Chonische Gesichtsschmerzen seit ca. einem Jahr (Trichter)

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  • trichter75
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    Hallo zusammen,

    ich würde mich hier auch gerne einmal vorstellen. Mein Schmerz ist erst ein Jahr alt, er hat aber einen älteren Schmerz ersetzt.

    Als Kind litt ich oft unter Migräne mit Übelkeit und Erbrechen, ich wurde allerdings nie einem Spezialisten vorgestellt. Die Diagnose „Migräne“ wurde aber erst vor ein paar Jahren gestellt, als es schon ordentlich den Bach herunter ging. Aber der Reihe nach.
    Bis 2011 hatte ich lediglich einige Kopfschmerzattacken im Jahr, selten auch mit Auren (dann besonders heftig; ich sah dann „bunte Schlieren“, auch mit geschlossenen Augen), ab 2011 steigerten sich diese kontinuierlich. Dazu kam das Symptom bzw. Trigger „einseitig verstopfte Nase“. Diese Kombination hatte ich ab 2014/15 bis zu drei Mal in der Woche: morgens aufgewacht, Nase linksseitig verstopft, und über den ganzen Tag dann Schmerzen in der Stirn/am Siebbein und ums Auge herum. Ibuprofen hat nur mässig geholfen, aber da ich – anders als bei der Migräne vorher – gut arbeiten konnte, habe ich eigentlich nichts gemacht, um das zu beheben. 2012 habe ich mir mal die Nasenschleimhäute lasern lassen, ohne Erfolg.

    Anfang Oktober 2017 ging der Kopfschmerz dann überhaupt nicht mehr weg. Erst vermutete man einen Status Migränosus, aber kein Triptan (nehme ich sonst nie) half. Die ständig verstopfte Nase rief aber meinen neu-hinzugezogenen HNO-Arzt auf den Plan, der nach einem Nebenhöhlen-CT (Befund: Alles voll mit Sekret) und einer Sinusitis mir beidseitig die Öffnungen zu den Nebenhöhlen erweitern wollte. Das erschien mir sinnvoll; da ich 2012 mal auf einem rel. plötzlichen Landeanflug erlebt habe, was eine nicht ausgeheilte Stirnhöhlenentzündung mit einem anstellen kann, stimmte ich der OP zu.

    Im November 2017 wurde ich dann ambulant operiert. Seitdem ist die Hölle los. Der Schmerz in der Stirn ist zwar endlich weg, meine Nase seitdem immer frei, dafür schmerzt quasi ununterbrochen der Kiefer, teilweise mit Spitzen, die ich so vom Stirnkopfschmerz nicht kannte. Ein weiterer CT sah dann auch, daß die betroffene Kieferhöhle noch einige cm mit Flüssigkeit gefüllt war. Der HNO-Arzt (und ein zwischenzeitlich hinzugezogener Kollege) weigerte sich aber zu glauben, daß dieser Umstand überhaupt Schmerzen auslösen könne. Von beiden wurde mir Antibiotika verschrieben, die ich brav nahm, aber keinen Erfolg hatten.
    Mein Schmerzmittel- und Antibiotikakonsum (Ibu, Diclofenac, Amoxycillin, Clindamycin, selten Metamizol) steigerte sich so, daß im April eine schwere Gastritis Typ II diagnostiziert wurde, die mir mehrere Monate Schonkost bescherte :/. Darüberhinaus waren diverse Leber- und Nierenwerte erhöht. Seitdem habe ich jede Schmerzmedikation abgesetzt, hatte im Juni sogar ein paar ruhige Tage, und fand mich mit der Situation ab.

    Bis zum Urlaub im September. Dort angekommen verlagerte sich der Schmerz in die Zähne, und zwar sehr intensiv. Nichts half, ich bin fast verrückt geworden vor Enttäuschung, Schmerz und Schlaflosigkeit. Im Urlaubsort wurde mir durch einen Zahnarzt attestiert, daß ein paar Zahnhälse besonders schmerz-sensitiv seien, diese wurden dann abgeschliffen und neu aufgefüllt. Schlaf habe ich erst gefunden, nachdem mir der ortsansässige Allgemeinarzt 2mg Xanax verschrieben hat. Super Medikamente 🙂

