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Medizinische Vorbeugung

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Erfahrungen mit Flunarizin? (56 Antworten)

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  • Profilbild Hanah vor 2 Jahre, 2 Monaten:

    Hallo,

    die letzten Tage steckte ich in einer Migräneattacke, aus der mir auch Triptane nicht mehr halfen. So lange und schlimm war es noch nie. Bin dann zum Neurologen, der mir zunächst eine Infusion gegeben hat, dann Flunarizin verschrieben hat und mir auch ans Herz legte, einen Antrag zu stellen, um nach Kiel zu kommen. Momentan bin ich noch viel zu fertig, um irgendwas vorzubereiten oder durchzulesen, was ich dazu machen muss. Aber was ich gerne vorab wissen würde, was über das Medikament Flunarizin hier bekannt ist. Ich hab auf der Homepage gelesen, es würde depri machen und auf jeden Fall zur Gewichtszunahme führen und hab eher den Eindruck gewonnen, dass es ein nicht mehr zu empfehlendes Medikament ist. Ist das tatsächlich so?

    Danke und Grüße
    Hanah

  • Profilbild heika vor 2 Jahre, 2 Monaten:

    Liebe Hanah,
    ich kann dir nur aus meiner eigenen Erfahrung berichten. Ich habe es einmal für drei Monate verschrieben bekommen. Wie ich heute weiß und auch in Prof. Göbels Buch nachzulesen ist, war die Zeit zu kurz, man sollte es mindestens sechs Monate lang nehmen.

    Bei meinem extrem niedrigen Blutdruck wollte der Arzt keinen Beta-Blocker versuchen. Ansonsten ist es wohl eher ein Mittel der zweiten Wahl, aber da kann dir Bettina besser raten.

    Das mit dem Gewicht traf bei mir zu. Ich hatte so einen Heißhunger und futterte drauf los (vor allem anfangs), mir war alles egal. (Seit dieser Zeit verstehe ich die Suchtkranken viel besser! ;-) ). Ich würde dir raten, nicht so hemmungslos zuzuschlagen wie ich es tat. Ich habe Monate gebraucht, bis ich diese Kilos wieder unten hatte.
    Was für mich (und meine Familie) sehr störend war, waren die Müdigkeit und Antriebslosigkeit in dieser Zeit. Die Anfälle waren tatsächlich weniger, allerdings würde ich gerne wissen, wie es denn gewesen wäre, wenn ich mir ohne Flunarizin so viel Ruhe und Entspannung gegönnt hätte, wie mich dieses Mittel damals dazu “zwang”.
    Mit Depressionen hatte ich keine Probleme, aber da neige ich auch vom Typ her nicht dazu.

    Ich hoffe, dass dir wirklich gut geholfen werden kann!
    Alles Gute!
    Heika

  • Profilbild Bettina Frank – Moderatorin vor 2 Jahre, 2 Monaten:

    Liebe Hanah,

    tut mir sehr leid, dass es Dir im Moment so schlecht geht. So viel ich weiß, zählt Flunarizin schon zu den wirksamen Migräneprophylaxen. Wie bei allen Prophylaxen, ist die Wirksamkeit aber unterschiedlich. Lies mal hier nach, was im vorigen Forum dazu geschrieben wurde: http://www.headbook.me/?s=flunarizin&tags=&meta=&cat=-1

    Hier siehst Du auf einen Blick, was Du brauchst, wenn Du einen Antrag auf Aufnahme nach Kiel stellen musst: http://www.schmerzklinik.de/service-fuer-patienten/

    Nun wünsche Ich Dir aber erstmal, dass Du aus dieser schlimmer Phase wieder schnell rauskommst. Vielleicht können einige Tage Kortison dabei helfen?

    Liebe Grüße
    Bettina

  • Profilbild Hanah vor 2 Jahre, 2 Monaten:

    Vielen Dank Euch beiden!!

    Ja, Bettina, ich hatte dem Arzt auch vorgeschlagen, Kortison zu verschreiben, aber der fand das offenbar nicht so gut. Hm, ich weiß auch nicht.

    Aber was ich da über die Nebenwirkungen so lese zum Thema Gewicht und so ist ja nicht so erfreulich.
    Ich versteh auch immer nicht, was das genau bedeutet: Nimmt man “nur” dann zu, wenn man dem Heißhunger nachgibt oder bewirkt das Medikament irgendwas im Körper, so dass das Gewicht sozusagen auch automatisch ansteigt?

  • Profilbild Bettina Frank – Moderatorin vor 2 Jahre, 2 Monaten:

    Liebe Hanah,

    immer wieder gibt es Anwender, die schreiben, dass sie nicht zunehmen, weil sie sehr aufpassen, was, und vor allem, wie viel sie essen. Das hinterlässt bei mir den Eindruck, dass man es sehr wohl in der Hand hat, ob man zunimmt, oder nicht. Soll natürlich nicht heißen, dass es die Sache damit leichter macht. ;) Aber auch wieder besser, als wenn man dem Thema Zunehmen “hilflos” ausgeliefert ist.

