Migräne – positive Nebenerscheinungen?

Migräne – positive Nebenerscheinungen?

Brief an die Migräne

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  • Bettina Frank – Admin
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    Diesen Brief hatte eine Migränebetroffene an anderer Stelle in einer geschlossenen Gruppe geschrieben. Prof. Göbel und ich hatten die Erlaubnis bekommen, diesen Brief anonymisiert sowohl unter Aktuelles auf der Homepage der Schmerzklinik einzustellen, als auch hier im Headbook. Er drückt sehr feinfühlig aus, wie das Leben mit Migräne so verlaufen kann und wie sehr wir im täglichen Leben mit ihr konfrontiert sind.

    Es zeigt die Verzweiflung, das Hadern, die tägliche Auseinandersetzung, aber letztendlich doch das versöhnliche Annehmen der Erkrankung und die Einsicht, dass sie uns immer wieder zur Schonung zwingt.

    * * * * * * * * * * * * *

    Liebe Migräne,

    es fällt mir auch 2014 sehr schwer “Freundschaft” mit dir zu schließen, auch wenn ich gerade heute wieder festgestellt habe, dass du es eigentlich gut mit mir meinst. Du “bremst” mich zwangsweise aus, wenn ich mich mal wieder überfordert habe – mit Menschen oder Situationen. Wenn ich mal wieder Andere vor mein Wohl gesetzt habe und mich habe “zumüllen” lassen. Ja, ich gebe zu, ich möchte immer “funktionieren” und keine Schwäche zeigen – ist ja schon gut – du hast ja recht! Könntest du mich nicht einfach mal etwas “härter” machen, mir etwas von dieser Hypersensibilität nehmen?

    Ja, ich weiß, du meinst es nur gut mit mir, aber muss das immer so weh tun und mich so aus der Bahn werfen? Dieses Mal bist du ja auch noch ungeheuer “arbeitgeberfreundlich” und kommst am Wochenende … Ich weiß, es muss sich dieses Jahr einiges ändern und ich verspreche dir, dass ich mich wirklich auf die Hinterfüße stellen werde um es auch umzusetzen. Aber was soll ich tun, auch wenn ich unter meiner Arbeitsstelle leide, weil sie mich “stigmatisiert” haben, weil ich anders bin und krankheitsbedingt nicht (mehr) so leistungsfähig wie früher, dass sie mich mit “Personalgesprächen” bombardieren und mich mit noch nicht 40 in die EU-Rente abschieben wollten, so kann ich doch nicht einfach alles hinschmeißen?

    Du weißt liebe Migräne, ich arbeite sehr hart an mir, weil ich weiß, ich kann andere Menschen nicht ändern, nur mich selbst und glaub mir, es ist ein hartes Stück Arbeit immer wieder sich selbst zu motivieren, immer wieder auf die Anderen zuzugehen. Sie schließen mich aus, sie ignorieren mich, für meinen Arbeitgeber bin ich nur eine Last – nur “geduldet”. Von “Fürsorgepflicht” wird nur geredet – in Wirklichkeit will man gar nichts für mich tun, wie die letzten Jahre immer wieder gezeigt haben.

    Du weißt, liebe Migräne, ich hab mich immer gewehrt, hab mich stark gezeigt, aber es hat mich viel Kraft gekostet und viele Tränen (heimlich geweint). Ich habe mich NICHT unterkriegen lassen, ich habe NICHT klein beigegeben, obwohl man mich wie das Allerletzte behandelt hat. Weißt du, ich möchte mich gar nicht beschweren, denn ich kenne das Leben nicht anders, als dass ich kämpfen muss. Aber könnte jetzt nicht mal ein wenig Ruhe einkehren? So langsam weiß ich nicht mehr, wo ich die Kräfte noch hernehmen soll … Ich bin immer so erschöpft, schaffe es morgens fast nicht (mehr) aufzustehen, der Schlaf lässt trotz Medikamenten zu wünschen übrig, ich bin einfach nicht erholt. Die Sorge um die Zukunft, wie lange ich das noch durchhalte lässt mich manchmal nicht los, auch wenn ich weiß, irgendwie geht es immer weiter.

