Mein persönlicher Schmerzverlauf

Mein persönlicher Schmerzverlauf

Vorstellung von Anyy – Aura-Frage

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  • Anyy
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    Guten Morgen an Euch,

    ich bin neu hier und stelle mich kurz vor.
    Ich bin 36 J. alt, verheiratet und habe eine knapp 5jährige Tochter.
    Seit 2015 habe ich eine sich stetig verschlimmernde Migräne mit Aura, davor im Leben nur sporadisch.
    2014/15 habe ich mir operativ einen Eierstock und die GM entfernen lassen. Seit ich 15 bin litt/leide ich an hormonellem Chaos und apfelsinengroßen Eierstockzysten alle 3 Monate (deshalb Entfernung des einen). Nach 1,5 J. Dauerblutung und Vorliegen einer genetischen Mutation, die mit 80% Wahrscheinlichkeit Gebärmutterkrebs entstehen lässt, ließ ich mir diese dann auch entfernen.
    Im Sommer 2015 ging es dann verstärkt los…
    Regelmäßig nachmittags auf dem Nachhauseweg von der Arbeit hatte ich massive Sehstörungen, Doppelbilder und folgend Angstzustände. Treppen wurden zur Herausforderung, da ich sie nicht mehr scharf erkennen konnte. Zu Hause dann folgten starke Kopfschmerzen.
    Ich ging zum Arzt & Optiker.
    Beim Optiker konnte ich die Sehtests, bei denen man fixieren musste, nicht bewältigen. War ja grade mein Problem, alles doppelt sehen. Der nahm daraufhin ganz ruhig meine Hand und riet mir, ich solle schnellstens ein MRT machen lassen. Getan. Unauffällig. War stinksauer auf den Optiker, mir durch die Blume einen Hirntumor ‚einreden‘ zu wollen. Beim Augenarzt dann wurde festgestellt, dass ich seeeehr trockene Augen habe. Eine zeitlang half ein Panthenolspray dann auch ganz gut.
    Beim Gyn wurde ich mit Progesteron behandelt. Das half zunächst bei beginnenden Kopfschmerzen sehr gut, ist mittlerweile wirkungslos.
    Ich habe eine ganze Weile gebraucht, um zu erkennen, dass es Migräne ist. Da diese massiven Sehstörungen neu für mich waren und ich diese nicht mit einer Aura in Verbindung gebracht habe, kam ich nicht so schnell drauf.
    In Intensität und Frequenz nahmen sowohl Aura als auch Kopfschmerzen massiv zu. Was war ich froh, als ich erstmals ein Triptan ausprobierte und es wirkte!! Endlich, was gefunden, was hilft. Alle anderen Schmerzmittel, Ibu, Novamin, Tillidin wirkungslos…

    Ich hatte in diesem Jahr recht viel Stress. Mein Mann ist seit 5 Monaten in einem Auslandseinsatz (Soldat), ich habe meine Kleine hier, und ich habe meinen alten Job wegen Stress und Mobbing gekündigt und mir einen neuen gesucht. Ich habe 3 Bandscheibenvorfälle (HWS + BWS) und auch dadurch häufig Schmerzen. Mittlerweile habe ich ca. 10 Migränetage im Monat. Ich war hormonell schon immer sehr sensibel. So auch jetzt. Um den Eisprung herum ist es sehr kritisch (einen Eierstock habe ich ja noch) und zwei Wochen später, wenn ich meine Tage bekommen sollte, hätte ich die GM noch. Da liege ich gern mal 5 Tage am Stück flach. Ansonsten bin ich bei Wetterumschwüngen + Stress und allerlei Alltäglichem sehr empfindlich.

    Was mich ein bisschen besorgt, ist, dass die Häufigkeit der Migräne stark zunimmt und vor allem auch die Aura. Ich kann überhaupt nicht bestätigen, dass ein Anfall ’nur‘ bis zu 72 h gehen kann oder eine Auraphase max. 1 Stunde.
    Vorgestern hatte ein Klient einen zerebralen Krampfanfall auf der Arbeit (kurz Schock, Notarzt, KH usw.), daraufhin begann meine Aura. Schwindel, Herzrasen, Doppelbilder, extreme Hörempfindlichkeit. Insgesamt hielt diese von 13 – 21 Uhr an. Veränderte sich zwischendurch. Bevor der Kopfschmerz dann losging, hatte ich z.B. Tinnitus und ein an den Seiten nicht mehr vorhandenes Blickfeld, nur noch mittig, dort sehr unscharf. Ich wusste vorher, der Anfall wird hart. War er dann auch. Nahm abends ein Triptan (Sumatriptan 100mg), um überhaupt einschlafen zu können, was 2 h dauerte und wurde nachts um 4 mit extremen Kopfschmerzen wach, weil ich mich übergeben musste. Hier halfen 100mg Sumatr. nicht viel, ich musste nochmal 100mg nehmen, dann ging es.
    Dann fingen die Deprisymptome an. Kennt Ihr sicher. Völlige Erschöpfung, Heulen usw. Gott sei Dank durfte meine Kleine bei Oma und Opa bleiben und ich konnte schlafen. 5 Stunden tagsüber, nachdem ich nicht mehr alle 20 min. pinkeln musste. Abends ging es dann erneut los… Was momentan noch da ist, ist ein chronisches, tutendes Rauschen /Tinnitus im Kopf, Übelkeit und ein ständiges Anklopfen des Schmerzes (noch nicht wieder konstant ausgebrochen).

    Ich hatte bei diesem Anfall erstmalig richtig Angst, es könne ein Schlaganfall sein, habe ich immer noch wegen des Dauergeräuschs. Diese Angst kennen sicher viele von Euch. Meine Auraphasen werden immer länger und heftiger (1 Stunde hatte ich so gut wie noch nie, es sind immer mehrere). Neben Sehstörungen habe ich starke Sprachstörungen und bin teilweise ein bisschen desorientiert. Will mich z.B. fertigmachen (duschen usw.) und renne ziellos von A nach B, weil ich keinen Plan habe und nicht richtig denken kann. Kennt Ihr das? Ist das ’normal‘?

    Ich würde mich freuen, wenn Ihr mir Tipps zu einem langanhaltenden Triptan geben könntet. Sumatriptan 100mg hilft sehr gut, aber wirkt so furchtbar kurz und langsam sind 100mg auch zu wenig. :/
    Meine Vernunft sagt mir, nimm weniger. Aber es ist momentan sehr schwer, alles allein zu managen, Kind, Arbeit, Haushalt. Ich bin mir völlig bewusst, dass ich absolut kurreif bin und sicherlich stationäre Hilfe bzgl. der Bandscheiben- + Migräneschmerzen angebracht wäre, aber ich bin noch nicht an dem Punkt, wo ich das einfach machen und loslassen kann. Noch schiebe ich die neue Arbeit und vor allem eine vierjährige Weiterbildung vor, wo ich so viel nachholen müsste, wenn ich fehle. Aber die Angst vor einem Schlaganfall oder Herzinfarkt (mein Papa hatte ihn mit 40) steigt stetig.

    Ansonsten bin ich ein sehr sportlicher und schlanker Mensch, mache jeden Tag 20min Kraft-Ausdauer-Sport (wegen der Bandscheiben) und ernähre mich gut. Das Rauchen konnte ich noch nicht sein lassen.

    Ich wünsche Euch einen schönen Tag und eine schmerzfreie/arme Woche.

