfschmerzen durch nicht-medikamentöse Maßnahmen vorzubeugen. Darüber hinaus lernt der Patient selbstverständlich auch den angemessenen Umgang mit Kopfschmerzmedikamenten, so dass der Betroffene anschließend in der Lage ist, Medikamente gezielt und richtig dosiert einzusetzen. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf der verhaltensmedizinischen Vorbeugung der Kopfschmerzen ohne Medikamente.

    Liebe Grüße
    Bettina

  • Profilbild Bettina Frank – Moderator vor 2 Jahre, 1 Monat:

    Hier kannst Du die Informationen nachlesen, von denen Julia gesprochen hatte:

    http://forum.schmerzklinik.de/f.cfm?id=2919203&r=threadview&t=2776928&pg=1
    http://forum.schmerzklinik.de/f.cfm?id=2919203&r=threadview&t=2665985&pg=1
    http://forum.schmerzklinik.de/f.cfm?id=2919203&r=threadview&t=2743270&pg=1

    Liebe Grüße
    Bettina