Liebe Cinderella, liebe Andrea,
ich finde, man merkt ganz rasch, wie das Gegenüber tickt. Und darauf stelle ich mich ein, darauf reagiere ich.
Ältere Menschen haben oft niemanden, mit dem sie reden können (geschweige denn Internet). Sie haben so einen Redebedarf, dass sie GAR nicht zuhören können. Sie gehen in die Apotheke und reden und reden … sie gehen zum Bäcker und reden … oft liegt das daran, dass sie gar keine Freunde mehr um sich haben und auch keinen Partner.
Im Wissen darum lasse ich mich manchmal auch zuschütten und höre zu. Ich weiß dann ja, welche Funktion ich habe
Zuhören zu können, ist überdies eine Sozialkompetenz – die haben nicht alle Menschen. Manche Menschen sind auch selbst so mit sich beschäftigt (vielleicht sogar, weil es ihnen schlecht geht), die können im MOMENT nicht zuhören.
Sonst ist es mir wichtig, dass meine Freunde in etwa wissen, wie das mit der Migräne ist. Und das tun sie. Sie nehmen es angenehm gelassen. Sie leben mit mir und meiner Migräne. Sie hören mir auch zu und ihr Migräne-Wissen wächst
(ich schütte sie nicht zu, aber fallweise sag ich schon etwas, v.a. wenn sie nachfragen oder Tipps geben, die am Entscheidenden vorbei gehen)! Sie wissen auch, dass ich kein Treffen aus Jux und Tollerei absage. Das passt ganz wunderbar. Das sind aber auch ganz wunderbare Freunde.
Und ja, das Forum ist ganz toll! Hier weiß jeder, wie es sich anfühlt, Migräne zu haben. Es ist ein Reden von GLEICH zu GLEICH. Und das ist eben das Besondere. Man fühlt sich aufgehoben. Und das ist gut so. Wenn man dann weniger mit anderen darüber reden muss/möchte, passt es. Hauptsache, es geht einem gut damit.
Außerdem wird hier sehr wertschätzend miteinander umgegangen. Das ist auch wichtig. Jeder erhält eine Antwort, es wird mit jedem mitgedacht. Neulinge werden rasch begrüßt etc.
Ich habe unlängst überlegt, was das Forum von einer Selbsthilfegruppe unterscheidet (das wäre ein Alptraum für mich).
Hier im Forum …
- ist ein größeres Wissen beisammen, weil viel mehr Menschen beisammen sind
- kann man sich flexibel jederzeit einloggen, jederzeit, man muss nirgendwohin gehen
- man kann auch “kommen”, wenn es einem gerade ganz schlecht geht
- man kann teilnehmen, egal an welchem Ort man lebt; selbst, wenn man im kleinsten Dorf lebt (Selbsthilfegruppen gibt es in der Regel nur in großen Städten)
- man kann schnell auch wieder gehen, sich ausloggen
- die Postings sind nie ewig lang – außer meines gerade
, man wird also nicht zugeschüttet von Ewig-Rednern
- dank Bettina gibt es eine sehr kompetente Moderatorin (nicht jede Selbsthilfegruppe hat eine kompetente Leiterin)
- dank Professor Göebel steht ein Arzt im Hintergrund, der im Chat sogar immer wieder greifbar ist; Selbsthilfegruppen sind hingegen Laiengruppen, da kann viel auch schiefgehen
Natürlich ist ein Forum nicht für alle Menschen das Richtige. Aber alles hat eben zwei Seiten. Für mich überwiegen eindeutig die positiven Seiten.
“Reden” im Forum ist ein interessantes und wichtiges Thema
Herzlich, Regenbogen