    Weißt du, liebe Migräne, irgendwo sollte ich dir wirklich dankbar sein, das ist das Fazit dieses Briefes. Weil du mir die Grenzen aufzeigst, die ich selbst nicht mehr gewahrt habe, die mir nicht mehr bewusst sind. Außerdem habe ich – was für ein Glücksfall und was für ein Gottesgeschenk – eine ganz tolle Gruppe gefunden – auch eine ganz tolle Truppe in Facebook und ich habe so wertvolle Tips gefunden zur Prophylaxe und für den Umgang mit dir. Ende letzten Jahres konnte ich auch endlich wieder mit etwas Ausdauersport anfangen und ich schaffe es, mich davon nicht auch noch unter Druck setzen zu lassen, mache das ganz ohne “Stress” und ich merke, das tut mir gut, es ist ein guter Ausgleich zu all dem Anderen. Der Kopf wird “frei” und die Gedanken fahren nicht Achterbahn – da gibt es endlich mal Ruhe und auch du liebe Migräne hast dann endlich mal “Sendepause”. Siehst du, ich bin fürsorglich – selbst zu dir. Deshalb gönne ich dir und meinem Kopf jetzt auch heute Ruhe, denn du hast mich mal wieder fest im Griff.

    Fazit ist, dass auch du liebe Migräne bei all dem Schlechten etwas Gutes hast – du bist wie ein “Stoppschild”, ein “Warnsignal” – das rote Lämpchen wie eine Ampel das anzeigt “STOPP – DAS WAR ZUVIEL”. So versuche ich aus dem das weh tut – nämlich dir auch ein positives Resümee zu ziehen – danke für deine Fürsorge. Mein Bett ruft und das dunkle Zimmer.

    Danke für Alles, du bist gar nicht so blöd, wie ich dachte.

    Migrant
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 2

    Liebe Migräne,

    ich fürchte ich bin dir nicht dankbar – genaugenommen hasse ich dich.
    Manchmal bin ich kurz davor dir eine Ladung Schrot zu verpassen, aber du
    versteckst dich hinter den Augen, den Schläfen und manchmal ziehst du dich
    bis in den Hinterkopf, wenn ich dich nicht rechtzeitig mit Zomig aufgelöst habe.
    Und so habe ich Angst, mit einer Schrotladung auch das Hirn und Gesicht
    zu beeinträchtigen. Jenes Hirn das du mir soweit trainiert hast, daß ich die
    meissten Arbeiten für die andere Hirne eine Woche brauchen, jetzt in 2 Tagen erledigen kann. Mehr Zeit pro Woche gibst du mir selten.
    Also, danke vielleicht fürs Training, aber pass trotzdem auf das ich dich nicht erwische !

    bluemchenrabbit
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 48

    Da mache ich mit….

    Liebe Migräne,

    ja, ich weiß. Ich bin ein ganz besonderer Mensch, mit außergewöhnlichen Gefühlen. Und dafür bin ich sehr dankbar, denn ich möchte nicht so gefühlskalt sein!
    Aber muss es denn so schmerzhaft sein, wenn ich mit anderen leide und fühle?

    Ich bin auch sehr gerne hilfsbereit und das gleich für alle in meiner Abteilung und in meiner Umgebung.
    Aber musst Du mich deshalb so brutal mit den schmerzhaften Stichen bremsen? Reicht kein einfaches STOP?

    Musst Du mich so piesaken, nur weil ich versuche anderen Menschen die Last abzunehmen?

    Eigentlich habe ich doch Spaß daran zu lauter Musik zu tanzen oder auf ein Konzert zu gehen, wenn die Bässe dröhnen, aber Du strafst mich direkt danach mit Schmerzen.