    Zurück zu Hause habe ich dann diverse Ärzte konsultiert:
    Der HNO sieht im Ultraschall weiterhin Flüssigkeit in der Kieferhöhle, kann sich aber den Schmerz weiter nicht erklären. Sein Angebot: Clindamycin (habe ich abgelehnt).
    Der ZA schwört, daß ich perfekt gesunde Zähne habe, und daß er ohne Diagnose nichts tun wird (löbliche Einstellung).
    Der Neurologe hat Migräne nun mehr ausgeschlossen und mich an einen Kiefer/Gesichtschirurgen weiterverwiesen. Ein Nervensignalleitfähigkeitstest (oder so) blieb ohne Befund. Ich nehme nun das schon weit vorher von ihm vorgeschlagenene Amitriptylin doch ein, zuerst 4 Wochen lang 10 mg, seit einigen Tagen 20 mg. Eine Wirkung habe ich nicht festgestellen können (aber wer weiss, was ohne wäre).
    Ein weiterer Schmerzmediziner hat ebenfalls Amitriptylin vorgeschlagen, dazu viel Sport („bis an die Leistungsgrenze“) oder Akupunktur.
    Der Kieferchirurg bestätigt den guten Zustand meiner Zähne, legt sich nach Abtasten immerhin darauf fest, daß es eine muskuläre Komponente gibt. Ich soll jetzt mit warmen Körnerkissen experimentieren, bevor ich mit Krankengymnastik anfangen soll. Habe ich gemacht, ging einen Tag gut (wohl auch, weil ich über eine Teildiagnose glücklich war), seit gestern nacht aber habe ich einen starken Dauerschmerz, wieder in den Zähnen. Ich nehme auch wieder 800 mg Ibu retard/Tag (diesmal mit Omeprazol), hilft aber nicht viel. Jetzt sitze ich hier vor meinem Metamizol und frage mich, ob sich das mit dem Ami verträgt :).
    Ich könnte natürlich wieder zum Arzt gehen, und darauf „hoffen“, daß sich da irgendetwas entzündet hat, aber ich glaube, die halten mich zT eh für einen Hypochonder :).

    Unterm Strich habe ich seit einem Jahr Dauerschmerzen:
    – Zu 95% im linken Kiefel. Gefühltes Schmerzzentrum einige Zentimeter neben der Nase, etwa auf Höhe des Eckzahnes, aber 1-2 cm darüber.
    – leichtes Austrahlen in Richtung Auge, seltener in die Zähne; dann sehr, sehr unangenehm.
    – Seltener verlagert sich der Schmerz auf die andere Seite.
    – Der Schmerz ist mal stechend, mal brennend, mal dumpf. Manchmal denke ich an eine Prellung (als hätte mich jemand getreten). Wirklich schwer zu beschreiben.
    – Abends kommt es ca. jeden zweiten Tag zu Schmerzen über der rechten Augenhöhle (also diagonal gegenüber). Diese sind kribbelig, und fast „angenehm“. Mehr eine Missempfindung.
    – Parallel dazu habe ich nun seit einigen Monaten „fliegende Mücken“ im linken, also schmerzseitigem Auge. Laut Augenarzt (auch da war ich :)) eine Alterserscheinung, und normal. Empfinde ich aber als sehr irritierend.

    Weiteres wissenswertes: Ich bin 40, arbeite zu 85% vorm Rechner, und bin übergewichtig, treibe aber regelmässig Sport. Ich hatte in meiner Jugend nach einem missglücktem Discobesuch mal mit psychotischen Schüben zu kämpfen (Prometazin + Diazepam, dazu Psychotherapie), bin seitdem auch der eher ängstliche Typ, funktioniere aber im allgemeinen sehr gut. Während meiner Diplomzeit habe ich mal einige Monate einen SSRI eingenommen, das ist aber 10 Jahre her. Ich rauche seit Geburt meiner Tochter nicht mehr, trinke nur noch sehr selten (war bis 30 starker Raucher und habe sehr häufig gesoffen), und trinke niemals Kaffee. Es gab einige leichte bis schwere Schicksalsschläge in den letzten Jahren, und da ich nun seit 5 Jahren Vater bin, habe ich auch mehr Stress und fühle mich oft fremdbestimmt. Ich will also eine depressive Grundproblematik nicht ausschliessen, kann mir aber kaum vorstellen, daß die sich in einem Dauerschmerz manifestiert.

    Ich würde gerne mal eine Woche ohne Schmerz auskommen. Vielleicht auf Kur? Eine feste Anlaufstelle habe ich nicht, ich empfinde meine vielen Arztbesuche in diesem Jahr als unkoordiniert. Habe auch nicht das Gefühl, daß die bisher konsultierten Ärzte noch Ideen haben. Auch google findet kaum Fälle, die meinem ähneln. Der „atypische Gesichtsschmerz“ fällt mir da ein, aber da habe ich nach ein paar Minuten Recherche keine Lust mehr gehabt. Ich fühle mich auf jeden Fall ziemlich allein. Oft ignoriere den Schmerz oder denke mir für die Arbeit eine andere Unpässlichkeit aus, da ich nicht will, daß dort jemand über meinen Zustand Bescheid weiss. Auch in der Familie rede ich nicht gerne darüber. Ich möchte zB nicht, daß meine Tochter mitbekommt, daß ihr Papa ständig Schmerzen hat.

    Naja, danke fürs Lesen 🙂

    heika
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    Hallo Trichter,

    herzlich willkommen in Headbook!

    Du hast ja leider schon einiges hinter dir und steckst aktuell weiterhin in einer schwierigen Situation. Mein Hauptgedanke beim Lesen deiner Geschichte: Hast du einen guten Neurologen bzw. Schmerzarzt? Ich kann verstehen, dass du einige Artzbesuche hinter dir hast, gerade wenn auch HNO und Zahnarzt inkludiert sind, doch du brauchst einen fähigen Neurologen oder Schmerzarzt, der dein Schmerzgeschehen umfassend beurteilt, eine klare Diagnose erstellt und dir ein Behandlungskonzept an die Hand gibt.

