Bei der Migräne stehen insbesondere folgende Schwindelphänomene im Vordergrund:
Gutartiger wiederkehrender Schwindel
Der sog. gutartige wiederkehrende Schwindel wird auf der Basis eines vorübergehenden wiederkehrenden Vasospasmus im Gleichgewichtsorgan, analog zu anderen vaskulären Störungen im Rahmen der Migräneattacke, gesehen. Von verschiedenen Autoren werden entsprechende Schwindelphänomene bei bis zu 60 bis 80 % der Migränepatienten berichtet. Während bei der Basilaris-Migräne Schwindel auftritt, der von einer Kopfschmerzphase abgelöst wird, wird bei dem benignen wiederkehrenden Schwindel eine Kopfschmerzphase nicht beobachtet. Häufig finden sich jedoch bei solchen Patienten neben dem gutartigen wiederkehrenden Schwindel auch typische Migräneattacken, allerdings dann nicht in zeitlichem Zusammenhang.
Periodische Syndrome in der Kindheit
Es werden zwei periodische Syndrome in der Kindheit abgegrenzt, die mögliche Vorläufersyndrome einer Migräne sind. In der älteren Literatur werden solche Syndrome auch als Migräneäquivalente tituliert. Es handelt sich hier zum einen um den sogenannten
1. gutartigen paroxysmalen Schwindel in der Kindheit.
Entsprechende Phänomene sind häufig aus der Schule bekannt. Den Kindern wird plötzlich schwindelig, sie klagen über Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Erbrechen, sind blass und bleich. Solche Syndrome beginnen bei den betroffenen Kindern in der Regel im 7. oder 8. Lebensjahr und treten ein- bis zweimal im Monat auf. Die Attacken dauern bis zu zwei Stunden an. Im Laufe des weiteren Schulalters werden sie seltener, und in der Regel treten sie in dieser Form nach dem 14./15. Lebensjahr nicht mehr auf. Ob diese Syndrome als Migräne angesprochen werden sollen, ist offen.
Als zweites Syndrom wird die sogenannte
2. alternierende Hemiplegie in der Kindheit
als Vorläufersyndrom der Migräne abgegrenzt. Dabei treten bei den Kindern anfallsartig Halbseitenlähmungen auf. Die Seite der Hemiparese bzw. -plegie wechselt dabei alternierend von Anfall zu Anfall. Neben diesen motorisch-neurologischen Störungen treten aber auch psychische Auffälligkeiten als Begleitsymptome auf. Auch bei diesem Syndrom ist unklar, ob es als Migräne aufgefasst werden soll oder ob es sich möglicherweise um eine besondere epileptische Anfallsform handelt.
Narkolepsien, Kinetosen (Bewegungskrankheit)
Symptome im Rahmen von migräneartigen Störungen in Form von Bewußtseins- bzw. Befindlichkeitsveränderungen und Bewegungskrankheiten etc. sind komplexer Natur und können auf fokale cerebrale Störungen zurückgeführt werden. Aus diesem Grunde werden sie nicht unter der migräneartigen Störung subsumiert, sondern als Formen der Migräneaura. Die Überstimulation im Gleichgewichtsorgan durch die Bewegung des Fahrzeugs, insbesondere bei fehlender Augenkontrolle, z.B. beim Lesen auf dem Rücksitz, führt bei Betroffenen sehr schnell zu einer Attacke als Migräneauslöser.
Ein Grenzbereich dazu sind jedoch Reaktionen von Migränekranken, insbesondere auf Alkohol oder auf Medikamente. Viele Migränepatienten sind außerordentlich überempfindlich gegen verschiedene Substanzen oder auch gegenüber Genußmitteln. Sie reagieren auf solche Situationen mit Übelkeit, Schwindel, Erbrechen und vegetativen Symptomen. Auch solche Reaktionen können als migräneartige Störungen aufgefaßt werden. Insbesondere besteht eine außerordentliche Anfälligkeit für Nebenwirkungen verschiedener Medikamente.