    Liebe Grüße, Anyy

    Frank
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 64

    Guten Morgen Anyy,

    da musste ich mich erstmal durch den langen Text lesen 🙂

    Zu den Frauenthemen kann ich dir leider nicht viel erzählen, aber ein paar Dinge kann ich beitragen.

    Ist dein Blutdruck in Ordnung und dein Herz und Kreislaufsystem okay? Dann kannst du das Sumatriptan 100 natürlich nehmen. Pass aber auf und nimm nicht gleich 200mg, so wie du es beschrieben hast. Die Wirkung kannst du mit Naproxen 500mg verlängern und verbessern. Etl. MCP oder ähnliches für die Magenaktivität. Wieviele Tage im Monat behandelst du? Wenn es zu viele sind, dann wirken die Triptane nicht mehr oder zu wenig und du kannst Übergebrauch Kopfschmerz bekommen. Ich habe das in den letzten 10 Jahre auch etliche Male geschafft da hinzukommen. Dann ist es mühseelig eine Medikamentenpause durchzuführen.

    Für die Aura kannst du Magnesium nehmen. Akut und auch als Prophylaxe (Magnesiumoxid) 300mg bis 600mg täglich. Bei Beginn Aura auch 600mg auf einmal. Nimmst du sonst etwas zur Prophylaxe?

    Panikattacken kenne ich auch, da solltest du dir Hilfe beim Neurologen/Psychologen holen. Ich habe das für meinen Teil nach langer Zeit selbst einigermaßen in den Griff bekommen.

    Rauchen ist sicherlich nicht förderlich, das brauch ich dir nicht zu sagen, das weißt du sicherlich. Also aufhören.

    Regelmässigkeit ins Leben bringen, Mahlzeiten einhalten, mit Kohlenhydraten (langkettig). Und auch vor dem Schlafen nochmals etwas essen (Vollkornbrot oder ähnliches).

    Ich hoffe ein paar Dinge davon können dir weiterhelfen.

    LG

    Frank

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4580

    Liebe Anyy,

    herzlich willkommen in Headbook!

    Puh, deine Schmerzgeschichte ist außergewöhnlich eindrücklich. Kein Wunder, dass du vollkommen erschöpft bist.
    Dass sich eine Migräneerkrankung im Laufe der Jahre verschlimmert, ist durchaus normal, doch bei dir ist ja eine richtige Eskalation in kürzerer Zeit aufgetreten.

    Die Frage von Frank interessiert mich auch: An wie vielen Tagen pro Monat behandelst du mit Triptanen?
    Kennst du die 10-/20-Tage Regel? Also, dass man an max. 10 Tagen pro Monat ein Triptan oder Schmerzmittel nehmen darf und möglichst nicht darüber hinaus.

    Ist dir bekannt, dass ein Triptan auf gar keinen Fall während einer bestehenden Aura-Phase genommen werden darf?

    Hoch dosiertes Magnesium ist auf jeden Fall zu empfehlen, das hat Frank ja schon gut erklärt.

    Bist du bei einem Neurologen in Behandlung? In deinem Fall wäre das enorm wichtig, dass du ärztlich gut betreut bist. Aus deinem Beitrag lese ich eher heraus, dass du dich selber durchkämpfst. Auf die Migräne-Diagnose bist du wohl auch alleine gekommen. Hast du danach ärztliche Hilfe gesucht? Wer verschreibt dir die Triptane?

    Sei bitte nachsichtig mit deinem Optiker. Hinter derart massiven Sehstörungen können so viele, auch sehr ernsthafte Erkrankungen stecken. Sein Rat, das ärztlich abchecken zu lassen, war auf jeden Fall richtig. Wäre bei dir eine schwerwiegende Diagnose gefunden worden, wärst du ihm sicherlich sehr dankbar gewesen. Zum Glück war dein MRT ohne Befund.

    Es gibt außer der „normalen“ Aura, auch die sogenannte „prolongierte“ Aura, also eine verlängerte Aura. Diese kann nicht nur Stunden, sondern auch mal Tage anhalten.
    Es ist immer sehr beunruhigend, wenn neurologische Symptome, noch dazu in diesem starken Ausmaß, auftreten und länger bestehen bleiben. Gerade dann sollte dir ein guter Neurologe die innere Sicherheit geben, wie du mit welchen Symptomen umgehen sollst und wann du es lieber ärztlich abklären lassen solltest. Letzteres auf jeden Fall immer, wenn etwas zum ersten Mal oder in besonderer Weise auftritt, sozusagen außerhalb des Gewohnten. Leider ist schon das Gewohnte bei dir sehr umfangreich.

    Tjaja, das Rauchen… Die umfassende Theorie hast du sicherlich 100%ig drauf, weshalb du es lassen solltest 😉 , da braucht dir sicherlich keiner mehr was dazu schreiben. In einer momentan derart stark belasteten Situation wie deiner ist es eine extreme Herausforderung, das auch noch anzugehen. Den Versuch würde ich trotzdem wagen, allerdings mit guter Unterstützung. Es gibt keine bessere Vorbeugung gegen Herzinfarkt und Schlaganfall als nicht zu rauchen.

    Wie lange bist du schon an deiner neuen Arbeitsstelle? Bist du noch in der Probezeit oder schon fest angestellt?
    Mir scheint, dass du dir ganz schön viel zumutest, wenn du auch noch eine berufliche Fortbildung stemmst. Und das alles neben deiner Migräne-Erkrankung, auch deinen Bandscheiben-Problemen, deinem Beruf, deiner kleinen Tochter und mit der langen Abwesenheit deines Mannes. Was hindert dich am Loslassen z.B. deiner Fortbildung? Meinst du wirklich, dass du das alles auf Dauer durchhältst?
    Nur schon beim Lesen konnte ich diese enorme Belastung förmlich spüren, der du ausgesetzt bist.

    Lieber Gruß
    Heika

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Monat, 1 Woche von  heika.
    Rosinante
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 318

    Liebe Anyy,
    das Dauerrauschen würde ich abklären lassen,
    ich habe auch des öfteren Tinnitus in Verbindung mit Migräne,
    das verschwindet aber wieder.
    Die Orientierungslosigkeit kenne ich auch,das nimmt bei mir zu wenn ich unbedingt trotz
    Triptanen mein Tagwerk erledigen will.
    Das ist für mich ein Zeichen mir Ruhe zu gönnen.

    Im Sommer hatte ich eine Woche neurologische Ausfälle und wurde vom
    Hausarzt in eine Klinik eingeliefert,das waren alles Folgen einer Migräne-
    Ich hatte einige Zeit mit Triptanen voll durchgepauert und das war die Quittung.

    Versuche dir Ruhe zu gönnen und lass dich krank schreiben, sonst fliegt dir alles um die Ohren.

    Auch wenn du es dir nicht vorstellen kannst, wenn bei dir gar nichts mehr geht und du ins Krankenhaus musst, geht es auch bei deiner Arbeit weiter, keiner ist unersetzbar.

    Je mehr du dir jetzt keine Ruhe gönnst,desto länger wird es dich irgendwann beuteln, das kenne ich aus eigener Erfahrung.

    Ich muss das mir selbst auch sagen, da ich immer so funktioniere, als ginge es ohne mich nicht.
    Meine Ärztin hat mich deshalb letzte Woche aus dem Verkehr gezogen, ich hätte mir weiter Spritzen gesetzt und dann gearbeitet.

    Vielleicht kann deine Tochter noch etwas länger bei Oma und Opa bleiben, du lässt dich krank schreiben und ruhst dich mal richtig aus, sonst wirken die Triptane, wie du schon gemerkt hast, nicht mehr richtig.