    Nicht mal Sport kann ich machen, ohne dass Du pulsierst 🙁

    Warum???

    Weil ich so bin, wie ich bin. Und so wie ich bin, bin ich ja ganz gut.

    Nur Du bremst mich, quälst mich, zeigst mir meine Grenzen und das sehr heftig.

    Soll ich Dich herausschneiden ? – manchmal möchte ich es.
    Dann denke ich, ich habe einen Alien in mir, der da nicht hingehört.

    Aber ich sollte Dir danken, ansonsten würde ich vielleicht ein psych. Nervenwrack sein, der mit all diesen Lasten gar nicht klar käme.

    Das sind meine Gedanken
    blümchenrabbit

    Andres
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 125

    Danke an die unkekannte Migränebetroffe. Danke fuer diese Zeilen-fuer diesen Text.
    Es zeigt mir wieder auf ‚Frieden‘ mit der Mig. zu schliessen und einfach anzunehmen. Etwas das ich noch viel zuwenig kann. Deine Zeilen liebe Verfasserin machen mir Mut es sogleich anzugehen. ‚Sauersein‘ auf meine aktell am ersten Arbeitstag pünktlich dagewesene Mig bringt wenig – darum ich bin nun am See-die Stimmung des Föhns anzusehen.
    http://www.headbook.me/members/andres/album/picture/190/
    Freundschaft mit meinem Kopf? – ich arbeite daran.
    Grüsse an alle
    Andres

    Tanni
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 1974

    Liebe anonyme Briefeschreiberin,

    auch ich möchte dir von Herzen für diesen wertvollen Brief danken! Ich musste ihn noch ein zweites und ein drittes Mal lesen, denn er drückt so vieles aus! Und das, was nicht geschrieben steht, kann man selbst mit Gedanken füllen, denn ich glaube jeder von uns hat schon Situationen erlebt, in denen die Kraft nicht mehr gereicht hat, in denen man nicht mehr weiter wusste, in denen die Verzweiflung Überhand nahm…

    Und jeder weiß wohl, wie schwer es fällt, zu akzeptieren, was nun einmal ist – damit Frieden zu schließen und dann die Migräne an der Hand zu nehmen und zu sagen „Komm, das machen wir gemeinsam“.

    Meinen Respekt vor deinem Weg – und meine besten Wünsche mögen dich 2014 begleiten!

    Herzliche Grüße, Tanni

    P.S.: Ganz allgemein finde ich es ein unheimlich wertvolles Medium, sich den Kopfschmerz ab und an als Begleiter vorzustellen (das tue ich seit einem denkwürdig lustigen Tag hier umso öfter 😉 ) und auszuformulieren, wie man ihn sieht, wie man zu ihm steht und was man über ihn denkt, ohne sich dabei zu sehr von Emotionen leiten zu lassen…

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27031

    Wie schön, dass Ihr die Diskussion aufgreift und Eure Gefühle niederschreibt. Es ist schon erstaunlich, welche Gefühlspalette sich öffnet in der Konfrontation mit einer Schmerzerkrankung. Bin schon sehr gespannt, wie das hier noch weitergeht.

    Gibt es Betroffene, die schon über den Kampf hinweg sind? Die schon eine eher entspannte Gelassenheit annehmen konnten?

    Liebe Grüße
    Bettina

    Tanni
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 1974

    😀 Bettina, zählt ein zeitweiliger Waffenstillstand bis die Friedensbedingungen ausgehandelt sind auch? 😉

    Ich glaube heute wird ein interessanter Tag – bin schon seit halb 6 heute früh auf Dauergrinsen eingestellt 😀 wünsche euch allen einen fröhlich bunten schönen Tag!
    Liebe Grüße, Tanni

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27031

    Na klar zählt ein Waffenstillstand auch dazu. 😉 Würde mich jetzt allerdings sehr interessieren, was Dich veranlasst, mitten in der „Nacht“ schon auf Dauergrinsen eingestellt zu sein. lol1.gif

