Liebe Sine,
jedem chronisch Kranken kommen immer wieder diese Gedanken, wie Du sie auch äußerst. Und immer wieder dieselben Fragen – warum gerade ich, wann hört das wieder auf, was kann ich dagegen tun?
Ich kenne meine Auslöser, aber manchmal kann ich sie nicht vermeiden. Wenn Du ganztags berufstätig bist, wird “Stressvermeidung” für Dich wahrscheinlich sowieso ein Fremdwort sein.
Was kann man also tun? Du könntest einen Antrag auf Schwerbehinderung stellen. Damit stehen Dir mehr Pausen zu, mehr Urlaub und Du hast einen gewissen Kündigungsschutz. Auch wenn Du nichts davon in Anspruch nehmen willst/wirst, ist es doch beruhigend zu wissen, dass Du Rückendeckung hast im “Ernstfall”.
Dann ist bei hoher Attackenfrequenz eine Prophylaxe wichtig. Auch die Attackenmedikation muss passen, damit Du keine Angst vor dem nächsten Anfall haben musst.
Mir persönlich hat geholfen, dass ich die Krankheit akzeptiere, wie sie nun mal ist und nicht mehr mit meinem Schicksal hadere. Über jeden guten Tag kann ich mich sehr freuen und genieße diesen dann wahrscheinlich mehr und bewusster, als ein Mensch, der nie oder kaum Schmerzen hat.
Dass die Umwelt sich keine Vorstellung machen kann von einem schweren Migräneanfall, habe ich auch akzeptiert und kann es sogar verstehen. Da wir Migräniker ja sowieso oft noch trotz Schmerzen funktionieren, denken sich halt manche, dass es nicht so schlimm sein wird.
Das Streben nach Perfektion tut uns allen nicht gut, scheint uns aber zu vereinen. Daran arbeite ich in letzter Zeit sehr und merke, dass es mir gut tut und mich entlastet.
Beim Sport gehts mir wie Dir: Fast alles löst Migräne aus.
Liebe Grüße
Bettina