    Patienten sollten ihre Diagnosen nicht per Internetrecherche erstellen (müssen) 😉 , wir sind alle nur Laien. Wobei vermutlich auch ein Facharzt in Richtung atypischer Kopfschmerz denken würde, es spricht auch einiges für Reizzustände des Trigeminus-Nerves. Und deine gesamten Nerven in diesem Bereich dürften sensibilisiert und überreagibel sein.

    Wenn du täglich 800mg Ibuprofen auf eigene Faust nimmst und das eh so gut wie nicht hilft, würde ich es weglassen. Deine inneren Organe werden bei Dauereinnahme stark belastet und das ohne zufriedenstellende Wirkung.

    Zum Glück ist dein Zahnarzt „vernünftig“! Wie viele Zähne wurden Schmerzpatienten schon völlig sinnlos gezogen, der Schmerz blieb. Dass deine Kiefermuskeln verspannt sind, ist erklärbar. Wer unter Dauerschmerzen leidet, hat sowieso einen höheren Muskeltonus in diesem Bereich.

    Ich habe übrigens selber zu meiner Migräne hin einen einseitigen Dauerkopfschmerz, teilweise mit Augentränen, laufender Nase, Druckgefühl im Ohr. Und eine dauerhaft „teilgefüllte“ Nasennebenhöhle. Mein HNO führt meine Schmerzen allerdings nicht darauf zurück, machte aber den Vorschlag, per Eingriff den Zugang zu erweitern, damit das Sekret besser abfließen kann. Ein Schmerzarzt riet mir eindringlich davon ab, weil sich gezeigt hat, dass sich bei Schmerzpatienten durch derartige Eingriffe die Schmerzsituation manchmal sogar verschlimmert.

    Eine Kur wird dir überhaupt nichts bringen, weil sich Kurzärzte mit einer derart komplizierten Schmerzsituation nicht auskennen. Ich an deiner Stelle würde einen Aufenthalt in der Schmerzklinik Kiel anstreben. Wenn dir jemand helfen kann, dann dort! Die Wartezeit ist zwar lang, doch du hättest ein Ziel und es ist auf jeden Fall besser, als so weiterzumachen.

    Schmerzen kosten enorm viel Kraft, Dauerschmerzen erst recht, und auch wenn du deine Umgebung möglichst nicht mit deiner Krankheit belasten möchtest, sie wird es trotzdem spüren. Und gerade kleine Kinder haben ein sehr feines Empfinden für so etwas. Ich wollte meine Kinder auch immer schonen, bis sie mir mal sagten, dass es ihnen lieber sei, ich würde ihnen klar sagen, wenn ich Migräne habe. Denn ich sei dann immer gereizter als sonst und dann wäre das erklärbar und sie würden das nicht auf sich beziehen.

    Ich gereizter 😉 ? Wo ich mich doch so gut zusammengerissen habe 😉 ? Tja, Eigen- und Fremdwahrnehmung unterscheiden sich manchmal… 🙂

    Lieber Gruß
    Heika

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    glückdererde
    Teilnehmer
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    Hallo Trichter,

    Du wirst Dir ja sicher schon mal CT- oder MRT-Bilder Deines Kopfes selber angesehen habe: Die Strukturen gehen so ineinander über und sind eng benachbart, dass es manchmal fast unmöglich ist, den eigentlichen Schmerzort wirklich klar zu lokalisieren.

    Das es, nach einer Stirnhöhlen OP zu sehr deutlichen, auch chronischen Schmerzen kommt, ist wohl gar nicht so selten. Ich jedenfalls habe schon häufiger davon gehört.

    Ich glaube, dass bei einem so komplexen Geschehen wie dem chronischen Gesichtsschmerz, der normale niedergelassene HNO/Zahn- etc. Arzt schnell überfordert ist.

    Das heißt, ich empfehle Dir, Dich an eine spezialisierte Ambulanz oder Klinik zu wenden. Dort haben die Neurologen, HNO Ärzte, Zahnärzte und Augenärzte die Möglichkeit auch enger miteinander zu kommunizieren. Ausserdem sind sie halt spezialisiert auf solche Schmerzen.

    Prof. Göbel ist selber Herausgeber eines wissenschaftlichen Buches über Gesichtsschmerzen, so dass ich davon ausgehe, dass Du in Kiel sicher gut aufgehoben wärest. Im UKE in Hamburg gibt es eine Ambulanz für Gesichtsschmerzen von der ich gutes gehört habe. Ich selber war in der Spezialsprechstunde der Zahnklinik der Charité bei einem Dr. Fussnegger den ich als ausgesprochen informiert und auch noch freundlich erlebt habe. (Ich hoffe ich verstosse mit der Nennung der Einrichtungen und Ansprechpartner nicht gegen eine Forenregel.)

