Mein persönlicher Schmerzverlauf

Mein persönlicher Schmerzverlauf

Verspätete Vorstellung (Jasmin)

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  • Jasmin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 342

    @heika: entschuldige, Heike, ich habe mich gar nicht für deine Antwort bedankt – das möchte ich hiermit gerne nachholen!!

    @alle anderen: kann mir jemand sagen, ob ich auf Micardis auch mit Verschlechterung reagieren kann? Ich habe vor drei Wochen von Candesartan auf Micardis umgestellt als Prophylaxe, habe eher niedrigen bis normalen Blutdruck. Ich hatte das GEfühl, dass es mich eher schwächt als hilfreich ist und habe es vor drei TAgen abgesetzt um zu schauen, was passiert. Vorher bewirkte es Verstopfung trotz 600mg Magnesium täglich und ich hatte das GEfühl, dass ich danach immer noch weichere Knie bekam. Allerdings war ja nun auch die Wetterlage extrem. Die Migräne war kein bisschen weniger als vorher, seit Abdosieren des Prednisolon (ab 40mg) wieder täglich. Habe aber erst nach 2 Wochen das erste Triptan genommen, seitdem dreimal in 6 Tagen und heute gehts schon wieder los.
    Ich fühle mich deutlich entspannter als vor 3 Wochen, habe mich nach Vorschrift verhalten, aber nun das 4. Triptan in 1 Woche? Momentan fühle ich mich allerdings auch nicht in der Lage eine Attacke unbehandelt durchzustehen, es dauert bei mir immer mehrere Tage mit oft unstillbarem Erbrechen.
    Wie würdet ihr die Situation handeln?

    Herzliche Grüße
    Jasmin

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 26778

    Liebe Jasmin,

    drei Wochen sagen noch gar nichts aus, wie Du weißt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Micardis noch nicht greift und die Migräne halt jetzt ohne Schutz durchkommt. Zudem sind die Wetterverhältnisse in diesem Sommer mehr als anstrengend.

    Ich würde an Deiner Stelle etwas mit Sedierung arbeiten und diese Übergangsphase so gelassen wie möglich akzeptieren.

    Liebe Grüße
    Bettina

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4254

    Liebe Jasmin,

    Auf deine Frage hin, ob dir jemand sagen kann……. gibt es natürlich ein nein. Niemand kann dir sagen wie du reagierst. Jeder ist individuell, und daher ist bei jedem alles möglich. Natürlich ist es möglich, dass du mit Verschlechterung reagierst.

    Eine Prophylaxe braucht mind. 12 Wochen, bevor sie ihre Wirkung richtig zeigen kann. Somit ist vorher auch keine wirkliche Beurteilung möglich. Alle scheinbaren Verbesserungen oder auch Verrschelchterungen sind ja noch sehr vage. Warum hast du nicht vor dem Absetzen hier gefragt? 🙂 Schade, denn es ist nun eine vertane Chance. Ob es nun am Wetter liegt oder woran auch immer, du wirst nicht sicher sagen können, ob Micardis für dich eine gute Prophylaxe gewesen wäre. Ich pers. habe auch bei niedrigem Blutdruck und niedrigem Puls sehr gute Erfahrungen mit dem Medikament gemacht.

    Beim Forentreffen wurde in dem Vortrag von Prof. Göbel wieder sooooo deutlich klar, Migräne ist eine Reizverarbeitungsstörung. Wenn alle Tabletten nicht mehr nutzen und nix mehr geht, hilft es nur an der Reizüberflutung zu arbeiten.

    Schau dazu mal unter Migräne-Wissen. Du kannst der Reizüberflutung nur mit Verhalten entgegentreten.

    Alles Liebe
    Sternchen

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Monate, 2 Wochen von  sternchen.
    Jasmin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 342

    Danke, Bettina und Sternchen, für eure Antworten!
    Ich habe gestern abend noch mit meiner Ärztin gesprochen und werde mit Micardis wieder starten, also „noch“ keine vertane Chance.
    Dass ich darauf „natürlich“ mit Verschlechterung reagieren kann, war für mich überhaupt nicht klar, denn ich habe hier ein bisschen geforscht und nur positive Reaktionen darauf gefunden…
    Dass ich Reizüberflutung vermeiden muss, weiß ich ja alles und lebe – soweit irgendmöglich – danach, am Wetter kann ich eben nichts drehen und das hat mich definitiv insbesondere letzte Woche fertig gemacht, es gab kein Entrinnen auch „indoor“. Ich bin nicht mehr berufstätig, meine Kids alle außer Haus, in Abständen hilft mir jemand bei anstrengenderen Putzarbeiten etc. – also von daher alles entspannt. Da fällt mir nichts mehr ein leider.
    Zudem soll ich (lt.meiner Ärztin) gerade aus dem GEdanken rauskommen, dass ich für diese schlechten Phasen verantwortlich bin. So hoffe ich mal, dass die Abkühlung nun eine Wende bringt.
    So eine anhaltende Schmerzphase wie seit Ende Mai hatte ich bislang wohl nie und es fällt mir megaschwer es anzunehmen. Typischerweise kam die schlimmste PHase als ich keinerlei Termine anstehen hatte und nur runterkommen und genießen wollte:(
    Ich wünsche euch allen einen möglichst klaren Kopf und ein schönes Wochenende mit Genießermomenten!
    Liebe Grüße
    Jasmin

    Tanni
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 1950

    Liebe Jasmin,

    nur mal so ein Gedanke von mir, wenn es nicht stimmt, darfst du ihn gleich wieder verwerfen…

    Du schreibst, dass du beim Thema Reizüberflutung und Entspannung schon vieles optimiert hast – keine Arbeit, Kinder aus dem Haus, Putzhilfe etc. – das sind alles Faktoren, die von außen stressen können und die du offenbar gut organisiert hast – aber wie sieht es bei der Entspannung im Inneren aus? Gleich im nächsten Satz schreibst du, dass du aus den Gedanken rauskommen musst, dass die Verantwortung für die schlechten Phasen bei dir liegt. Und auch bei deinen anderen Beiträgen habe ich ein bisschen den Eindruck, als ob du dir sehr viele Gedanken machst, dich damit auch unter Druck setzt und nicht einfach sein lassen kannst…

    Ich kenne es von mir, alles ist erledigt, ich hab nichts hintendran, hab Zeit, einfach mal die Füße hochzulegen und nichts zu tun und tue genau das – und meine Gedanken? Die rasen unentwegt, obwohl sie es eigentlich gar nicht müssten, weil ja nichts ansteht. Warum geht es mir gerade gut? Habe ich eigentlich bei dem Gespräch vor zwei Wochen den einen Halbsatz vielleicht doch etwas zu streng formuliert? Was muss ich Montag alles mit meinen Kollegen besprechen? Ich wollte ja noch den krummen Bilderrahmen richten… Und schon läuft das Gedankenkarussell ununterbrochen.