    Liebe Grüße
    Rosinante

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 25328

    Willkommen im Forum, liebe Anyy. 🙂

    Nun hast Du bereits eine Menge Lesestoff erhalten in Form von guten Tipps und Hinweisen.

    So häufige und starke Auren müssen schnell vernünftig abgeklärt werden, so dass ich auch hoffe, dass Du in neurologischer Behandlung bist. Ganz wichtig wäre – neben Stressabbau und Entspannungsübungen usw. – eine medizinische Prophylaxe, um Deinen Zustand wieder etwas zu stabilisieren. Vielleicht würde sich ein Betablocker anbieten, kläre das doch mal ab mit Deinem Arzt. Warte aber nicht damit, sondern gehe es gleich an.

    Hochdosiertes Magnesium, wie Frank schon erwähnte, wäre eine Maßnahme, die Du gleich mal startet könntest. Magnesiumcitrat ist allerdings zu bevorzugen, da es insgesamt das hochwertigere Magnesium ist und auch schneller bioverfügbar. Für den Akutfall gibt es noch die praktischen Tütchen z. B. von Diasporal und Verla, die man unterwegs nutzen kann.

    Tinnitus sollte natürlich auch abgeklärt werden, kann ja zusätzlich auch von Deinem Stress insgesamt kommen.

    Wenn es kardiale Vorbelastungen geben „könnte“, dies auch zeitnah abklären lassen und insgesamt auch mit den Triptanen bis dahin zurückhaltend umgehen. Nicht zuletzt auch wegen der langen Auren.

    Noch mal: Schnell zum Arzt und vernünftig einstellen lassen.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Frank
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 64

    Natürlich Magnesiumcitrat, wie Bettina geschrieben hat, da war ich etwas tüddelig heute Morgen. Ich nehme das Verla als Pulver zum auflösen. Oder für unterwegs die Direkt Sticks.

    Gruß

    Frank

    Anyy
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 11

    Guten Morgen,

    endlich komme ich zum Antworten. Vielen Dank für Eure Kommentare. Ich habe sie gleich lesen können und habe mich sehr über Eure Anteilnahme gefreut. 🙂

    Mir sind vorgestern Abend einigermaßen heftig die Sicherungen durchgeknallt.
    Ich saß auf dem Rückweg von der Arbeit und benötigte insgesamt 2,5 Stunden, die ich fast nur im Stau stand wegen der Sperrung eines Teils der Stadtautobahn. Es war dunkel, es regnete, ich war in der Masse gefangen und habe es nicht geschafft, bis 19:00 Uhr in der Kita zu sein. Meine Mutter musste einspringen. Im Auto merkte ich, wie ich zuzog, alles wurde unscharf, Schmerzen im Nacken, Vibrieren, wie unter Strom, im ganzen Körper und Herzrasen (Das Cortisol klopfte nicht nur, es rammte mir die Tür ein). Irgendwann fing ich dann an zu heulen und konnte nicht mehr aufhören. Ich fühlte mich so hilflos. Zu Hause dann habe ich auf ein sehr dysfunktionales Reaktionsmuster zurückgegriffen. 7jähriger Havanna. Da ich eigentlich gar keinen Alkohol mehr trinke, war ich recht schnell betrunken. Es war zuvor nicht sonderlich hilfreich, dass mein eigentlich sehr empathischer, liebevoller und geschulter Mann mir als Antwort auf ‚ich kann nicht mehr, ich drehe grade durch‘ ein ‚wird schon wieder‘ schickte. Irgendwann kam meine Mutter mit meiner Tochter an, kurz danach eine Kita-Mami und Freundin, die mir Hilfe anbot, die ich dankbar annahm. Ich heulte und schniefte also schön vor mich hin und ließ mich von meiner Freundin trösten, was mir richtig gut getan hat. Ging irgendwann in die Küche, wo meine Mutter heulend am Tisch saß. Ich fragte, wieso und bekam als Antwort, dass es so schlimm sei, dass ich mich nicht um sie kümmern würde.
    Ich bin sozusagen nicht sozial korrekt durchgedreht, sondern sehr eigennützig und habe den Fehler gemacht, meine Mutter nicht in den Mittelpunkt zu stellen. (Ihr hört die Ironie.) Es kam zum Streit, Mutter ging und meine Freundin blieb, bis es wieder einigermaßen ging.
    Der Kater gestern war auszuhalten, da ich recht schnell betrunken war, war es nicht allzu viel Alkohol.
    Ich weiß, dass das keine gute Methode war, aber ich explodiere auch nicht täglich mental, sodass ich mir das verzeihen kann.
    Ich habe mich bis Dienstag krankschreiben lassen, und danach kommt eine Woche Urlaub.
    Fertig macht mich überhaupt nicht das hohe Arbeitspensum, sondern der tägliche unberechenbare Verkehrsstress. Die Öffentlichen sind keine wirkliche Alternative, da ich mit diesen auch ca. 2-2,5h für den einfachen Fahrtweg benötigen würde.
    So der Stand der Dinge gerade, heute geht es mir eigentlich ganz gut. Ich bin sehr froh, nicht großartig fahren zu müssen.

    Ich würde gern auf Eure Fragen und Anregungen antworten.
    Da ich einigermaßen ‚vom Fach‘ bin, wende ich viele Eurer Vorschläge schon einige Zeit an. Z.B. Naproxen + hochdosiertes Magnesium + MCP, nicht mehr als 10 Tage Triptane im Monat nehmen (ich komme vielleicht auf 8?), nicht in der Aura-Phase. Kümmern muss ich mich um eine ordentliche Prophylaxe, wo vielleicht wirklich Betablocker in Frage kämen. In der Akutphase hilft oft noch, etwas Cortison einzunehmen. Aber so als Dauerzustand möchte ich diese Masse an Medikamenten/Nahrungsergänzungsmitteln nicht nehmen.

    Mein Blutdruck war immer eher zu niedrig, keine Herzerkrankungen. Ich überlege, mir dennoch ein Blutdruckmessgerät zu besorgen, da ich ordentliche Schwankungen im Blutdruck vermute.
    @frank – Panikattacken habe ich nicht. Ich erfülle weder die Kriterien für ein Panikstörung noch für eine GAS. Chronischer Stress kann eine ähnliche Symptomatik auslösen und davon gab es eine ganze Menge in diesem Jahr. Ich war noch nie der beste Entspanner und entspanne mich eher beim Klettern als bspw. durch PMR, indirekt aber irgendwie doch, da ich sie oft selbst an Anderen durchführe. 😉

    Bisher bin ich nur hausärztlich angebunden und verordne mir, plump gesagt, nach Recherchen benötigte Mittel durch den Hausarzt selbst. Ihr habt auf jeden Fall Recht mit einem Spezialisten. Ich musste in den letzten 5 Monaten alle Gesundheitsmaßnahmen stark eindämmen, da mir komplett die Zeit fehlte. Wenn mein Mann wieder da ist, muss ich Vieles nachholen, insbesondere auch die umfangreichen Krebsvorsorgeuntersuchungen. Für Mitte Januar habe ich nun einen Termin beim Neurologen vereinbart. Bis dahin schreibe ich weiterhin brav sowas wie ein Schmerztagebuch und hoffe auf Entlastung durch die gewohnte Orga-Teilung mit meinem Mann.