    Liebe Grüße
    Bettina

  • Profilbild heika vor 2 Jahre, 2 Monaten:

    Liebe Hanah,

    bei mir waren es zwei Effekte: Ich aß durch den Heißhunger zu viel und bewegte mich zu wenig, weil ich so müde war. Eine ungünstige Kombination ;-) . Inwieweit allgemein der Stoffwechsel durch Flunarzin runtergefahren wird, kann ich dir nicht sagen.
    Ich bekam das Flunarizin damals, nachdem ich 9 Tage lang ununterbrochen Migräne hatte. Ich kann deinen Zustand also nachfühlen! Wichtig ist, dass dir erst einmal geholfen wird, das Gewicht ist momentan zweitrangig.
    Mir hatte ein Schmerzspezialist das Flunarizin gegeben gehabt. Dieser Arzt war supergut, deshalb vertraute ich ihm auch voll. (Leider praktiziert er nicht mehr.) Vielleicht fragst du deinen Arzt beim nächsten Mal, warum er das Flunarizin gewählt hat.

    Nochmals alles, alles Gute!
    LG Heika

  • Profilbild Hanah vor 2 Jahre, 2 Monaten:

    Mein Arzt hat mir das verschrieben, weil ich vieles andere schon erfolglos ausprobiert habe. Von Betablocker bis Topamax.
    Bei mir war es jetzt ähnlich, 7 Tage nonstop Migräne. Mir bleibt wohl einfach nichts anderes übrig, als es auszuprobieren. Ich hab durch die vielen teilweise wirklich schlimmen Nebenwirkungen bei anderen Medikamenten einfach langsam schon regelrecht Panik davor, was jetzt wohl wieder dazukommen mag. Ich danke Euch jedenfalls sehr, für Eure Antworten.

  • Profilbild lostway vor 2 Jahre, 2 Monaten:

    Hallo Hanah,

    ich nehme Flunarizin seit Mai 2009. Es ist die erste Prophylaxe, die überhaupt bei mir Wirkung gezeigt hat. Meine Anfälle sind seltener und vor allem besser behandelbar, d.h. sie sprechen besser auf Medikamente an.

    Ich nehme 10mg am Abend. Zwischendurch nahm ich auch mal 5 mg, hatte aber das Gefühl einer nachlassenden Wirkung und habe darum wieder erhöht.

    Zum Thema Nebenwirkungen: ich bin auch deutlich müder und schlapper, allerdings nicht so sehr, dass es mich im Alltag einschränkt. Ich schlafe abends schneller ein und nachts besser durch, was ja auch von Vorteil ist. Da ich das Problem mit der Gewichtszunahme im Vorfeld kannte und sowieso schon immer Gewichtsprobleme habe, habe ich mich beim Essen ziemlich diszipliniert und infolge dessen auch nicht sehr viel zugenommen. Es geht also und wenn ich wählen könnte, hätte ich lieber ein paar Kilo mehr und dafür seltener Migräne.

    Auf Grund meiner Erfahrungen kann ich dir nur raten, es zu versuchen und wünsche dir viel Erfolg.

    Gruß
    Lostway

  • Profilbild heika vor 2 Jahre, 2 Monaten:

    Liebe Hanah,

    wenn das so ist, dass das andere schon ausprobiert wurde, dann hat dein Arzt gut entschieden! Ich würde ganz positiv an das Flunarizin rangehen. Wie Bettina schon geschrieben hat, kann ja jeder seine Essensmenge steuern. Außerdem KANN man diese Nebenwirkungen bekommen, MUSS aber nicht. So ist es auch bei den anderen NW, die aufgelistet sind.
    Warte es ab!

    LG Heika

  • Profilbild Hanah vor 2 Jahre, 2 Monaten:

    Du hast recht, ich muss es einfach versuchen. Irgendwas muss ja mal klappen, man möchte ja auch vor den Kindern nicht immer so leiden.

  • Profilbild sandra vor 2 Jahre, 2 Monaten:

    Flunarizin hat bei nur Wirkung und keine Nebenwirkung. Nach 15 Jahren M. bin ich überglücklich nur noch 5 Anfälle im Monat zu bekommen. Ich nehme es allerdings erst 2 Monate und wenn der Erfolg so bleibt, wäre ich sehr zufrieden. Ich kann nur dazu raten. Andere Prophylaxen haben bei mir nicht gewirkt.

  • Profilbild Hanah vor 2 Jahre, 2 Monaten:

    Endlich hab ich – schnell auf Holz klopfen – meinen letztlich 8 Tage anhaltenden Migräne-Dauer-Anfall (Status migraenosus?) überstanden und hab jetzt mit Flunarizin angefangen. Bin schon gespannt, was daraus wird. Eine Frage stelle ich mir allerdings noch:

    Lieber Herr Prof. Göbel,

    warum soll Flonarizin erst genommen werden (lt. Beipackzettel), wenn Betablocker nicht helfen oder möglich sind?
    Schließlich ist Flonarizin doch eines der offenbar wenigen wirklich für Migräne gedachten Medikamente.. Betablocker wurden ja eher zufällig dafür entdeckt und haben auch eine Menge Einfluss auf den Rest des Körpers.

