Hallo Frau Frank,
nun mit einiger Verspätung meine Antwort.
Mit Hilfe der transcraniellen Magnetstimulation (TMS) können über Magnetfelder Bereiche des Gehirns sowohl aktiviert als auch gehemmt werden. Die genaue Wirkungsweise ist allerdings bis heute nicht bekannt. Da Nervenzellen über elektrische Signale kommunizieren, ist es wahrscheinlich, dass in der ein oder anderen Form die Anregungsschwelle für solche Signale moduliert wird.
Da stellt sich natürlich sofort die Frage, warum eine recht unspezifische Methode wie die TMS gerade bei Migräne helfen soll?
Dies steht scheinbar im Gegensatz zu der hochspezialisierten Wirkungsweise von Medikamenten wie z.B. den Triptanen. Diese, nachdem das erste gefunden wurde, konnten in der zweiten Generation weiter optimiert werden, also deren Wirkungsgweise wurde immer weiter spezialisiert, um zum Beispiel besser die Blut-Hirn-Schranke zu passieren. Wie soll denn die zweite Generation einer TMS-Therapie aussehen? Magnetfelder können nicht in vielstufigen chemischen Synthese-Schritten so modifiziert werden, dass sie besser wirken.
Denn Sie haben natürlich recht, die bisherigen Ergebnisse sind im Vergleich zur Placebogruppe “noch nicht gerade umwerfend“. Wie also nun, nachdem erste Forschungsergebnisse bekannt sind, weiter machen?
Etwas vereinfacht gesagt, eröffnet die TMS viel weitgehendere Möglichkeiten bei der Dosierung. Ein Medikament können Sie nur einmal schlucken, warten und vielleicht später erneut einnehmen. Man kann aber nicht eine Tablette in 600 Teile zerhacken und diese Teile dann nacheinander innerhalb einer Sekunde einnehmen. Und selbst wenn man es könnte, ergebe dies keinen Unterschied zu der Einnahme einer ganzen Tablette. Mit TMS können wir aber schon mit 600 Magnetfeldpulsen pro Sekunde stimulieren.
In der aktuellen Studie wurde die Aktivität der Nervenzellen mit zwei kurzen Pulsen moduliert. Für mich als theoretischer Physiker stellt sich die Frage, wieso gerade zwei und nicht drei oder sehr viele Pulse, oder gar eine komplizierte Melodie von Magnetfeldpulsen?
In der Zukunft wird es daher um zwei Fragen gehen. Welche Folge von TMS-Pulsen kann die Hirnaktivität bei Migräne optimal beruhigen? Und gibt es vielleicht andere Möglichkeiten, mit nicht-invasiven Methoden die Hirnaktivität bei Migräne zu beruhigen, etwa mit Lichtreizen bestimmter Frequenz?
Zur Erforschung dieser zweiten Generation von Stimulationssequenzen und Stimulationsmethoden habe wir gerade am Institut für Theoretische Physik der Technischen Universität Berlin eine Förderung bei der DFG beantragt und arbeiten eng zusammen mit der klinischen Seite dieser Forschungsrichtung.