    @heika
    Ich bin erst seit Kurzem im neuen Job und noch eine Weile in der Probezeit. Die Fortbildung möchte ich unter keinen Umständen sein lassen, die ist mir fast noch wichtiger als der Job. Aus echtem persönlichen Interesse heraus, nicht, weil ich muss. Ist die vorbei, bin ich bzgl. der Karriere endlich angekommen, wo ich sein möchte. Das motiviert mich sehr, weshalb ich mir diesen Verstärker nicht nehmen möchte.
    Naja, ich meine, mal grob gesagt- bevor ich komplett krachen gehe, würde ich so ziemlich Alles sein lassen und an Nichts mehr festhalten. Aber an dem Punkt bin ich einfach noch nicht.

    Allein beim nochmaligen Lesen fällt mir auf -was durchaus nichts Neues ist- wie ehrgeizig alles klingt. Ich selbst sehe da aber oft nicht so sehr. Ich nehme mal an, dass ‚Ehrgeiz‘ etwas ist, was vielen Menschen mit Migräne zu schaffen macht? Ehrgeiz, gepaart mit Perfektionismus und Ungeduld mit temporärem Hang zum narzistischen Denken? 😉
    In Akutphasen kann ich ganz gut für mich sorgen, bin aber grottenschlecht in der Prophylaxe. Das sollte ich mal überdenken. Ansonsten bin ich ganz allgemein nicht gewillt, meine Persönlichkeit grundlegend der Migräne unterzuordnen. Etwas ändern, ja. Sich selbst nicht mehr wiedererkennen, nein.
    Ich glaube, da kämpfen mein Geist und mein Körper noch einige Zeit miteinander, bis ein für beide Teile annehmbarer Kompromiss gefunden wurde. Wir sind noch in der kindlichen Trotzphase und taktieren die jeweiligen Grenzen des Anderen aus.

    Habt ein schönes und vor allem schmerzfreies Wochenende, vielen Dank für Eure Unterstützung und die Möglichkeit, mal alles rauszulassen…

    Liebe Grüße, Anyy

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3834

    Liebe Anyy,

    du schreibst sehr klar, und sehr deutlich was dir wichtig ist und auch wo noch Defizite sind.

    Ich finde es gut, wenn einem gleich klar ist, dass man sich der Migräne nicht unterordnen will. So kann ich auch deinen Wunsch bzgl. der Fortbildung ganz gut nachvollziehen. Ich selbst habe auch schon in so einer Lage gesteckt.

    Aus meiner Sicht kannst du vielleicht die Akutmedikation noch verbessern. Klar auch eine Prophylaxe müstest du mit deinem Neurologen (wichtig, er sollte sich mit Migräne gut auskennen) besprechen.

    Kortison im Akutfall??? (oder habe ich das falsch verstanden) ist keine gute Idee. Kortison ist kein Akutmittel gegen Migräne. Im großen Ausnahmefall kann es bei einem Status migränosuus oder bei einem nicht aufhörendem Anfall genommen werden. Aber wie gesagt, das muss die Ausnahme sein.

    Ich wünsche dir ganz viel Erfolg, und freue mich, dass es nun schon ein bißchen besser geht. 🙂 🙂 🙂

    Lieber Gruß
    Sternchen

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Monat, 1 Woche von  sternchen.
    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4580

    Liebe Anyy,

    es ist wohltuend, dass du so offen schreibst. Solche Beiträge sind für andere sehr hilfreich, weil Dinge gut auf den Punkt gebracht und umfassen reflektiert werden.

    Ehrgeiz im richtigen Maß ist durchaus nichts Schlechtes.
    Dass viele Migräne-Patienten zum Perfektionismus neigen, ist nichts Neues 😉 , wir haben hier in Headbook schon oft und teils sehr humorvoll darüber geschrieben.
    Das mit dem narzistischen Denken hatte hier bislang noch niemand geäußert. An was machst du das fest?

    Es gibt wirklich Menschen, die generell sehr leistungsfähig und leistungsfreudig sind und sich dabei richtig wohl fühlen. Menschen, die doppelt so viel „hinkriegen“ wie andere und sich nicht gestresst fühlen.
    Doch manchmal kann man über eine gewisse maximale Belastungsgrenze kommen – und merkt es selber nicht. Erst wenn gar nichts mehr geht. Viele, die in eine Erschöpfungsdepression gerutscht sind, erzählen später, dass Anzeichen durchaus da waren, sie diese aber nicht wahrhaben wollten bzw. (unbewusst) anders einsortiert hatten.

    An diesem einen Tag kam bei dir wirklich viel zusammen. Und wenn´s schon dicke kommt, dann kommt meist noch was obendrauf (deine Mutter). Die Gelassenheit, die Männer manchmal an den Tag legen können, ist oft sehr hilfreich. An diesem Tag in dieser Situation war es das für dich offensichtlich nicht. 😉
    Man braucht dir zum Glück nicht zu sagen 😉 , dass es keine gelungene Lösung ist, sich „die Kante zu geben“, du wirst das sicherlich im Auge behalten.

    „Ansonsten bin ich ganz allgemein nicht gewillt, meine Persönlichkeit grundlegend der Migräne unterzuordnen. Etwas ändern, ja. Sich selbst nicht mehr wiedererkennen, nein.“
    Bei diesem Zitat würde mich ehrlich interessieren, wie du das genau gemeint hast. Klingt interessant.

    Jetzt erhol dich gut an diesem Wochenende und in der nächsten Woche genieße dann deinen Urlaub!

    Lieber Gruß
    Heika

    Tanni
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 1903

    Liebe Anyy,

    deine Schilderung, wie es dir vorgestern erging, hat mich sehr bewegt. Ich hoffe, dass du dich inzwischen ein wenig erholen und jetzt in den nächsten Tagen wieder Kraft tanken kannst!

    Es ist gut, dass du dich jetzt um einen Termin beim Neurologen gekümmert hast! Eine klare Diagnose ist wichtig, um ein vernünftiges Konzept zur Behandlung und Vorbeugung zu entwickeln. Gerade so wie du deine Auren beschreibst, denke ich, dass dies für dich ein Schritt in die richtige Richtung ist.

    Ansonsten würde mich noch interessieren, wenn du die Triptantage so gut im Auge behälst, ob dir auch bewusst ist, dass auch andere Schmerzmittel in die 10er-Regel gezählt werden müssen, auch dann wenn sie nicht zur Migränebehandlung, sondern für andere Schmerzen (z.B. Rückenschmerzen) eingesetzt werden.

    Viel kann ich dir gerade nicht raten, ich wünsche dir aber gute Erholung und alles Gute!
    Liebe Grüße, Tanni

    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3806

    Liebe Anyy,
    deine Schilderung geht auch mir ganz schön nah.
    Ich kann mich sehr gut da hineinversetzen in dieses ganze Geschehen.

    Ich habe gerade die Lektüre des Buches “ Die Manana-Kompetenz“ von G. Frank und Maja Storch beendet und frisch aus dieser autodidaktischen Fortbildung herauskommend würde ich feststellen: Zu viel Sympathikus – zu wenig Parasympathikus.
    Die Autoren beschreiben unser biologisches System zwischen Antrieb und Entspannung so anschaulich und so praxisnah, dass ich denke, sie haben das Buch über mich geschrieben, oder über UNS Migräniker.
    Wir stehen ständig unter Strom und wir können kaum die Seele baumeln lassen.
    Selbst, wenn wir scheinbar entspannen, wühlen unsere Gedanken weiter und treiben uns an und brizzeln, unter Strom eben.
    Manjana-Kompetenz ist die Fähigkeit, immer wieder den Parasympathikus zu aktivieren und ihm Raum zu geben.
    Ich glaube, wenn du dieses Buch lesen würdest, dann könntest du lernen, diese Stauphasen in deinem Tag, wenn sie nicht organisatorisch zu bewältigen sind ( eher losfahren oder so – geht wahrscheinlich schon aus Familiengründen nicht), als Entspannungsphasen zu gestalten.
    Das Kriechen genießen, Ruhe, Hörbuch reinlegen, Seele baumeln lassen, nehmen , wie es ist . . .
    Es ist ja eh nicht zu ändern.