    Dabei ist es unglaublich wichtig, dass gerade auch das ständige Denken ab und an zur Ruhe kommen kann – so ist zumindest meine Erfahrung. Es tut mir gut, regelmäßig Pausen zu machen, auch vom Denken.

    Vielleicht findest du ja in dieser Richtung noch Möglichkeiten für mehr Entspannung 🙂

    Ich danke für deine lieben Wünsche und wünsche dir auch ein schönes und entspanntes Wochenende!

    Sonnige Grüße, Tanni

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4254

    Liebe Jasmin,
    nein, nein, so wird das nichts. Klar, bist du für die schlechten Phasen nicht verantwortlich. Niemand trägt die Schuld an seiner Krankheit. Das sind alte, festsitzende und anerzogene Erklärungen, die man gerne Betroffenen andichtet. Es ist ja so einfach zu sagen: „selber schuld wenn…“. Ich verstehe aber auch, die Logik und den Automatismus, der hinter Rat suchen und Rat bekommen steckt.

    Schau mal, ich hatte geschrieben, dass wenn keine Medi´s mehr helfen, letztendlich nur noch an der Schraube „Verhalten“ gedreht werden kann. Soll heißen, dass es keine Alternative gibt. Ließ mal in den Beiträgen zuvor. Ich glaube dir sind alle Möglichkeiten genannt worden.

    Warum hast du die Prophylaxe Micardis schon so früh abgesetzt. Du weiß ja, wie lange, und warum die Prophylaxen erst nach frühestens 12 Wochen bewertet werden können. Dass jeder anders reagiert, dass wurde hier auch schon immer so kommuniziert. Wenn du zu Micardis nur positives gelesen hast, dann heißt das ja nicht, dass es bei dir auch so sein muss. Außerdem wissen wir gar nicht, ob Micardis für dein Unwohlsein verantwortlich war. Das Wetter hat uns alle fertig gemacht. (Bis auf so ein paar Ausnahmen, die es eh lieber kochend mögen.) Nicht Heika? 🙂 🙂 🙂

    Was nützt es, wenn die Kinder aus dem Haus sind, sauber gemacht wird, und du auch nicht mehr arbeiten mußt, du aber mit klopfenden Fingern da sitzt, und sich im Kopf alles überschlägt, weil es sich nicht bessert.

    Es ist ein Trugschluss, dass die Migräne besser wird, wenn man nicht mehr arbeitet!!!!!!! Das Leiden ist besser zu ertragen, das ist zweifelsohne so. Das kann ich aus eigener Erfahrung so bestätigen. Wenn in dir nichts als warten, warten auf den Moment, das die Migräne endlich Ruhe gibt, vorherrscht, dann ist es das Wichtigste, dass an der Schraube „Verhalten“ gedreht wird.

    Diese Ungeduld, dieses nicht akzeptieren können wie es eben grade ist, das macht fertig. Nicht die Geduld zu haben, Micardis erst abzusetzen wenn alle Fragen beantwortet sind. Dieses rein, raus ist für dich und deinen Kopf eben Gift. Das dein Kopf nach einer Stressphase, wie du schreibst, mega schlecht drauf ist, ist hier für viele ganz normal. Dein Kopf wird dich runterholen. Wenn nicht mit Einsicht, dann eben so. Genießen WOLLEN das funktioniert nicht.

    Liebe Jasmin, ich mag mich in dem ein oder anderem täuschen. Vielleicht gibt es hier auch ganz andere Meinungen. Ich habe allergrößtes Verständnis für deine Situation. Es ist nicht so, dass Geduld meine große Stärke ist. Auch ich hätte die Migräne gerne anders und meine manchmal, dass es doch irgend etwas geben muss, was mir sofort hilft. Die Migräne hat mir aber anderes gelehrt. Die Schuldfrage ist übrigens ein Klassiker, den hier die meisten überwinden mußten, bevor Besserung kam. Deshalb mein Appell an dich, gib deinem Kopf Ruhe. Bei allem, wirklich allem was du machst ist dein Kopf beteiligt. Mache dir bewußt, was alles Reize für dein Gehirn sind und versuche runterzukommen. Die Akzeptanz ist eines der Schlüsselworte.

    Alles Liebe
    Sternchen

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 298

    Liebe Jasmin,

    von mir noch ein paar Worte.

    Zudem soll ich (lt.meiner Ärztin) gerade aus dem GEdanken rauskommen, dass ich für diese schlechten Phasen verantwortlich bin. So hoffe ich mal, dass die Abkühlung nun eine Wende bringt.

    Dieser Gedanke ist nicht von den Temperaturen oder sonstigem abhängig! Wenn es jetzt etwas kühler wird und es dir besser gehen sollte, dann hast NUR DU (mit professioneller Hilfe?) die Möglichkeit, diesen Gedanken zu verändern. Und schieb diese „Arbeit“ nicht weg, sie ist so WICHTIG, DAMIT du aus diesem Gedanken rauskommst und die Gefahr minimiert wird, dass du in der nächsten schlechten Phase wieder so denkst!

