Liebe Anna,
ich habe die Ultraschalluntersuchung des Herzens durch die Speiseröhre (TEE) schon drei Mal hinter mich gebracht. Das erste Mal ohne “Beduselungsmittel”. Eine Bekannte von mir arbeitete auf der Station und meinte, ich würde das auch so schaffen. Vorher wird durch ein Spray der Rachen lokal betäubt, dann legt man sich auf die Seite und muss einen Schlauch schlucken. Während man schluckt, schieben sie den Schlauch nach unten und schallen dann das Herz. Wichtig ist, dass man nur durch die Nase atmet, wobei das für mich eine echte Konzentrationsübung war, denn wer atmet schon automatisch durch die Nase, wenn der Mund sperrangelweit offen steht
. Doch sonst kommt Luft in die Speiseröhre und man sieht nicht so gut auf das Herz. Das Bewegen des Schlauches kann einen Würgreflex auslösen, doch wenn der Arzt den Schlauch ganz langsam bewegt, geht es besser.
Vor der Untersuchung wird ein venöser Zugang gelegt, über den dann während der Untersuchung ein Kontrastmittel gespritzt wird. Man wird dann zum Pressen aufgefordert, damit der Druck im Herzen erhöht wird und der Arzt sehen kann, ob von dem Kontrastmittel etwas vom rechten Vorhof in den linken Vorhof wandert, was eigentlich nicht sein sollte. Bei mir war es so.
Ob man ein PFO verschließen soll oder nicht, ist in der Ärztewelt sehr umstritten. Ich hatte Arztmeinungen in beide Richtungen und musste mich entscheiden, und ich hatte mich FÜR den Verschluss entschieden. Dieser Eingriff erfolgt über die große Vene in der re. Leiste und verläuft wie eine Herzkatheter-Untersuchung. Nur dass dabei ein Doppelschirmchen im Herzen aufgespannt wird. Über diese beiden Schirmchen, die mit einem festen Steg verbunden sind, wächst dann Herzgewebe drüber und alles ist dicht.
Vor diesem Eingriff wurde noch einmal ein TEE gemacht, das machte ich dann zur Abwechslung mit Beduselungsmittel. Es war deutlich angenehmer, allerdings brauchte ich einige Zeit, bis ich im Kopf wieder klar war. Wobei man sich selber für topfit hält. Ich meinte auch, gleich danach ein Buch lesen zu müssen, und stellte etliche Stunden später fest, dass von dem Inhalt in meinem Gehirn nichts mehr vorhanden war. Also auf gar keinen Fall danach Auto fahren oder ein Testament verfassen (kleiner Scherz am Rande).
Das dritte TEE bekam ich zwei Monate nach dem Eingriff zur Kontrolle. Da war bei mir schon alles dicht, wobei das auch ein paar Monate länger dauern kann.
Der Grund meines PFO-Verschlusses war nicht die Migräne, sondern ein vorausgegangener Schlaganfall. Ich weiß, dass Studien laufen (oder liefen?), die untersuchen sollen, ob sich ein PFO-Verschluss positiv auf die Migräne auswirkt. Soweit ich gehört habe (aber genaues weiß ich nicht), verändert sich die Migräne dadurch nicht.
Anders ist es aber, wenn man viele Auren hat, bei denen man nicht weiß, ob diese durch minikleine Blutgerinnsel ausgelöst werden, die durch ein PFO im Gehirn landen, anstatt wie bei jedem anderen Menschen unauffällig in der Lunge zu “verschwinden”. Als Laie kann ich dir dazu aber nicht mehr sagen.
In den ersten Monaten nach dem Eingriff hatte ich manchmal erstaunlich lange Pausen zwischen den Attacken. Ob das mit dem PFO-Verschluss zusammenhing, weiß ich nicht, denn zeitgleich landete ich hier im Forum, lernte unglaublich viel zum Thema Migräne (wobei ich früher mal dachte, ich wüsste schon alles…) und setzte auch viel von den Tipps zur Vorbeugung um. Was also letztlich die Besserung bewirkte, bleibt unklar.
Und so geht es mir auch heute noch. Ich habe mich bei einer durchschnittlichen Migränefrequenz eingependelt, die ein wenig unter der von früher liegt, habe aber auch vieles in meinem Leben umgestellt.
Wenn du noch Fragen hast, nur raus damit, ich will hier nur keinen Roman schreiben.
Vor der Untersuchung musst du auf jeden Fall keine Angst haben, das ist wirklich machbar.
Lieber Gruß
Heika