    Wir können unsere Lebenssituationen nie so ändern, dass sie immer passend für uns sind.
    Deine Mutter ist so,wie sie ist – der tägliche Stau ist so, da kann man nichts ändern.
    Nur, was man draus macht, darüber haben wir die Macht.

    Seitdem ich dieses Buch gelesen habe, fällt es mir viel leichter, zu hinterfragen: Und WIE wichtig ist das nun wirklich???? – und mich dann innerlich entspannt zurück zu lehnen, weil es meistens nicht wirklich so lebenswichtig ist, WENN es nicht wirklich wichtig ist.
    Es gibt natürlich immer noch genügend Situationen, in denen es erforderlich und absolut sinnvoll ist, unter Strom zu stehen, die Dinge geregelt zu kriegen, zu arbeiten, zu klotzen… usw. In solchen Situationen laufe ich zu Hochform auf und lebe!
    Aber eben nicht STÄNDIG. Und nicht, wenn man in Wirklichkeit keinen Gestaltungsspielraum hat und gar nichts machen kann.

    Vielleicht ist das ein Ansatz,um aus dem Strudel heraus zu kommen und wieder Boden unter die Füße zu kriegen.

    Ich wünsche dir einen schönen, erholsamen Urlaub mit viel Bodenhaftung!
    alchemilla

    Anyy
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 11

    Guten Morgen an Alle! 🙂

    Montag Morgen, meine Kleine ist in der Kita, ich bin heute noch krankgeschrieben.
    Am Samstag gab es wieder eine schöne Veranstaltung vom Familienbetreuungszentrum der Bundeswehr. Wir waren im Planetarium, was sehr schön war. Die Veranstaltungen der Familienbetreuungsstelle sind immer toll (aber auch seeeehr anstrengend teilweise). Wir waren schon ein Wochenende an der Ostsee, Klettern auf einem Truppenübungsplatz (mein Favorit) und im Sommer auf einem Baumwipfelpfad + Barfußgang. Gestern war ich total k.o. und hatte starke Bauch- und Nierenschmerzen, war sehr erschöpft. Mein Darm meckert seit 3 Tagen wieder und schmerzt, meine Nieren habe ich durch viel zu wenig Trinken selbst geärgert. Das wurde mir erst gestern bewusst, als mir nicht einfiel, wann ich das letzte Mal Wasser getrunken habe (Kaffee am Tag reicht mir), ich war noch nie der große Trinker. Die Nieren tun heute nicht mehr weh.

    Ziemlich ernüchternd und traurig machend war Samstag Morgen -wir saßen beim Brunch in der Kaserne-, dass mein Mann mich anrief und mir mitteilte, der Flug morgen sei gestrichen worden. Er komme evtl. am Sonntag Abend. Da kamen mir kurz die Tränen. Naja, ein bisschen ist es so, als hätte man hartnäckig für einen 1000m Lauf trainiert und erfährt am Wettkampftag, es sind 1100m. 1050m schafft man mit Reserven noch, aber kurz vorm Ziel bricht man zusammen… Aber ich konnte mich gut entlasten durch Gespräche mit anderen Angehörigen und Soldaten. War ganz interessant, meinen persönlichen Info-Verarbeitungsprozess zu beobachten und die Einstellung zu verändern. 😉
    Da hängt jetzt nur so ein Rattenschwanz dran. Ich habe z.B. am We Sa/So 2 x 10 Stunden Weiterbildung und mein Kind muss versorgt werden (macht Schwiegermutter, konnte ich organsisieren), außerdem habe ich ab Morgen eine Woche Urlaub, die ja nun trotzdem läuft.
    Da ich sehr erschöpft bin und Ruhe brauche, nehme ich die Woche auch. Ich halte es aber für sehr wichtig, dass wir als Familie auch eine Woche für uns haben, wenn mein Mann wieder da ist. Ich möchte dann nicht gleich wieder zur Arbeit hetzen (oder schleichen, je nach Verkehr…). Was mache ich denn nun? Ihr wisst, Probezeit und so. :/ Bin ich ein Arbeitnehmerarsch, der sich nun die Urlaubswoche krankschreiben lässt, da ich, subjektiv betrachtet, auch krank bin? Versuche ich, eine Woche unbezahlten Sonderurlaub zu bekommen? (Das hatte ich schon mal angesprochen, kam nicht so gut an.)
    Ich hatte überlegt, direkt zur Geschäftsführung zu fahren und mein Anliegen zu schildern. Ich glaube, einen persönlichen Schmerzverlauf (Zahnnerventzündung, Angina, Migräne, Bandscheibenvorfall, Burnout) zu schildern, sähe mir zu sehr nach Rechtfertigung aus und ist mir auch zu persönlich.
    Bekomme ich den Urlaub nicht und bin dann krank, war es das mit dem Job (höchstwahrscheinlich).
    Hier wäre ich für Tipps von Euch sehr dankbar. 🙂 Was würdet Ihr machen?
    Außer Frage steht für mich, dass ich eine Woche freimache, wenn mein Mann wieder da ist. Da bin ich fachlich zu erfahren, als dass ich sagen könnte, scheiß drauf, ich gehe arbeiten. Wir BRAUCHEN wenigstens diese eine Woche Zusammenführungsurlaub. Ich befürchte, meine Kleine wird auf Papa sauer sein. Nicht, weil ich über ihn meckere, aber Kinder sind so feinfühlig. Sie ist knapp 5 und sieht seit, naja, 2 Monaten, Mama geht’s nicht gut. Auch wenn ich viel mit ihr darüber spreche und Papa natürlich nicht die Schuld gebe. Aber sie sieht, Papa ist weg und deshalb geht’s Mama schlecht.
    Ihr seht, viele Gedanken dazu…

    Liebes @sternchen, ich habe Kortison unter Anderem wegen einer Allergie bekommen und bei schweren Entzündungsprozessen an der Wirbelsäule. Ich war einmal recht verzweifelt, als ich 5 Tage Migräne am Stück hatte. Hatte gelesen, das könne helfen. Da ich sehr sensibel auf Kortison anspringe und schon bei 5mg leichte Kopfschmerzen bekomme und hibbelig und wach werde, habe ich die 100mg, die oft i.v. angesprochen werden (im Internet), gar nicht genommen, sondern 20mg. Ich habe gepennt wie ein Stein danach. Es hatte mir gar nicht geschadet. Auch in folgenden langen Phasen half es in Kombi mit Sumatriptan gut. Ich könnte die Wände hochgehen, wenn ich in Nacht 4 aufwache, weil ich mich übergeben muss und mich die Schmerzen wahnsinnig machen. Dass ich damit völlig unprofessionell an mir rumdoktore, weiß ich. (Deshalb ja auch der Neurologen-Termin, da soll mal ein Fachmann ran.) Bei Kortisoneinnahme sprach/spricht die pure Verzweiflung aus mir.