    Wenn der Schmerz so hilflos zu machen droht und so in den Mittelpunkt des Lebens rückt, kann man aus meiner Sicht auch mal weite Strecken fahren um zu einem wirklich kompetenten Arzt zu kommen.

    Liebe Grüße
    glückdererde

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27350

    Willkommen bei uns, lieber Trichter. 🙂

    Ein weiterer Schmerzmediziner hat ebenfalls Amitriptylin vorgeschlagen, dazu viel Sport („bis an die Leistungsgrenze“) oder Akupunktur.

    Sport bis an die Leistungsgrenze bei so schweren Schmerzen? Manchmal kann man echt nur noch den Kopf schütteln. Auch der Vorschlag mit der Akupunktur scheint eher aufzuzeigen, dass der Arzt keine Ideen (mehr) hatte. Akupunktur ist eine Placebobehandlung, Evidenz ist keine vorhanden.

    Ich würde ambulant gar nicht weiter rumprobieren, sondern mich um eine Aufnahme in einer spezialisierten Klinik (z. B. Schmerzklinik Kiel) bemühen.

    Liebe Grüße
    Bettina

    trichter75
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5

    Danke für die Antworten!
    Gerade der Link zum UKE, speziell die Seite zum ideopatisch-persistierendem Gesichtsschmerz, hat mir sehr geholfen. Oder auch nicht, denn rosig sieht meine Zukunft wohl nicht aus, wenn diese Diagnose für mich zutrifft. Ich habe mich heute um Termine bei drei Schmerzambulanzen in meiner Nähe beworben, darunter auch in Kiel und Hamburg, und hoffe auf Resonanz.
    Jetzt rächt sich ein bisschen, daß ich über Monate versucht habe, mich möglichst wenig mit meiner Situation zu beschäftigen. Ich bin leider Beipackzettel-sensitiv, daher lese ich sie weder, noch google ich meine Symptome.
    Zur Sache mit dem Sportangebot; vermutlich hätte ich das besser umschreiben sollen. Vorgeschlagen wurde Intervall-basierendes Training, das jeweils für einige Sekunden an die Belastungsgrenze geht. Das hätte zur Folge, daß bestimmte Botenstoffkonzentrationen im Stammhirn sich normalisieren könnten. Soweit jener Arzt. Nach Studien habe ich dabei allerdings nicht gefragt. In der Tat geht es mir besser, wenn ich mal 30 Minuten Rad fahre. Vermutlich, weil mich mein Gekeuche vom Schmerz ablenkt :)).
    Zur Akupunktur meinte er rel. sarkastisch, daß man das ganze Brimborium drum herum bräuchte, damit man besser an die Wirkung glauben kann. Ich denke, daß er um die eher katastrophale Studienlage bei der Akupunktur weiss, aber auf Placebo hofft. Ich empfand diesen Arzt als recht kompetent, zB sagte er direkt am Anfang, daß ich Glück hätte, noch alle Zähne zu haben. Zu oft würde er Patient_innen mit ähnlicher Symptomatik sehen, die sich ohne Erfolg gleich reihenweise die Zähne ziehen lassen würden.

    Ich warte jetzt erstmal auf Rückmeldungen der spezialisierten Ambulanzen. Am Donnerstag gehe ich nochmal zum GMK-Chirurgen, evtl. kann er mir ja mindestens bei der Entlastung der Kiefermuskulatur helfen.

    Wie richtig angemerkt, die mangelnde Koordination der Behandlung ist wirklich etwas, was ich verbessern muss und werde. Am Anfang meiner Odyssee war es zB so, daß der HNO-Arzt mit den Worten „Oft sind Leute jahrelang in Migränebehandlung, haben es aber in Wahrheit mit den Atemwegen.“ mich erst auf den Gedanken einer OP gebracht hat (und der CT sprach ja wirklich Bände). Andererseits hat der Neurologe nicht den Eindruck gemacht, die Möglichkeiten einer HNO-Beteiligung zu erwägen. Hätten sich beide zusammengesetzt, wäre ich jetzt vermutlich nicht in meiner Lage.

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27350

    Ach so, das hört sich nun doch wieder ein wenig anders an. 😉 Besser.

    Moderater Ausdauersport ist auf jeden Fall zu empfehlen, auch für Kopfschmerzpatienten.

    Eine stationäre Therapie wäre sicher eine gute Überlegung.

    Tanni
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 1996

    Hallo Trichter,

    Ich wollte dir gerne noch ein paar Zeilen zum Thema Sport schreiben. Was dein Arzt meint, ist hochintensives Intervalltraining – kurz HIIT. Bei diesem Training wird ein ganzer Cocktail an Botenstoffen ausgeschüttet und ich kann bestätigen, dass ich während des Trainings und auch danach für einige Zeit nicht in der Lage bin, Schmerz wahrzunehmen 😉 einem Migränepatienten würde ich dieses Training aber niemals ans Herz legen, weil es richtig ausgeführt Stress pur ist!

    Wenn du es testen möchtest kann ich dir nur empfehlen, dir einen guten Trainer zu suchen, nicht auf eigene Faust zu testen und je nach deinem Fitnesslevel vorher deine Grundlagenausdauer zu trainieren oder sogar eine Sportmedizinische Vorsorge zu machen… Und wenn du beim Versuch Schmerzen hast oder die sogar schlimmer werden, brich lieber ab.

