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Attackentherapie

Öffentliche Gruppe zuletzt vor 4 Tagen, 9 Stunden aktiv

Welche Therapie ist wirksam? Welche Probleme können auftauchen?

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Allgemeiner Überblick über die 7 Triptane (7 Antworten)

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  • Profilbild Bettina Frank – Moderator vor 1 Jahr, 8 Monaten:

    Einsatz von Triptanen in der Attackentherapie der Migräne

    Auch wenn in umfangreichen Studien viele Anstrengungen unternommen wurden, Vor- und Nachteile der einzelnen Substanzen herauszuarbeiten, ist es für die Praxis ausreichend, die Triptane in 3 Gruppen einzuteilen:

    Gruppe 1: sehr schnelle und sehr starke Wirkung, aber kurze Wirkdauer und höheres Nebenwirkungspotential

    * Sumatriptan 6 mg s.c. Imigran Inject

    Gruppe 2: ausgeglichenes Wirkprofil zwischen Wirkung und Verträglichkeit sowie Wirkgeschwindigkeit und Wirkdauer

    * Almotriptan 12,5 mg Tbl. Almogran
    * Eletriptan 40 mg Tbl. Relpax
    * Rizatriptan 10 mg Tbl./ 10 mg Schmelztablette Maxalt
    * Sumatriptan 100 mg Tbl./ 20 mg nasal/ 25 mg Supp. Imigran
    * Zolmitriptan 5 mg Tbl./ 5 mg Nasenspray AscoTop

    Die nicht aufgeführten Darreichungsformen mit niedrigerer Dosis, d.h. Eletriptan 20 mg Tbl., Rizatriptan 5 mg Tbl./Schmelztablette, Sumatriptan 50 mg Tbl., Sumatriptan 10 mg nasal und Zolmitriptan 2,5 mg Tbl./Schmelztablette sind jeweils tendenziell schwächer wirksam bei weniger Nebenwirkungen als die höhere Dosis.

    Gruppe 3: anhaltende Wirkung und sehr gute Verträglichkeit, geringe Wiederkehrkopfschmerzrate, aber eher langsamerer Wirkeintritt

    * Frovatriptan 2,5 mg Tbl. Allegro
    * Naratriptan 2,5 mg Tbl. Naramig, als Formigran auch freiverkäuflich in Apotheken erhältlich

    Der Behandlungserfolg bei Einsatz von Triptanen kann optimiert werden, wenn folgende Punkte beachtet werden:

    * Triptane können auch bei bereits fortgeschrittenen Migräneattacken effektiv sein, aber auch bei den Triptanen gilt: Je früher in der Migräneattacke eingenommen, um so vollständiger und so anhaltender ist der Behandlungserfolg. Die Einnahme sollte jedoch erst nach Abklingen einer eventuellen Aura mit Beginn der Kopfschmerzphase erfolgen.
    * Wirkt ein Triptan in einer Migräneattacke nicht, ist die Wiederholung der Einnahme des Triptans in der gleichen Attacke in der Regel auch nicht wirksam, sofern die Startdosis gleichzeitig die empfohlene Höchstdosis der Einmalgabe war (z.B. Sumatriptan 100 mg oral oder Sumatriptan 6 mg s.c.). Beginnt der Patient jedoch mit einer niedrigen Dosis, z.B. Sumatriptan 50 mg oral oder Eletriptan 20 mg oral, kann eine Wiederholung der Einnahme nach a. 2 Stunden in der Praxis durchaus noch eine Linderung bringen. In folgenden Attacken empfiehlt es sich dann jedoch, primär eine höhere Startdosis zu wählen.
    * Ist ein Triptan auch bei wiederholter Anwendung nicht effektiv, bedeutet dies bei einem Patienten nicht eine grundsätzliche Unwirksamkeit von Triptanen. In diesem Fall sollte ein Triptan aus einer Gruppe mit höherer Wirksamkeit (s.o.) gewählt werden. Endgültig Aufschluß über die individuelle Wirksamkeit von Triptanen bringt schließlich ein Therapieversuch mit Sumatriptan s.c.
    * Die Sicherheit von Triptanen ist sehr gut, sofern die Kontraindikationen – hier insbesondere jegliche Durchblutungsstörungen – beachtet werden.
    * Triptane sollten aufgrund einer noch unzureichenden Datenlage zur Sicherheit in der Schwangerschaft nicht eingesetzt werden. In der Stillzeit ist nach Einnahme eines Triptans eine Stillpause von 24 Stunden erforderlich.
    * Bei Auftreten von Wiederkehrkopfschmerzen ist eine nächste Dosis eines Triptans in der Regel wieder genauso effektiv, wie die vorherige. Die Einnahme sollte aber nicht häufiger als zweimal in 24 Stunden und an maximal 3 konsekutiven Tagen erfolgen. Berichten Patienten regelmäßig über Wiederkehrkopfschmerzen, sollte zunächst ein langwirksames Triptan wie z.B. Naratriptan oder Frovatriptan erprobt werden. Alternativ bewährt hat sich in diesen Fällen auch die Kombination von Triptanen mit einem langwirksamen nichtsteroidalen Antiphlogistikum wie z.B. Naproxen.
    * Die Kombination eines Triptans mit einem Antiemetikum ist möglich, um die Resorption zu verbessern, meist jedoch nicht erforderlich.
    * Kopfschmerzakutmedikation und damit auch Triptane sollten insgesamt nicht häufiger als an 10 Tagen im Monat eingesetzt werden, um einer Häufung der Migräneattacken und in letzter Konsequenz der Entstehung von medikamenteninduzierten Kopfschmerzen entgegenzutreten. Für Patienten mit häufigen Attacken bedeutet dies, eventuell auch einmal Migräneattacken unbehandelt durchstehen zu müssen. Die Praxis zeigt jedoch, dass nach einer unbehandelten Attacke das beschwerdefreie Intervall häufig deutlich länger ist, als nach einer (erfolgreich) behandelten Attacke.
    * Triptane waren zunächst erst ab dem 18. Lebensjahr zugelassen. Kontrollierte Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass insbesondere Sumatriptan 10 mg nasal und Ascotop nasal zuverlässig wirksam und gut verträglich ist, so dass diese Darreichungsformen nun offiziell ab dem 12. Lebensjahr zur Anwendung kommen kann.
    Link

    PS: Ich habe die Markennamen neben den Wirkstoffen selbst ergänzt.

  • Profilbild Simone vor 1 Jahr, 8 Monaten:

    Liebe Bettina,
    Danke für diesen tollen ausführlichen Überblick!
    Sehr tröstlich finde ich, dass nach einer unbehandelten Attacke das beschwerdefreie Intervall häufig länger ist, als nach einer behandelten. Gibt es dafür eigentlich eine Erklärung?
    Liebe Grüße

  • Profilbild Bettina Frank – Moderator vor 1 Jahr, 8 Monaten:

    Liebe Simone,

    ich kann mir vorstellen, dass sich das Schmerzsystem wieder etwas erholen kann; es sozusagen eine Minipause ist.

    Liebe Grüße
    Bettina

  • Profilbild alioet vor 1 Jahr, 8 Monaten:

    Liebe Bettina Frank,

    ich habe das Problem das ich sehr lange Anfälle 3 Tage und sehr viele Anfälle habe.
    Naproxen vertrage ich magenmäßig nicht mehr. Domperidon hilft mir oft nicht.
    Ich nehme ein Allegro, was meist nicht ausreicht, die Schmerzen werden dann meistens etwas besser, gehen aber nicht ganz weg, dann nehme ich nach ca.
    3 Stunden noch ein Allegro. Das hilft mir dann meistens. Also ist für mich die Dosierung für Allegro, die normal ist, ja eigentlich zu niedrig.

    Hast Du noch eine andere Idee.