    Die Gedanken kann man nicht einfach abschalten, dass erfordert Übung, immer und immer wieder. Und das klappt nicht immer gleich gut: mal besser, mal schlechter, mal richtig gut, mal überhaupt nicht! Aber das muss man nicht bewerten, dann hat man es eben probiert und morgen geht’s vielleicht besser!
    Mir helfen immer wieder Pausen, die ich JEDEN TAG einlege und meistens ganz bewusst gestalte, z.B. mit PMR, Meditation, Visualisierung – da lenke ich meine Gedanken ganz bewusst in eine bestimmte Richtung (Muskelan/entspannung, Atmung, Bilder oder Phantasiereisen, die mir gut tun). Oder einfach Hinlegen und den Geräuschen der Natur zu lauschen (ich wohne am Fleet…) oder das Fenster zu schließen und die Stille zu genießen. Über die Gedanken, die dann (bei mir auch immernoch!) automatisch kommen, ärgere ich mich nicht, sondern packe sie in eine Seifenblase oder auf eine Wolke und schicke sie weg (bei hartnäckigen immer und immer wieder), da gibt es sicher auch noch viele andere hilfreiche Bilder.
    Also nicht Kaffee trinken, lesen, im headbook schreiben oder… – das sind keine Pausen für mein Gehirn!!!

    Auch, wenn ich in der Migräne bin, versuche ich, „gute“ Gedanken zu haben. In Gedanken singe ich das Lied von Martin Buchholz „Leicht“, mir hilft das ein bisschen. Oder ich atme ganz bewusst gaaaaanz ruhig, damit es nicht so stark hämmert. Wenn ich mich ärgere oder heule, dann „klopft“ es da oben drin erst richtig fett! Oder ich lasse ganz bewusst meine (angespannte) Stirn los, lasse sie gedanklich glatt werden! Es gibt Mantras (oder wie immer man das auch nennen mag), die man auch selbst formulieren kann. Schau, wenn es dir besser geht, ob du da etwas für dich Hilfreiches findest oder formulierst, was dir das alles etwas leichter macht! Ich sehe vor meinem inneren Auge z.B. jetzt gerade beim Schreiben über dieses Thema eine weiße Feder, die sich im sanften Wind bewegt und langsam und sachte auf den Boden sinkt. Und übe das alles auch in besseren Phasen, dann klappt es auch in schweren Phasen besser!

    Typischerweise kam die schlimmste PHase als ich keinerlei Termine anstehen hatte und nur runterkommen und genießen wollte:(

    Was bedeutet für dich „Runterkommen“ und „Genießen“, was genau verstehst du darunter? Wenn du beides machen wolltest und es nicht klappt und du das bedauerst oder dich ärgerst, weil du gerade dann Migräne hast, ist es genau der Stress und Reiz, von dem Tanni und Sternchen schreiben!
    Es hört sich schwer oder gar unmöglich an, sich auch in der Migräne entspannen zu können, aber es ist möglich! Natürlich wirst du dann nicht tiefenentspannt sein, logo, aber jedes noch so winzig kleine Loslassen – muskulär oder gedanklich – kann helfen, es besser zu ertragen!

    So eine anhaltende Schmerzphase wie seit Ende Mai hatte ich bislang wohl nie und es fällt mir megaschwer es anzunehmen.

    Du weißt aus eigener und/oder der Erfahrungen anderer Headbooker, dass sich die Migräne immer wieder in jegliche Richtungen verändern kann. Also, wenn es anhält, dann hält es an! Du hast aber trotzdem einen gewissen und guten Handlungsspielraum: mit Akutmedikamenten, mit Sedierung, auch mit Cortison (aber nicht so oft!), mit Gedankenveränderung und wie Sternchen schreibt und was Prof. Göbel beim Forentreffen betont hat: mit VERHALTENSÄNDERUNG!!!

    Also Kopf hoch (mit diesem Titel gibt es auch ein schönes und hilfreiches Buch) und ran an‘s Werk in DEINEM TEMPO!

    Alles Liebe
    Katrin

    Viva la Vida! 🍀

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Monate, 2 Wochen von  Katrin.
    Anna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 271

    Liebe Jasmin,

    jedes Jahr, wenn die Sommerferien beginnen und der ganze Stress mit einem Schlag von mir abfällt, ist das erste, was ich bekomme, eine Mördermigräne.
    Meine Migräne macht keine Ferien, leider.

    Stress dich nicht mehr als nötig.

    LG Anna

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 26778

    Nur zur Info, aber Jasmin wird sich eh noch dazu melden. 😉

    Jasmin ist, bzw. war immer wieder mal in Therapie, um eben auch zum Thema Akzeptanz und Umgang mit den Schmerzen zu lernen und ihre Einstellung dazu zu optimieren. Das ist nicht so einfach, wenn man auch mit Ängsten behaftet ist und einen jede neue schlimme Phase wieder in ein tiefes Loch stürzt. Da helfen die guten Ratschläge von außen nicht immer so wirklich gut, sie können sogar das Gefühl, immer wieder zu versagen, noch verstärken. Besser, regelmäßig therapeutisch ranzugehen und zu „üben“, die Situationen von mal zu mal gelassener über sich ergehen zu lassen. 😉

    Liebe Grüße
    Bettina

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 298

    Wobei ich ja denke, meine könnte sich bei ihrer chronischen Dauerhäufung auch mal Urlaub gönnen… 😉😉😉! Aber der scheint die Energie nicht auszugehen…! Oder dass es ihr mal zu heiß wird…! Gibt es dafür nicht einen Begriff? Multiresistenz?

    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3895

    Mir kommt bei dieser Diskussion der Gedanke,
    wie schwierig es ist,
    die Berichte vom Vortrag beim Forentreffen, bei dem es ja offenbar darum ging, wie wichtig das eigene Verhalten, Entspannung und Ruhe sind,
    mit der Erfahrung überein zu bringen, dass dies trotzdem eben kein Schalter zum Abstellen der Migräne ist.
    Wir sollen, bzw. dürfen für uns sorgen, aber wir dürfen nicht erwarten, dass damit die Migräne beherrschbar(er) wird.

    Solch eine Schlussfolgerung liegt so nahe : Ich tue mehr für mich und habe dann weniger Migräne.
    Und dennoch ist genau dieses Denken schon wieder Stress, denn wenn das nun nicht klappt . . .?