    Ansonsten – wie Bettina schon schreibt – ist moderates Ausdauertraining sehr zu empfehlen 🙂

    Liebe Grüße, Tanni

    trichter75
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5

    Guten Tag,
    ich wollte mich mal kurz zurückmelden. Ich bin jetzt bei 25 mg Amitryptilin, erhalte CMD-Massagen (Therapeutin sagt, ich wäre generell extrem verspannt, weiss aber nat. nicht, was was verursacht), und morgen versuche ich mal eine TENS. Weiterhin habe ich einen Termin bei einem lokalen Schmerzzentrum in Bremen erhalten.
    Die Schmerzen selbst sind variabel wie nie (mal 2 Tage lang fast komplette Ruhe, dann aber auch einen Tag bettlägerig, weil hohe Intensität). Vielleicht der Amitryptilin-Dosiserhöhung geschuldet.
    Was sich definitiv geändert hat, sind Missempfindungen der Haut. Prickeln, „Luftblasen“ unter der Haut, Kribbeln, etc treten insgesamt öfter auf, allerdings im ganzen Gesicht.
    Was mich noch stutzig gemacht hat: Ich war jetzt 4 Tage bettlägerig erkältet, und dabei waren die Kieferschmerzen einseitig extrem; habe es diesmal mit 2 x 500mg Metamizol versucht, Wirkung allerdings eher enttäuschend :/. Kiefer bzw. Zahnschmerzen bei Erkältungen sind bei mir normal, aber nicht in dieser Intensität. Interessanterweise liessen sie mit Gabe von Xylometazolin etwas nach (Placebo?). Wenn also evtl. die (verstopften) Kieferhöhlen doch am Schmerzgeschehen beteiligt sein könnten, will ich das noch mal final klären lassen. Zwei der grossen HNO-Kliniken hier vergeben Sprechstunden mit Oberärzten bzw. Chefärzten, da habe ich mir einen Termin besorgt, muss mir allerdings noch eine Überweisung vom behandelnden HNO-Arzt besorgen. Keine Ahnung, wie der reagiert, wenn ich ihm quasi mitteile, daß ich da wen anders draufschauen lassen möchte.

    Als letztes habe ich noch eine Frage: Eine gute Freundin von mir, die bereits mit Mitte 30 an Rheuma erkrankt ist, probiert derzeit Cannabinoide zur Schmerzbehandlung. Ich hatte noch keine Zeit, mir die Studienlage anzuschauen, daher allgemein die Frage, ob das einen Versuch wert ist? Wie verträgt sich zB Cannabinol mit 25mg Amitryptilin/Tag?

    glückdererde
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 471

    Lieber Trichter,

    Du hattest ja in Deinem ersten Beitrag angegeben, dass die Gesichts- und Zahnschmerzen nach der Stirnhöhlen-OP wesentlich schlimmer geworden sind. Das ist zumindest erst einmal ein zeitlicher Zusammenhang, dem ich selber nachgehen würde, ob er eventuell auch ursächlich sein könnte.

    Es ist tatsächlich möglich das bei diesen OP’s Nerven beschädigt werden (auch wenn die HNO Ärzte das nicht gerne hören). Aber das ist erst einmal Spekulation.

    Ich hatte Dir ja schon mal zu Hamburg geraten. Da wirst Du zwar Monate auf einen Termin warten müssen. Aber ’selbstgestrickt‘ wirst Du wohl des Rätsels Lösung nicht finden.

    Cannabinol hat, bei einigen ausgewählten Schmerzarten, tatsächlich hervorragende Wirkungen. Die Spastik bei MS gehört zum Beispiel dazu. Aber Cannabinoide sind wirklich keine Schmerzwundermittel.

    Das Cannabinol bei Gesichts-und Zahnschmerzen helfen würde wäre mir allerdings völlig neu. Davon habe ich noch nicht gehört.

    Bei gleichzeitiger Einnahme von Amitriptylin musst Du mit Wechselwirkungen rechnen.

    Ist denn jemals ein MRT des Kopfes, das den Hirnstamm und den Kleinhirnbrückenwinkel einschließt gemacht worden? In seltenen Fällen könnte Läsionen in diesen Gebieten zu Gesichts- und Zahnschmerzen führen.

    Liebe Grüße

    trichter75
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5

    Guten Tag,
    ich wollte mich auch einmal wieder melden. Nach dem Besuch weiterer Ärzte, unter anderem bei einem Chefarzt der örtlichen GMK-Chirurgie und einer Schmerzambulanz in Bremen, hat man sich jetzt eher darauf geeinigt, daß das Problem in der Muskulatur liegt. Anscheinend bin ich ein nächtlicher „Beisser“, nicht Knirscher. Ich trage nun eine Michigan-Schiene (500,- Zuzahlung !!!1!) mache Gesichtsmassagen und mache einmal abendlich 30 Minuten TENS auf der Wangenmuskulatur. In der Tat geht es mir schon etwas besser. Es gibt immer noch (auch harte) Schübe, aber zwischendrin auch mal wieder fast komplett schmerzfreie Tage; die hatte ich seit September nicht mehr. Ob das alles mit den neuen Massnahmen zusammenhängt, kann ich natürlich noch nicht sagen.