    Viele Grüße
    Hanah

  • Profilbild Hartmut Göbel vor 2 Jahre, 2 Monaten:

    Die Zulassung lautet: “Zur Prophylaxe bei diagnostisch abgeklärter, einfacher und klassischer Migräne bei Pat. mit häufigen und schweren Migräneanfällen, wenn die Behandl. mit Beta-Rezeptorenblockern kontraindiziert ist oder keine ausreichende Wirkung gezeigt hat.”
    Insgesamt sind Betablocker verträglicher, daher ist der Rat sinnvoll. Wirken sie nicht oder können nicht eingesetzt werden, ist ein Wechsel sofort möglich.

  • Profilbild Hartmut Göbel vor 2 Jahre:

    Unter den Kalziumantagonisten wurden Nimodipin, Nifedipin, Verapamil und Flunarizin auf ihre Verwendungsmöglichkeit in der Migräneprophylaxe untersucht. Obwohl für Nimodipin, Nifedipin und Verapamil zunächst eine Wirksamkeit angenommen wurde, hat sich diese in neueren Studien nicht bestätigt. In der heterogenen Gruppe der Kalziumantagonisten hat sich nur Flunarizin als ausreichend wirksam in der Migräneprophylaxe erwiesen.
    Als Wirkmechanismus von Flunarizin wird ein Schutz des Hirngewebes hinsichtlich hypoxischer Zustände (d.h. mangelnde Sauerstoffversorgung) angenommen. Als Rationale für den Einsatz wird ein angenommener zeitlich begrenzter örtlicher Sauerstoffmangel im ZNS während des Migräneanfalles angesehen. Zusätzlich wird auch ein antivasokonstriktorischer Mechanismus für die Wirksamkeit verantwortlich gemacht.
    Flunarizin hat zusätzlich eine Affinität zu Histamin-, Serotonin- und Dopaminrezeptoren.
    Flunarizin wird in einer Dosierung von maximal 10 mg zur Nacht eingesetzt. Manche Autoren bevorzugen diese Substanz vor allem bei jungen Patienten mit kurzer Migräneanamnese. Das Medikament führt jedoch oft zu einer Gewichtszunahme, weshalb gerade viele junge Patientinnen den langfristigen Einsatz nicht akzeptieren.
    Die Substanz hat eine sehr lange Halbwertszeit von 19 Tagen. Es wird im Fettgewebe gespeichert. Wirksame Plasmaspiegel können deshalb erst nach 6 – 8 Wochen erwartet werden, so dass es zu einem verzögerten Wirkungseintritt kommt.
    Gegenanzeigen und Anwendungsbeschränkungen ergeben sich bei vorgeschädigtem Herzen, schweren Leberfunktionsstörungen, Niereninsuffizienz, prolaktinabhängigen Tumoren, Phäochromozytom, ausgeprägter Hypotonie, orthostatischen Kreislaufregulationsstörungen, Stammhirnerkrankungen, chronischen Atembeschwerden und Asthma, Blasenentleerungsstörungen, Stenosen im Magen-Darm-Kanal und depressiven Syndromen.
    Das Grundgerüst von Flunarizin, ein Azaphenothiazin, gleicht jenem der Neuroleptika. Die Nebenwirkungen von Flunarizin sind prinzipiell denen der Neuroleptika ähnlich, wobei insbesondere das Parkinsonoid, Früh- und Spätdyskinesien, Unruhe, Schwindel, depressive Verstimmungen, endokrine Störungen (z.B. Regelanomalien, sexuelle Störungen), Gewichtszunahme, orthostatische Regulationsstörungen und sonstige anticholinerge Wirkungen zu nennen sind. Flunarizin ist jedoch bei aggressiver Migräne wirksam und eine begründete Therapieoption.

  • Profilbild Hanah vor 2 Jahre:

    Vielen Dank für die Infos.
    Kleines Statement zum Verlauf bei mir: Ich nehme Flunarizin jetzt genau 2 Monate. Bisher merke ich bzgl. Nebenwirkungen nur die Müdigkeit, die aber im Laufe des Vormittags verschwindet. Ich schlaf halt schneller ein und komme schwerer hoch, aber es ist noch zu ertragen. Bisher hab ich auch nicht zugenommen, allerdings achte ich auch sehr darauf, was und wieviel ich esse. Hoffentlich bleibt es so.. Im letzten Monat brauchte ich wesentlich weniger Triptane, diesen Monat siehts auch nicht schlecht aus, aber da der noch nicht um ist, sag ich da mal lieber nichts zu ;-) Alles in allem hab ich das Gefühl, dass Flunarizin tatsächlich was bringen könnte. Ich soll das Zeug ein halbes Jahr nehmen und dann wieder absetzen. Schauen wir mal…….. es wäre das erste mal, dass eine Prophylaxe bei mir wirkt.

    Gruß
    Hanah