    Vielleicht ist es notwendig, jedes Bemühen, die Migräne beherrschen zu wollen (und zu sollen ! ! ! ) , aufzugeben?
    Dem Körper die unterstützenden Medikamente zu geben, die ihm helfen und alles Verhalten darauf zu zielen,
    dass wir uns mehr Wohlgefühl verschaffen, egal ob mit oder ohne Migräne? Also alles Kämpfen sein lassen?

    Ich finde das sehr schwierig.

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 298

    Vielleicht ist es notwendig, jedes Bemühen, die Migräne beherrschen zu wollen (und zu sollen ! ! ! ) , aufzugeben?
    Dem Körper die unterstützenden Medikamente zu geben, die ihm helfen und alles Verhalten darauf zu zielen,
    dass wir uns mehr Wohlgefühl verschaffen, egal ob mit oder ohne Migräne? Also alles Kämpfen sein lassen?

    Ja! Vielleicht ist es wahrscheinlich genau das, was die Einstellung zur Migräne ändert und den Umgang mit ihr etwas leichter macht. Und sich vielleicht verändert sich dadurch die Migräne selbst auch, vielleicht wird sie weniger intensiv oder weniger häufig? Weil sie das – wie Sternchen es schreibt:

    Dein Kopf wird dich runterholen. Wenn nicht mit Einsicht, dann eben so.

    – vielleicht gerade das nicht mehr in dem Maße tun muss, wenn wir gut für uns sorgen und achtsam mit uns und unseren Bedürfnissen umgehen?

    Ich verstehe die Aussage, das Verhalten zu ändern, auch so, dass sie nicht nur das Tun und Machen an sich beinhaltet, sondern ebenso die Überprüfung und die mögliche Veränderung der Einstellung, der Sichtweise, des Blickwinkels, der Denkweise! Und das nicht nur mit Blick auf die Migräne, sondern ohne den ständigen Fokus darauf, wie du es beschreibst, liebe Alchemilla! Und dann ist es automatisch kein Kampf mehr, in den wir sonst so viel Zeit und Energie investieren – ohne dafür mit weniger Schmerzen belohnt zu werden!
    An einem Beispiel wird das vielleicht klarer: wenn ich denke, dass ich erst dann am Leben teilhaben kann, wenn ich keine Migräne mehr habe, dann fange ich womöglich nie an zu leben! Wenn ich aber meinen Blick darauf lenke, was mir trotz der Migräne möglich ist oder ich die Erfahrung mache, dass ich trotzdem Manches machen kann, fühle ich mich seelisch deutlich besser und ich lebe auch dann, wenn ich Migräne habe (natürlich nicht, wenn gar nichts mehr geht!). Und das Wissen, was ich kann und was möglich ist, entspannt mich und mein Verhältnis zur Migräne etwas, oder?

    Ich weiß noch, dass ich fragte – als ich hier im headbook zu schreiben begann – wie ihr das macht mit dem Schreiben mit Migräne! Ich konnte mir das gar nicht vorstellen. Und nun? Schreibe ich selbst häufig mit Migräne! Es geht – nicht immer, aber häufig mit leichter und mittelstarker Migräne.

    Viva la Vida! 🍀

    Jasmin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 342

    Ihr Lieben alle,
    ich danke euch ganz herzlich für eure vielen Ideen und die Anteilnahme. Euer „Coaching“ bringt mir bzgl. der Migräneerkrankung ehrlich gesagt mehr als die Psychotherapie,da die Therapeutin schon sehr kompetent und mir sehr hilfreich war/ist, aber eben bzgl. der Schmerzerkrankung nicht geschult.

    Ich kann nun gar nicht auf die vielen einzelnen Dinge eingehen, nur soviel: das Micardis hatte ich kurzzeitig zur Probe ausgesetzt, weil ich das Gefühl hatte, dass ich eine Zeit nach Einnahme immer total weiche Knie bekam, mein Blutdruck auch noch etwas niedriger wurde. Nun habe ich die weichen Knie aber auch ohne Micardis momentan und ich schiebe es mal auf die enorme Hitzebelastung der letzten Wochen, besonders noch Anfang dieser Woche. Während der zwei Wo. mit Kortison habe ich mich ja deutlich besser gefühlt und habe diesen Schutz genossen, war auch zufrieden und zunehmend entspannt damit, mich mal ganz zurückzuziehen, viel zu lesen und entspannen, abends wenns erträglich war, im Garten zu liegen etc. Leider waren es trotz Kortison allein im Juli immerhin 21 Schmerztage, nur damit ihr wisst, wovon ich rede.

    Doch als die Schmerzen nach Absetzen wieder deutlich doller wurden, konnte ich einfach nix mehr machen und da habe ich zunehmend eine Art Lagerkoller bekommen, wäre gern mal wieder „unter Menschen“ gegangen, das ging aber nun wegen der Mega-Hitze nicht.

    Ich kann mich durchaus beschäftigen, habe viele Interessen, doch ich bewege mich einfach auch gerne, bin eigentlich nicht die geborene Couchpotatoe. Und wenn ich dann wirklich für längere Zeit so ausgebremst werde – und mit den Migräneschmerzen plus Übelkeit kann ich dann nix als rumliegen – dann deprimiert mich das zunehmend. Ich habe einfach auch gerne Kontakt zu anderen Menschen gelegentlich.

    Ein paar Mal war das Problem, dass ich zunächst kein Triptan genommen habe, weil es ein leichter Schmerztag war, wie ich sie in den letzten Jahren oft nur mal 1 Tag hatte, nun kam es aber an den nächsten Tagen richtig durch für 3-4 Tage und da wollte ich nicht gleich durchgehend Triptane nehmen. Gestern nach dem Triptan hatte ich heute einen schmerzfreien Tag und war schwimmen. Damit kann ich dann gut leben und die kühleren Temperaturen bringen hoffentlich für alle etwas Erleichterung.
    Ich bin ja lernfähig und nach unseren Diskussionen der letzten Wochen habe ich wirklich bzgl. Akzeptanz dazugelernt, meditiere täglich mind. eine halbe Stunde, um – wie Katrin empfiehlt – mal nix zu denken, was ja für uns Frauen nun wirklich nicht einfach ist 😉
    Also ich übe.
    Was für mich wirklich schnell zur Reizüberflutung werden kann, ist lange Beschäftigung mit digitalen Medien (am Handy surfen etc.), wobei lange heißt mehr als 1 Std./Tag. Und die sind doch schnell zusammen gekommen. Schafft ihr das mit weniger? Ich finde es so verführerisch, gerade wenn man wirklich viel ans Haus gebunden ist..

