Liebe Julia, liebe Flocke,
Nahrungsmittel als Trigger werden sehr oft genannt und bewiesen worden ist bisher noch nichts. Ich dachte früher mal, dass Schokolade bei mir Migräne auslöst. Da ich Schokolade liebe, habe ich einen Selbsttest gemacht. Vor einer Attacke habe ich extreme Gelüste auf Süßes, ganz besonders Schokolade. Einige Male habe ich also ordentlich Schokolade gegessen, wenn die Lust darauf kam und am nächsten Tag, oder sogar den nächsten Stunden, kam die Migräne. Dann habe ich wiederum einige Male völlig auf die Schokolade verzichtet und versucht, die Lust darauf zu ignorieren. Und was passierte? Die Migräne kam ganz genauso. Es gab nicht den geringsten Unterschied. Für mich natürlich ein sehr befriedigender Ausgang dieses Versuchs.
Etwas wissenschaftlicher als ich
, beschreibt dies hier Prof. Göbel auf seiner Homepage:
“Bislang sind die biochemischen Bestandteile der Nahrungsmittel, welche für die Auslösung von Migräneattacken verantwortlich gemacht werden müssen, weitgehend unbekannt. So reagieren denn auch die meisten Patienten nicht nur auf ein einziges, sondern auf eine ganze Reihe verschiedener Nahrungsmittel. Danach könnte sowohl ein einzelner Stoff oder auch ein Gemisch verschiedener Stoffe in den Nahrungsmitteln zur Auslösung der Migräneattacken führen.
Ein solcher Stoff konnte möglicherweise bereits dingfest gemacht werden: Tyramin. Es handelt sich dabei um eine Aminosäure, die im Körper von Mensch, Tier und Pflanze einen Grundbaustein für höhere Eiweiße bildet. Tyramin ist blutdrucksteigernd und kommt in größeren Mengen zum Beispiel in Hering, Trauben, Tomaten, Kohl, Rotwein, gealtertem Käse, Zitrusfrüchten, Nüssen, Hefeprodukten, Feigen, Sojabohnen, Rosinen und geräucherten Fleischwaren vor. Dieses Tyramin nun ist laut mancher Studien in der Lage, mit größerer Wahrscheinlichkeit Migräneattacken hervorzurufen als ein Placebo (wirkstofffreies Scheinpräparat). Doch es gibt viele Nahrungsmittel, die als potente Triggerfaktoren angesehen werden, aber nur sehr wenig Tyramin beinhalten. Dazu gehört zum Beispiel die Schokolade. Zudem haben andere Untersuchungen Tyramin als Auslöser von Migräneattacken nicht bestätigen können. Leider gibt die Forschung zu diesem Thema derzeit nicht mehr her.
Definitive Aussagen bisher unmöglich
Zur Zeit ist es nicht mit Sicherheit möglich, die Auslösung von Migräneattacken mit einem bestimmten Stoff in Verbindung zu bringen. Möglicherweise verhält es sich hier aber ähnlich wie bei der Auslösung von Migräneattacken durch Alkohol: Nicht das Nahrungsmittel allein, sondern Zeitpunkt und Art der Nahrungsmitteleinnahme müssen für die Auslösung von Migräneattacken verantwortlich gemacht werden.
Für die letztgenannte Annahme spricht, dass es nach dem Abklingen einer Migräneattacke bei vielen Patienten eine Zeit von mehreren Tagen gibt, in der Nahrungsmittel vertragen werden, die normalerweise eine Migräneattacke auslösen. Dies trifft beispielsweise zu auf Käse oder Schokolade. Daraus könnte folgen, dass im Organismus möglicherweise ein Vermittler für die Auslösung der Migräneattacke gespeichert wird, der mit dem Beginn der Migräneattacke freigesetzt wird. Danach könnten die entsprechenden Speicher dann erschöpft sein, um erst innerhalb einer gewissen Zeitspane wieder aufgefüllt zu werden. Während dieser Aufbauphase des Speichers können anscheinend Nahrungsmittel eingenommen werden oder andere Triggerfaktoren einwirken, ohne dass eine Migräneattacke ausgelöst wird. Bis heute jedoch gibt es zu wenig kontrollierte Studien und zu wenige klare Daten zu diesem Problem, um eine definitive Aussage machen zu können.
Die üblichen weiteren Verdächtigen:
Weitere Einzelfaktoren in Nahrungsmitteln, die als Triggerfaktoren verdächtigt werden, sind Konservierungsmittel wie Pökelsalz, Tartrazin sowie Benzoesäure. Für das China-Restaurant-Syndrom wurde der Gewürzverstärker Glutamat verantwortlich gemacht. Allerdings wurde dazu mittlerweile eine kontrollierte Studie im Doppelblinddesign durchgeführt, die den bisher von Kopfschmerzforschern akzeptierten Auslöser Glutamat für das China-Restaurant-Syndrom nicht bestätigen konnte. Auch diese Tatsache zeigt noch einmal eingehend, wie vorsichtig man bei der Interpretation von Einzelfaktoren sein muss.”
Hier unter diesem Link ist alles ganz genau nachzulesen: http://www.schmerzklinik.de/service-fuer-patienten/migraene-wissen/ausloeser/
Julia, verträgst Du auch keine kleinen Mengen Kaffee? Wenn Du mit Instantkaffee zurecht kommst, ist es ja auch gut. Umgekehrt weiß man nämlich, dass Kaffeeentzug Migräne auslöst. Dies steht auch unter dem Link von Prof. Göbel:
“Kaffee: Ein kleiner Lichtblick
Nach den vielen “könnte”, “möglicherweise” und “eventuell” gibt es einen Befund, der mittlerweile recht gut mit Studien untermauert ist: den Zusammenhang zwischen Koffein und Migräneattacken. So zeigte sich in einer doppelblinden, randomisierten Cross-over-Studie (Erklärung siehe Text an der Seite/im Kasten), dass bei Probanden, die normalerweise bis zu sechs Tassen Kaffee am Tag trinken, die Einnahme von dekoffeiniertem Kaffee tatsächlich mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Migräneattacken einhergeht. Die Kopfschmerzen beginnen in der Regel am ersten Tag nach dem Auslassen des Koffeins und haben eine mittlere Dauer von zwei bis drei Tagen.”
Übrigens ist bei mir Alkohol, hier besonders Rotwein und Sekt, ein Auslöser. Weißwein vertrage ich nur noch in homöopathischer Dosis, Bier in kleinen Mengen schon eher mal.
Liebe Grüße
Bettina