    @heika

    Das mit dem narzistischen Denken meinte ich so (mit einer Spur von (Selbst)Ironie und nicht unbedingt im exakten definierten Störungsbereich):
    Ehrgeiz, überzogene und perfektionistische Ansprüche, sowie der Hang zur Selbstüberschätzung (ich muss und ich WILL auch, verdammt nochmal!!) sind ja theoretisch schon ‚Symptome‘ von Narzismus, ebenso wie völlig niedergeschlagen und selbstbemitleidend in der Ecke hängen, weil es mal wieder zu viel war. Von himmelhoch jauchzend zu Tode betrübt. 😉

    „Ansonsten bin ich ganz allgemein nicht gewillt, meine Persönlichkeit grundlegend der Migräne unterzuordnen. Etwas ändern, ja. Sich selbst nicht mehr wiedererkennen, nein.“

    Naja, ich kenne mich und habe eine ganze Weile daran gearbeitet, mich selbst auch zu mögen. Wer bin ich, was macht mich aus, was will ich, was will ich nicht. Ich habe mir eine ziemlich stabile Identität angeeignet und stehe zu mir selbst. Ich bin ein quirliger und hibbeliger Mensch und bin das auch ganz gerne. Ich mag positiven!! Stress, kann aber auch negativen eine zeitlang aushalten. Ich entspanne mich am liebsten beim Sport oder anderer Aktivität und werde rastlos bei Entspannungsübungen. Das finde ich auch völlig ok. Ich denke nicht, dass ruhige Entspannungsübungen für jedermann gleich geeignet sind. Mir geht es eher um das hilfreiche Kopf frei kriegen. Und wenn ich wohlig erschöpft bin vom z.B. Sport und mich mental dadurch gestärkt fühle, ist das mehr als jede PMR mir bringen könnte.
    Etwas ändern hieße z.B. langfristig die Arbeitsbelastung im Stundenumfang reduzieren, den Fahrtweg verkürzen, Dinge auch mal liegen lassen.
    Von vornherein alles ganz ruhig angehen, den Stundenumfang extrem zu reduzieren, mich überall auszuklinken und ein gaaaanz entspannter Mensch werden zu WOLLEN- ausgeschlossen. Möchte ich nicht. Das wäre dann nicht mehr ich. Ich brauche etwas Reibung im Leben. Schon öfter habe ich mich aus schweren Erschöpfungszuständen selbst rausgeboxt, worauf ich auch ganz stolz bin. Man erfährt so viel über sich selbst in Extremsituationen. Und ich bin neugierig und weiß, ich muss und will mein Leben lang lernen, um glücklich zu sein. Ausruhen ist nicht mein Ding, dann verliere ich den Bezug zu mir selbst. War das jetzt einigermaßen verständlich? 😉 Und ich lasse mir von der Migräne (gleiches gilt für die Bandscheiben) nicht mein Leben diktieren! Ich war neulich mal im Kino und erst 2:00 Uhr nachts im Bett (entgegen der sonstigen Routine), daraufhin hatte ich 3 Tage Migräne am Stück. Und dennoch würde ich es immer wieder machen, einfach, weil ich WILL. Ich möchte nicht damit anfangen, mir vorab in allen Einzelheiten zu überlegen, ob das jetzt Migräne auslösen könnte oder nicht. Schwuppdiwupp im Angstkreislauf, da mache ich nicht mit.

    @tanni

    Ja, das ist mir bewusst, dass auch andere Schmerzmittel da hinein zählen. Aber die benötige ich nicht oft.
    Ich brauche ab und zu Muskelrelaxantien oder Cox2-Hemmer (Ortoton, Musaril, Katadolon; Arcoxia) wegen der Bandscheiben, aber das hält sich in Grenzen. Auch diese Beschwerden sind total zyklusabhängig bei mir. Regelmäßig, alle zwei Wochen fühlen sich alle kleinen Knöchelchen im oberen Rücken entzündet an, Verspannungen und auch Migräne treten auf.
    Was ich total erstaunlich finde- vor meinen Gyn-OP’s hatte ich furchtbar oft Spannungskopfschmerzen. Nahezu täglich, viele Jahre. Die nichts im Vergleich zur Migräne waren, aber auf Dauer natürlich auch genervt haben und immer ein bisschen Erschöpfung nach sich zogen. Nach den Gyn-OP’s entstand die Migräne, aber ich habe nahezu keinerlei Spannungskopfschmerzen mehr. Das ist sehr seltsam (aber schön). Kennt das vielleicht noch jemand? Klar, Verspannungen im Nacken usw. sind oft da, aber die ziehen nicht als Spannungskopfschmerz höher hinein.
    Den MÜK kenne ich jedoch auch. Ich nahm bei/nach einem akuten BSV eine Weile Tillidin, da stellte der sich ein. War nicht angenehm, aber es ist gut, ihn zu kennen, finde ich.

    @alchemilla

    Die Thematik des Buches ist mir rein beruflich sehr gut bekannt, das Buch selbst nicht. Ich denke, es könnte für mich ganz hilfreich sein, es zu lesen, ich werde es mir mal besorgen. Sozusagen als Auffrischung des ‚bleib ma locker‘:) . Mir ist im Großen und Ganzen schon seit Langem wurscht, was Andere (zumindest recht ferne Bekannte) von mir halten oder ob ich etwas schaffe, was Andere erwarten, oder nicht. Aber insbesondere bezüglich der Selbsterwartungen könnte es nicht schaden, sich mal wieder mit sich selbst auseinanderzusetzen und die Anforderungen herunterzuschrauben. Gezwungenermaßen blieb in den letzten Monaten nicht viel Zeit zum Seele baumeln lassen. Es musste alles organisiert sein. Kind, Arbeit, Haushalt, Weiterbildung, Briefe bearbeiten (ich hasse es, macht eigentlich mein Mann).
    Und in Berlin ist es nicht möglich, staufrei durchzukommen. Erst fuhr ich eine Stunde früher auf Arbeit (was auf Dauer morgens viel zu stressig war), dann zwei Stunden später, was morgens toll war, aber nachmittags die Hölle. Immer das Unberechenbare des Verkehrs und das ’schaffe ich es pünktlich in die Kita‘? We Du es richtig benennst, der Gestaltungsraum fehlt grade völlig.
    Meine Schwiegermutter ist voll berufstätig, meine Mutter auch (und auch wenig bedingungslos).
    Ich erhoffe mir wirklich sehr, insgesamt wieder zu mehr Entspannung zu kommen, wenn mein Mann wieder da ist. Ich bin privat nicht der große Redner. Mein Mann kennt das. 😉 Ich spreche, wenn ich soweit bin, nach etwas Belastendem, das braucht immer eine Weile. Aber es fehlt mir doch zusehends mehr, momentan so gut wie gar nicht die Möglichkeit zu haben, mit ihm entlastend zu sprechen. Ich mag weder whats app, noch Telefonieren im Privatbereich und habe fast nie das Bedürfnis, mit Freunden zu sprechen. Ich bin durch und durch Familienmensch und definiere mich darüber hinaus durch meine Arbeit (wo private Belange meist nie großartig eine Rolle spielen, was völlig ok ist). Ansonsten bin ich lieber allein als in Gesellschaft.

    Ich muss sagen, es tut mir aber sehr gut, hier über alles schreiben zu können und von Euch so freundlich und unterstützend angenommen zu werden. 🙂 Vielen Dank!