    Ich grüße euch ganz herzlich
    Jasmin

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5104

    Mir persönlich bringt Headbook auch mehr als alles andere, Jasmin, weil alle selber Betroffenen eine ganz andere Perspektive auf die Erkrankung haben und damit auch ein umfassendes Verständnis dafür, das anderen abgeht. Deswegen höre ich auch sehr genau hin, wenn hier Dinge besprochen werden, und prüfe immer wieder, was davon auch auf mich passen könnte. Ich habe durch unseren Austausch schon sehr viel gelernt!
    Auch wenn Außenstehende sich noch so sehr bemühen, sie können das einfach nicht nachvollziehen, was das Leben mit so einer mehr oder weniger schweren Erkrankung bedeutet, welche Konsequenzen das für unser gesamtes Leben hat.

    Und unsere verschiedenen Ausprägungen machen das alles für unsere Umwelt nicht leichter… Ich kann z.B. ohne Probleme mit Migräne stundenlang am PC sitzen, mich lenkt das eher ab. Nur wenn es mir sehr schlecht geht, wenn sozusagen gar nichts mehr geht, dann vertrage ich auch den PC nicht.

    Ich lasse mir auch von Außenstehenden nicht (mehr) reinreden, was ich mir zumute und was nicht. Denn wer kann schon nachvollziehen, was mich stresst, was bei mir zur Reizüberflutung führt? Keiner! Deshalb wehre ich mich gegen allgemeine Warnungen wie „Streng dich nicht so an, sonst bekommst du bestimmt wieder Migräne!“ Nun, die Migräne bekomme ich auch, wenn ich eine Woche lang nur still auf der Couch sitze 😉 . So möchte ich an den Tagen, an denen ich so einigermaßen lebensfähig bin, auch in meinem Sinne „leben“. Wenn mich meine Arbeit erfüllt, zufrieden macht und ich nicht unter starkem Zeitdruck arbeiten muss, vertrage ich das sehr gut. Ich spüre selber ganz gut, wann mich was in welchem Umfang stresst.

    Logischerweise geht jeder von sich selber aus. Meine – es selbstverständlich gut mir meinende – Umgebung geht genauso davon aus, was sie stressen würde und warnen mich vor diesen angeblichen „Anstrengungen“. Dabei stressen mich ganz andere Dinge, z.B. eine laute Geräuschkulisse, aufdringliches Musikgedudel in Kaufhäusern, beim Friseur und wo noch überall, oder wenn ich (trotz Navi) mit dem Auto durch eine mir unbekannte Großstadt fahren müsste. Schon beim Gedanken daran steigt mein Blutdruck 😉 .

    Klar, es gibt allgemein gültige Regeln, z.B. dass man unter einer Medikamentenpause mit Kortison auf körperliche Schonung achten muss. Manchen fällt das schwer, weil die Schmerzfreiheit förmlich dazu verlockt, endlich Dinge tun zu können, die man sonst nicht tun kann. Doch damit würde man eine optimale Wirkung des Kortisons verhindern, so etwas muss man wissen.

    Liebe Grüße
    Heika

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Monate, 2 Wochen von  heika.
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    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5104

    Das hast du sehr richtig erkannt, Sternchen, dass der Sommer MEINE Jahreszeit ist. Ab 30 Grad beginne ich gerade erst zur Normaltemperatur aufzulaufen und auch mal meine Socken auszuziehen. 😀
    Wobei… in diesem Sommer kam sogar ich mit meinem Wohlbehagen an meine Grenzen, als es nachts so gar nicht mehr abkühlen wollte.

    Mich sprechen zurzeit sehr viele Leute darauf an, dass das Wetter meinem Kopf doch sehr zu schaffen machen müsste. Tut es nicht. Stabile Wetterlagen vertrage ich am besten, egal ob Hitze, Regen oder Kälte. Die Wetterwechsel von kalt auf warm mag mein Kopf am wenigsten.
    Es geht ihm allerdings gerade gar nicht gut, doch das liegt definitiv nicht am Wetter, es ist einfach eine sehr schlechte Phase.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Monate, 2 Wochen von  heika.
    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 298

    Beim Socken ausziehen mache ich auch erst dann mit, liebe Heika 😉!
    Ich wünsche dir gute Besserung 🍀🐷 und einen leichten Kopf 🦋!

    Anna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 271

    Mir geht es da aber ganz ähnlich wie Heika.
    Die ganze Zeit während es so heiß war, ging es mir gut.
    Aber jetzt da es täglich rauf und runter geht, geht es auch bei mir wieder los.

    LG Anna

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 298

    …die Therapeutin schon sehr kompetent und mir sehr hilfreich war/ist, aber eben bzgl. der Schmerzerkrankung nicht geschult.

    Liebe Jamin,

    vielleicht schaust du doch mal, ob es in deiner Nähe einen Schmerzpsychotherapeuten gibt? Die haben eine zusätzliche Ausbildung in Punkto Schmerz. Es lohnt sich!

    Liebe Bettina,

    vielleicht ist es möglich – und ich hielte es für sehr sinnvoll – wenn hier auf der headbook-Seite eine Liste zertifizierter Schmerzpsychotherapeuten verlinkt wird. Meine Erfahrung ist, dass die „Arbeit“ dort bezüglich der Schmerzen anders und deutlich effektiver ist als bei einem „normalen“ Psychotherapeuten. Beweg das mal in deinem Herzen.

    Euch und allen wünsche ich ein schönes Wochenende!

    Ganz liebe Grüße
    Katrin

    Viva la Vida! 🍀

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 26778

    Liebe Katrin,

    vielleicht ist es möglich – und ich hielte es für sehr sinnvoll – wenn hier auf der headbook-Seite eine Liste zertifizierter Schmerzpsychotherapeuten verlinkt wird. Meine Erfahrung ist, dass die „Arbeit“ dort bezüglich der Schmerzen anders und deutlich effektiver ist als bei einem „normalen“ Psychotherapeuten. Beweg das mal in deinem Herzen.

    leider ist es nicht möglich, dass wir Listen dieser Art führen. Headbook muss unabhängig und ohne „Interessen“ agieren, die einem nämlich schnell unterstellt werden könnten, würden wir Therapeuten präferieren. Einzig und alleine die Netzpartnerliste, die überall öffentlich einsehbar ist, kann hier genannt werden.