    Tanni
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 1974

    Einzig und allein für deine Neugier: Nichts! 😀 Oder anders gesagt: Alles! 😀

    Dass ich mitten in der Nacht in der Lage bin, überhaupt etwas anderes zu tun, als zu schlafen, hängt übrigens mit einem kleinen Elektroartikel, genannt Wecker, zusammen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, mich lautstark um 20 nach 5 aus meinen Träumen zu reißen 😉

    Und dann nahm es seinen Lauf – bin aufgestanden, stand in der Küche und habe spontan beschlossen „Heute bin ich glücklich“ 🙂 Und einzig und allein deswegen, habe ich den Tag grinsend verbracht und nicht einmal meine panische Chefin konnte meine Laune ins Wanken bringen…

    Nebenbei: Solche Tage brauchen bei mir wirklich keinen Grund und keinen Anlass – aber zugleich gibt es Millionen von Anlässen dazu und alle führen irgendwo zu dem Schluss: Ich bin unendlich dankbar für mein wunderbares Leben, für jeden kostbaren Augenblick, für jeden liebevollen Menschen, für jede besondere Begegnung und für die Möglichkeit, auf diese Weise dankbar zu sein 🙂

    Ich wünsche euch allen einen wunderschönen Abend!
    Liebe Grüße, Tanni

    P.S.: Das mit dem Waffenstillstand funktioniert bei mir schon ausgezeichnet, von Zeit zu Zeit wird zwar ein bisschen gefochten, aber nur um die Territorien für die nächsten Verhandlungen festzulegen 😀

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27031

    Erstaunlich Tanni. 🙂 Ich bin zwar eigentlich fast immer positiv eingestellt, aber definitiv erst frühestens ab 8 Uhr morgens. Davor geht nix und wenn was gehen muss, dann ungern.

    Aber nun zurück zum Migränebrief:

    Ich bin noch nie auf den Gedanken gekommen, „meine Migräne“ zu personalisieren und direkt anzusprechen. Habe sogar fast Hemmungen, „meine“ zu schreiben. 😉

    Deshalb finde ich diesen Austausch hier so interessant, weil er zeigt, dass sich jeder seine Instrumente selbst bastelt. Jeder findet irgend einen Weg, damit die Erkrankung nicht das gesamte Dasein überbordet.

    Für mich ist die Migräne halt da und ich muss schauen, dass ich die Attacken in überschaubarer Anzahl halten kann. Sie ist da, wie auch mal eine Grippe, die überstanden werden muss. Sicher, sie ist hartnäckiger und unberechenbar, aber sie ist halt „auch“ da. Wie andere körperliche Einschränkungen ebenso, die mal auftauchen, oder ebenso in chronischer Form vorhanden sein können.

    Ich schreibe zwar täglich zu Themen über Migräne, aber es kommt nicht an mich ran. Es belastet mich nicht, die Migräne ist dann eine Sache. Genauso gut könnte ich über Einrichtungsgegenstände oder über Rosen (das schon lieber) und Musik ( 🙂 ) schreiben.

    Immer wieder mal werde ich gefragt, wie ich es aushalten kann, mich so viel mit Migräne auseinanderzusetzen. Auch hört man immer wieder mal von Mitgliedern, dass sie nicht so viel in Headbook sein können, weil sie das Lesen und Schreiben über Migräne zu sehr belastet.

    Mich belastet es nicht, weil ich es nicht zulasse. Ich schreibe über medizinische Fakten, meine eigenen Probleme sind dann außen vor. Ich kämpfe nicht gegen die Migräne, ich hasse sie nicht, ich mag sie nicht, ich möchte ihr so wenig Gefühle wie möglich einräumen.

    So findet jeder seinen Weg, das beste aus einer natürlich unangenehmen und einschränkenden Sache zu machen.

