Klassifikation
ME ist eine erworbene organische, pathophysiologische Multisystemerkrankung, die sowohl sporadisch als auch in Epidemien auftritt. Die Myalgic Encephalomyelitis (ICD 10 G 93.3), die das CFS miteinschließt, wird in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (International Classification of Diseases ICD) der Weltgesundheitsorganisation als eine neurologische Krankheit klassifiziert.
Chronische Erschöpfung darf nicht mit ME/CFS verwechselt werden, weil die „Erschöpfung“ des ME/CFS eine
pathologische Form der Erschöpfung darstellt und nur eines von zahlreichen Symptomen ist. Es liegen
überzeugende Forschungsbelege für physiologische und biochemische Anomalien vor, die ME/CFS als
abgrenzbare klinische Erkrankung auf biologischer Grundlage ausweisen.
1. Erschöpfung
„Müdigkeit“ oder „Erschöpfung“ sind völlig unzureichende Bezeichnungen für die Form der Erschöpfung, die Patienten mit ME/CFS erleben. Es handelt sich nicht um eine normale Erschöpfung, bei
der die Energie durch Ruhe sofort wieder hergestellt wird. Bei der pathologischen „Erschöpfung“, unter
der ME/CFS Patienten leiden, verbinden sich Erschöpfung, Schwäche, Schweregefühl, allgemeines Krankheitsgefühl, Benommenheit und Schläfrigkeit zu einem Zustand, der auf überwältigende Weise entkräftend ist.
Definitionsgemäß ist das Aktivitätsniveau des Patienten um etwa 50% oder mehr herabgesetzt.
Manche Patienten sind ans Haus oder ans Bett gefesselt und sind für ihre alltägliche Versorgung auf
andere angewiesen. ME/CFS „ist tatsächlich entkräftender als die meisten anderen
medizinischen Probleme dieser Welt” 9 , entkräftender als die Folgen von Chemotherapie, der sich
Krebspatienten unterziehen müssen oder als HIV im Endstadium bis etwa zwei Wochen vor dem Tod der
Betroffenen. Die kognitive Ermüdung der Patienten wird offensichtlich, wenn seine/ihre Antworten
langsamer und weniger kohärent werden und er/sie größere Schwierigkeiten bei der Wortfindung und
dem Wiederabrufen von Informationen bekommt.
Die pathologischen Komponenten der Erschöpfung sollten genau bestimmt werden, um eine
angemessene Behandlung anbieten zu können. Orthostatische Intoleranz, die Unfähigkeit, über
längere Zeit eine Aktivität in aufrechter Position zu auszuhalten, kann mit der für ME/CFS typischen,
überwältigenden Erschöpfung, Schwäche und dem dringenden Bedürfnis, sich hinzulegen, verbunden
sein. Oft fühlen sich die Patienten beim Erwachen infolge von schlechter Qualität und Menge des
Schlafes erschöpft. Erschöpfung, die mit herabgesetzter Sauerstoffsättigung einhergeht,
wird verursacht durch eine unzureichende Sauerstoffzufuhr ins Gehirn und ins Gewebe.
Bei der Erschöpfung, die mit dem Stoffwechsel im Zusammenhang steht, sind die Zellen nicht in der
Lage, Energieträger so umzuwandeln, dass die Energie in sinnvolle Funktionen einfließt. Eine
Erschöpfung der Muskulatur tritt häufig auf. Patienten, die außerdem die Kriterien des FMS
erfüllen, leiden gewöhnlich an systemischer Erschöpfung.
2. Zustandsverschlechterung und/oder Erschöpfung nach Belastung
Körperliche oder geistige Anstrengungen verursachen oft ein entkräftendes Krankheitsgefühl und/oder Erschöpfung,
generalisierte Schmerzen, einen Abfall der kognitiven Funktionen und eine Verstärkung anderer Symptome, die unmittelbar nach der Aktivität oder auch mit Verzögerung auftreten können. Die Patienten leiden unter rascher
Erschöpfung der Muskeln und mangelnder Ausdauer. Diese Symptome lassen auf eine Pathophysiologie schließen, zu der die Aktivierung des Immunsystems, Ionenkanalstörungen mit
oxidativem Stress und Toxizität durch Stickoxid 10 und/oder orthostatische Intoleranz gehören. Die
Erholungszeit ist übermäßig lang und beträgt gewöhnlich einen ganzen Tag oder länger, und
körperliche Belastung kann einen Rückfall auslösen.
…
Komorbide Erkrankungen: FibromyalgieSyndrom (FMS), Myofasziales Schmerzsyndrom(MPS), Kiefergelenksyndrom (Temporomandibular Joint Syndrome – TMJ), Reizdarm (Irritable Bowel Syndrome – IBS), Interstistielle Zystitis, Reizblase, Raynaud’sche Krankheit, Mitralklappenprolaps, Depressionen, Migräne, Allergien,
Multiple Chemikaliensensibilität (MCS), Hashimoto Syndrom, SiccaSyndrom usw.
Solche komorbiden Erkrankungen können im Rahmen des ME/CFS auftreten. Andere Erkrankungen wie etwa das Reizdarmsyndrom können dem ME/CFS um viele Jahre vorausgehen, sind dann jedoch Bestandteil des ME/CFS. Gleiches gilt für Migräne und Depressionen. Ihr Zusammenhang mit dem ME/CFS ist deshalb unklarer als der Zusammenhang der Symptome, die Bestandteil des
Syndroms sind. ME/CFS und FMS sind oft eng miteinander verknüpft und sollten als „überlappende Syndrome“ betrachtet werden.
Quelle: http://www.mefmaction.net/Portals/0/docs//ME-Overview-German-3-31-08.pdf