    Der GMK-Chirurg empfahl mir Baldrian zur nächtlichen Entspannung während des Schlafs. Ich bin mir aber nicht sicher, wie sich das mit den weiterhin eingenommenen Amitriptylin (25 mg/Tag) verträgt. Gibt es da Erfahrungen?

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27350

    Hallo Trichter,

    nun ja, hoffentlich wirkt die teure Schiene (ist jetzt grad sehr im Trend und ein Hype) auch über einen Placeboeffekt hinaus.

    Amitriptylin sorgt bereits für Entspannung und einen guten Schlaf. Da braucht es nicht mehr. Schläfst Du gut, wirkt es sich bereits entspannend aus auf Dich und verträgst Du es gut? Sonst wäre natürlich immer noch einen Dosissteigerung zu überlegen, da 25 mg sozusagen erst die Einstiegsdosis ist.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Daniela
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 654

    Hi Trichter,

    ich musste echt den Kopf schütteln, als ich gelesen habe, dass du 500€ zugezahlt hast – ist das Ding aus Gold??

    Ich bin auch so ein Nachtbeißer – aber das lässt sich ganz gut in den Griff kriegen. Am Anfang war meine ganze Kiefermuskulatur total verspannt. Meine damalige Zahnärztin hat eine Schiene angefertigt, die aber nicht direkt zum entspannen ist; sondern eher damit die Zähne bei dem festen Zubeißen nicht noch mehr geschädigt werden – sie sagte damals zu mir (ich war 25) meine Zähne sind so abgenutzt wie bei einem 40 Jährigen…

    Im Zusammenhang mit dieser Schiene hat sie mir Physiotherapie aufgeschrieben. 8 Wochen hat ein Therapeut meine Kiefermuskeln weich geknetet. Und er hat mir Übungen gezeigt, die ich immer mal machen kann, wenn ich merke, es verspannt sich.

    Mit den Schienen bin ich nicht soo gut klar gekommen, sie haben mich sehr gestört. Ich habe mir dann angewöhnt, vor dem Einschlafen bewusst zu entspannen; den Mund leicht geöffnet, so dass ich nicht zubeisse; mit der Zeit wurde das dann besser und ich war nach einiger Zeit schmerzfrei (was dieses Problem anging). Vorher konnte ich nichts süßes essen, nichts kaltes, nichts heisses, alles tat höllisch weh. Und die Verkrampfungen der Muskulatur angeht, lebt es sind entspannt auch besser – das hatte ich vorher gar nicht so wahrgenommen.

    Letztes Jahr kam dann ein kleiner Rückfall – ich hatte schlagartig auf einer Gesichtsseite heftigste Schmerzen. Anfangs wusste ich nicht wo die auf einmal her kamen. Bin zum Zahnarzt – der hat nix gefunden. Nach ca. 3 Monaten kam mir die Idee, ich könnte das mal ansprechen, ob es wieder vom Kiefer kommen könnte. Bin dann wieder hin zum Zahnarzt, das war ein Mittwoch – hab mein Problem geschildert und am Freitag hatte ich eine neue, ganz leichte Schiene – muss sie nicht immer tragen, nur wenn ich merke ich bin verspannt, dann trag ich sie eine Nacht und dann ist es meist schon wieder gut.

    Und ich habe NIE irgendetwas zugezahlt. Klar mag es sinnvolle Konzepte geben – bei denen man zuzahlen kann/muss. Aber normalerweise gibt es immer auch einen Weg, den die Krankenkasse zahlt – man muss nur den richtigen Arzt finden – ich weiß…“nur“… 😉 ist nicht immer so einfach.

    Trotzdem wünsche ich dir, dass es hilft, wenns jetzt schon so teuer war 🙂 !!
    Und wenn nicht, such dir einen Arzt der es besser macht 🙂

    Grüßle Daniela
    (am Bodensee könnt ich wen empfehlen *g*)

    Beatrice
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 51

    Hallo zusammen,

    ich hatte vor Jahren auch eine Schiene weil ich so heftig gebissen habe, zwei Kassenschienen habe ich nachts einfach kaputt gebissen. Ich habe mir dann eine Spezialschiene anfertigen lassen auf Privatrechnung, das waren mehrere Termine und Anpassungen und hat fast 1.000 Euro gekostet was ich komplett alleine gezahlt habe, aber die Schiene war überhaupt kein Vergleich zu dem, was die Kasse übernommen hat. Material, Tragegefühl, Stabilität und Passgenauigkeit, da lagen Welten dazwischen. Gebissen habe ich ja aber trotzdem noch.