  • Profilbild Bettina Frank – Moderator vor 1 Jahr, 8 Monaten:

    Liebe alioet,

    Du weißt ja, dass ich keine Ärztin bin und daher nur ganz allgemeine Erfahrungswerte (auch meine) wiedergeben kann. Hast Du Deinen Arzt schon um Rat gefragt?

    Eventuell könntest Du Magenschutz zum Naproxen nehmen. Hast Du das schon versucht? Statt Domperidon wären auch MCP oder Paspertin möglich. Wenn Du während eines Anfalls innerhalb von 24 Stunden 2 Allegro nehmen musst, dann aber die Migräne beendet ist, zählt es nur als ein Einnahmetag. Kannst Du unter 10 Tagen im Monat bleiben? Wenn ja, wäre es ja so in Ordnung. Wenn Du über 10 Tage kommst, solltest Du über eine Prophylaxe nachdenken, oder die bestehende eventuell wechseln. Das kannst Du natürlich nur mit Deinem Arzt zusammen entscheiden.

    Liebe Grüße
    Bettina

  • Profilbild Hartmut Göbel vor 1 Jahr, 8 Monaten:

    @alioet sagte:
    Naproxen vertrage ich magenmäßig nicht mehr. Domperidon hilft mir oft nicht.
    Ich nehme ein Allegro, was meist nicht ausreicht, die Schmerzen werden dann meistens etwas besser, gehen aber nicht ganz weg, dann nehme ich nach ca.
    3 Stunden noch ein Allegro. Das hilft mir dann meistens. Also ist für mich die Dosierung für Allegro, die normal ist, ja eigentlich zu niedrig.
    Hast Du noch eine andere Idee.

    Allegro ist sehr gut verträglich. Es dauert jedoch etwas länger, bis die Wirkung eintritt und die Wirkung ist milder als bei anderen Triptanen.
    Es wäre daher ein Wechsel auf ein anderes Triptan möglich.

    Im Einzelfall kann der Arzt entscheiden, ob auch gleich 5 mg initial eingesetzt werden.

    Eine Alternative zu Naproxen ist Arcoxia, das magenfreundlicher ist.

    Schließlich ist die Kombination mit MCP möglich (gleichzeitig zusammen).

    Wichtig ist hier sicher auch die Optimierung der vorbeugenden Therapie

  • Profilbild Peter Schwirkmann vor 1 Jahr, 6 Monaten:

    Migraene-Telegramm

    USA. Komplettremission: Vergleich von Eletriptan mit Sumatriptan

    Die komplette Beseitigung aller Symptome ist sicherlich das überzeugendste Erfolgskriterium einer Migräne-Behandlung. Von einer Komplettremission spricht man speziell dann, wenn nach 2 Stunden völlige Schmerzfreiheit eingetreten ist, keinerlei Begleitsymptome zu diesem Zeitpunkt mehr bestehen und der Betreffende wieder in allen Bereichen normal funktioniert. Wie N. T. Mathew und Kollegen in der retrospektiven Auswertung einer Vergleichsstudie aufzeigen, erfüllen bereits nach zwei Stunden signifikant mehr Patienten dieses Kriterium unter 40 mg Eletriptan (31,1 Prozent) als unter Placebo (5,0 Prozent, p< 0,0001) oder 100 mg Sumatriptan (24,0 Prozent, p < 0,001). Nach 24 Stunden bestehen diese Unterschiede weiterhin (40 mg Eletriptan: 21,2 Prozent, 100 mg Sumatriptan: 14,3 Prozent, Placebo: 3,3 Prozent). In der Doppelblindstudie hatten 769 Patienten 40 mg Eleptriptan, 784 Patienten 100 mg Sumatriptan und 394 Patienten Placebo zur Behandlung einer akuten Migräne-Attacke erhalten.

    N. T. Mathew u. a.: Comparative efficacy of eletriptan and sumatriptan using a stringent outcome measure: complete symptom remission in migraine. Poster PC.24 auf dem 15. Migraine Trust International Symposium, London, 22.-23.09.2004. Cephalagia 2004 (24) 798

    Gruß Peter