    Wir empfehlen allerdings immer, sich um Psychotherapeuten zu bemühen, die sich mit Schmerztherapie auskennen.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 6983

    Hallo Katrin,

    es gibt aber eine Liste für zertifizierte Schmerzpsychotherapeuten im Internet. Wird allerdings gerade den neuen Datenschutzbedingungen angepasst.

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 298

    Okay, liebe Bettina, alles klar!

    Ja, liebe Julia, ich kenne die Liste.
    Ich wusste nicht – bis ich mir in Lübeck die ONS habe wieder rausnehmen lassen – dass es überhaupt eine spezielle Schmerzpsychotherapie gibt. Vielleicht wissen andere Betroffene oder Ärzte auch nichts von dieser Möglichkeit. Bis dato hatte ich es auch mit „normaler“ Verhaltenstherapie versucht und bin da nicht weiter gekommen.
    Und jetzt habe – wie geschrieben – einen Vergleich.

    Ich wünsche euch und allen eine schönen Abend!

    Liebe Grüße
    Katrin

    Viva la Vida! 🍀

    Jasmin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 342

    Hallo zusammen,
    ich möchte nochmal nachfragen, wie man statt Triptan eine Sedierung vornehmen kann. Ich nehme abends Doxepin 35 mg. Zusätzlich habe ich noch Melperon (in 25mg Tabl.)im Haus, was mir aber während der Kortisonphase zum Schlafen abends nicht geholfen hat. Wäre das dann etwas auch für tagsüber? Vomex wirkt kaum noch, obwohl ich es längst nicht so oft genommen habe wie man darf.

    Mein aktueller Stand ist so, dass ich nach der Kortisonphase nun 7mal alle zwei Tage ein Triptan genommen habe (nach Absprache mit meiner Ärztin), anfangs hatte ich dazwischen keine Schmerzen mehr, nun aber wirken sie schon nicht mehr so richtig gut und heute hatte ich wieder beim Erwachen heftigere Kopfschmerzen. Noch mehr Triptan würde für mich keinen Sinn machen.

    Das hatte ich schon mehrmals so, wenn ich z.B. im Urlaub so viele Triptane hintereinander brauchte, dann half bislang am ehesten eine Schmerzmittelpause. Doch die hatte ich ja eigentlich schon Mitte bis Ende Juli in der Kortisonphase (von 15 Tagen), oder zählt das nicht als Pause? Ich hatte währenddessen 7 schmerzfreie Tage zu Anfang, die zweite Woche die leichteren Schmerztage nicht behandelt.
    Es fällt mir gerade zunehmend schwer mit der Akzeptanz dessen, was und wie es ist, habe eigentlich ein paar schöne Termine anstehen (Konzert, Geburtstagseinladung) und sitze nun zunehmend heulend da, kann oft nicht klar denken und weiß mir keinen Rat mehr. Kortison sollte ich ja nun auch besser nicht mehr einsetzen.
    Danke fürs Lesen und eure bisherige Anteilnahme!
    Liebe Grüße
    Jasmin

    P.S: bzgl. Schmerzpsychotherapeuten ist es so, dass ich jemand in der Nähe brauchte für meine vielfältigen verschiedenen Baustellen noch außerhalb der Migräne und vor ein paar Jahren stand einiges andere im Vordergrund nach dem Tod meines Mannes.

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4254

    Liebe Jasmin,

    es ist leider so, dass letztendlich, -das wurde im Vortrag von Prof. Göbel beim letzten Forentreffen auch ganz, ganz deutlich- nur noch das Abschirmen bzw. das Reduzieren der Reizüberflutung helfen kann.

    Durch die ständige Medikamentengabe werden irgendwann die Schmerzrezeptoren abgestumpfen sein, das körpereigene Schmerzsystem wird erschöpft sein und die Folge ist dann, dass die Wirkung der Medikamente nachlässt. Es stellen sich Erschöpfung und Depressionen ein, sodass dann auch mal nichts mehr geht.

    Wie gesagt, Migräne ist eine Reizverarbeitungsstörung unseres Gehirns. Wenn Tabletten und Co. nicht mehr helfen, bleibt nur noch das Abschalten der Reize.

    Konzerte, Geburtstagsfeiern und auch Handysurfen etc. gehen mit Reizüberflutung einher, so schade es auch ist. Wie weit man da einen Kompromiss finden kann, damit das Vergnügen doch nicht ganz zu kurz kommt, dass muss wirklich jeder für sich selbst herausfinden.

    Solange es aber keine Minderung der Reize gibt, wird sich an der eigentlichen Lage auch nichts verbessern.

    Mit Sedierung, also Melperon, Diazepam und Vomex etc. runterfahren, dass mag ich pers. dir nicht empfehlen. Damit kannst du das überregte Nevensystem zwar kurzfristig etwas runterfahren aber es bringt dich m.E. nicht wirklich weiter. Diese Möglichkeiten stellen nur eine Übergangslösung da. Dazu solltest du aus meiner Sicht deinen Arzt, oder einen Fachmann, der deine Gesamtsituation kennt, befragen.

    Alles Liebe
    Sternchen

    Jasmin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 342

    Liebe Sternchen,
    danke für dein Antwort!
    Es war nun vermutlich mißverständlich mit meinen „schönen“ Terminen. Es ist so, dass ich seit 5 Wochen mich schon von allen erdenklichen Reizen (außer Internetsurfen begrenzt)zurückziehe und fast nur zuhause abhänge, eben auch damit ich dann die erfreulichen Termine wie meine teuren KOnzertkarten (Weihnachtsgeschenk) guten Gewissens und freien Kopfes nutzen kann. Anfangs habe ich die Ruhe sehr genossen, aber irgendwann kommt so ne Art „Lagerkoller“.
    Daher weiß ich ja auch gerade nicht, an welcher Schraube ich noch drehen kann..
    Lieben Gruß
    Jasmin

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5104

    Liebe Jasmin,

    ich kann gut nachempfinden, wie es dir zurzeit geht, denn ich stecke auch gerade in einer äußerst schwierigen Schmerzsituation.