    Ich habe dann aber im Internet Stirnbänder gefunden, die piepsen, wenn man beißt, davon wacht man dann auf, und mir so das beißen einfach abgewöhnt. Ist eine Biofeedbackmethode und hat bei mir super funktioniert. Das ist ja noch viel sinnvoller als die Schienen, man baut den Druck im Kiefer trotz Schiene ja trotzdem auf. So ein Stirnband kostet um die 400 Euro aber ich hab es nicht bereut, denn seitdem knirsche und beiße ich nicht mehr und meine Verspannungen im Kiefer und den Schläfen sind dadurch komplett weggegangen.

    Wenn es euch interessiert einfach mal XXXXX googeln. Finde ich viel sinnvoller als die Schienen.

    Liebe Grüße,
    Bea

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27350

    Also ich kann nur sagen, dass diese Schienen für die Zahnärzte eine Goldgrube ist, ein Millionengeschäft. Meist ohne erkennbaren Effekt. Einfache Aufbissschienen tun es auch und die werden von den Kassen gezahlt.

    Liebe Bea, ist sicher gut gemeint von Dir, aber € 400 für ein Stirnband auszugeben, das die Nachtruhe stört, indem man permanent aufgeweckt wird – das ist echt der Gau. 😳 Oft finden mehrere Aktionen statt, wenn man Probleme hat und nicht immer ordnet man die Verbesserung richtig zu.

    Fürs Nervensystem ist es nicht gut, wenn man ständig geweckt wird. So kommst Du ja kaum mal in die Tiefschlafphase. Oh weh, das scheint mir keine gute Empfehlung. Habe die Empfehlung in Deinem Text mal entfernt, denn Werbung sollte dafür nicht gemacht werden.

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27350

    PS: Es gibt keinerlei Nutzernachweis, habe eben auch mal danach gegoogelt. Sauteuer, stört den Schlaf und ist ein riesen Ding, das man da an der Stirn hat.

    Beatrice
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 51

    Hallo Bettina,

    da hast du sicher recht, das ist bestimmt nicht gesund, aber bei mir hat es quasi nur eine Woche gedauert bis ich nicht mehr gebissen habe, das heißt eine Woche gestörter Nachtschlaf (und man schläft quasi sofort weiter wenn es kurz piepst) dafür dass man dann einfach nicht mehr beißt und auch die Schienen nicht mehr braucht. Ich denke auch, dass das Teil deutlich günstiger sein könnte, das ist ein großes Manko, aber es stört auch gar nicht beim Schlafen, sitzt sehr angenehm 🙂

    Ich fand es für mich besser als die Aufbissschienen weil die zwar die Abnutzung der Zähne verhindert haben aber nicht die Muskelanspannung weil man ja nicht „verlernt“ zu beißen.

    Hoffe es ist ok, dass ich das nochmal dazu geschrieben habe, ansonsten einfach löschen wenn du möchtest!!

    Liebe Grüße,
    Bea

    trichter75
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5

    ich habe eine Michiganschiene bekommen mit insgesamt 3 Anpassungsterminen. Meine Kasse bezahlt nur die einfachen Schienen, bei diesen Schienen keinen Cent, nicht mal die Kosten, die für eine Kassenschiene aufgekommen wären.
    Habe auch relativ lange mit dieser Ausgabe gehadert, zumal mir jede*r vorher erzählt hat, wie unfassbar ätzend diese Schienen sind, und man niemals damit einschlafen könne… aber der verschreibende Arzt machte mir nicht den Eindruck, daß er noch einen Porsche bräuchte. Mir haben sowohl mein HNO-Arzt als auch der Arzt vom Schmerzzentrum nahegelegt, genau diesen Arzt aufzusuchen (was lustig ist, weil er seit ein paar Jahren direkt neben meinem ZA praktiziert). Er war hier sehr lange Chefarzt für Spezielle Schmerztherapie an der örtlichen Hauptklinik, und ist eigentlich schon quasi in Rente.
    Im Gegensatz zum ersten Kieferspezialisten, bei dem ich war, der mich fast gar nicht untersucht, sondern direkt zur manuellen Therapie geschickt hat, hat der neue Arzt mir nach 10 Minuten (teilweise sehr schmerzhaften) Abtastens erklärt, was mit meinem Gesicht alles falsch läuft (nicht nur visuell :)). Ich knirsche nicht, aber ich beisse. Er konnte mir das sogar anhand der Abdrücke an der Zunge zeigen. Und er war so ehrlich, daß er mir nicht versprechen könne, daß die Schmerzen damit weggehen.
    Die Schiene sitzt übrigens schon sehr gut, ich habe mich nach 2 Nächten so daran gewöhnt, daß ich sie schon einmal vergessen habe.

    Und der Placebo wirkt natürlich stärker, je teurer die Therapie ist :).