    Liebe Grüße
    Bettina

    PS: Aber manchmal möchte ich dann doch das machen mit ihr … boewu12.gif

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5265

    Dann kriegt die Migräne auf jeden Fall noch andere Kopfschmerzen! 😉

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27031

    Ja, dann kriegt sie noch zusätzlich einen sekundären Kopfschmerz. 🙂

    bluemchenrabbit
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 48

    Ich verfolge die Gedanken hier sehr interessiert.

    Meine Migräne? Die Migäne?

    Für mich ist es MEINE Migräne. Ich habe sie in meinen Genen übergeben bekommen.

    Meine Migräne sensibilisiert mich und schmerzt meinen Körper.

    Sie ist immer da – mal mehr, mal weniger präsent (leider immer viel zu oft).

    Sie gehört zu mir, wie meine Körperteile. Die spüre ich auch mal mehr und mal weniger. Denkt mal an Muskelkater oder Rückenschmerzen 😉

    Ohne die Migräne bin ich nicht komplett – wäre ich nicht so wie ich bin.

    Wir sind einfach ganz besondere Menschen,
    Mit einer besonderen Krankheit.
    Mit besonders schönen Empfindungen
    Und besonders schlimmen Schmerzen.

    Ich stehe dazu und lasse diese Gefühle für mich zu.

    So komme ich besser mit MEINER Migräne und mir klar. Allerdings war das auch nicht immer so.

    Ich wünsche Euch eine gute Nacht, habt schöne Träume.

    Liebe Grüße
    Blümchenrabbit

    Tanja
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 764

    ihr lieben!

    es ist eine interessante runde hier, ich denke, die meisten, die hier im headbook aufschlagen, sind mit ihrer migräne nicht sehr auf du&du und eher verzweifelt.

    ich sehe sie auch eher nicht personalisiert, ich könnte ihr keinen brief schreiben, denn ich schreibe nur wahren personen meine gefühle, nicht einer degeneration von genen.

    aber was ich als wichtig und wirklich hilfreich sehe, ist die akzeptanz, dass wir diese krankheit haben.
    durch die forschung erkennt man ja, dass viele krankheiten am ende eine genetisch gesteuerte geschichte sind, je mehr man forscht, desto mehr findet man.
    die frage ist für mich also „nur“, inwieweit stehe ich mit geradem rücken und selbstbewusst da um mir und anderen zu erklären, dass ich krank bin und sie und ich das gefälligst zu akzeptieren haben. dass man keinem menschen mit einer colitis ulcerosa oder neurodermitis oder brustkrebs nur annähernd solche unterstellungen macht wie uns. und diese sind auch genetisch disponiert.

    ich möchte statt mich mit „meiner“ migräne auseinanderzusetzen und ihr meinen frust oder meine erkenntnisse mitzuteilen, die „sie“ eh nicht wahrnimmt, lieber mit anderen auseinander setzen und ihnen erklären, was ist migräne, warum ist sie so, wie sie ist und was kann getan werden.
    DAS ist für mich hilfreich und ich sehe es als eine aufgabe an, hier aktiv zu werden.
    briefe an stellen, die dafür verantwortlich sind, dass wie so behandelt werden, wie wir behandelt werden, das wäre angebracht. und sobald ich die möglichkeit habe, wieder zu arbeiten, möchte ich am liebsten genau das tun.
    public relation für migräniker.
    oder so.

    denn ich finde, wir machen am ende einen durchschnitt aus. der eine ohne migräne kann an zwei tagen eine sache in 10 schritten erledigen, dann die nächste.
    wir können die sache in 4 schritten erledigen und an einem halben tag erledigen und liegen die nächsten 1,5 tage brach, bis wir wieder weitermachen können um den nächsten schritt anzugehen.
    wo ist da der unterschied?
    also warum sollte ich zur migräne „danke“ sagen?
    ich kann nur sagen, dass ich anders lebe wie der nichtmigräniker. that’s all.