    Akzeptanz einer Schmerzerkrankung ist nicht unbedingt etwas, das man mal „geschafft“ hat, eine Hürde, die man mal genommen hat, so dass man nun sicher auf der anderen Seite steht und dauerhaften Erfolg genießen kann. Das ist bei einer gleichbleibenden Situation zwar wirklich möglich, dann hat man den Umgang mit der Erkrankung „unter den Füßen“, kommt psychisch damit gut zurecht. Doch sobald sich Entwicklungen zum Negativen wenden oder sich neue zusätzliche Erschwernisse ergeben, steht man wieder vor dieser Akzeptanz-Arbeit.

    Ich musste das Thema vor einigen Jahren wieder angehen bei einer starken Zunahme von unterschiedlich langen Migräne-Status, mein längster war ca. 6 Wochen am Stück. Mit meiner episodischen Migräne hatte ich mich arrangiert, nun musste ich neu lernen, wie ich mit diesen langen Schmerzphasen umgehen kann.
    Vor einigen Monaten kam ein sehr schmerzhaftes orthopädisches Problem dazu, das mich auch noch schlecht schlafen ließ und durch die 10/20-Regel von mir ohne Schmerzmittel durchgestanden werden musste. Migräne war einfach noch schlimmer, ich brauchte für die Triptane die Schmerzmitteltage.
    Inzwischen hat sich bei mir unabhängig von der und zusätzlich zur Migräne ein seit Monaten bestehender Dauerkopfschmerz eingestellt, Schmerzstärkentendenz steigend, der mich psychisch und physisch vor ganz neue Herausforderungen stellt. Ich bin seit Monaten im Dauerschmerz. Das mit dem heulenden Elend ist mir also keineswegs unbekannt.

    Wir haben gestern eine Einladung zu einer Hochzeit in einigen Monaten bekommen (mit Anreise und Übernachtung), es ist nach heutigem Stand für mich undenkbar, daran teilzunehmen. So ist es eben! Ja, es ist hart, ja, ich hätte es gerne anders, mein Leben ist gerade sehr schwer, doch zum Glück bin ich vom Naturell her so gestrickt, dass ich keine Zeit und Kraft mit Hadern und Grübeln verbringe.
    Ich fühle mich auch nicht wertlos, denn der Wert eines Menschen hängt nicht von seinen Leistungen ab, jeder Mensch hat einen Wert an sich. Ein Nobelpreisträger ist nicht mehr wert als ein Mensch mit schwerster Behinderung, der sich nicht einmal verbal artikulieren kann. Beide haben einen großen Nutzen für die Menschheit, von beiden kann man viel lernen, es sind nur sehr unterschiedliche Dinge.

    Das, was ich angehe, ist, mir gute ärztliche Hilfe zu suchen. Und auch das ist ein Prozess, in den ich hineinwachsen muss, wenn man örtlich mit der Ärztewahl sehr beschränkt ist. Und vor allem, wenn man anfangs noch die Hoffnung hat, dass sich das Problem auf dem Weg zur Lösungssuche von alleine erledigt. 😉

    Vielleicht hilft es dir, mal aufzuschreiben, was alles geht. An welchen Terminen du teilnehmen konntest. An welchen Tagen du tatsächlich mal schmerzfrei warst. Und an welchen Tagen du trotz deiner schwierigen Situation Dinge geschafft bekommen hast. Du wirst sehen, es kommt eine Menge dabei heraus! Es ist nämlich oft unser Gefühl, das uns täuscht. Persönliche Wahrnehmungen können sehr trügerisch sein.
    Eine Schmerzerkrankung kostet an sich schon viel Kraft und Nerven, diese sollten wir nicht auch noch durch negative, zerstörerische Gedankenspiralen strapazieren.

    Und noch was zum Vomex: Auch da kann man sich langsam dran gewöhnen, doch das weißt du ja. Welche Dosierung nimmst du denn immer? Ich muss grad durch eine schwere, schmerzmittelresistente Attacke durch und bin mit einem 150mg-Vomex-Zäpfchen so einigermaßen erträglich durch die letzte Nacht gekommen.

    Lieber Gruß
    Heika

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5104

    Nun haben sich unsere beiden Beiträge grad überschnitten, Jasmin. Ich ändere mein langes Geschreibsel nun aber nicht mehr. Was du für dich passend findest, suchst du dir raus. Und der Rest ist vielleicht für jemanden anderen hilfreich. 🙂

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4254

    Liebe Jasmin,

    nein, ich habe dich nicht mißverstanden. Genau wie Heika verstehe auch ich deine Situation und glaube mir, ich kann sie wirklich seeeehr gut nachvollziehen.

    Auch ich kenne die Phasen, in denen der Lagerkoller oder auch das heulende Elend vorherrscht. Auch ich habe seiner Zeit händeringend nach Möglichkeiten gesucht, irgendwie aus dem Tief zu kommen.

    Daher weiß ich auch so genau, wenn alles ausgereitzt ist, hilft wirklich nur noch das drehen an der Schraube „Verhalten, Reizreduzierung“.

    Natürlich ist es eigentlich ein „Muss“ schöne Dinge zu erleben. Besonders die schönen Erlebnisse helfen uns ungemein aus den tiefen Phasen herauszukommen. Aber wir können diese Dinge erst dann tun, wenn es unser Kopf zuläßt.

    Ich wünsche dir so sehr viel Erfolg und das die enorme Heftigkeit der Attacken bald nachläßt, und wieder etwas mehr Ruhe vorherrscht.

    Alles Liebe
    Sternchen

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 298

    Liebe Jasmin,

    ich möchte dir wirklich nicht zu nahe treten! Sollten dir meine Worte zu direkt sind, nicht zutreffen, dich verletzen, nerven oder was auch immer, „idP“ (in den Papierkorb) okay!? Du brauchst es auch gar nicht lesen, das ist auch okay!