    —-
    Anderes Thema: Wie ist es eigentlich mit der generellen Schmerzsensibilität?
    Ich habe mir ja letztes Jahr aufgrund Diclo/Ibu-Übergebrauchs eine Gastritis eingehandelt, woraufhin mein Magen und im Januar auch der Darm gespiegelt wurden. Ich habe danach tagelang Schmerzen im linken Bauch gehabt. Der behandelnde Arzt erklärte mir, daß man beim Spiegeln links aufgrund der Windungen etwas rabiater vorgehen müsste, aber nur hypersensible Patienten davon etwas mitbekommen.
    Dann wiederum bin ich letzte Woche mit höllischen Schmerzen im Unterbauch/Rücken mit Verdacht auf Nierenkoliken hier abends in die Notfallurologie gefahren, aber die (und mein Urologe am Tag danach) haben einfach nichts gefunden, was diese Schmerzen erklären könnte. Anschliessend hat man mich mit 100 mg Diclo rektal nach Hause geschickt (und mir Novaminsulfon mitgegeben („falls es nicht reicht“)). Jetzt sind die Schmerzen zwar weg, aber ich muss wieder allerhand Sachen machen, u.a. zum Orthopäden (weil Ausschlussdiagnose) und ein Harnwegsscreening beim Urologen.
    Egal was, alles mögliche verursacht bei mir offensichtlich mehr Schmerzen als bei normalen Menschen. Ätzend und manchmal auch was peinlich.

    Ich habe in den letzten 15 Monaten mehr Zeit bei Ärzten verbracht als in den 10 Jahren davor.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 3 Tagen, 3 Stunden von  trichter75.
    • Diese Antwort wurde geändert vor 3 Tagen, 3 Stunden von  trichter75.
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    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5408

    Hallo Trichter,

    deine Beobachtung, dass unsere Schmerzsensibilität oft erhöht ist, ist richtig. Prof. Göbel sagt das so, dass Schmerz immer noch mehr Schmerz erzeugt.

    Bei Schmerzen „feuern“ die Nervenzellen verstärkt, und je länger und mehr „gefeuert“ wird, desto schwieriger lässt sich das wieder beruhigen und desto länger dauert es, bis wieder Ruhe bzw. Beruhigung einkehrt.

    Wir spüren Schmerzen intensiver – so wie wir auch andere Dinge in unserem Leben intensiver wahrnehmen -, was jedoch keineswegs bedeutet, dass wir zimperlich sind und wenig aushalten können. Wenn ich hier so lese, was etliche von uns tapfer durchstehen, da würde so mancher „von Schmerzen bislang Unbeteiligte“ 😉 darunter zusammenbrechen.

    Lieber Gruß
    Heika

    heika
    Teilnehmer
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    Ich habe mir gerade vor Kurzem wieder eine ganz normale Aufbissschiene anfertigen lassen. Nachts gehöre ich zu denen, die die Zähne fest aufeinanderpressen, nicht knirschen. Zum einen möchte man die Zahnsubstanz schonen, zum anderen verhindern, dass im Kiefergelenk zu viel Druck ausgeübt wird, was zu Abnutzungserscheinungen (Arthrose) führen kann. Unsere Kiefermuskeln sind ja die stärksten (!) Muskeln im ganzen Körper, die enorme Kräfte entwickeln können.

    Die Schiene vergrößert den Abstand zwischen den beiden Zahnreihen, was das Gelenk entlastet.

    Für viele Kopfschmerzpatienten ist eine bewusste Entspannung des Kieferbereichs von großer Bedeutung, weil gerade dort starke Verspannungen auftreten können, ohne dass du uns das immer so bewusst ist. Wir können uns da entsprechend trainieren und das kann derart prägend in Fleisch und Blut übergehen, dass der erste Gedanke, wenn wir aus dem Schlaf auftauchen, derjenige ist, dass wir unsere Kiefergelenke bewusst entspannen sollen. Klingt vielleicht ein wenig seltsam, funktioniert aber wirklich.

    Auch tagsüber, gerade in Stresssituationen, ist ein bewusstes Entspannen dieser Region sehr effektiv. Denn hohe Anspannungsgrade in der Muskulatur führen zu einer noch höheren Nervenaktivität, und gerade das können wir Kopfschmerzpatienten am allerwenigsten gebrauchen.

    Bettina Frank – Admin
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    Hallo Bea,

    Hoffe es ist ok, dass ich das nochmal dazu geschrieben habe, ansonsten einfach löschen wenn du möchtest!!

    aber nein, keineswegs! 🙂 Schreibe nur Deine Meinung, ich tue das ja auch. 😉 Fakt ist, es gibt keine Evidenz und ob Du nun tatsächlich nicht mehr zusammenpresst, das weißt Du ja nicht. Auch diese Verspannungen können variieren, je nachdem, wie viel Stress Du sonst gerade hast. Muss also kein direkter Effekt dieses schlafstörenden Stirnbands gewesen sein. 😀

    Schienen, die von den Kassen getragen werden, kann man einfach mal testen. Dafür muss man nicht selbst ein Vermögen ausgeben.

    Manchen helfen sie, anderen nicht und bei wiederum anderen triggern solche Schienen sogar nächtliche Attacken. Prof. Göbel sagte mal, dass das Gehirn auch im Schlaf eine Schiene als Fremdkörper registriert und darauf reagiert. Nicht jeder „verträgt“ das, daher einfach mal für sich selbst testen.

    Liebe Grüße
    Bettina

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