    wer bis hierher gelesen hat, hut ab fig55.gif
    ich finde aber, dass jeder sich so freischaufeln sollte, wie er es braucht. also sehe ich so einen brief nicht als albern an oder verurteile das. neinnein, es ist auch eine art, mit sich selber besser klar zu kommen und wem das hilft, der sollte das unbedingt tun!

    nun bin ich gespannt auf die antworten *kopfeinzieh*
    tanja

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5265

    Lass den Kopf ruhig draußen, liebe Tanja. 😉

    Jeder von uns sucht sich seinen individuellen Weg, um sich mit dem Migräneproblem auseinanderzusetzen. Was dem einen hilft, hilft dem anderen vielleicht auch, oder auch nicht. So ein Brief an die Migräne ist eine sehr persönliche und für mich auch humorvolle Art, sich dem Problem zu stellen.

    Mit der Auseinandersetzung sind wir alle auch unterschiedlich weit. Die eine kämpft noch gegen die Tatsache an, krank zu sein, eine andere hat resigniert, eine andere hat zur Akzeptanz gefunden und wieder andere schwanken hin und her, je nach aktueller Phase.
    Und je nach Stadium und Persönlichkeit äußern wir uns hier auch unterschiedlich. Ich finde die Beiträge hier sehr spannend und bereichernd!

    Deine Beiträge bis zum Ende zu lesen berechtigt meiner Meinung nach nicht zum Hut abnehmen ;-). Sie sind prima und unterhaltsam zu lesen, kein „Opfer“! 😉

    Fröhlicher Gruß
    Heika

    bluemchenrabbit
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 48

    Hey Tanja,
    ich fand Deinen Beitrag auch sehr interessant und habe ihn sogar 2 x gelesen – jawoll!
    Da sind viele Aspekte, mit denen ich übereinstimme, auch, wenn ich von meiner Migräne spreche 😉

    Ich sehe viele Dinge von der objektiven Seite, auch akzeptiere ich die Krankheit und gehe damit offen um.

    Aber es tut auch gut, Gefühle los zu werden. Denn genau das ist ja auch ein typisches Migräner-Problem 😉 Und dieser Weg – ein Brief an die Migräne – war ein prima Ventil für mich.

    Also auch für mich Kopf hoch liebe Tanja. Ich habe großen Respekt vor Deiner Meinung.

    Gruß
    Bluemchenrabbit

    Tanja
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 764

    hallo blümchenrabbit,
    na-na, mal nicht übertreiben
    😉

    du hast ja recht, wir haben schwierigkeiten unsere gefühle zu verarbeiten, und ich gebe zu, dass ich zwar keinen brief an die migräne geschrieben habe, aber ich hatte in 2012 eine kladde bei mir, in die ich alles geschrieben habe, das mir im kopf geisterte, weil ich zu dem zeitpunkt mit so vielen gedanken zu tun hatte,. und es half mir, das alles aufzuschreiben, um einen klaren kopf zu bekommen.

    am ende ist das ähnlich, nur habe ich es allgemein geschrieben und nicht ein brief an meine gefühle oder so.
    ich habe neulich eine doofe situation erlebt, die mich geärgert und mitgenommen hat. und weil ich wusste, dass ich am ende nur tagelang drüber grübeln würde, habe ich der person noch abends einen brief geschrieben, hab mir alles von der seele geredet und ihn um 1h nachts in den briefkasten geworfen, damit er aus dem haus ist. ich war frei und konnte schlafen und auch am nächsten tag war die sache für mich erledigt. also das „wegschreiben“ aus dem hirn funktioniert ja durchaus.

    vielleicht lesen wir hier noch einige briefe an die migräne, das fände ich schon gut. dieses forum ist ja extra dafür da!

    ich versuch es jetzt auch mal:

    „ha! migräne!
    hast angst vor amitriptylin oder was?! machst dich in letzter zeit so klein, gibst du den kampf etwa auf?
    feigling!“

    hihi
    tanja

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