    Liebe Grüße an Euch alle und eine schöne Woche,
    Anyy

    Anyy
    Teilnehmer
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    Ich habe noch zwei Fragen.
    Wie erlebt Ihr die Diagnose Migräne? Eher als be- oder entlastend, bzw. in unterschiedlichen Kontexten (z.B. beruflich,privat) anders? Wie reagieren Eure Arbeitgeber darauf?

    Früher hatte ich ’nur‘ Sehstörungen in der Auraphase. Heute Doppelbilder, Einschränkungen des Gesichtsfelds, ich friere teilweise stundenlang so furchtbar, dass mich nichts wärmt, wie Schüttelfrost. Ich habe großen Druck auf den Nasenflügeln und kurz vor der Kopfschmerzphase geht zumindest eine Nasenseite ganz doll zu, fast schon grippeartig, ich muss auch viel niesen und gähnen. Beim Sprechen bemerke ich sowas wie Holpern, also kein Stottern, aber Wortfindungsstörungen und vor allem Artikulationsstörungen. Die Wörter wollen nicht raus. Hören ist ganz furchtbar. Fernseher hier, Kind aus der anderen Richtung, und ich könnte platzen vor Reizüberflutung. Werden diese Symptome auch wieder weniger oder bleiben die (erfahrungsgemäß) bestehen?

    Talpa
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5

    Liebe Anyy,
    das hast Du ja ganz schön etwas zu stemmen.
    Das Frieren und das grippeartige kenne ich auch, ich habe auch gestern mit einer Art Schüttelfrost im Bett gelegen (habe heute den dritten Tag meines Anfalls, sollte heute besser werden).

    Ich wollte Dir kurz darauf antworten, wie ich die Diagnose erlebte: als eine Erleichterung. Mein erster Anfall hat mir eine Riesen-Angst eingejagt, das war im Urlaub, wir waren mit Zelt unterwegs. Ich lag dann wie besinnungslos vor Schmerz und Erbrechen im Auto, während mein Mann ein Hotelzimmer suchte.
    Der zweite Anfall dauerte dann drei Tage und ich war sicher, einen Hirntumor zu haben.

    Bis mir dann auffiel: es ist einseitig. Dann Diagnose etc.
    Ich gehe relativ offen damit um, allerdings gibt es immer wieder Menschen, die das als normalen Kopfschmerz abtun. Meinen Arbeitgeber geht das eigentlich erstmal gar nix an, aber mein direkter Chef ist ein Schatz, er weiß Bescheid.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Monat von  Talpa.
    Anyy
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 11

    Liebe Talpa,

    ja, wie ich das kenne, die Angst vor einem Hirntumor. Schrecklich.
    Habe ich jetzt nicht mehr (dafür nimmt die Sorge, nicht permanente Angst, vor einem Schlaganfall zu).
    Als die ersten Auren (das wusste ich damals ja noch nicht) auftraten und ich nur noch Doppelbilder sah und beim Optiker die Fixationstests nicht durchführen konnte, dazu diese hammermäßigen Kopfschmerzen danach (für mich Folge der Sehstörungen und Probleme der Berechnungen, die die Augen ausführen), brachte mir das ja auch ein MRT zum Ausschluss eines Hirntumors ein.
    Ich kann Dich da sehr gut verstehen.
    Und selbst da brachte mich niemand auf Migräne. Beim Augenarzt stellte der mit einem Tränenflüssigkeitstest extrem trockene Augen fest und verordnete mir ein Panthenolspray. (Probiert es mal aus, so ein Lid-Lipid-Spray, ist wirklich toll, auch bei Migräne) Das brachte jedoch keine Schmerzfreiheit, wenn auch eine Wohltat bei Migräne-Augen. Der Gyn verordnete mir Progesteron (er operierte ja GM + 1 Eiserstock raus), was auch wirklich eine zeitlang half, jedoch nur, wenn ich es beim ersten Anzeichen von Aura, nicht Schmerz (wusste ich ja immer noch nicht, ist nur rückblickend) einnahm.
    Beim Hausarzt bekam ich Tilidin (so ala, hier, kannste gleich das Kopfweh mit Rücken mitbehandeln).
    Ist irgendwie erschreckend, dass 3 verschiedene Ärzte involviert sind und keiner auf Migräne kommt oder auch nur mal erfragt hat. Und Hausarzt und Gyn sind Ärzte, denen ich am Herzen liege, das weiß ich. Also kein Vorwurf. Richtig sicher war ich ja erst, als ich mir mal ein Triptan besorgte und es wie eine Erlösung für mich war. Naja, und das wirst Du und sicher auch sehr viele Betroffene hier kennen, man wächst mit der Migräne. Persönliche Auslöser, Trigger, Situationen, Symptome, Behandlungen erkennen- das dauert eine Weile. Ich habe sicher noch ganz viele Fragen an langjährige Migräniker/innen hier, bin ja noch ein ziemlicher Neuling.
    Schön, dass Du einen verständnisvollen Chef hast. 🙂 Das ist ganz viel wert. Ich fühle mich oft ziemlich allein und rechtfertige mich, obwohl ich das sicher nicht müsste. Schlimm finde ich, dass es oft unberechenbar ist. Ich lerne jetzt noch, dass nicht nur negativer Stress Migräne auslösen kann, sondern auch viele emotionale gute und aufregende Sachen. Obwohl es sehr weit verbreitet ist, habe ich nur eine Freundin (bei der es mir bekannt ist), die Migräne hat. In meiner Familie ist das völlig unbekannt.
    Alles Gute für Dich! 🙂

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4580

    Liebe Anyy,

    hier ein paar Gedanken zu deiner Überlegung, dass du eine Woche frei haben möchtest, wenn dein Mann zurückkommt:

    Ich kann dich sehr gut verstehen, dass dir/euch einige gemeinsame Tage gut tun würden. Nach so vielen Wochen hat man doch einiges nachzuholen.
    Wie du das bei deiner Arbeitsstelle handhabst, ist deine persönliche Gewissensfrage, die Entscheidung kannst nur du alleine treffen. Für das eigene Handeln findet man natürlich immer gute Argumente 😉 , egal, wie man sich entscheidet.
    Grundsätzlich ist es bei uns Schmerzpatienten ein Problem, dass wir uns beruflich mehr Auszeiten gönnen müssten, in der Praxis ist es schwierig, wir haben in Headbook schon oft darüber geschrieben.
    Doch jetzt eine Woche Urlaub und gleich danach eine Woche krankschreiben lassen, kommt auch nicht gerade glücklich, oder? 😉

    Machmal hilft es auch, sich in die andere Seite hineinzuversetzen. Wenn du ein Geschäft hättest und du selber würdest eine Mitarbeiterin bezahlen, wie wolltest du, dass sie sich dir gegenüber verhält?

    Würdest du auch deine Fortbildung sausen lassen, weil dir die Auszeit mit deiner Familie so wichtig ist?
    Ich schreibe das deshalb, weil ich das selber mal bei einer Kollegin mitbekommen habe, die sich an der Arbeitsstelle länger krankschreiben ließ, doch die persönliche Fortbildung am Wochenende, die ihr sehr wichtig war, trotzdem in dieser Zeit besuchte. Das fand ich damals einfach nicht o.k.