    Es ist so, dass ich seit 5 Wochen mich schon von allen erdenklichen Reizen (außer Internetsurfen begrenzt)zurückziehe und fast nur zuhause abhänge, eben auch damit ich dann die erfreulichen Termine wie meine teuren KOnzertkarten (Weihnachtsgeschenk) guten Gewissens und freien Kopfes nutzen kann. Anfangs habe ich die Ruhe sehr genossen, aber irgendwann kommt so ne Art „Lagerkoller“.

    Für mich klingen deine Worte so, dass du dich jetzt nach „Vorschrift“ ganz doll „richtig“ verhälst, dir Ruhe gönnst und dich von allem, was für dich Reiz bedeutet, zurückziehst. Du scheinst darauf zu „warten“, dass du dafür mit einem friedlichen Kopf belohnt wirst, um z.B. dieses Konzert besuchen zu können. Überhaupt scheinst du daran zu glauben, dass du es nur „richtig“ machen musst und dann geht es dir besser.

    Und jetzt merkst du, dass das nicht funktioniert, die Migräne lässt sich davon nicht so beeinflussen, wie du es dir wünschst. Mittlerweile scheint dich diese „verordnete“ Ruhe aus der Ruhe zu bringen und dich ziemlich zu nerven, du schreibst von einem „Lagerkoller“ (ich habe mir mal die „Übersetzung“ dieses Wortes angeschaut…), der für mein Verständnis eben gerade wieder einen Reiz darstellt.

    Mir kommt es so vor, als würdest du Freude und Genuss nur mit „Draußen“ verbinden zu können, so wie dieses Konzert, die Karten dafür waren schließlich teuer! Aber sie waren ein Geschenk, es ist nicht dein finanzieller Verlust! Ja, es wäre bedauerlich, könntest du nicht dorthin gehen. Aber dein Leben hängt nicht davon ab! Dein Wohlbefinden aber scheinbar schon in einem sehr, sehr starken Maß, weil du diese Option negativ bewertest. Vielleicht kennst du einen dir lieben Menschen, dem du damit eine Freude bereiten kannst! Und vielleicht freut dich das wiederum auch!

    Du weißt nicht, wie es dir an dem Tag des Konzertes gehen wird und versuchst dafür zu sorgen, dass es dir gut geht! Das ist ein zusätzlicher Reiz oder Stressor.

    Man kann auch „Drinnen“ Freude und Genuss haben, so gar mit Migräne (nicht mit heftiger und aus der Bahn werfender, das ist klar). Du scheinst Freude bringende Hobbys oder Beschäftigungen, die du auch mit Migräne ausüben kannst, zu brauchen. Finde etwas für dich! Hast du eine Freundin, Bekannte oder wen, die/der mal ein paar Schritte mit dir geht? Und wenn es nur einmal „um den Pudding“ geht!

    Ich habe auch wieder ein ganz aktuelles Beispiel: mein Mann und ich waren am jetzigen Wochenende zu einer Geburtstagsparty weiter entfernt eingeladen, ich hatte mir ein extra Zimmer in der Nähe gebucht, um mich ab und zu zurückziehen zu können. Haha, eine ganz tolle Idee, die Migräne hatte eine andere! Ich konnte nicht mitfahren. Nun habe ich trotzdem dafür gesorgt, dass ich es schön habe. Meine Freundin war gestern da, wir haben zusammen Mittag gegessen und sind eine kleine Runde geschlichen (im Moment geht bei mir fast nur Zeitlupe)! Die Migräne war auch dabei…!

    Es ist wie es ist!!! Die Migräne lasst sich nicht „austricksen“ oder „bestechen“. Man kann auch nicht mit ihr verhandeln! Sie ist nun mal ein doofer und lästiger Egoist, der auftaucht, wann es ihm passt! Muss sie auch, denn würde es uns mal passen, wenn sie anfragt, ob sie dann oder dann kommen dürfe? Nein, wir wollen sie doch am liebsten gar nicht haben, wat wär dat schön!

    Ich kann mir vorstellen, dass mein Text vielleicht starker Tobak für dich sein könnte. Aber ich finde es meist hilfreicher, wenn man auch mal Tacheles schreiben kann und darf.

    Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du einen Weg hin zu mehr Annahme und Akzeptanz deiner Situation findest!

    Alles Liebe
    Katrin

    Viva la Vida! 🍀

    PS: Wie weit ist denn der nächste Schmerzpsychotherapeut von dir entfernt? Ich fahre zu meiner Schmerzpsychotherapeutin 35 km.

    Jasmin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 342

    Ihr Lieben,
    ich danke euch für eure ausführlichen Gedanken und Ideen. Ich kann mir da wie immer einiges rausziehen.
    @katrin: auch deine Gedanken empfinde ich nicht unangenehm. Bzgl. der Schmerzpsychotherapie müsste ich dies nun selbst finanzieren. Meine Verlängerung der Therapie ist an meine bisherige Therapeutin gebunden von der Bewilligungsstelle. Ich hatte auch schon sehr viele Stunden dank meines ereignisreichen Lebens.

    Gestern kam mir selbst schon der GEdanke, dass ich quasi als Belohnung für mein optimiertes Verhalten der letzten Wochen eine bessere Phase gewünscht hätte. Besser als Anfang Juli ist es auch durchaus, doch lange nicht so, wie es gut erträglich wäre, um eben wirklich auch mal mehr das Leben genießen zu können.
    Genuss finde ich tatsächlich nicht nur im Außen, ich habe z.B. einige schöne Bücher in den letzten Wochen gelesen, doch wie gesagt nach ein paar Wochen Rückzug brauche ich auch mal wieder Menschen um mich.
    Nun denn, heute hatte ich einen guten Tag! Und wenn es morgen wieder losgehen sollte mit Schmerzen, werde ich kein Medikament nehmen. Mal schauen, wie ich hindurch komme.
    Gestern habe ich eine gute Affirmation gefunden „Gesundheit ist mein natürlicher Zustand“ – damit mache ich heute immer mal wieder einen Schwenk, wenn GEdanken in negative Richtung kommen.

    Ganz herzliche Grüße an euch alle, die ihr so lieb mitdenkt!
    Jasmin

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