    Das Optimum für uns geplagte Patienten wäre, wenn es für den Arbeitgeber einen fairen finanziellen Ausgleich geben würde, der unsere krankheitsbedingten Fehlzeiten kompensieren würde. So müssten wir bei Fehlzeiten nicht ständig ein schlechtes Gewissen haben (was eigentlich sowieso unberechtigt sein sollte, denn wir können ja nichts für unsere Krankheiten) und der Arbeitgeber wäre nicht im Nachteil, wenn er Mitarbeiter mit chronischen oder anderen Krankheiten beschäftigt.
    Träumen darf man ja mal … 😉 😉

    Inwieweit deine Tochter deine schweren gesundheitlichen Probleme mit der Abwesenheit ihres Papas in Verbindung bringt, kannst du ja durchaus beeinflussen. Wenn du ihr erklärst, dass das einfach eine Krankheit ist, die du hast, egal ob der Papa da ist oder nicht, kannst du irgendwelchen Vermutungen ihrerseits entgegenwirken.

    Lieber Gruß
    Heika

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4580

    Zu deinem Satz „Ich lass mir von der Migräne nicht mein Leben diktieren!“ kam mir noch der Gedanke, dass das ganz davon abhängt, wie viele Kraftreserven man zur Verfügung hat. Wie man sein persönliches Leben gestalten kann, hängt von sehr vielen Faktoren ab: privates und berufliches Umfeld, Dauer und Schwere der Erkrankung, Wirksamkeit von Medis, Lebensalter, Charakter, Hobbies, …

    Ich finde deine Motivation super, dich mit deinen Fähigkeiten im Leben und Wünschen ans Leben nicht unterkriegen zu lassen (so verstehe ich deine Worte nämlich). Daraus wirst du etliches an Kraft schöpfen können, um auch die schlechteren Tage besser zu packen.

    Nach vielen Migränejahren möchte ich nur darauf hinweisen, dass sich die Gegebenheiten und unser Kräftepotential im Laufe der Zeit ändern können und man dann gut daran tut, sich darauf einzustellen.

    Wie wir grundsätzlich den Umgang mit unserer Erkrankung handhaben, ist immer auch Typsache und alles, was wir an Maßnahmen ergreifen oder auch bewusst nicht ergreifen, soll zu unserer Persönlichkeit passen. Wenn uns z.B. PMR nicht gut tut, macht es keinen Sinn, sich dazu zu zwingen. Aus allen Empfehlungen, die wir hier in Headbook lesen können, dürfen wir raussuchen, was uns hilft, und den Rest einfach lassen. Wir tragen ja auch die Konsequenzen dafür.

    Anna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 139

    Dieser Satz geht mir auch nicht mehr aus dem Kopf, seit ich ihn gelesen habe.

    Ich glaube uns allen geht es so, dass wir unser Leben nicht oder nur ungern ändern wollen.
    Dass wir auf liebgewordene Gewohnheiten verzichten sollen oder eben kein gesellschaftliches Leben so wie früher führen können.

    Bloß glaube ich, dass das eben eine Spirale ist, die immer enger wird.
    So wie das Bettina auch über die Triptane und die Zunahme der Migränetage schreibt.
    Wenn wir nicht kürzer treten wollen, dann wird uns die Krankheit irgendwann knallhart dazu zwingen.
    Deshalb versuch ich persönlich mein Leben lieber so anzupassen, dass sowohl die freiwilligen als auch die erzwungenen Einschränkungen noch erträglich sind.

    LG Anna

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Monat von  Anna.
    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Monat von  Anna.
    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4580

    Stimmt, Anna, dass wir unseren Lebensstil unserer Erkrankung anpassen müssen. Im Idealfall gönnen wir uns an „Leben“ so viel wie möglich bei gleichzeitiger Rücksichtnahme im für uns notwendigen Rahmen.

    Sich in Watte zu packen, ist nicht nötig, doch weiter zu powern, als hätten wir nichts, überfordert uns völlig und wird sich irgendwann rächen.

    Anyy
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 11

    Guten Morgen! 🙂

    Danke für Eure Antworten.

    Ich habe gestern Morgen diese ungeklärte Urlaubs/Krankheitssituation nicht mehr ausgehalten und bin spontan zu unserer Geschäftsführung gefahren.
    Ich bin in eine große Versammlung geplatzt, aber man nahm sich gleich Zeit für mich. Ich schilderte kurz die Rückkehrproblematik meines Mannes und meinen Gesundheitszustand und fragte nach einer Woche unbezahltem und flexiblem Urlaub, wenn mein Mann wieder da ist, aus Gründen der Familienzusammenführung. Das wurde mir auch ohne Probleme genehmigt, was seeeehr erleichternd war. 🙂
    Ich wurde gefragt, wieso ich nicht krankmache und ob ich finanziell so über die Runden kommen würde. Aber ich war doch grade erst wg. Angina krank und einzelne Tage wg. Migräne + BSV.
    Und ich würde meinen Job dort gern behalten, ist ein toller Träger!
    Erstmal gab es auch einen Schreck, da sie dachten, ich wolle kündigen, wo ich natürlich das Gegenteil angab.
    Ja, ich fand es intuitiv moralisch auch nicht korrekt, den Urlaub oder die Zeit danach krankschreiben zu lassen und am We die Weiterbildung zu besuchen.
    Wo ich übrigens auch sofort alles stehen und liegen lasse, wenn die Landedaten meines Mannes vorliegen. Ich freue mich soooo auf’s Abholen. 🙂
    Und hoffe auf Kulanz und dass ich Versäumtes im Selbststudium nachholen kann. Schlimmstenfalls muss ich an einem anderen We zu einer Ersatzveranstaltung. Wäre auch nicht so dramatisch.
    Nachdem ich gestern bei der GF war, bin ich nach Hause gefahren und habe 4 Stunden geschlafen. Tat gut.

    Kann man sich Migräne eigentlich beim Arzt bestätigen lassen, also zur Vorlage beim Arbeitgeber?
    Denke mal, die Annerkennung einer Behinderung unter 50% ist irrelevant, oder?

    Bezüglich der Lebensstiländerungen bin ich übrigens echt froh, dass ich die Migränephasen nach einem Anfall recht schnell beiseite schieben kann. Ich liebe das Leben! Und ich möchte mir meine Lebensfreude bewahren und weiterhin alle Aufregungen erleben.
    Würde ich mich grundlegend einschränken und Dinge vermeiden, würde mir die Lebenslust verloren gehen und depressive Symptome die Oberhand bekommen. Die akuten Phasen sind schlimm genug. Ich finde es super, ehrlich gesagt, dass mein Hirn erlebten Schmerz usw. schnell ‚verdrängen‘ kann und meine Freude und Energie zwischen den Phasen immer zurückkommt.

    So, jetzt höre ich mir mal an, was der Neurochirurg bzgl. der Bandscheiben zu sagen hat. Wahrscheinlich nicht viel, da ich momentan fast topfit bin.
    In diesen Phasen fällt es schwer, sich den Schmerz vorzustellen…

    Habt einen schönen Tag!

    Liebe Grüße,
    Anyy

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4580

    Liebe Anyy,

    wow, was für eine außergewöhnliche Reaktion deines Arbeitgebers! Den würde ich mir warmhalten! 😉

    Ich freue mich sehr mit dir über diese optimale Lösung, die ihr miteinander gefunden habt. Und ich freue mich, dass du das mit Offenheit und Ehrlichkeit erreicht hast. Kannst stolz auf dich sein!

    Lieber Gruß
    Heika

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 25328

    Liebe Anyy,

    Du hast wirklich Glück mit Deinem Arbeitgeber, was wiederum viel Druck von Dir nimmt. Nicht jeder trifft es so gut, dann wird Arbeiten mit der Erkrankung noch schwieriger.

    Alles Gute und liebe Grüße
    Bettina

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